Möge die Stunde kommen von Jeffrey Archer

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Cometh the Hour“,deutsche Ausgabe erstmals 2017, 592 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Martin Ruf.

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Kurzgefasst:

Für die Familien der Cliftons und Barringtons, deren Wege seit Jahrzehnten miteinander verbunden sind, kommen schwere Stunden. Giles Barrington setzt seine Karriere als Politiker für eine große und gefährliche Liebe aufs Spiel, während Emma Clifton eine schwere Entscheidung treffen muss, die für ihren Mann Harry alles verändern könnte. Doch dann erfolgt ein Schicksalsschlag, mit dem niemand gerechnet hat ...

Das meint Histo-Couch.de: „Die Jahrhundertchronik geht dem Ende entgegen“76

Rezension von Alexandra Hopf

In letzter Minute gelingt es Emma Clifton, den Verleumdungsprozess gegen Lady Virgina Fenwick zu gewinnen und somit ihre Stellung als Vorstandvorsitzende von Barrington Shipping zu behalten. Das konnte nur durch den Brief gelingen, den Major Alex Fisher nach seinem Selbstmord hinterlassen hatte. Allerdings zog die Veröffentlichung auch negative Folgen hinter sich her, und so musste Giles Barrington seine Kandidatur als Abgeordneter für Bristol Docklands deswegen zurückziehen. Nach diesem Karriereknick lässt sich Giles auf ein gefährliches Unterfangen ein. Er verhilft Karin Brandt, der Dolmetscherin aus Ostdeutschland, die er nach ihrer gemeinsamen Nacht einfach nicht vergessen kann, zur Flucht. Bei den anderen Familienmitgliedern geht es karrieretechnisch steil nach oben. Emma isst die erste Frau an der Spitze eines börsennotierten Unternehmens. Ihr Mann Harry steckt bis über beide Ohren in der Aufgabe das Buch „Onkel Joe“ zu veröffentlichen, nachdem es ihm gelang, diese schreckliche Biographie des Diktators Stalin nur durch seine unglaubliche Gedächtnisleistung aus Rußland herauszuschmuggeln. Der unglaubliche Erfolg des Buches und sein unermüdlicher Kampf, nun auch endlich die Freilassung des dazugehörigen Autors Anatoli Babakow durchzusetzen, lässt ihm kaum Raum seine eigene Geschichte um William Warwick fortzusetzen. Auch der Sohn Sebastian kann seine erfolgsversprechende Karriere als Banker ausbauen. Doch trotz aller guten Verläufe sieht sich die Familie weiterhin mit Unwägbarkeiten, Intrigen und bösen Spielen konfrontiert, gegen die sie ankämpfen muß. Und dann trifft sie zudem noch  ein unerwarteter Schicksalsschlag …

„Wenn jemand stirbt, der einem nahestand, fallen einem all die Dinge ein, die man ihm gerne noch gesagt hätte, doch plötzlich ist es zu spät.“

Auch gegen Ende seiner Reihe bleibt Jeffrey Archer seiner begonnenen Linie treu. Das betrifft einmal den Erzählstil. Auch im sechsten Band entschließt er sich dazu, die Geschichte chronologisch in unterteilte Kapitel zu erzählen. Diesmal behandelt er die Zeitspanne 1970 -1978. Jedes Kapitel ist dabei einer bestimmten Person zugeordnet, die im entsprechenden Abschnitt eine Hauptrolle spielen wird. Einzig im Band eins ist er von dieser Linie abgewichen und hat dort jeweils das gleiche Geschehen aus der Sicht verschiedener Personen erzählt. Eigentlich schade, dass er diese besondere Idee in den Folgebänden nicht mehr umgesetzt hat.

Ebenfalls bekannt ist dem geübten Clifton-Saga-Leser die extreme Einteilung „guter Mensch – böser Mensch“. Weiterhin strahlen die  Familienmitglieder einen unfehlbaren „Heiligenschein“ aus. Sie kämpfen stets selbstlos für andere, so zum Beispiel Harry für Anatoli Babakow. Oder als der Freund der Familie, Hakim Bishara, unverschuldet in eine existenzbedrohende Situation gerät, helfen alle vereint zusammen. Dem gegenüber steht das Dreigestirn der Bösewichte Sloane/Mellor und Knowles, deren unermüdliches Bemühen der Tatsache gilt, der Familie Barrington/ Clifton und den damit verbundenen Firmen Schaden zuzufügen. Nicht unmittelbar in diesen Kampf involviert ist diesmal Lady Virgina Fenwick. Doch trotzdem bleibt ihr in diesem Band genug Raum, ihr Gift zu versprühen, was dem Romanverlauf eine gewisse Würze und Schwung bringt. Man hofft als Leser doch sehr, dass diese skrupellose und geldgierige Person auch einmal an ihre Grenzen stößt, nach dem Motto, „wer anderen eine Grube gräbt...“

Der unvermeidliche Cliffhanger bleibt nicht aus

Wie bekannt endet Archer mit einem offenen Ende. Und man kann wohl davon ausgehen, dass auch der Finalband eben wie dieser nahtlos an die Handlung ansetzt. Zu Beginn des Romans findet man einen kurzen Prolog als Hilfestellung, um wieder in die jäh unterbrochene Handlung zurückzufinden.

Wenn man bedenkt, dass die Handlung des ersten Bandes im Jahre 1919 beginnt, erscheint es nur logisch, dass unsere Hauptprotagonisten in die Jahre gekommen sind und dadurch auch im Verlauf eine gewisse Entwicklung durchgemacht haben. Deshalb geht auch diesmal viel Handlung auf die nächsten Generationen über. Sebastian spielt wieder neben seiner Mutter eine große Rolle, während Harry selbst wieder etwas mehr in den Hintergrund tritt, nachdem er im vorhergehenden Band mehr Präsenz hatte. Archer erspart es dem Leser, wieder an dem langen Wahlprozedere der Abgeordneten teilzunehmen, aber es wird sich wieder viel in Gerichtssälen abspielen. Und auch die Besetzung verschiedener Positionen im Vorstand der unterschiedlichen Unternehmen nimmt einigen Raum ein, wobei auch Seb oft beteiligt ist. Hier wäre es aber wünschenswert gewesen, eher im privaten Bereich von Seb in die Tiefe zu gehen. Während es im Leben des jungen Clifton einschneidende und auch dramatische Ereignisse gibt, werden diese eher abgehakt und überstürzt abgehandelt. Dazu hätte man gerne mehr Details erfahren, als nur eine kurze Erwähnung in anderen Handlungssträngen.

Deutliche Steigerung, aber Luft nach oben im Finale

Trotz allem gelingt es dem Erfolgsautor mit dem sechsten Band, wieder einen deutlich stärkeren Roman als den Vorgängerband abzuliefern. Dies liegt sicher daran, dass es diesmal einen wesentlich stärkeren historischen Anteil gibt. Neben einer Einführung in die in Großbritannien herrschende Politik begegnet uns hier die Persönlichkeit Margaret Thatcher und wir erleben den Start ihrer politischen Karriere. Besonders interessant sind die Passagen zum Thema Kalter Krieg und führen uns die kaltblütige und manipulative Vorgehensweise des Ostens vor Augen. Und bei dem waghalsigen Manöver um die Flucht von Karin Brandt wird auch der uns bekannte Walter Scheel eine Rolle spielen. Lange bleibt dem Leser dabei die Figur der Dame ein undurchsichtiges Rätsel und wird erst spät aufgelöst. Hoffen wir, dass die Steigerung sich auch noch im Finalband fortsetzt und der Jahrhundertchronik um die Cliftons einen würdigen Abschluß beschert.

Optisch setzt der Heyne Verlag diesmal auf Gelb und beweist wieder einmal ein glückliches Händchen bei der Auswahl des Titelbildes. Treffenderweise sehen wir ein Liebespaar vor dem Brandenburger Tor und damit den Hinweis, wo die Handlung außer Großbritannien stattfindet.

Da es nun noch einige Fragen zu klären gibt, kann sich der Leser durchaus auf den Abschluss der Geschichte freuen und hoffen, dass Band sieben nicht wieder mit dem traditionellen Cliffhanger endet.

Ihre Meinung zu »Jeffrey Archer: Möge die Stunde kommen«

Angelika Friedrich zu »Jeffrey Archer: Möge die Stunde kommen«04.01.2018
Ich finde die Clifton-saga an sich sehr spannend zu lesen. Teil 6 allerdings finde ich doch schon etwas befremdlich. Ich bin ganz sicher kein Freund der Diktatur der DDR, aber die Schilderungen in diesem Buch sind schon ziemlich übertrieben. Hier sind wohl jede Menge falsche Informationen geflossen. Schade.
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