Man erntet, was man sät von Kai Blum

Buchvorstellungund Rezension

Man erntet, was man sät von Kai Blum

Originalausgabe erschienen 2014unter dem Titel „Man erntet, was man sät“,, 176 Seiten.ISBN 3943176614.

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Kurzgefasst:

Nord-Dakota, 1883. Die Aufnahme des Dakota-Gebietes in die Vereinigten Staaten zeichnet sich ab und zur Geldgier in den jungen Präriestädten gesellt sich das Streben nach politischer Macht. Vor diesem Hintergrund sieht sich Sheriff Jack Hunhoff mit einem Doppelmord konfrontiert. Verdächtige gibt es viele, konkrete Anhaltspunkte jedoch keine. Nur eines weiß der Sheriff, der sich in Kürze selbst zur Wahl stellen muss, mit Sicherheit: Sollte er diesen Fall nicht umgehend aufklären, stehen sowohl seine berufliche Existenz als auch sein persönliches Glück auf dem Spiel.

Das meint Histo-Couch.de: „Bittere Ernte“85Treffer

Rezension von Annette Gloser

Im Jahr 1883 lebt Familie Sievers weiter in ihrer Grassodenhütte. Hans hofft auf eine reiche Ernte, denn das Getreide steht gut auf den Feldern. Nachdem im Jahr zuvor ein Brand fast die gesamte Ernte vernichtete, hatten die Ansiedler es nicht leicht, durch den Winter zu kommen. Einige verdingten sich beim Bau der Eisenbahnstrecke und verdienten so das nötige Geld für ihre Familien. Das Städtchen Himmelsfeld gibt es nach den dramatischen Ereignissen im Winter 1881/ 82 nicht mehr. Das gerade erst gegründete Neufeld hat sich mehr und mehr zum Zentrum der ganzen Gegend entwickelt. Das große Sagen aber hat dort die Eisenbahngesellschaft und ihr Vertreter Edward Tullis sorgt dafür, daß das auch so bleibt. Das Städtchen Miller musste sogar nach Neufeld umziehen, weil die Bahnstrecke nicht durch Miller hindurch geführt wurde. Auch Clara Wolter ist nach dem Tod ihres Mannes in den aufstrebenden Ort gezogen und hat dort einen neuen Laden eröffnet.

Nun stehen Wahlen an und auch Sheriff Jack Hunhoff möchte gerne wiedergewählt werden. Da kommt es gerade sehr ungelegen, daß an der Landstraße nach Watertown die Leiche Georg Blocks gefunden wird, des ehemaligen Bürgermeisters von Miller. Und nicht weit entfernt findet Hunhoff auch die tote Clara Wolter. Der Sheriff weiß, er muß alles tun, um den Mörder zu finden. Schon vor zwei Jahren war es ihm nicht gelungen, den Mörder von Wolter zu fassen. Gelingt es ihm jetzt nicht, diesen Doppelmord aufzuklären, dann wird wohl Bill Schwarz die Wahl zum neuen Sheriff gewinnen. Was aber wird dann aus Hunhoffs Zukunftsplänen, denn eigentlich möchte er gerne heiraten. Aber dazu sollte zumindest sein Einkommen gesichert sein. Also macht sich Hunhoff daran, den Mord an Clara Wolter und Georg Block aufzuklären. Zu dumm nur, daß er zwar in Chicago ein ganz passabler Polizist war, aber von einer Mordermittlung keine Ahnung hat.

Präriebrände und Heuschrecken

Kai Blum führt seine Leser im zweiten Teil der Auswanderersaga in eine immer noch sehr weite und leere Prärie. Zwei Jahre nach den Geschehnissen im ersten Teil Hoffnung ist ein weites Feld hat sich zumindest für die Familie Sievers nicht so sehr viel verändert. Allerdings spürt der Leser sehr deutlich den Gründerdrang in den neuen Städten – die doch bisher noch nicht viel mehr als eine Ansammlung von Bretterbuden sind. Familie Sievers dagegen hat es noch nicht einmal bis zur Bretterbude geschafft. Auch im zweiten Teil beschreibt der Autor die Lebensumstände seiner Protagonisten sachlich und ohne Larmoyanz. Da gibt es die Durchhaltetypen und die Aufgeber, die vom Landleben angeödete Jugend und die aufstrebenden Politiker. Immer wieder spielt das Bestreben nach einem Anschluß des Dakota-Gebietes an die Vereinigten Staaten eine Rolle. So bleibt der Roman nicht nur dicht bei den Eingewanderten, sondern holt auch die große Politik mit in den Blickwinkel der Leser.

Im Roman bereits angedeutet wird die später stattfindende Teilung in Nord- und Süd- Dakota. Den größten Raum nehmen jedoch die Widrigkeiten ein, mit denen die Siedler zu kämpfen haben: Präriebrände, Heuschrecken, Wetterextreme. Und auch jene Probleme, die von Menschenhand gemacht sind, kommen nicht zu kurz: Preisdiktat durch Getreideaufkäufer, Monopolstellung einzelner Gewerbe, die Allmacht des Vertreters der Eisenbahngesellschaft. Wer „Man erntet, was man sät“ liest, bekommt ein ungeschminktes und sehr plastisches Bild vom Leben der Einwanderer und von der Entstehung der ersten Städte im „Wilden Westen“. Dieses Bild hat allerdings nicht viel mit der sattsam bekannten Filmromantik zu tun – nur die Bretterbuden ähneln sich.

Keine Chance auf High Noon

Jack Hunhoff als Sheriff und Mordermittler rückt in diesem Roman etwas mehr in den Mittelpunkt. Allerdings haben wir es hier mit einem blutigen Anfänger zu tun. Hunhoff hat schlicht und ergreifend keine Ahnung davon, wie man in einem Mordfall ermittelt. Manch gewieftem Krimileser stehen vermutlich bald die Haare zu Berge, wenn er miterleben muß, wie dieser Dilettant ständig irgendetwas vergisst oder vergeigt. Aber gerade das macht Jack Hunhoff sehr authentisch. Es ist nicht davon auszugehen, daß in den Siedlergebieten bei Mordermittlungen das CSI anrückte. Überall auf der Welt steckte 1883 die Kriminaltechnik noch in den Kinderschuhen und gab es nur wenige auf Tötungsdelikte spezialisierte Polizisten. Nun lässt Blum also einen ehemaligen Streifenpolizisten aus Chicago durch die Weiten der Prärie stolpern, noch dazu einen, der nicht mal richtig gut schießen kann. Ein dramatisches Finale à la „High Noon“ kommt damit schon mal nicht in Frage.

Trotzdem ist es interessant, gemeinsam mit Jack Hunhoff zu lernen, was bei einer Mordermittlung wichtig sein könnte, und ihn Schritt für Schritt bei seinen Ermittlungen zu begleiten. Ernstzunehmende Krimleser werden allerdings diverse Seiten vor dem Ende des Buches auf den entscheidenden Hinweis stoßen und lange vor Hunhoff wissen, wer der Übeltäter ist. Das ist schade. Ein bisschen mehr Spannung im Krimi-Bereich hätte dem Roman nicht geschadet, schließlich steht ja „Auswanderer-Krimi“ auf dem Cover.

Etwas Besonderes

Kai Blums Auswanderer-Krimis heben sich von der Masse der Histo-Krimis und wohl auch der Auswanderer-Romane ab. Dabei sind sie eher einfach geschrieben, sehr geradlinig erzählt und völlig schnörkellos. Leser, die hier Romantik suchen, sind beim falschen Buch gelandet. Und trotzdem gelingt es dem Autor, seine Leser zu erreichen, ihnen die Geschichte der deutschen Auswanderer im weit entfernten Dakota-Gebiet nahe zu bringen. Manches scheint ein wenig zu einfach gestrickt, aber die Reihe ist noch jung und entwicklungsfähig.

Mit der Covergestaltung hat der Booquel Verlag einen Glücksgriff getätigt und es ist zu hoffen, daß sie für die geplanten Fortsetzungsbände beibehalten wird. Angenehm auch, daß der Roman in bester US-Serienmanier ein „Was bisher geschah“ an den Anfang setzt und allen Quereinsteigern das Weiterlesen leicht macht. Wünschenswert für die Folgebände wäre eine Karte, die dem Leser die Orientierung erleichtert.

Auch Man erntet, was man sät ist ein Buch, das man recht schnell gelesen hat, flott erzählt und ohne Längen. Plant man für ein, zwei Abende, dann hat man das richtige Buch in der Hand. Plant man für ein Wochenende, dann sollte man ein wenig mehr Lesestoff mitnehmen, z.B. den ersten Teil der Reihe. Es lohnt sich.

Ihre Meinung zu »Kai Blum: Man erntet, was man sät«

wampy zu »Kai Blum: Man erntet, was man sät«15.02.2015
„Man erntet, was man sät“ ist ein Auswandererkrimi von Kai Blum, der 2014 bei Booquel als Taschenbuch erschienen ist. Es ist der zweite Teil der Auswanderersaga um die Familie Sievers in Nord-Dakota.
Zu Beginn dieses zweiten Bandes gibt es eine kurze Zusammenfassung der Geschehnisse im ersten Band, die für das Verständnis voll und ganz ausreicht.
In diesem Band nimmt der Krimianteil einen größeren Umfang ein, was dem Buch aber nach meiner Ansicht nicht unbedingt gut tut. Wie schon im ersten Teil liegen die Stärken des Autors in der Beschreibung des alltäglichen Lebens der Dorfgemeinschaft. Die einfache, aber präzise und direkte Sprache ermöglicht ein angenehmes Lesen. Dabei lässt der Autor unauffällig wieder viele Informationen über die Auswanderer einfließen. Bedrückend ist die Erfahrung vieler Auswanderer, nach ersten Siedlungserfolgen doch noch zu scheitern, und dies in vielen Fällen schuldlos. Die Entwicklung der Siedlungen hängt von vielen Faktoren ab, auf die die Siedler keinen Einfluß haben. Insgesamt eine lebhafte Schilderung mit einem eher störenden Kriminalfall.
tassieteufel zu »Kai Blum: Man erntet, was man sät«06.03.2014
Der zweite Teil der Auswanderer-Krimis beginnt 1883, also 2 Jahre nach den Ereignissen aus „Hoffnung ist ein weites Feld“. Für die Siedler hat sich viel geändert. Das Städtchen Himmelsfeld gibt es nicht mehr, ebenso wenig den Ort Miller der mit Himmelsfeld um die Bahnanbindung konkurrierte. Inzwischen ist das neugegründete Neufeld Dreh und Angelpunkt für die Siedler. Hier lebt auch Clara Wolter, die nach dem Tod ihres Mannes wieder einen Laden eröffnete. Für Hans Sievers hingegen hat sich der Traum eines richtigen Hauses noch nicht erfüllt, nach einem Präriebrand und einer Heuschreckenplage kommt er gerade so über die Runden. Sheriff Jack Hunhoff andererseits möchte bei den bevorstehenden Wahlen wieder zum Sheriff gewählt werden, doch seine Chancen stehen schlecht, da er mit einem Doppelmord konfrontiert wird, dessen Aufklärung ihm nicht so recht gelingen will.

Wieder gelingt es Autor Kai Blum, den Leser mit seinen Schilderungen über das Leben der Auswanderer zu fesseln. Nach Schneestürmen und Tornados werden die Siedler mit Präriebränden und Heuschreckenhorden konfrontiert, Getreideaufkäufer diktieren die Preise und einige Siedler können ihre Kredite nicht zurückzahlen. In Neufeld hingegen gibt es Kompetenzgerangel, Missgunst, Konkurrenzstreben und auch die große Politik hält Einzug. Hier wird dem Leser wieder ein plastisches und sehr realistisches Bild vermittelt ohne zu romantisieren. Der Leser trifft viele Figuren aus dem ersten Teil wieder und kann hier ihre Entwicklung verfolgen. Es gibt einige Gewinner und noch mehr Verlierer und die meisten Siedler haben schon erkannt, dass der Weg zu einem besseren Leben ein sehr steiniger ist.
Mit dem Sheriff und seinen Ermittlungen im Doppelmord rückt auch der Krimianteil mehr in den Vordergrund und auch wenn Hunhoff eigentlich keine Ahnung von polizeilicher Ermittlungsarbeit hat, so läßt ihn das trotzdem realistisch erscheinen. Er bemüht sich redlich und schafft es mit Hilfe seines Bruders, auch tatsächlich dem Mörder auf die Spur zu kommen. Am Anfang gibt es zwar wieder reichlich Verdächtige aber ein versierter Krimileser ahnt allerdings schon viel früher als der Sheriff, wer der Mörder ist. Hier hätte man sich ein wenig mehr Spannung gewünscht, aber das Ende ist eine runde Sache, vor allem da auch einige Fragen aus dem ersten Band beantwortet werden. Es bleibt nicht zu viel offen um unzufrieden zu sein, aber genug um die Neugier auf den nächsten Teil zu wecken.

Das Cover wurde sehr ansprechend und passend zum ersten Teil der Reihe gestaltet und auch hier gibt es vom Verlag einen Code zum kostenlosen Download des E-Books!
FaziT: gelungene Fortsetzung, die wieder mit einer authentisch und atmosphärisch dichten Stimmung aufwartet und diesmal einen größeren Krimianteil bietet. Eine Reihe mit Potenzial die neugierig auf die Folgebände macht.
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