Ivo Andric

Der jugoslawische Schriftsteller Ivo Andric wurde 1892 in Dolac bei Travnik (heute Bosnien und Herzegowina) geboren. Eigentlich war die Familie in Sarajevo beheimatet, Ivo wurde während eines Besuchs bei Verwandten geboren. Sein Vater, ein katholischer Handwerker, starb bereits zwei Jahre nach seiner Geburt, und da seine Mutter ihn nicht ernähren konnte, wuchs er bei der Schwester seines Vaters, Ana, und ihrem Ehemann in Višegrad auf.

Dort absolvierte er die Mittelschule und besuchte anschließend das Gymnasium in Sarajevo. Er studierte ab 1912 Philosophie, Slawistik und Geschichte in Zagreb, Wien, Krakau und Graz, unterbrochen von den Jahren des Ersten Weltkriegs. Während des Kriegs wurde er als Mitglied der revolutionären Organisation Mlada Bosna von den österreichisch-ungarischen Behörden gesucht und in Split festgenommen, wo er ein Jahr im Gefängnis verbrachte. Er war in verschiedenen Lagern interniert und wurde 1917 amnestiert, woraufhin er nach Zagreb in ärztliche Behandlung ging und dort 1918 die literarische Zeitschrift Književni jug gründete.

Er war zu dieser Zeit auch Mitglied im Nationalrat in Zagreb, dessen Deklaration letztlich zum Königreich Jugoslawien führte. 1919 ging er nach Belgrad ins Außenministerium und war in Konsulaten im Vatikan, in Bukarest, Triest und Graz tätig. 1924 promovierte er an der Karl-Franzens-Universität in Graz. Weitere diplomatische Stationen waren bis 1941 Paris, Madrid, Brüssel, Genf und Berlin.

1939 wurde er Mitglied der serbisch-königlichen Akademie und auch Gesandter des Königreichs Jugoslawien im Deutschen Reich. 1941 ersuchte er um Abberufung, musste aber als Abgesandter dem Dreimächteabkommen in Wien beiwohnen. Nach der Bombardierung Belgrads boten ihm die Deutschen die Ausreise in die Schweiz an, der kehrte jedoch nach Belgrad zurück und schied aus dem diplomatischen Dienst aus, um fortan an seinen Romanen zu arbeiten, vor allem seiner Bosnischen Trilogie, deren erster Roman Na Drini cuprija (dt. Die Brücke über die Drina) ihn als Schriftsteller berühmt machte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb er jedoch nicht nur Romane, sondern war auch weiterhin politisch aktiv. So wurde er Vorsitzender des Jugoslawischen Schriftstellerverbandes, Abgeordneter des Jugoslawischen Parlaments und später Filmzensor. 1954 wurde er Mitglied der Kommunistischen Partei Jugoslawiens und unterzeichnete als erster das Abkommen von Novi Sad über die serbokroatische Sprache.

Andric erhielt für sein politisches Wirken zahlreiche Ehrungen durch den jugoslawischen Staat und ist der weltweit bekannteste und am meisten übersetzte Autor der südslawischen Literaturen. Seine Gedichte, Erzählungen, Novellen, Geschichten und Romane wurden in mehr als 40 Sprachen übersetzt. Andric wird heute sowohl von Serbien als auch von Bosnien-Herzegowina und Kroatien geehrt, obwohl sein politisches Wirken nicht immer unumstritten ist. Zudem wurden nach ihm Strassen benannt, Denkmäler wurden errichtet und sein Konterfei auf Briefmarken verewigt. Zudem gibt es in Belgrad ein ihm gewidmetes Museum. Seine wohl größte Ehrung erhielt er im Jahr 1961 mit dem Literatur-Nobelpreis.

Ivo Andric heiratete 1958 Milica Babic, mit der er bis zu deren Tod im Jahr 1968 zusammenlebte. Er starb am 13. März 1975 in Belgrad.

Historische Romane von Ivo Andric:

Weitere Romane von Ivo Andric:

  • (1963) Jelena
    Jelena žena koje nema
  • (1976) Wegzeichen
    Znakovi pored puta