Und doch ist es Heimat von Jochen Metzger

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Und doch ist es Heimat“,, 368 Seiten.ISBN 3-463-40673-X.

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Kurzgefasst:

Ein Tag im April 1945. Es sind die letzten Wochen des Krieges. Auch in Sandheim, einem kleinen badischen Dorf, hat der Krieg Spuren hinterlassen. Größere Einschläge sind ausgeblieben, aber die, die noch immer fort sind, werden schmerzlich vermisst: Väter, Söhne, Ehemänner, ohne deren Hilfe man Felder bestellen und das tägliche Leben meistern muss. Längst hat man sich den Umständen angepasst: Die Markthalle, in der einst Tabak gewogen wurde, ist zum Lazarett geworden, die Keller bieten Schutz vor Fliegerangriffen, vor den Pflug spannt man zur Not auch Kühe. Und dann heißt es, der Krieg sei verloren. Die deutschen Soldaten befinden sich auf dem Rückzug, jeden Tag erwartet man die Truppen der US-Armee. Zur gleichen Zeit wird ein marokkanisches Regiment unter französischer Flagge über den Rhein geschickt. Zweihundert Meter über das Wasser, zweihundert Meter ohne Deckung, zweihundert Meter in einem Boot einem Feind entgegen, der seine Heimat verteidigt. Und dann naht der einzige Tag, an dem der Krieg wirklich zu Gast ist in Sandheim. Dieser Tag, der niemals hätte sein dürfen.

Das meint Histo-Couch.de: „Die Schrecken des Krieges erreichen Sandheim“70

Rezension von Jörg Kijanski

April 1945. Sandheim, ein ruhiges Bauerndorf zwischen Mannheim und Karlsruhe, ist weitgehend von den Kriegsgeschehnissen verschont geblieben. Sicher, einige Söhne und Väter sind im Krieg, keiner weiß, ob sie heimkehren werden, doch die gottgläubige Dorfgemeinschaft hat sich mit den Geschehnissen arrangiert. Insgeheim hofft man auf das Ende des Krieges und die Ankunft der Amerikaner, dann geht es endlich wieder aufwärts. Doch zunächst kommt es anders, das Schicksal schlägt auch in Sandheim brutal zu. So erhält Richard ein Schreiben, wonach seine Frau Julia und deren Tochter geholt werden sollen. Julia, die letzte Jüdin in Sandheim, erinnert ihren Mann an dessen Versprechen, sie und die Tochter in diesem Fall umzubringen.

„Ein paar Tag später wird man Julia und Charlotte begraben. Auf dem Sandheimer Friedhof, immerhin. Die beiden Leichen liegen zwar nicht in Särgen, wie es üblich ist, sondern nur in Holzkisten. Aber es sind saubere Holzkisten, das muss man sagen. Mitbekommen werden sie es so oder so nicht. Und von der Verwandtschaft ist ja praktisch keiner mehr da.“

Als die 14-jährige Antonia für ihren Vater auf der anderen Rheinseite mit dessen Fuhrwerk ein Geschütz der Wehrmacht abholen soll, wundert sie sich zunächst. Schließlich läge es doch näher, neue Waffen an die Front zu schaffen, statt diese dort abzuziehen. Doch Antonia erkennt vor Ort schnell die Situation, denn die Wehrmacht hat die linke Rheinseite aufgegeben. Man zieht sich zurück, das beschauliche Sandheim wird kurzerhand zu einem Militärlager. Den deutschen Soldaten folgt ein marokkanisches Schützenregiment, das bei der Querung des Rheins zunächst noch herbe Verluste erleidet. Die Rache der Goumiers ist enorm, ausbaden müssen dies die Sandhausener. Vor allem die Frauen bekommen die Gewalt der Fremden zu spüren, nicht wenige werden brutal vergewaltigt. Und dies ausgerechnet am Ostermontag&

Ein weiterer Roman gegen das Vergessen

Zunächst schildert Jochen Metzger die Grausamkeiten des Krieges, die brutalen Vergewaltigungen und die daraus resultierenden Folgen; auch im Hinblick auf das Gefüge im dörflichen Zusammenhalt. Durch die Geschehnisse des Krieges wurden zahlreiche Familien auseinander gerissen, der „eine Tag, der alles verändert“ (Ostermontag 1945) trifft die Dorfgemeinde in ihrem Innersten. Doch nur kurz, denn das Leben geht weiter und ein ernstes Gebet und ein gottgefälliges Leben haben noch immer geholfen. Einige der betroffenen Frauen sehen dies anders, wie direkt das erste Kapitel zeigt, in dem sich die fromme Marie das Leben nimmt. Warum, erfährt der Leser später.

„Und was ist mit dir, Ahmad?“

„Ich werde heiraten. Falls ich nach Haus komme. Wenn Gott es will.“

„Du und dein Gott. Warum sollte ich da Gebete sprechen? Wenn ich Gebete höre, dann von meinen Feinden, die sich vor mir fürchten.“

Neben dem „verhängnisvollen Tag“ zeigt Jochen Metzger auch sehr detailliert die Besonderheiten des dörflichen Miteinanders auf. Eine mitunter trügerische Idylle, denn teils kann man sich nicht einmal auf den Beistand der eigenen Familie verlassen. Jeder kennt jeden und im großen Ganzen gilt – neben dem Glauben – der gemeindliche Zusammenhalt als oberstes Gebot, auch wenn manch einer der Partei einst diente.

„In Sandheim aber hat man jetzt zwei Leute zu beerdigen aus einem einzigen Haus. Eine schlimme Sache, und das bei so frommen Leuten. Man wird hingehen als Bürger des Dorfes und die Lieder singen und die Gebete sprechen. Und man wird ein wenig darüber reden. Aber nicht zu viel. Das würde keinem helfen.“

In kleinen, kurzweiligen Kapiteln – eher Episoden, manche mit offenem Ende – erzählt der Autor das Geschehen am Beispiel einiger ausgewählter Hauptfiguren. So muss der fünfzehnjährige Hermann plötzlich allein den Hof bestellen und den Acker pflügen, während der alte Filp, der schon im Ersten Weltkrieg kämpfte, plötzlich mit anderen Sandheimern in französischer Kriegsgefangenschaft im Elsass landet. Und doch ist es Heimat ist ein weiterer Roman, der sich mit den Schrecken und Folgen des Krieges – hier im teils detailliert beschriebenen Mikrokosmos eines Dorfes – beschäftigt. 

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