Kieler Helden von Kay Jacobs

Buchvorstellungund Rezension

Kieler Helden von Kay Jacobs

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Kieler Helden“,, 312 Seiten.ISBN 3839221293.

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Kurzgefasst:

Sommer 1916. An einem Fähranleger wird die Leiche von Dr. Althoff, Oberarzt an der Akademischen Nervenklinik, im Wasser treibend gefunden. Mittels einer Vorrichtung mit einem Eisblock wurde Althoff einige Zeit über Wasser gehalten, bis das Eis geschmolzen ist. Kriminalkommissar Rosenbaum und seine Assistentin Hedi nehmen die Ermittlungen auf, können sich aber zunächst nicht erklären, warum man einen Menschen derart quält. Dann geschieht ein weiterer Mord.

Das meint Histo-Couch.de: „Schwierige Ermittlungen in schweren Zeiten“75

Rezension von Jörg Kijanski

Sieben Jahre ist es her, dass der jüdische Kriminalkommissar Rosenbaum von Berlin nach Kiel versetzt wurde. Seither ist einiges passiert, Rosenbaum hat die provinzielle Polizeiarbeit spürbar vorangetrieben. Sehr zum Ärger von Iago Schulz, der seit einiger Zeit bei der Politischen Polizei arbeitet und neben Rosenbaum als Nachfolger für Kriminaldirektor Freibier gilt. Doch für Intrigen und Machtkämpfe fehlt die Zeit, es gilt einen Mord aufzuklären und dabei kann Hedi, Rosenbaums neue Assistentin und zuvor Freibiers Sekretärin, gleich mal zeigen, was sie gelernt hat, denn Rosenbaum hat Urlaub und weilt bei seiner Familie in Berlin.

Eine Leiche wird an einem Fähranleger entdeckt, deren Identität zunächst unbekannt ist. Es handelt sich um einen Oberarzt der Akademischen Nervenklinik, der zuvor in einen auffällig lautstarken Streit geriet. Doch nicht nur der leitende Klinikprofessor zeigt sich wenig gesprächsbereit. Derweil haben zwei Kollegen in Neumünster einen Doppelmord aufzuklären. Ein Hauptmann und dessen Frau wurden zeitgleich, aber auf unterschiedliche Weise vergiftet. Erst nachdem ein weiterer Mord geschieht klären sich die Zusammenhänge langsam auf …

Der Weltkrieg ist allgegenwärtig

1909 kam Rosenbaum von Berlin nach Kiel (siehe Kieler Schatten); nicht freiwillig und mit der Provinz zunächst fremdelnd. Seine beiden engsten Mitarbeiter hatten sich an ihn gewöhnt, aber die Zeiten sind andere geworden. Jetzt, im Sommer 1916, tobt seit fast zwei Jahren ein unerbittlicher Krieg und Rosenbaum hat keine Assistenten mehr. Stattdessen hilft ihm nun die unerfahrene Hedi, zuvor als Sekretärin tätig. Das Verhältnis zwischen den beiden Protagonisten ist angespannt und ambivalent, was vor allem am Chef liegt. Rosenbaum ist verheiratet, lebt von seiner Familie in Berlin getrennt, was ihm nicht ungelegen kommt, denn eigentlich ist er homosexuell veranlagt. Zu der fünfzehn Jahre jüngeren Hedi fühlt er sich zwar hingezogen, aber letztlich dann doch nicht, da er ja mehr zu Männern neigt und zudem ihr Chef ist. Eine schwierige Situation, zumal auch Hedi durchaus Gefühle für Rosenbaum hegt, wenngleich dieser mit seiner ruppigen, chauvinistisch geprägten Art keineswegs immer sympathisch wirkt.  

„Er stammt aus Kiel und geht zum Heer und nicht zur Marine?“

„Ich vermute, er konnte schwimmen.“

„Wie – Er konnte schwimmen – ?“

„Wer aus Kiel kommt, lernt schwimmen, bevor er lesen kann. So einer ist für die Kaiserliche Marine nicht geeignet. Er würde einfach ins Wasser springen, wenn es brenzlig wird. Die Marine will Nichtschwimmer.“

Aktuell hat Rosenbaum allen Grund schlecht gelaunt durch die Gegend zu laufen, denn ausgerechnet sein Sohn, gerade achtzehn Jahre alt geworden, will in den Krieg. Und das ihm, Rosenbaum, einem Freund von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, der mal wieder im Gefängnis sitzt. Rosenbaum selber ist politisch nicht aktiv. Dass er Jude und homosexuell ist, macht es ihm beruflich schwer genug, vor allem früher in Berlin, da muss er nicht auch noch der SPD beitreten, mit der er seit einiger Zeit liebäugelt.

Die Stimmung im Land steht derweil auf der Kippe. Die Euphorie des Krieges ist längst den Alltagssorgen gewichen. Immer mehr tote, verletzte und traumatisierte Soldaten sind zu beklagen. Zudem leidet die Zivilbevölkerung unter einer Verknappung der Lebensmittel, sogenannte Hungerkrawalle halten die Polizei auf Trapp, so dass mitunter die erforderliche Unterstützung für die Mordkommission fehlt.

Die Auswirkungen des Weltkrieges sind gut wiedergegeben, auch die Einblicke in die Arbeit der Nervenklinik sind interessant. Die Ermittlungsarbeit wird glaubhaft dargestellt und an den handelnden Figuren kann man sich abarbeiten. Man weiß angesichts ihrer Wankelmütigkeit oft nicht, ob man diese nun sympathisch oder unsympathisch finden soll. Letztlich sind es halt normale Menschen mit ihren Problemen, die sie mitunter an anderen auslassen; allen voran Rosenbaum. Wer sich für das Thema Erster Weltkrieg interessiert sollte zugreifen, wenngleich der kriminalistische Spannungsbogen, zumindest für die Leser, überschaubar ist. Allzu früh gibt es einen deutlichen Fingerzeig, wer der Täter ist. 

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