Der Verrat des Wikingers von Ken Hagan

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2015unter dem Titel „Forged in Ice“,deutsche Ausgabe erstmals 2016, 496 Seiten.ISBN 3-492-31001-X.Übersetzung ins Deutsche von Karlheinz Dürr.

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Kurzgefasst:

950 nach Christus: Die Familie des jungen Kregin bereitet sich darauf vor, Norwegen den Rücken zu kehren und gen Island in See zu stechen. Dort locken zahlreiche Siedlungsgebiete und vor allem die Freiheit, vor keinem König das Knie beugen zu müssen. Doch kurz bevor die Langboote lossegeln, wird Kregin von seiner Freundin Helga gewarnt: Es ist eine Intrige geplant. Kein Familienmitglied soll Island lebend betreten. Kregin verschließt die Ohren vor Helgas Worten eine Entscheidung, die er sein Leben lang bereuen wird.

Das meint Histo-Couch.de: „Der Alltag der Nordmänner“72

Rezension von Annette Gloser

Man schreibt das Jahr 950 unserer Zeit, als drei Sippen nach einem Streit mit dem König Norwegen verlassen wollen. Island ist ihr Ziel, wo es Land und Freiheit gibt. Für Kregins Familie jedoch endet die Überfahrt mit einer Katastrophe. Als Schiffbrüchiger findet Kregin Aufnahme bei der schrulligen Kräuterfrau Hethrun, die ihn wie einen Sohn behandelt. Sie ist es auch, die dafür sorgt, dass der wohlhabende Leif den Jungen adoptiert. So bekommt Kregin eine neue Familie, der er sich verbunden fühlt und für deren Interessen er einsteht. Doch Island bietet seinen Bewohnern kein leichtes Leben. Konflikte bleiben nicht aus und bald steht Kregins neue Familie in heftigem Streit mit den Nachbarn. Immer weiter eskalieren die Auseinandersetzungen, bis Kregins neuer Bruder Sigi einen seiner Widersacher erschlägt. Das aber bedeutet Blutrache und an ein friedliches Leben ist nicht mehr zu denken.

Keine Kaperfahrten, keine großen Schachten

Ken Hagan beschreibt das Leben seiner Nordmänner ganz anders als man es erwartet wenn man Langboot, Helm und Kettenhemd auf dem Cover des Buches sieht. Natürlich gibt es auch in diesem Wikinger-Roman jede Menge Keilereien und es fließt reichlich Blut, aber Kregin und seine Familie sind eigentlich friedliche Bauern. Hier gibt es keine Krieger, die mit dem Schwert in der Hand aufwachsen, keinen Schildwall, keine Plünderfahrten an ferne Küsten. Auf Island scheren die Bauern ihre Schafe, die Frauen machen Buttermilch und Käse und wenn jeder sich an gegebene Versprechen halten würde, dann wäre eigentlich alles gut. So bietet der Roman ein Genrebild des Alltagslebens der Wikinger. Der Autor beschreibt dieses Leben mit vielen Details und man kann sich sehr gut vorstellen, wie die Höfe aussahen, wie die Langhäuser eingerichtet waren, was die Menschen aßen, wie sie sich die Zeit vertrieben und wie sie sich anzogen. Aber auch die Gepflogenheiten der Rechtsprechung werden geschildert, glaubt Kregins Adoptivvater Leif doch fest an die Macht der Gesetze und vertraut auf althergebrachte Sitten. Diese Liebe zu den Details führt allerdings immer wieder dazu, dass die Spannung komplett zusammenbricht. Die Geschichte wird von Kregin als Ich-Erzähler berichtet und der junge Mann schlägt ein äußerst gemächliches Tempo an. Auf dieses Tempo muss man sich als Leser einlassen können, sonst fängt man schnell an, Seiten zu überblättern. Aber hier gibt es weniger spannungsgeladene Action, dafür sehr viel mehr ganz normales Leben. Dazu kommt, dass Ken Hagan zu einem eher ungewohnten künstlerischen Mittel greift und die Erzählung oft im entscheidenden Moment abbrechen lässt. Erst im nächsten Kapitel erfährt man, wie der Konflikt denn nun eigentlich gelöst wurde oder welche Katastrophe sich ereignet hat. Auch daran muss man sich im Verlauf des Romans erstmal gewöhnen, es ist aber eine durchaus interessante Art zu erzählen.

Eher blasse Protagonisten

Ken Hagans Protagonisten bleiben über weite Strecken eher blass und eindimensional. Zwar nimmt sich der Autor viel Zeit, um ihr Aussehen, ihren Alltag und bestimmte Situationen zu schildern, aber wenn es um Gefühle geht, um Gedanken und Wünsche, dann bleibt Ich-Erzähler Kregin eher wortkarg. Es ist wohl seine Sache nicht, um solche Dinge viele Worte zu machen. Darum ist es auch nicht ganz einfach, bestimmte Konflikte nachzuvollziehen. Dennoch kann man im Verlauf des Romans einige interessante Gestalten kennen lernen und Kregin ist ein durchaus sympathischer Held. Dabei bieten viele Personen in diesem Roman eine mehr als solide Basis an um sie zu Charakteren mit Tiefgang aufzubauen. In diesem Roman sind allerdings jede Menge Leute unterwegs, manch einer taucht auch nur kurz auf, man muss ein gutes Namensgedächtnis haben um die Übersicht zu behalten. Somit bietet der Roman ein höchst interessantes Sujet, viele gut recherchierte Fakten über den Alltag und insgesamt eine spannende Geschichte mit einem gewöhnungsbedürftigen Erzählstil.

Einstieg in eine Romanreihe

Der Verrat des Wikingers ist der erste Band über die Abenteuer Kregin Thrallsons. Er bietet einen etwas langatmigen Einstieg in die Geschichte und es bleibt zu hoffen, dass die Folgebände etwas mehr Fahrt aufnehmen. Wer sich weniger für blutige Schlachten, dafür aber mehr für das alltägliche Leben der Wikinger interessiert, ist bei diesem umfangreich recherchierten Roman genau richtig, auch wenn das mit kriegerischen Attributen gestaltete Cover etwas anderes suggeriert. Aber vielleicht ist das ja auch schon ein Hinweis auf die Folgebände. Wer weiß? Vielleicht geht es dann dort noch sehr viel ruppiger und kriegerischer zu. Ein kurzes Glossar kann helfen, unbekannte Begriffe zu erklären. Insgesamt ein Buch, das aus der Reihe der „üblichen“ Wikinger-Romane ausschert, nicht durchweg spannend, aber lesenswert und interessant.

Ihre Meinung zu »Ken Hagan: Der Verrat des Wikingers«

M.Reinsch zu »Ken Hagan: Der Verrat des Wikingers«12.12.2016
Fazit: Ein Island-Wikingerroman, der sehr stark und detailreich auf das Leben der Menschen eingeht und nur bedingt einen Spannungsbogen aufrechterhält! Entweder hat der Übersetzer oder der Lektor recht schlampig gearbeitet, weil viele „Neumodische Begriffe“ Einzug in die Geschichte erfahren haben, was zu unfreiwilliger Komik führt. Für Leser des anschaulich detaillierten Wikingerromans, der sich mehr um das Leben als um blutige Schlachten bemüht (wie z.B. Fritz Leuben´s „Gunnar vom Eisland“), sehr lesenswert. Wer mit Wikingern nur Schlachtgetümmel verbindet, sollte hier eher die Finger weg lassen…
Im Jahre 950 a.D. flüchten 3 Großfamilien vor der Willkür des norwegischen Königs nach Island. Dabei wird eine Familie besonders hervorgehoben, die nach einem Piratenüberfall auch noch in (den belegten) Ausbruch des isländischen Vulkans Katla. Einziger Überlebender ist der jüngste Sohn der und sein Leben und Werdegang auf Island werden zu der von Ken Hagan erzählten Geschichte…
Für Leser der geschichtlichen Hintergründe um die Besiedelung Islands ist dieses Buch ein sehr unterhaltender, detailreicher Bericht, der mit einigen Spannungsstellen und viel belegten historisch sehr genauen Fakten geschrieben wurde. Zwar hilft das kleine Glossar am Ende des Buches etwas mit der Erklärung bei Spezialbegriffen aus der Wikingerzeit und der dazu gehörigen Schiffnutzung, aber die weitverzweigten Familienverhältnisse, fremden Orts- und Gebietsnamen und die komplizierte, damalige Rechtsprechung und das Zugehörigkeitsverhältnis der Menschen zu einander verwirren stark, zumal nicht einmal eine Gebietskarte beigefügt wurde. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, nur leider macht der Autor manchmal Zeitsprünge, in denen er (für mich) interessante Details einfach unter den Tisch fallen lässt. Wie schon im Fazit geschrieben hat dann auch noch der Lektor oder der Übersetzer, einen Haufen moderne Begriffe im Text belassen/eingefügt, die zu unfreiwilliger Komik führen (Ma, Pa, Skipper, Aye usw.). Da das Buch mehr oder weniger mit einem Cliffhanger endet, ist wohl mit einem zweiten Teil zu rechnen…
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