Das Haus der Spiegel von J. Sydney Jones

Buchvorstellungund Rezension

Das Haus der Spiegel von J. Sydney Jones

Originalausgabe erschienen 2009unter dem Titel „The Empty Mirror“,deutsche Ausgabe erstmals 2010, 372 Seiten.ISBN 3-7466-2577-7.Übersetzung ins Deutsche von Wolfgang Thon.

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Kurzgefasst:

1898 erschüttert Wien eine Mordserie – immer sind es junge Frauen, die im Prater getötet werden. Als sein Modell das fünfte Opfer wird, gerät der Maler Gustav Klimt unter Verdacht. Da er kein Alibi hat, wird er verhaftet. Karl Werthen, Anwalt des Malers, beginnt mit Hilfe des Kriminologen Hanns Gross zu ermitteln. Die Spur führt in die hohe Wiener Gesellschaft. Als Kaiserin Elisabeth, bekannt als Sissi, bei einem Anschlag ums Leben kommt, begreift Werthen das Ausmaß der Verschwörung.

Das meint Histo-Couch.de: „Im Prater blüht das Verbrechen“86Treffer

Rezension von Carsten Jaehner

Wien 1898. Eine Mordserie erschüttert die Stadt. Bereits vier Menschen wurden auf die gleiche Art und Weise getötet, und die neueste Leiche ist eine junge Frau, die als Modell für den Maler Gustav Klimt gearbeitet hat. Prompt wird dieser als Tatverdächtiger verhaftet, da er kein Alibi hat und für sein ausschweifendes Leben bekannt ist. Er beauftragt seinen Anwalt Karl Werthen, seine Unschuld zu beweisen.

Gemeinsam mit dem berühmten Kriminologen Hans Gross übernimmt Werthen den Fall, und schon bald kommen sie einer Lösung auf die Spur. Als der Fall abgeschlossen scheint, wird Klimt freigelassen und die beiden Ermittler gehen wieder getrennte Wege. Da wird die Kaiserin Elisabeth ermordet, und die beiden treffen sich zufällig auf der Trauerfeier wieder. Sie stellen fest, dass ihr Tod womöglich mit der vormaligen Mordserie in Verbindung stehen könnte und nehmen ihre Tätigkeit wieder auf. Dabei geraten sie nicht nur in höchste Kreise, sondern stossen auch auf eine Verschwörung von ungeheuerlichem Ausmaß.

Munteres Ermittlergeplänkel

Mit Das Haus der Spiegel hat der amerikanische Autor J. Sydney Jones zwei Ermittlern die Tür ins Wien der K.-und-K.-Zeit geöffnet, und laut eigener Aussage werden die beiden die Leser künftig noch mit zahlreichen weiteren Abenteuern erfreuen. Das neue Ermittlergespann ermittelt in einer Zeit, in der die österreichisch-ungarische Monarchie bereits nicht mehr den Beliebtheitsgrad voriger Tage hat, das Kaiserpaar getrennt aneinander vorbeilebt und somit Glanz und Gloria einstigster Tage bereits vergangen sind.

Dabei stellt Jones mit dem Ermittlerpaar ein Duo zusammen, das unterschiedlicher nicht sein könnte. Karl Werthen, ein junger Advokat, der bei einer alten Dame zur Untermiete wohnt, ein paar erfolglose schriftstellerische Versuche gewagt hat und für seine Mandanten alles tut, steht Hans Gross gegenüber, ein Kriminologe, zwanzig Jahre älter als Werthen, der sich rühmt, spektakuläre Ermittlungsmethoden erfunden zu haben, darüber unzählige Aufsätze veröffentlicht hat und von dem Arthur Conan Doyle viele Ideen für seinen Romanen Sherlock Holmes entnommen haben soll.

Untersuchungen in allerhöchsten Kreisen

Zwischen den beiden entwickelt sich ein mitunter munteres Geplänkel, das von Gross bisweilen schulmeisterlich angeführt wird. Dennoch weiß Werthen ihn gelegentlich zu überraschen, und das nicht nur durch seine Verlobung mit Berthe Meisner, nachdem er sie erst vierzehn Tage zuvor kennen gelernt hat. So ergeben Gross und Werthen ein Gespann, das trotz oder gerade wegen seiner Gegensätze gut funktioniert und denen man auch teilweise recht amüsiert durch den Roman folgt, auch wenn Gross in seiner Arroganz manchmal deutlich über das Ziel hinaus schiesst. Immerhin sind beide historische verbürgte Persönlichkeiten, was das ganze noch interessanter macht.

Der Kriminalfall selber ist durchaus spannend, zumal er ja nach der Hälfte des Buches eigentlich abgeschlossen scheint. Da bekommt der Leser sozusagen zwei Fälle in einem Buch vorgelegt, die doch miteinander verknüpft sind, wobei sehr lange nicht feststeht, ob überhaupt, und wenn ja, wie dann. Immerhin findet der Autor eine plausible Lösung für die Verbindung, die sich in allerhöchsten Kreisen findet. Mehr soll hier nicht verraten werden, aber es entsteht eine neue Sichtweise auf die Attentate auf die Kaiserin und neun Jahre zuvor Kronprinz Rudolf.

Authentisches Wien, darf aber mehr sein

Auf dem Weg zur Lösung treffen die Ermittler neben ihrem Auftraggeber Gustav Klimt weitere Prominente der Zeit wie Mark Twain, Mitglieder des Kaiserhauses und aus den aristokratischen oberen Zehntausend, ermitteln aber zugleich in der Bürgerschaft, sodass es durchweg einen Kontrast gibt und einen Einblick in alle Gesellschaftsschichten. Dies und weitere historische Begebenheiten innerhalb der Erzählung ergeben ein authentisches Bild Wiens um die Jahrhundertwende, das der Autor, der selbst zwanzig Jahre in Wien gelebt hat, entwirft. Etwas mehr Wiener Schmäh, buntere Kaffeehausstimmung und österreichisches k.-und-k.-Selbstverständnis hätten dem Roman allerdings auch gut getan, um die Atmosphäre aufzulockern.

Leider fehlen dem Roman jegliche Zusätze wie Personenverzeichnis oder Historische Anmerkungen. Wenn der Autor an dieser Stelle noch nachbessert, kann aus der Reihe der Wien-Krimis ein kompaktes und lehrreiches Lesevergnügen werden. Diesen Autor und seine Krimireihe sollte man unbedingt im Auge behalten.

 

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