Die abenteuerliche Fahrt des Herrn von Drais von Johannes Schweikle

Buchvorstellungund Rezension

Die abenteuerliche Fahrt des Herrn von Drais von Johannes Schweikle

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Die abenteuerliche Fahrt des Herrn von Drais“,, 200 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

Karl von Drais hat die Welt verändert. Am 12. Juni 1817 brach er in Mannheim zur ersten Fahrt mit seinem Laufrad auf. Der badische Freiherr von Drais träumte davon, mit seinen Ideen die Welt voranzubringen. Mit seiner Laufmaschine wurde der Mensch unabhängig vom Pferd. Aus eigener Kraft erreichte er das vierfache Tempo der Postkutsche, auf dem Veloziped konnte er schier utopische Entfernungen überwinden. Aber es dauerte fast ein ganzes Jahrhundert, bis Deutschland den Wert dieser Erfindung begriff. Der Pionier der modernen Mobilität wurde als Spinner verspottet, in der Revolution von 1848 scheiterte seine Euphorie des Aufbruchs in die Freiheit. Ein Gefährte schildert die abenteuerliche Fahrt des Karl von Drais, der wie Don Quijote gegen Windmühlen kämpfte. Erst nach dem Tod des Erfinders setzte das Fahrrad weltweit zu seinem Triumphzug an.

Das meint Histo-Couch.de: „Würdigung eines in Vergessenheit geratenen Erfinders“80

Rezension von Jörg Kijanski

Am 12. Juni 1817 ist es endlich soweit. Karl Freiherr von Drais, mit vollständigem Namen Karl Friedrich Christian Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn (* 29. April 1785; 10. Dezember 1851), startet zur Probefahrt mit dem von ihm entwickelten Laufrad. In der Hofwagnerei Frey staunte man über seine Idee nicht schlecht. Nur zwei Reifen? Das Gefährt muss doch umkippen. Die Speichen und Felgen sind aus Holz, die Reifen aus Eisen, eine Federung fehlt. Die Probefahrt führt auf der Chaussee zur Sommerresidenz nach Schwetzingen – und sie wird ein Erfolg. Die Geschwindigkeit ist beeindruckend, rund vier Mal so schnell wie eine Kutsche. Hinzu kommt, dass 1816 durch starke Regenfälle bedingt ein katastrophales Jahr war. Hafen und Weizen sind weitgehend verfault, es fehlt an Futter für die Pferde, nicht wenige landen deshalb beim Schlachthof. Die Kutsche hat für den Moment Pause, die Laufmaschine (Draisine) hingegen begeistert. Doch mit der ungewohnten Geschwindigkeit kommt es auch zu Problemen, Unfälle häufen sich. Der Baron, einst gefeierter Erfinder und zum Professor für Mechanik ernannt, wird zunehmend angefeindet und verspottet. Seine Erfindung vermag sich nicht durchzusetzen, erst viele Jahre nach seinem Tod erfolgt der Durchbruch. Das Pedal wird erfunden und verleiht dem Fahrrad einen bis heute anhaltenden Höhenflug.

„Allgemein galt das Draisinenreiten als Spinnerei und weil tatsächlich ein paar Deppen zu schnell unterwegs waren, hagelte es Fahrverbote. Schließlich durften wir mit unseren Maschinen nicht einmal mehr im Kreis herumfahren, das hat die Stutzer arg getroffen.“

Der vierzehnjährige Fritz hat seine Ausbildung zum Wagner in der Hofwagnerei Frey gerade erst begonnen als der Freiherr mit seinem befremdlich anmutenden Auftrag die Bühne betritt. Später wird er dessen Adjutant und berichtet als Ich-Erzähler über Leben und Werk des Erfinders, ebenso wie über die spannende Zeit des 19. Jahrhunderts. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die Deutsche Revolution von 1848/49, die Fritz als Soldat erfährt. Später erlebt er, Jahre nach dem Tod seines Weggefährten und Förderers, noch andere Erfindungen. Carl Friedrich Benz, Gottlieb Wilhelm Daimler und John Boyd Dunlop (er erfand den luftgefüllten Reifen) führen die Mobilität in neue Dimensionen.

„Sie lachten herzlich als er sagte, selbst von den Preußen könnte man noch etwas lernen. Wenn man von ihren Hauben den Pickel entfernen würde, hätte man einen vortrefflichen Helm, der den Kopf beim Laufradfahren schützt“.

Auch das Privatleben des Erfinders wird in dem lesenswerten Buch von Johannes Schweikle ausführlich beleuchtet, der offenbar ein Faible für in Vergessenheit geratene Erfinder entwickelt hat. Bereits sein Roman Fallwind über den Flugpionier Albrecht Ludwig Berblinger, den „Schneider von Ulm“, setzte seinem Helden ein literarisches Denkmal. Doch zurück zu Karl von Drais. Sein Verhältnis zum Vater war ambivalent, da dieser kaum Lob für ihn und schon gar nicht für seine Erfindungen übrig hatte. Drei Schwestern blieben wie Karl selbst kinderlos, seine Mutter verstarb als er 14 Jahre alt war. Anfangs als Held gefeiert, verblasst sein Stern zusehends. Auseinandersetzungen mit der Obrigkeit sind die Folge, ebenso der Zuspruch zum Alkohol. Eine Schwester erbt seinen Nachlass: 30 Gulden und 34 Kreuzer.

Wer sich für Technik, die spannende Geschichte der Mobilität und hier eben ihre Anfänge oder das 19. Jahrhundert interessiert, der findet mit Die abenteuerliche Fahrt des Herrn von Drais einen zwar kurzen, aber dennoch durchweg informativen und anregenden Roman, der sich zu lesen lohnt. 

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