Irène Némirovsky

Die französische Schriftstellerin Irène Némirovsky wurde 1903 in Kiew in der Ukraine geboren. Ihr Vater war ein jüdischer Bankier, und ihre Eltern interessierten sich nicht sonderlich für sie, sodass sie von einer französischen Gouvernante erzogen wurde und Französisch ihre zweite Muttersprache wurde. Während der Russischen Revolution floh die Familie 1919 über Finnland und Schweden nach Paris und gelangte in den 1920ern wieder zu einigem Reichtum. So konnte Irène an der Sorbonne Literatur studieren, was sie auch mit Auszeichnung abschloss.

Im Jahr 1926 heiratete sie den Juden Michel Epstein, drei Jahre später wurde die Tochter Denise geboren. Im selben Jahr erschien ihr erster Roman David Golder (dt. David Golder), der sie schlagartig bekannt machte und von vielen Seiten gelobt wurde, darunter auch von Antisemiten. Im Jahr darauf folgte 1930 Le Bal (dt. Der Ball), der 1931 verfilmt wurde und der die Grundlage für die gleichnamige Oper des argentinischen Komponisten Oscar Strasnoy bildete, die 2010 in Hamburg uraufgeführt wurde.

Seit 1919 war sie staatenlos, was sich auch durch ihre literarischen Erfolge nicht ändert. Nach der Geburt der zweiten Tochter Élisabeth im Jahr 1937 konvertierte sie mit beiden Töchtern 1939 zum Christentum, da sie auch in Frankreich den Antisemitismus spürte, allerdings blieb ihr das spätere Schicksal nicht erspart. Kurz nach Kriegsausbruch brachte ihr Mann die Kinder aus Paris fort, sie selber blieb vor Ort. Nach Frankreichs Kapitulation wurden sie nun Michel gezwungen, Paris zu verlassen und lebten nun mit ihren Kindern in einem Hotel in dem Ort, wo die Kinder bereits lebten, wo auch im Hotel Offiziere und Soldaten der Wehrmacht untergebracht waren.

Nach einem Jahr zogen sie in ein eigenes Haus um, und Irène schrieb viel und brachte den Verlag Albin Michel und den Direktor der antisemitischen Zeitung Gringoire dazu, unter zwei verschiedenen Pseudonymen Pierre Nérey und Charles Blancat weiterhin veröffentlichen zu dürfen. Sie schrieb weiterhin an ihrem geplanten fünfteiligen Roman Suite française, von dem letztlich nur zwei fertig wurden.

Am 13. Juli 1942 wurde Irène verhaftet und ins Durchgangslager Pithiviers gebracht, einen Tag später wurde sie ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert, wo sie am 17. August 1942 verstarb. Ihr Mann Michel hatte noch versucht, ihre Freilassung zu erwirken, wurde aber auf den Versuch hin ebenfalls deportiert und im Oktober 1942 sofort nach seiner Ankunft in die Gaskammer geführt. Da Irène ihre Deportation und die ihres Mannes vorausgeahnt hatte, waren die beiden Kinder zuvor in Sicherheit gebracht worden und überlebten in Klöstern und Höhlen den Krieg.

Erst 60 Jahre später entdeckten die beiden Töchter, dass das Manuskript in einem Koffer ihrer Mutter, von dem sie glaubten, es seien, Skizzen und Notizen, der unvollendete Roman Suite française (dt. Suite française) war. Diese beiden Teile, die 1940 und 1941 spielen, wurden in einem Band im Jahr 2004 veröffentlicht, die deutsche Übersetzung erschien 2005.

Zwar handelt es sich bei den Romanen von Irène Némirovsky nicht um historische Romane im eigentlichen Sinn, allerdings verdienen diese Romane eine breiten Leserschaft, zumal sie einen Einblick in die Zeit des Nationalsozialismus bieten.

Historische Romane von Irène Némirovsky: