Die Giftmörderin Grete Beier von Kathrin Hanke

Buchvorstellungund Rezension

Die Giftmörderin Grete Beier von Kathrin Hanke

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Die Giftmörderin Grete Beier“,, 247 Seiten.ISBN 3839221242.

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Kurzgefasst:

Am 23. Juli 1908 stirbt die 22-jährige Bürgermeistertochter Grete Beier im sächsischen Freiberg unter dem Fallbeil – das letzte Todesurteil im Königreich Sachsen ist vollzogen und ein kurzes, dramatisches Leben ausgelöscht. Wer war Grete Beier? Was verleitete sie, ihren vermögenden Bräutigam zu vergiften und ihm kaltblütig in den Kopf zu schießen? War es aus Abscheu gegen eine von den Eltern erzwungene Ehe? War es aus verzweifelter Liebe zu dem anderen Mann in ihrem Leben? Oder ging es um pure Habgier?

Das meint Histo-Couch.de: „Ein klassisches Liebesdrama“70

Rezension von Jörg Kijanski

Mit nur zweiundzwanzig Jahren stirbt Marie Margarethe „Grete“ Beier am 23. Juli 1908 unter dem Fallbeil. Es sollte das letzte vollstreckte Todesurteil im Königreich Sachsen sein. „Seine Majestät der König hat sich nicht veranlasst gefühlt, von seinem Begnadigungsrecht Gebrauch zu machen.“ Pech für die junge Frau, die letztlich (auch) ein Opfer der gesellschaftlichen Konventionen ihrer Zeit wurde.

Henriettenstraße, Chemnitz. Am 13. Mai 1907 schaut sich Grete Beier ihre neue Wohnung an, in der sie mit ihrem zukünftigen Mann, dem Oberingenieur Curt Preßler, leben soll. Allein sie ist einem anderen Mann verfallen, ja geradezu hörig und so steuert das Drama an diesem Tag seinem finalen Höhepunkt entgegen. Ein Eierlikör wäre ganz nett um die Stimmung aufzulockern, meint Preßler, nichts ahnend, dass nach seinem Gang auf die Toilette dieser mit Zyankali vergiftet ist. Zur Sicherheit, dass Preßler auch wirklich tot ist sowie zur Vortäuschung eines Selbstmordes, steckt Grete dem Mann noch einen Revolver in den Mund und drückt ab.

Mit dem Mord an Preßler beginnt das als „Biografischer Kriminalroman“ bezeichnete Buch Die Giftmörderin Grete Beier von Kathrin Hanke, erschienen im Gmeiner Verlag, der 2017 eine kleine Serie über bekannte und weniger bekannte Mörderinnen und Mörder aufgelegt hat. Dabei ist die Bezeichnung „Kriminalroman“ ein wenig irreführend, denn hauptsächlich geht die Autorin der Frage nach, wie es zu dem tragischen Vorfall überhaupt kommen konnte. Für Leser(innen) klassischer Liebesdramen ist der vorliegende Band jedenfalls eine klare Empfehlung; Querverweise auf Werther, Tannhäuser und Jane Austen sind nicht übersehbar.

„Dass seine Persönlichkeit nicht eben amüsant war und er privat wie beruflich auf eine subtile Art nach Macht strebte, machte ihn nicht anders als andere Männer seines Standes, und genau das war es: Curt Preßler entsprach komplett der Vorstellung ihrer gesellschaftlichen Kreise, wie ein Mann zu sein hatte, der eine Bürgermeistertochter zur Frau nehmen wollte.“

Es ist der 25. Februar 1905 als das Schicksal seinen Lauf nimmt. Grete, neunzehn Jahre jung, besucht einen Maskenball und lernt den drei Jahre älteren Johannes „Hans“ Merker kennen, zu dem sie sich sofort hingezogen fühlt. Grete ist die Tochter des Bürgermeisters von Brand, einer kleinen Bergstadt im Erzgebirge. Hans hingegen ist nur ein einfacher Handlungsgehilfe und somit zumindest finanziell und standesgemäß keine gute Partie. Auf ihren Wohlstand will Grete nicht verzichten, doch ihre Eltern lehnen die Beziehung zu Hans ab, sehen in ihm einen windigen Aufschneider, dem es vor allem um das Geld der Eltern geht. Eine Einstellung, welche nicht unbegründet ist, denn Hans bittet Grete zunehmend um finanzielle Unterstützung. Als er sich jedoch in der Firmenkasse seines Arbeitgebers bedient und einen größeren Betrag entwendet, ist Gretes Vater zwar bereit, einen Teil des gestohlenen Geldes aufzubringen, allerdings nur unter der Bedingung, dass die heimlich erfolgte Verlobung der Beiden umgehend aufgelöst wird.

Gesellschaftliche Konventionen lassen keinen Platz für die Liebe

Doch Grete kann nicht loslassen bis sie eines Tages erfährt, dass Hans ihr keineswegs treu ist. Am 25. Februar 1906 lernt Grete dann den wohlhabenden Oberingenieur Curt Preßler kennen. Man kommt sich näher, wenngleich Grete von Rachegelüsten gegenüber Hans getrieben wird, denn Preßler ist deutlich älter und zudem äußerlich wenig ansprechend. Die Eltern indes sind begeistert, es kommt zur Verlobung mit Preßler, doch Grete trifft sich schon bald wieder heimlich mit Hans.

„Und wenn du mir jetzt mit Liebe kommst, sage ich dir eines: Liebe ist für eine Heirat nicht notwendig. Das ist reine Gefühlsduselei. Damit basta. Ob dein Ehemann etwas auf dem Bankkonto hat, darauf kommt es an. Schließlich soll er dir etwas bieten können...“

Fortan verstrickt sich Grete zunehmend in einem Dickicht aus Lügen und (Selbst-)Betrug, denn die beiden Männer setzen ihr arg zu. Hans fordert immer mehr Geld, stellt ihre Liebe zu ihm – angesichts der Verlobung mit Preßler – in Frage und hat zuletzt gar ein wirkungsvolles Instrument, um Grete zu erpressen. Diese ist ihm da schon längst verfallen und blendet die Realität über den Geliebten völlig aus. Auch Preßler zeigt jetzt sein wahres Gesicht. Zwar ist er bereit, auf körperliche Annäherung bis zur Hochzeitsnacht zu verzichten, doch wird er zunehmend herrischer und behandelt Grete von oben herab. Von Liebe ist ohnehin nichts zu spüren und so gerät Grete in eine vertrackte Situation. Denn neben der ursprünglich geplanten Rache an Hans, sollte die mögliche Hochzeit mit Preßler auch dazu dienen, sich von der ebenso lieblosen wie herrschsüchtigen Mutter zu befreien.

Überhaupt prägen die Eltern Ida und Theodor maßgeblich das (Liebes-)leben ihrer Tochter, denn ihre übereilte Heirat war eine Notlösung, bedingt durch Idas ungewollte Schwangerschaft mit Grete. Die Beziehung der Eltern bleibt kühl, beinahe zwanghaft lieblos, schon lange ist stadtbekannt, dass der Bürgermeister außereheliche Beziehungen pflegt. Und Grete? Sie möchte endlich das erfahren, was ihr von ihren Eltern verwehrt wurde: Liebe. Ein Wunsch, der ihr verwehrt bleibt und für die meisten Beteiligten tragisch endet.

Schade, dass der Schreibstil der Autorin das Lesevergnügen mitunter beträchtlich trübt. So wird Preßler ungezählte Male als Oberingenieur und Grete geradezu inflationär als „Bürgermeistertochter“ bezeichnet; dabei hatte man es doch schon beim ersten Mal verstanden.  

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