Die Überlebenden von Sagunt von Jonathan Lerros

Buchvorstellungund Rezension

Die Überlebenden von Sagunt von Jonathan Lerros

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Die Überlebenden von Sagunt“,, 350 Seiten.ISBN 1503939928.

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Kurzgefasst:

Die vierzehnjährigen Zwillingsgeschwister Eirene und Kimon haben Glück im Unglück: Ihre Heimatstadt Sagunt wird von karthagischen Truppen komplett zerstört, die Bewohner werden getötet oder versklavt. Doch Synbalos, der oberste Feldarzt der karthagischen Armee, ist den beiden wohlgesonnen und nimmt sie unter seine Fittiche. Kimon ist Feuer und Flamme für den Beruf des Wundarztes, Eirene wird die persönliche Leibdienerin der geheimnisumwitterten Dido, Besitzerin des vornehmsten Bordells der Stadt. Die Geschwister haben gerade erst damit begonnen, sich in ihrem neuen Leben einzurichten, als sie unwissentlich in ein von den Römern inszeniertes Mordkomplott gegen den Heerführer Hannibal hineingezogen werden.

Das meint Histo-Couch.de: „Hannibal für Anfänger“72

Rezension von Annette Gloser

Im Jahr 234 v. Christus gerät die Stadt Sagunt zwischen die Mahlsteine Roms und Karthagos. Auf kathargischem Gebiet gelegen, will sich Sagunt nicht den Eroberern von der Südküste des Mittelmeeres unterordnen. Die Stadtväter suchen das Bündnis mit Rom. Hannibal, der noch junge Feldherr, vertritt gnadenlos die Interessen Karthagos und macht kurzen Prozess mit der aufsässigen Stadt. Wer die Belagerung überlebt wird in die Sklaverei verkauft. Die Zwillinge Eirene und Kimon haben Glück: Hannibals Leibarzt Synbalos nimmt sie in seine Obhut und kümmert sich auch um Lanike, die kleine Schwester der beiden. Kimon hat das große Los gezogen, denn der Beruf eines Wundarztes interessiert ihn brennend. Eirene dagegen ist froh, als sie den Haushalt des Arztes verlassen kann und Leibdienerin einer berühmten Hetäre werden darf. Hannibal dagegen weiß, dass er so schnell wie möglich gegen Rom ziehen muss um den Krieg von Karthago fern zu halten. Er hat einen großen Plan, von dem vorerst nur Synbalos etwas ahnt.

Aber auch in Rom weiß man, wie gefährlich Hannibal ist und tut alles, um ihn aus dem Weg zu räumen. Eirene und Kimon finden sich plötzlich inmitten eines Komplotts wieder. Und beide müssen eine Entscheidung treffen.

Hannibal – Demnächst ante portas

Autor Jonathan Lerros gibt seinem Roman den Untertitel „Ein Hannibal-Roman“. Hannibal mit seinen Plänen zur Alpenüberquerung kommt hier auch nicht zu kurz, im Mittelpunkt stehen jedoch die vierzehnjährigen Zwillinge Kimon und Eirene. Die Handlung spielt über weite Strecken in Neu-Karthago, der Hauptstadt der karthagischen Besitzungen auf der iberischen Halbinsel. Man bekommt eine recht gute Vorstellung davon, wie das Leben in dieser Stadt abgelaufen sein könnte und welche Ereignisse die Menschen damals bewegten. Immer wieder gibt allerdings auch Szenen, die Hannibal, seine Brüder und seine Planungen für den Zug gegen Rom schildern. Der Autor bringt seinen Lesern einen sehr sympathischen   Menschen Hannibal nahe, nicht nur den Kriegsherren, sondern auch den Bruder, den Ehemann und Familienvater. Ein wenig zu nett ist das alles, ein wenig zu rosa. Auch das Leben der Zwillinge verläuft schnell wieder in geregelten Bahnen. Sie haben den Untergang ihrer Heimatstadt recht schnell überwunden und sich mit den Siegern arrangiert. Nur ganz am Anfang, als die Eroberung Sagunts geschildert wird, bekommt man eine Ahnung davon, dass auch Karthagos Krieger keine Kindermädchen waren und dass die Besiegten großes Leid erwartete. Aber die Schilderungen bleiben hier an der Oberfläche und geben tieferen Empfindungen nur wenig Raum.

Eher ein Jugendbuch

Nicht nur, weil zwei Vierzehnjährige die Hauptprotagonisten des Romans sind, scheint Die Überlebenden von Sargunt eher ein Jugendroman zu sein, für Histo-Roman-Anfänger also. Die Sprache ist durchweg eher einfach gehalten, schlüpfrige Szenen gibt es selbst dann nicht, als Eirene in einem (sehr gehobenen) Puff landet, die Charaktere der Protagonisten wirken glatt gestrickt und haben kaum Ecken oder Kanten. Der Autor arbeitet gerade bei den „Bösen“ auch mit eher schablonenhaften Attributen und das ist sehr schade. Selbst die Geschichte rund um das Attentat auf Hannibal ist relativ leicht zu durchschauen. Eigentlich ist dem Leser schon kurz nach dem Auftauchen des Attentäters im Roman klar, wer er ist und warum er auf der Bildfläche erscheint. Zwar zweifelt man als Leser auch mal wieder an dieser Ahnung, zu nett, zu wenig gefährlich erscheint der Mörder in spe, aber am Ende muss man (doch ein wenig enttäuscht!) feststellen, dass die Ahnung nicht getrogen hat. Eigentlich fehlt nur noch, dass der Drahtzieher des Anschlags einen Brief nach Rom schickt, auf dem „Der Adler ist gelandet“ steht. Für den ausgewachsenen Leser ist das ein wenig zu leicht. Insofern hält sich die Spannung eher in Grenzen. Allerdings ist die Geschichte der Zwillinge nicht uninteressant, und so hat man also einen netten Grund zum Weiterlesen.

Beginn einer Reihe

Die Überlebenden von Sagunt wurde vom Autor als erster Band einer Romanreihe über den Zug Hannibals nach Rom angelegt. Dabei ist der Einstieg in die Reihe durchaus gelungen, auch wenn gerade bei der Zeichnung der einzelnen Charaktere und bei der Gestaltung von Konflikten noch viel Luft nach oben ist. Vom Verlag amazon publishing wurde das Buch anspruchsvoll ausgestattet. Es gibt eine Karte des Mittelmeerraumes, ein Personenregister (in dem historische Personen deutlich gekennzeichnet sind) und – als Einstieg in den Roman – eine kurze Schilderung des Konfliktes zwischen Rom und Karthago. Auch ein Nachwort gibt es, in dem er noch einmal auf die Person Hannibals eingeht und auf historische Fakten verweist.

Ein kurzweiliger Roman, der sich flott und flüssig liest. Vielleicht für jene Stunden, in denen man keine Romane lesen mag, die die ganz großen Probleme der Menschheit behandeln.

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