Das schöne Fräulein Li von Kappe-Krimis

Buchvorstellungund Rezension

Das schöne Fräulein Li von Kappe-Krimis

Originalausgabe erschienen 2009unter dem Titel „Das schöne Fräulein Li“,, 208 Seiten.ISBN 3897736004.

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Kurzgefasst:

Berlin 1922: Auf der Oberbaumbrücke wird die Leiche eines jungen Chinesen gefunden, der brutal zu Tode geprügelt wurde. Der anfangs nur wenig beachtete Fall gewinnt an Brisanz, als kurze Zeit später drei weitere Morde an Chinesen verübt werden, die in der Bevölkerung für Aufregung und Entrüstung sorgen. Kommissar Hermann Kappe begibt sich auf Spurensuche und wagt sich dabei in die fremdartig-exotische Welt der Berliner Chinesen vor, an deren Lebensart und Kultur er zunehmend Gefallen findet. Besonders fasziniert ist er von der Nichte eines chinesischen Großhändlers, der möglicherweise in die Mordserie verstrickt ist. Das bezaubernde Fräulein Li bringt sein bisheriges Leben gehörig ins Wanken.

Das meint Histo-Couch.de: „Kappe wird immer flacher“80

Rezension von Rita Dell'Agnese

Berlin 1922: Ein junger Chinese wird brutal tot geprügelt. Kommissar Hermann Kappe interessiert sich jedoch nur mäßig für den Fall. Erst als weitere Morde an Chinesen passieren, wird dem Berliner Kommissar die Tragweite bewusst. Er taucht immer tiefer ins Milieu der Chinesen ein, das ihm dank des Übersetzers Tam nicht ganz so sehr Geheimnis bleibt, wie es anfänglich ist. Besonders angetan hat es Kappe aber das Fräulein Li, eine junge Chinesin, die ihn sofort bezaubert und aus dem Konzept bringt. Denn derzeit steht es um Kappes Ehe schlecht: Er hat das Interesse an seiner Frau Klara fast ganz verloren, schätzt einzig noch ihre hausfraulichen Qualitäten, die ihm ein behagliches Daheim bieten. Auch zu seinen beiden Kindern hat Kappe wenig Bezug. Er flüchtet sich in stetigen Alkohol-Konsum, der ihn gar während seiner Einsätze beeinträchtigt. Nach und nach erliegt Kappe dem Charme von Fräulein Li und fühlt sich von deren ungewohnter Exotik und ihrem jugendlichen Körper in Bann gezogen. Dem Geheimnis um die Morde kommt er durch seine eigenen Erlebnisse ebenfalls auf die Spur.

Die Sympathie bekommt Schlagseite

War Hermann Kappe anfänglich eine durchaus interessante und gefällige Hauptfigur, bekommt er nun durch die Feder von Peter Brock ganz gewaltig Schlagseite. Er wird zu einer egoistischen und von Selbstmitleid triefenden Figur, die selbst für die Zeit, in der sie lebt, mit einer größeren Portion Frauenverachtung ausgestattet ist.  Kappe fühlt sich immer unzufriedener mit seiner häuslichen Situation, trauert der Zeit nach, in der ihn ein Blick aus Klaras Augen bezauberte. Sie ist nach der zweiten Geburt rund geworden und Kappe findet kaum mehr Gefallen an ihr. Damit beschreibt Peter Brock wohl eine sehr typische Entwicklung vieler Ehen. Doch die Art und Weise, mit der Kappe damit umgeht, macht ihn zu einem wenig sympathischen Menschen. Damit aber nimmt Brock den Lesern die Möglichkeit, sich in Kappe einzufühlen und quasi mit ihm an der Seite durch die Geschichte zu gehen.

Viele Klischees

Ist es die Zeit, über die Brock gerade schreibt – oder ist es die eigene Lebenseinstellung, die sich hier Bahn bricht? Der siebente Fall von Kappe ist von unzähligen Klischees durchzogen. Der reiche Chinese, der als Statussymbol einen protzigen, deutschen Wagen fährt, die junge Chinesin, die den Kommissar mit ihrer exotischen Schönheit umgarnt, die dralle Ehefrau, die schon nach wenigen Jahren keine Anziehungskraft mehr hat: Das alles sind klare Klischees, die ihre Basis ebenso im Denken des Autors wie in den tatsächlichen Gegebenheiten haben können. Das alles drückt auf die eigentliche Geschichte, spielt sie etwas an die Wand und lässt die Frage aufkommen, wie gut es der Hauptfigur bekommt, von immer wieder anderen Autorinnen und Autoren geformt zu werden. Kappe fehlt die Kontinuität aus einer Feder, die ihn zu einem konsequenter handelnden und weniger destruktiven Charakter machen würde. Denn es drängt sich leicht der Verdacht auf, der Autor möge seine Folge der Reihe als eine Herausforderung an die anderen Autoren verstanden haben, das Ruder nochmals rumzureißen. Ob der immer öfters auch im Dienst angeheiterte Kappe nicht die Vorgesetzten auf den Plan rufen müsste, bleibt dahin gestellt. Möglicherweise wurde 1922 der Grundsatz: Kein Alkohol im Dienst noch nicht so ernst genommen.

Gutes Zeitdokument

So sehr die Hauptfigur hier auch schwächelt, so ist Das schöne Fräulein Li dennoch ein gelungenes Stück Unterhaltung. Denn Peter Brock bietet nicht nur eine süffige Schreibweise, die sich sehr angenehm abhebt, er vermag es auch, tief in die Zeit um 1922 einzutauchen und den Lesern sichtbar zu machen, wie sich die Schere zwischen Arm und Reich öffnet und sich auch ein erster Anflug von nationalsozialistischem Gedankengut breit machen kann. Dafür hat der Autor eine geschickte Hand. Er nimmt die Leser mit auf die Reise durch das brodelnde Berlin, zeigt Zusammenhänge auf und bettet darin eine weitgehend glaubwürdige Kriminalgeschichte ein.

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