Demnächst in Tokio von Katharina Seewald

Buchvorstellungund Rezension

Demnächst in Tokio von Katharina Seewald

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Demnächst in Tokio“,, 368 Seiten.ISBN 3958901069.

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Kurzgefasst:

Keine Widerworte: Elisabeth heiratet Ernst! Unbekannterweise. Die 18-jährige Elisabeth, behütet und aus gutem Hause, macht sich 1934 ins fremde Japan auf, um ihren Ehemann zu treffen: Ernst Wilhelm, 39, Diplomat in Tokio, der mit der Heirat seinen Posten im diplomatischen Dienst des Deutschen Reichs sichern will. Kaum reicht Elisabeths Fantasie, sich die Hochzeitsnacht mit einem gestandenen Mann vorzustellen. Umso erleichterter ist sie, dass Ernst freundlich auf Distanz geht. Doch findet sie sich unter Menschen wieder, deren Handeln und Gefühle sie nicht durchschaut. Während die Nazifizierung des Personals voranschreitet, gibt es Heimlichkeiten, Getuschel in der Botschaft. Warum wird Ernst vom japanischen Geheimdienst beobachtet? Ist sein Freund Alexander ein Spion? Sucht er deshalb Ernsts Nähe? Und wie soll sie damit umgehen, dass ihr Herz für den falschen Mann schlägt?

Das meint Histo-Couch.de: „Japan im Zweiten Weltkrieg“

Rezension von Bettina Weiß

Demnächst in Tokio, dies sind die ersten Worte, die die 18-jährige Elisabeth von ihrem soeben angetrauten Ehemann hört. Ernst Wilhelm, 39-jähriger Diplomat in Dienstes Nazi-Deutschlands, muss das Land verlassen. Er soll eine Stelle an der Tokioter Botschaft antreten, doch dafür wird eine Ehefrau an seiner Seite gebraucht, das jedenfalls wird Elisabeth erzählt. Im August 1934 reist die junge Ehefrau sodann über Moskau und Wladiwostok nach Tokio zu ihrem Ehemann, sämtliche Ängste und Sorgen eines naiven und wohlbehüteten 18-jährigen Mädchens im Gepäck. In Tokio angekommen, ist Elisabeth fasziniert von der exotischen neuen Heimat. Auch ihre Ängste gegenüber dem deutlich älteren Ehemann sind unbegründet: Sie hat ein eigenes Schlafzimmer und Ernst Wilhelm ist freundlich, umgänglich und nähert sich ihr nicht. Sie genießt die neuen Eindrücke in der ihr fremden Welt und ist in den Botschaftsalltag der Ehefrauen eingebunden.

Freiheiten und Gefahren fern der Heimat

Eines Tages tritt ein weiterer Mann in Elisabeths Leben: Alexander Arendt, ein Journalist und guter Freund Ernst Wilhelms, der als Asien-Spezialist die Arbeit des Botschafters und der Diplomaten unterstützen soll. Alexander übt eine große Anziehung auf Elisabeth aus: Er ist charismatisch, unkonventionell und kümmert sich wenig um die Meinung der anderen. Er macht aus seinem Groll gegen die Nazis keinen Hehl und schafft sich damit unter den Linientreuen in der Botschaft Feinde. Auch Ernst Wilhelm ist kein Nazi, doch es gibt Heimlichkeiten und Gerede in der Botschaft. Und Elisabeth fühlt sich immer mehr zu dem falschen Mann hingezogen. Gibt es Spione in der Botschaft und befinden sie sich alle in Gefahr?

Die Romanhandlung ist eingebettet in die Erinnerungen der 95-jährigen Elisabeth. Angestoßen durch einen Anruf ihrer Tochter, die einen Auftrag in Japan erledigen soll, stehen die Ereignisse wieder vor ihrem inneren Auge und Elisabeth schreibt eben dieser Tochter ihre japanische Lebensgeschichte wie einen Brief auf. Dadurch werden Elisabeth und ihre Wahrnehmung der Ereignisse in den Mittelpunkt gerückt – ihre Wanderungen durch den Park der Botschaft, ihre Beobachtungen der so andersartigen Natur und ihre Sicht auf die Erlebnisse. Die Autorin findet hierfür eine wunderschöne blumige Sprache, um dem gerecht zu werden. Die für Elisabeth nebensächlichen Geschehnisse werden nur am Rande gestreift und die ihr wesentlichen Erinnerungen erhalten einen großen Raum. Somit wird die Romanhandlung sehr persönlich und spricht den Leser unmittelbar an, weil er in die Rolle der angesprochenen Tochter schlüpft. Elisabeth entwickelt sich von dem naiven jungen Mädchen zu einer mutigen und kompetenten Frau, die den Schwierigkeiten und Ereignissen standhaft entgegentritt. Die Beziehungen zwischen den Personen werden allein aus Elisabeths Sicht geschildert, doch ahnt der Leser den Zwiespalt der Männer und ihr Geheimnis. Die Protagonisten sind authentisch und handeln nachvollziehbar, wobei Ernst Wilhelm ein bisschen im Nebel bleibt, doch scheint dies Elisabeths Wahrnehmung seiner Person zu dieser Zeit zu entsprechen. Während Alexander in seiner unverhohlenen Art sehr präsent ist, dabei gerne aneckt und sich in Gefahr begibt. 

Ein selten betrachteter Konflikt des Zweiten Weltkrieges

Auch wenn die historischen Ereignisse des Krieges bekannt sind, ist dieser Aspekt der deutsch-japanischen Beziehungen ein eher selten in Romanen betrachtetes Geschehen. Die Kriegshandlungen in Europa sind weit weg und werden, wie die regelmäßige Wochenschau in der Botschaft, nur hin und wieder eingeblendet. Der Krieg zwischen Japan und China hingegen ist real und betrifft die Angehörigen der Botschaft ganz unmittelbar. Die geschichtlichen Abläufe sind gut in die Handlung eingebetet und die fiktive Handlung wird stimmig herum verwoben. Auch wenn auf den ersten Seiten des Romans klar wird, dass Elisabeth und Ernst Wilhelm die Wirren und Gefahren des Krieges überlebt haben, bleibt es spannend, ihren Weg in Japan und Asien zu begleiten, daran teilzuhaben und mit ihnen zu leben und zu leiden.

Insgesamt ein schöner und spannender Roman, über einen eher unbekannten Aspekt des Zweiten Weltkriegs, der berührt und den Leser in eine exotische Welt entführt. Die Spionagehandlung basiert auf den Ereignissen um den deutsch-russischen Journalisten Richard Sorge. Ein kleiner Kritikpunkt ist anzuführen, denn der Klappentext verrät zuviel der Handlung und nimmt daher zuviel vorweg. 

Ihre Meinung zu »Katharina Seewald: Demnächst in Tokio«

-LENA- zu »Katharina Seewald: Demnächst in Tokio«26.04.2017
Im Alter von 95 Jahren beschließt Elisabeth ihrer Tochter in Form eines Briefes ihr Leben zu erzählen. Es beginnt mit der überstürzten Heirat mit einem 20 Jahre älteren Mann. Die Kindheit und Jugend wird durch den autoritären Vater geprägt. Ernst Wilhelm ist im diplomatischen Dienst und Elisabeth folgt ihm einige Monate später nach Tokio. Welche Gründe führten zu der überstürzten Heirat mit Ernst Wilhelm im Jahre 1934? Einen davon ahnt man als beide zusammen leben, denn ihr Mann geht auf Distanz.
Alexander, ein Freund von Ernst Wilhelm, taucht eines Tages in Tokio auf. Die beiden Männer arbeiten eng zusammen. Elisabeth fühlt sich ausgeschlossen und kann sich erst nach einer Weile für Alexander erwärmen. Welche Rolle spielt der charismatische Alexander?

Das Leben im fernen Osten und die politische Entwicklung stehen im Mittelpunkt dieses Romans. Die Ereignisse in Europa sind weit weg und tangieren das Leben in Tokio nur wenig, im Gegensatz des Krieges zwischen Japan und China. Zusätzlich gibt es noch Konflikte innerhalb Chinas. Realistisch werden die Umstände in der Botschaft geschildert, auch die Distanziertheit der Japaner gegenüber den Europäern.
Für Elisabeth eröffnet sich eine neue Welt und bildhaft wird Tokio und seine Umgebung beschrieben. Wie schwierig ihre Rolle als „Kücken“ im Kreise der Botschaftsangehörigen ist kann man sich gut vorstellen. Im Grunde fühlt sie sich einsam, denn es gibt so gut wie keine Vertrauten in ihrer Umgebung. Ihre Rolle an der Seite von Ernst Wilhelm spielt sie immer perfekt, obwohl sie lange nicht die Wahrheit erfährt. Es dauert einige Zeit bis sie erkennt, dass das Leben nicht nur aus Pflichterfüllung besteht.

Insgesamt einen ruhig zu lesenden Roman , indem die Autorin ihre fiktiven Personen mit dem realen Spionageskandal um Richard Sorge zur Zeit des dritten Reiches in Tokio verknüpft.
Mohnblume zu »Katharina Seewald: Demnächst in Tokio«12.04.2017
Eine unvergessliche Geschichte spannend und berührend
Inhaltsangabe:

Meine Meinung zur Autorin:
Katharina Seewald hat mit ihrem Roman ein großartiges Werk geschaffen, ich bin sehr begeistert von diesem Buch. Sehr gut hat sie die damaligen Verstrickungen zwischen Japan und Deutschland recherchiert, das Leben der Diplomaten und den Botschaftsangehörigen dort. Es war hochinteressant das ganze zu lesen, sie hat alles sehr spannend verpackt. Überhaupt bedient sie sich einer sehr bildhaften Sprache man ist mit ihr durch Tokio und die Landschaft spaziert und fühlte sich in das Land dort hineinversetzt. Der Erzählstil ist sehr klar , Kraftvoll und mitreißend. Ihren Protagonisten hauchte sie Leben ein, sodass sie real rüber kamen. Fiktion und wahres Zeitgeschehen sind geschickt miteinander verwebt.Man konnte sich sehr gut in die einzelnen Figuren hinein versetzen und mit ihnen Freud und Leid teilen, auch die einzelnen Charakterzüge sind gut heraus gearbeitet, so das man hinter die einzelnen Masken blicken konnte. Mich hat das ganze Buch sehr gefesselt und mitgerissen, ich würde es sehr bereuen wenn ich es nicht gelesen hätte.

Meine Zusammenfassung zum Inhalt:
Sehr schön ist die 18 Jährige Elisabeth dargestellt, die es wirklich nicht leicht hatte zu Hause mit ihrem herrischen und Despotischem Vater, ein Anhänger seines Führers Hitler. Die Mutter war für mich eine scheue Person, die sich unter der Knute ihres Mannes duckte. Schon schlimm das er entschied seine Tochter bei Nacht und Nebel mit Ernst Wilhelm, dem Sohn seines Chefs zu verheiraten. Er hat sie praktisch verkauft , so wurde er zum 2. Chef und stieg auf, und half Ernst Wilhelm damit aus der Patsche, der als Diplomat nach Tokio geht, eine Frau dafür braucht und um aus der Schusslinie der Nazis zu kommen. Ich war erst wie Elisabeth entsetzt, aber stellte fest das sie eigentlich mit ihrem Mann das große Los gezogen hat, was sie mit der Zeit auch feststellte.
Er war zurückhalten, großzügig , Liebevoll ihr gegenüber und ließ ihr alle Freiheiten, die sie nie gekannt hatte. Elisabeths Leben ist schön in Tokio, sie mausert sich aus dem scheuen Wesen wird eine selbstbewusste junge Frau. Als Diplomatengattin brilliert sie geradezu, Ernst Freund Alexander liegt ihr zu Füßen und umwirbt sie. Es beginnen unbeschwerte und fröhliche Tage. Alexander und Elisabeth kommen sich immer näher, man spürt ihre innere Zerrissenheit und Gefühle, zu den beiden Männern. Diese Zuneigung von Alexander und das schlechte Gewissen und die Heimlichkeiten belasten sie sehr. So schön das Leben in der Botschaft ist, es gibt auch Neider und Beobachter, was man sagt und wie sich man äußert, könnte sehr gefährlich sein. So wie es immer im Leben ist, wenn es am schönsten ist ziehen dunkle Wolken auf, der Krieg in Deutschland Eskaliert und wird zum Flächenbrand, die Japaner liegen mit Amerika im Krieg und Alexander wird als Spion verdächtigt. Alexander scheint mir undurchschaubar, ein Mann mit zwei Gesichtern? Eine wirklich Facettenreiche Geschichte und unerwarteten Wendungen, so manches dunkles Geheimnis kommt ans Tageslicht, auch die Wahrheit wegen der Überstürzten Hochzeit. Keiner scheint wie er ist. Ein sehr überraschendes Ende erwartet einem.......
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