Die Frauen von Götaland von Jan Guillou

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 1998unter dem Titel „Vägen till Jerusalem“,deutsche Ausgabe erstmals 1999, 477 Seiten.ISBN 3-492-23380-5.Übersetzung ins Deutsche von Holger Wolandt.

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Kurzgefasst:

Man schreibt das Jahr 1150. Während die ersten Kreuzritter sich ins Heilige Land aufmachen, will es eine Offenbarung, dass der aus Götaland stammende Adelige Arn Magnusson ein geweihtes Leben führt. Doch dann begeht er eine unverzeihliche Blutschande und wird dazu verurteilt, zwanzig Jahre Dienst als Tempelritter zu tun…

Das meint Histo-Couch.de: „;Der packende Beginn eines großen Epos!“;94Treffer

Rezension von Carsten Jaehner

In einer Zeit, in der Schweden noch nicht Schweden hieß und noch nicht seine heutigen Grenzen hatte, in der Gottesfurcht und Brutaliät das Leben prägten und in der das Schwert zu den am häufigsten benutzten Utensilien gehörte, in dieser Zeit spielt Jan Guillous Kreuzfahrer-Trilogie, bestehend aus den Romanen „;Die Frauen von Götaland“;, „;Die Büßerin von Gudhem“; und „;Die Krone von Götaland“;.

In das Schweden des Jahres 1150 hinein wird Arn geboren, Sohn des Magnus und der Frau Sigrid. Zusammen mit seinem Bruder Eskil wächst Arn zunächst in Arnäs auf, nachdem seine Mutter einen Gutteil ihres Landes nach einer göttlichen Eingebung dem König geschenkt hat, um dort ein Kloster zu errichten. Nach einem schweren Sturz, den Arn nur wie durch ein Wunder überlebt, wollen die Eltern Gott danken, indem sie ihren Sohn zu besserer Erziehung und zum Wohl des Herrn ins Kloster geben, denn sie sind überzeugt, dass Gott mit ihm etwas ganz besonderes vorhat. Im Kloster lernt Arn nicht nur die geistlichen, sondern auch viele nützliche weltliche Dinge kennen, wie Verwaltung, Anbau von Lebensmitteln und ähnliches. Einer der Klosterbrüder unterrichtet ihn im Schwertkampf, denn er war früher ein Templer…

Hervorragend dargestellte Traditionen

Jan Guillou, bislang eher bekannt für seine Coq Rouge-Thriller, hat mit dem vorliegenden Buch ein breit angelegtes und dennoch kurzweiliges Epos geschaffen, dass das Mittelalter im Norden Europas von seiner grausamsten und gleichzeitig romantischsten Seite zeigt. Während weit entfernt im Gelobten Land die Kreuzritter um Jerusalem kämpfen, wovon immer wieder Nachrichten nach Skandinavien schwappen, wird vor Ort in Götaland alles getan, um die Politik zu bestimmen, sei es durch Heirat oder durch das Schwert. Könige werden gewählt, und einer der Höhepunkte des Buches ist sicher die große Versammlung beim Landesthing, wo Zwiste geklärt werden und neue Freunde oder auch Feinde gewonnen werden können.

Von der ersten Zeile an beschreibt Guillou ein gut recherchiertes Leben in Westschweden, damals noch Westliches Götaland. Geschickt wird die Geschichte der Familie um Arn Magnusson mit der Geschichte des Landes verwoben. Sehr detailgetreu und dabei doch sehr kurzweilig beschreibt der Autor das damalige Leben. Dieses ist immer etwas derber als anderswo, aber das macht das Leben der Zeit für den Leser umso verständlicher und realer. Mit dabei immer eine leichte Prise skandinavischen Humors, der die Figuren sympathisch erscheinen lässt. Nein, es ist kein lustiges Buch, aber dann und wann laden Guillous Formulierungen doch zum Schmunzeln ein.

Blut ist dicker als Wasser

Dabei geht es nicht nur um das Leben im „;Kleinen“;, in den Ländereien, im Dorf, im Kloster, mit ihren kleinen und großen Sorgen und Problemen. Kleine Fortschritte sind besser als gar keine Fortschritte. Familien sind zu dieser Zeit immer irgendwie durch Hochzeiten mit anderen Familien verbunden, und zu dieser Zeit wird das Wort „;Blutsbande“; sehr groß geschrieben. Hier ist Blut immer dicker als Wasser. Familie, Ehre und die Gefahr, das Gesicht vor anderen zu verlieren, bereiten den Weg von den Sippen in die Königshäuser, die entweder durch Blutsbande miteinander verbunden sind, oder eben nicht. Diese Fehden und das Schachern um Macht bestimmen das sich so immer wieder verändernde Umfeld Arns und seiner Begleiter.

Das Buch zeichnet sich nicht nur durch eine hervorragende Kenntnis der Gesellschaftlichen Bräuche und Begebenheiten oder der skandinavischen Historie im Allgemeinen aus. Es zeigt auch fundiertes Wissen in anfänglich nicht so hervorstechenden Gebieten. Die Kommunikation untereinander findet über Boten und Reisende zu Pferd statt. Nachrichten verbreiten sich daher zu dieser Zeit noch sehr langsam, und so findet große Politik immer mit Verzögerung statt. Familienbande und der Glaube an Gott mit allen Konsequenzen bestimmen das Leben der Familie von Magnus. Probleme werden zu dieser Zeit zuerst mit dem Schwert geklärt.

Vorfreude und Neugier auf die Folgebände

Und doch ist auch in dieser finsteren Zeit an diesem finsteren, aber nicht unfreundlichen Ort Platz für die Liebe. Auch wenn Arn durch seine klösterliche Erziehung nicht so viel von diesen Dingen versteht, kann er sich dem Charme der gleichaltrigen auf Dauer doch nicht entziehen. Natürlich führt das zu ungeahnten Problemen, denn Blutschande und eine auf Rache gesinnte Verflossene sorgen dafür, dass das Ende des Buches leider nicht das Ende der Geschichte ist. Arn wird für lange Zeit in die Kreuzzüge verbannt. Dennoch ist das Buch ein in sich abgeschlossener Roman, den man für sich allein lesen kann. Trotzdem kommen Vorfreude und Neugier auf, dass es noch zwei Fortsetzungen gibt.

Der deutsche Titel „;Die Frauen von Götaland“; mag etwas verwirrend sein, zumal er nicht dem schwedischen Original entspricht. „;Vägen till Jerusalem“; (etwa: „;Wege nach Jerusalem“;) zeigt vielmehr an, was die Konsequenzen aus Arns Taten sind, seien sie wissentlich oder unwissentlich begangen worden. Das spielt in der damaligen Zeit auch keine große Rolle. Mit dem deutschen Titel sieht man vielmehr die „;Ursachen“; für die Geschehnisse, aber allzu viel soll an dieser Stelle auch nicht verraten werden.

Packendes Mittelalter

Guillou nimm den Leser auf eine Reise mit, ohne ihn belehren zu wollen. Man wird gut durch die Geschichte geführt und nicht mit interessanten, aber unwichtigen Details gelangweilt oder verwirrt. Man liest dieses Buch nicht nur, sondern man erlebt die Geschichte mit. Der Schreibstil ist sehr schön und flüssig zu lesen, wie man ein Buch gerne liest. Greifen Sie also zu und nehmen Sie sich etwas Zeit. Sie sollten das Telefon abstellen und sich schon mal vorsorglich beim Freundeskreis und der Familie entschuldigen, dass Sie für die nächste Zeit nicht ansprechbar sind, denn wenn man dieses Buch erst einmal angefangen hat, fällt es einem sehr schwer, sich wieder davon zu trennen.

Und das kann ich nur wärmstens empfehlen. Lehnen Sie sich zurück, legen Sie eine CD mit mittelalterlicher Musik auf – und freuen Sie sich, dass Sie es heutzutage etwas leichter haben als die Menschen damals.

Ihre Meinung zu »Jan Guillou: Die Frauen von Götaland«

Keera zu »Jan Guillou: Die Frauen von Götaland«19.07.2009
Ich habe das Buch unter dem neuen Titel "Der Kreuzritter-Aufbruch" gelesen.
Göthaland 1150. Schweden gibt es noch nicht, wohl aber erste Könige, die die drei Kronen von Wester- und Östergöthaland und die von Svealand für sich beanspruchen. Das Christentum ist noch neu in dieser Gegend, französische Mönche haben die ersten Klöster gegründet.
In dieser Zeit wird in eine der führenden Familien das Kind Arn geboren. Schon früh wird Arn in die Obhut der Mönche gegeben und erhält dort eine sorgfältige und vielseitige Erziehung. Der intellektuell und motorisch hoch begabte Junge wird, ohne es zu wissen und ohne dass es jemand zugibt, auf ein Leben als Tempelritter vorbereitet. Dann aber, als der Junge etwa 17 Jahre alt ist, kommen die Mönche zu der Erkenntnis, dass er auch das Leben außerhalb des Klosters kennenlernen soll und sie schicken in zurück zu seiner Familie.
Hier merkt Arn sehr bald, dass er in einer sehr einseitigen, begrenzten und behüteten Welt aufgewachsen ist. Aber er lernt schnell und gewinnt die Achtung der Menschen, mit denen er es zu tun bekommt. Dass ihm dabei seine kämpferische Begabung und Ausbildung zugute kommt, ist klar.
Aber dann geschieht, was geschehen muss – Arn begegnet den Mädchen! Sehr schnell wird klar, dass die Ausbildung im Kloster auf diesem Gebiet sehr, sehr mangelhaft war. So gerät Arn bald in ernste Schwierigkeiten und wird dazu verurteilt, eine Buße als Kreuzritter im heiligen Land anzuteten.
Die Geschichte von Arn ist interessant und spannend zu lesen. Wer Heldenfiguren liebt, kommt voll auf seine Kosten und auch die Liebe kommt nicht zu kurz. Das Ganze ist in einen äußerst interessanten historischen Hintergrund eingebettet. Man lernt den (fast) heiligen Eric kennen, der als erster die drei schwedischen Kronen in seiner Flagge hatte, mehrere Könige, die damals um die Macht stritten und Birger Jarl, den Gründer der Stadt Stockholm. Außerdem erfährt man viel über das damalige Leben in einem Kloster und auf einer Burg.
Insgesamt ein kurzweiliges, interessantes und gut lesbares Buch.
Ich werde Teil 2 sofort „nachschieben“.
Albrecht zu »Jan Guillou: Die Frauen von Götaland«16.06.2009
Habe soeben die letzten 300 Seiten des zweiten Bandes im Stück mir reingezogen. Spannend, teils tragisch und immer sehr gut recherchiert. Ich bin wahrlich kein Gottesgläubiger. Die Bezüge zur Religion und auch der Vergleich der religiosen Ansichten und Lebensweisen gehören unweigerlich zum Thema Mittelalter und Kreuzzüge. Das ist unsere Geschichte. Und dabei ist keinerlei Dogmatismus, nur viel Einfühlvermögen in diese Zeit.
Danke für die spannenden Stunden.
Lexa zu »Jan Guillou: Die Frauen von Götaland«19.05.2009
Ich kann mich leider den guten Kritiken zu diesem Buch nicht anschließen.
Zwei Drittel des Buches handeln von Gottglauben und Hadern mit selbigem. Der brave weltfremde Arn ist durchgängig farblos und naiv und kann mich nicht für sich einnehmen. Auch die anderen Protagonisten sind schal, eher gar nicht gezeichnet. Einzig Sigrid hat Charakter, leider stirbt sie früh. Als endlich am Ende des Buches Spannung aufkommt, ist auch schon das Ende da.
Dieses Buch hat mich zu keinem Zeitpunkt in igendeiner Weise berührt, mein niedriger Blutdruck ist bei keiner Zeile gestiegen. Möglicherweise kommt ein sehr gläubiger Mensch bei diesem Buch auf seine Kosten, ich nicht.
Kristian Jürgensen zu »Jan Guillou: Die Frauen von Götaland«09.08.2006
Habe die Bände seit ca. drei Jahren und habe sie seitdem dreimal gelesen. Ungalublich spannend, vorallem wenn man sich für diese Epoche und Rittreorden interessiert. Auf der einen Seite Unterhaltung und auf der anderen Seite viel Wissenswertes über die Entstehung Schwedens.
Ich kann jedem empfehlen diese Bücher zu lesen!
m-w-haefner zu »Jan Guillou: Die Frauen von Götaland«07.08.2006
Das ist eines der Bücher, vor denen ich warnen muß!
Der Genuß dieses Buches und der beiden Folgebände führt zur Sucht.
Bei mir hat es dazu geführt, dass ich mir im Anschluß auch noch die zehn Bände über "Coq Rouge" gekauft habe, auch wenn das Thema ein völlig anderes ist. Die Wirkung hier war die gleiche. Übrigens taucht im letzten Band Kommissar Wallander auf. Wer diese Bücher noch nicht kennt, sollte das schnell abändern.
KatharinaHisto zu »Jan Guillou: Die Frauen von Götaland«01.08.2006
Hallo Beowulf,

wir von der Histo-Couch wussten, dass der zweite Teil der Trilogie derzeit nicht erhältlich ist.

Bei der Wahl des Historikus müssen eine ganze Reihe von Kriterien erfüllt sein, natürlich sollten vorgestellte Titel auch lieferbar sein. Allerdings wird es schwer, wenn wir auch noch auf die Lieferbarkeit weiterer Titel aus einer Serie achten müssten.

Da der Historikus ab August aber wahrscheinlich nur noch aktuell sein wird, sprich eine Neuerscheinung, wird dieses Problem nicht mehr auftreten :)

Freundliche Grüße
Katharina
Beowulf zu »Jan Guillou: Die Frauen von Götaland«01.08.2006
Warnung!!!!!
Das Buch ist wirklich so gut wie die Rezi sagt, dabei entsteht dann das Problem für alle die die Fortsetzung (Teil 2) lesen wollen und nicht Büchertauscher oder Gebrauchtbücherkäufer sind, das die Büßerin von Gudhem erst im Januar 2007 verfügbar sein soll, da derzeit vergriffen. Teil drei Die Krone von Götaland gibt es, aber ganz toll ist es nicht von einer Triologie den ersten und den letzten Teil gelesen zu haben. Da das Buch aber wirklich die Spannung aufbaut wie es weiter geht sind einige Monate Spannungsanhalt nicht nervenschonend.
Beowulf zu »Jan Guillou: Die Frauen von Götaland«17.07.2006
Mein erstes Buch, das ich aufgrund einer Anregung der histo-couch gekauft habe (wenn auch der letzte Band der Triologie besprochen wurde), ich kann nur sagen dass das Ausuchen der Seite zu vielen interessannten Seiten in einem ausgesprochen lesenswerten Buch in eine Epoche in der ich mich ganz gut auskenne, aber in eine Ecke Europas in der mir historische Kenntnisse sehr fehlen und selbst mein Ploetz, der immer neben dem historischen Roman liegt noch knapper ist als sonst. Let´s google. Das ein historischer Roman mich anregt rauszufinden was war dort und dann ist das beste was ich über einen Roman sagen kann.
Ulli zu »Jan Guillou: Die Frauen von Götaland«14.07.2006
Nicht ganz das Charisma der Coqu-Rouge-Reihe erreichend, ist dieses Buch nebst seinen Nachfolgern intelligente, spannende, amüsante und berührende Unterhaltung. Und nachdem wir hierzulande meist Bücher, die in Deutschland, GB und Südeuropa spielen, lesen, ist es endlich auch mal eine andere Ecke Europas, die hier in den Fokus gerät.
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