Die Kastratin von Iny Lorentz
Buchvorstellung und Rezension
Originalausgabe erschienen 2003 unter dem Titel „Die Kastratin“, , 512 Seiten. ISBN 3-426-62366-8.
Kurzgefasst:
Die junge Giulia, Tochter des Kapellmeisters Fassi aus Salerno, hat nur einen brennenden Wunsch: Sie möchte im Chor ihres Vaters singen, denn sie hat eine wunderschöne Stimme. Doch im Italien der Renaissance ist den Frauen das Singen in der Kirche verwehrt. Ein Zufall gibt Giulia die Chance, ihren größten Traum zu verwirklichen, doch sie zahlt einen hohen Preis dafür, denn fortan muss sie als Kastrat verkleidet durch die Lande ziehen…
Das meint Histo-Couch.de: „;Kastraten, Kapellen und Konzerte“;
von Elke Röhrig
Der Name der Autorin/des Autorenehepaars verspricht bereits einiges. Doch was stellt man sich unter einer „;Kastratin“; vor? Wer in der Welt der Musik ein wenig zu Hause ist, wird an die berühmten Kastraten-Sänger der Sixtinischen Kapelle erinnert. Ein Buch also über Musik? Eine weibliche Sängerin? Doch was hat das mit Kastration zu tun? Die Beantwortung dieser Frage lässt nicht lange auf sich warten und wird gleich auf den ersten Seiten geklärt.
Ketzer – Kastratensänger – Inquisition
Giulia ist gerade erst 11 Jahre alt, als sie heimlich die Chorknaben bei ihren Proben belauscht und wenn sie sich unbeobachtet fühlt, die gehörten Melodien selbst anstimmt. Sie hat nicht nur eine wunderschöne reine Stimme, sie kann sich auch die Gesänge scheinbar mühelos merken. Nichts macht ihr so viel Freude, wie das Singen. Doch für ein Mädchen schickt es sich nicht, in der Öffentlichkeit zu singen, und die Strenge der Inquisition verhängt nicht geringe Strafen, so dass ihre Mutter sie mit harter Arbeit zur Räson bringen will. Als der Solosänger des Chores nicht nur in den Stimmbruch zu kommen scheint, sondern auch noch in flagranti mit einem anderen Chorknaben in einer delikaten Situation erwischt wird, erhält sie die Chance ihres Lebens.
Sie wird von ihrem Vater und Pater Lorenzo in einen Jungen „;verwandelt“; und singt auf dem Fest des heiligen Ippolito den Solopart der Palestrina-Messe. Und sie macht ihre Sache so gut, dass der Vater gebeten wird, sie kastrieren zu lassen, um ihre Stimme der Kirche zu erhalten. Die Angst, die Täuschung könne aufgedeckt und vor die Inquisition gebracht werden, lässt Vater und „;Sohn“; sofort aufbrechen und sich verstecken. Begleitet werden sie von ihren treuen Dienern Beppo und Assumpta.
Und so ziehen sie durch Italien. Nie bleiben sie lange an einem Ort. Der Vater, obwohl früher Kapellmeister gewesen, verlässt sich mehr und mehr auf Giulia, die als Giulio für den Lebensunterhalt dieser kleinen Gruppe singt. Sie bekommt immer mehr Gelegenheiten aufzutreten und wird zunehmend berühmter. Und so kommt es, dass sie selbst Papst Pius IV. zu hören bekommt und ihr den Auftrag erteilt, an den Hof von Kaiser Maximilian II zu gehen um für ihn zu singen. Dieses Arrangement ist nicht uneigennützig. Wie sich heraus stellt greift die ketzerische Lehre Luthers in Wien um sich und Giulia erhält indirekt den Auftrag, dafür zu sorgen, dass der Hochadel zurück in den Schoß der einzig wahren Kirche findet. Um dies zu erreichen, werden Intrigen gesponnen, ja man scheut sogar vor Mord und Todschlag nicht zurück und Giulia ist mehr als einmal in Gefahr.
Spannend und idyllisch…
Anhand des Einzelschicksals der Protagonistin Giulia zeigt die Autorin gesellschaftliche und historische Merkmale dieser Zeit auf, so besonders die Auswirkungen der Reformation Luthers auf die Katholische Kirche. Da macht Geschichte Spaß, so wird sie greifbar. Während der Leser mit Leichtigkeit imstande ist, sich mit Giulia zu identifizieren und in ständiger Angst vor der Inquisition weiter liest, wird aus dem Mädchen eine Frau. Es wird immer schwieriger, die weiblichen Formen zu verstecken, und als auch noch der langjährige Reisegefährte Vincenzo Giulia zu verstehen gibt, dass er „;ihn“; begehrt, wird sie in einen Strudel aus Gefühlen und Angst gerissen. Und nur ihre mühsam anerzogene Selbstbeherrschung hilft ihr, mit diesen neuerlichen Problemen fertig zu werden.
Ketzer werden verbrannt und Komplotte werden geschmiedet. Giulia stellt kirchliche Lehren in Frage und droht immer wieder als Frau entlarvt und auf dem Scheiterhaufen als Hexe verbrannt zu werden…
Die Geschichte Giulias beginnt langsam und idyllisch, wird dann aber spannender und erreicht ihren Höhepunkt gegen Ende. Iny Lorentz schreibt einen sehr kurzweiligen, anschaulichen und eher bodenständigen Stil und man hat den Eindruck, ein wenig mehr „;hinter die Kulissen“; zu blicken.
… mehr aber nicht
Allerdings auch nicht mehr. Wer sich erhofft hat, etwas mehr über die Musik des 16. Jahrhunderts zu erfahren, wird enttäuscht werden, denn Giulia versinkt bei jedem Auftritt in ihrer Musik und kommt erst wieder mit dem letzten Ton zu sich. Auch die Geschehnisse dieser Zeit werden eher nur angerissen. Die Charaktere allerdings sind durch die Bank sehr gut gezeichnet und geben einen guten Einblick in die Wesensart der Italiener. Sehr gut sind Minenspiel, Gedankengänge und Gewissenskonflikte zu erkennen. Den Redeschwall von Assumpta kann man direkt hören und sieht das Machogehabe so mancher Männer vor sich…
Selbst das Thema der berühmten Kastraten-Sänger wird zu einem Punkt, mit dem man sich auseinandersetzt. Leider wird dies eher in der Kostümierung der Protagonistin abgehandelt als wirklich Einblicke in die Vorgehensweise einer Kastration und die Besonderheiten einer Kastratenstimme zu geben.
Es fällt schwer, das Buch aus der Hand zu legen, wenn man sich erst einmal „;festgelesen“; hat.
Ihre Meinung zu »Iny Lorentz: Die Kastratin«
- afamia zu »Iny Lorentz: Die Kastratin« 21.09.2011
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Dies war mein erstes Buch von Iny Lorentz, deshalb habe ich auch keinerlei Vergleichsmöglichkeiten zu ihren anderen Werken.
Jedoch muss ich sagen, dass ich, verglichen mit anderen historischen Romanen, ein wenig enttäuscht war. Die Geschichte bleibt für mich realitiv flach und farblos. Ich weiss nicht genau, ob es am Schreibstil, oder an der Story und am Thema selbst liegt. Ein nettes, gut zu lesendes Buch, jedoch nicht unbedingt weiterzuempfehlen.
- Gracia zu »Iny Lorentz: Die Kastratin« 15.01.2011
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Erläuterungen über den Inhalt spare ich mir an dieser Stelle, da diese schon oft genug genannt wurden und ich den Lesern die Spannung nicht nehmen möchte.
Am Buch "Die Kastratin" scheinen sich die Geister zu scheiden: Einerseits wird dem Autorenpaar vorgeworfen, dass das Thema "augelutscht" sein und andererseits sei die Recherche nicht gelungem. Letzterem Vorwurf kann und möchte ich nicht widersprechen, wobei ich auch erwähnen möchte, dass die Auseinandersetzungen zwischen Protestantismus und der traditionellen katholischen Kirche an einigen Stellen gut angesprochen wurden. Dem ersten Vorwurf muss ich jedoch entgegensetzen, dass es dem Inhalt und der Sprache des Romanes nicht schaden kann, ein Thema erneut aufzugreifen. - Tiergeschichten faszinieren Kinder auch noch, wenn sie schon hunderte kennen...
In welches Genre man den Roman nun einordnen möchte, ist mir als Leserin völlig egal - Musik, die mir gefällt höre ich, ohne, dass ich vorher über die Richtung informiert werden muss.
Ein klares Positivum des Romanes ist ganz klar die Beschreibung der Figuren: jede einzelne hat ihr Innenleben, hat Fehler und ein facettenreiches Gefühlsleben, was es dem Leser schnell ermöglicht, sich in die Figuren einzufügen.
Nicht nur das hält die Spannung für den Leser aufrecht.
Weniger gut haben mir die Zeitsprünge gefallen, bei denen ein Teil der Entwicklungen der Figuren verloren ging.
Der Titel des Buches ist eventuell nicht gut gewählt, da er Erwartungen weckt, dass das Leben eines Kastraten genauer beschrieben wird.
Alles in allem ist es ein Schmökerroman für diejenigen, die für ein paar Stunden aus dem Alltag fliehen wollen. - Eine lockere Unterhaltung mit Spannung und Liebe zu den Figuren, aber keiner ausgeprägten Genauigkeit in der Recherche.
- Stine zu »Iny Lorentz: Die Kastratin« 06.01.2011
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So schlimm ist das Buch gar nicht, auch wenn die Thematik Frau verkleidet sich als Mann etwas ausgeluscht ist. Dieses Thema kommt sehr oft in den Büchern von IL vor, langsam sollte man sich etwas anderes einfallen lassen. "Die Kastratin" ist aber nicht das schlechteste Buch von den Autoren "Dezembersturm" und Nachfolger finde ich weitaus langweiliger.Meiner Meinung ist es unwarscheinlich, dass sich eine Frau so lange als Mann verkleiden kann und das Vinzenzo nicht erkennt das es sich um eine Frau handelt.
- Karl Schmitt zu »Iny Lorentz: Die Kastratin« 13.01.2010
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Nach dem Lesen der "Kastratin" habe ich mich geärgert, soviel sinnlose Zeit mit dem Buch verplempert zu haben.
Nach dem Lesen der Kurzbeschreibung der restlichen Lorentz-Bücher komme ich zum Fazit: Die Autorin hat sehr zielsicher (oder war's Zufall??) den heutigen Zeitgeist gefunden, dass Frauen doch die besseren Menschen sind. Damit kann man heute immer "eine Mark machen". Wärt ihr doch Programmierer geblieben!!
Jetzt lese ich Herta Müller.
- Isabella zu »Iny Lorentz: Die Kastratin« 25.07.2009
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Von der erzählerischen Gestaltung her, wirkt der Roman sehr spannend, besonders in den Steigerungsphasen.
Dieses Buch könnte man jedoch eher als einen "femministschen" Roman bezeichnen als einen Historischen, da das Schicksal der Giulia Fassi (in Hinblick auf die Zeit )sehr unrealistisch wird, wie auch einige Details des Buches. Beispiele dafür finden sich in der Kastratentarnung einer Frau, im "zersingen" eines Glases, sowie im allg. Leben der Kastraten von damals:
Alle vorkommenden Figuren des Romans (außer einigen wenigen weltlichen Herrschern, Giuglielmo Gonzaga u. a.) sind ausschließlich Frucht der Fantasie der Autorin, somit nicht historisch.
Auch musikalische Fachbegriffe, sowie musikhistorische Wahrheiten sind teilweise verfehlt.
- Bernhard zu »Iny Lorentz: Die Kastratin« 09.03.2009
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Dieses Buch zeichnet die Lebensweise vor fast 500 Jahren nur unzureichend nach. Wenn man sich einige Sätze der direkten Rede genauer ansieht, dann kann man erkennen, dass einige gesprochene Worte viel später erst gebräuchlich wurden.
Alles scheint mir etwas aufgesetzt. Wenn man wollte, könnte man das Thema in eine beliebige Zeit rücken. Viel zu wenig wirft es die eigentlichen Probleme dieser Zeit auf. Die Dinge, die man bereits weiß, werden oft stark ausgewalzt, z.B. das Abbinden der Brust.
Ein typischer "Frauen-"Roman, kein historischer Roman!
Natürlich kennen wir diese Zeit sehr wenig. Dass es aber gute Beschreibungen geben kann, das zeigt "Die Päpstin".
- Katharina zu »Iny Lorentz: Die Kastratin« 18.01.2009
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Am Buch "Die Kastratin" von Iny Lorentz spielt in Italien zur Zeit der Renaissance.Am besten gefällt mir an den Iny Lorentz-Büchern ,dass sie von starken Freuen handeln,die ihrer Zeit voraus sind,die aus der ihnen damals aufgezwungenen Rolle,dem damaligen Frauenbild ausbrechen und damit über
sich hinaus wachsen.So ist es auch bei Giulia.Am Anfang hat mich etwas gestört,dass die Zeit,wo Giulia bei verschiedenen Edelleuten und in verschiedenen Kirchen singt,so in die Länge gezogen wird.Die Liebesgeschichte ist da doch sehr im Hintergrund.Nach und nach bekommt auch die Geschichte um die Liebe von Giulia und ... :) noch mehr Gewichtigkeit.Das ganze Buch ist von Szenen durchzogen bei denen man-manchmal mehr,manchmal weniger,mit der Härte und Unmenschlichkeit jener Zeit konfrontiert wird.Das lässt einen schon Schaudern und einen gewissen Ekel aufkommen.Aber so war das damals...es lohnt sich auf jeden Fall das Buch zu lesen.Giulia,Vincenzo,Assumpta und
Beppo sind mir im Laufe der Geschichte richtig ans Herz gewachsen.
- Renate zu »Iny Lorentz: Die Kastratin« 03.08.2008
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Wie schon in die Goldhändlerin schlüpft auch hier eine Frau in die Rolle eines Mannes. Man konnte das Buch gut lesen. Aber Iny Lorentz hat schon bessere geschrieben. Ansonsten nette Unterhaltung. Nur der Schluss hätte etwas auführlicher sein können.
- Anett zu »Iny Lorentz: Die Kastratin« 27.05.2008
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Dieses Buch war mein erster Iny Lorentz Roman. Es war fesselnd genug, das ich seit dem Auslesen ein Roman nach dem anderen von Ihr gelesen habe. Die vielen Namen waren etwas verwirrend und manchmal hätte man sich ein bißchen mehr Spannung gewünscht. Aber sonst konnte man das Buch schön ebenweg lesen und man wurde immer wieder an die Geschichte gefesselt. Das Ende fiel leider sehr kurz aus. Jetzt weiß ich das in all Ihren Romanen das Ende immer kurz ausfällt und das stört mich schon ein wenig. Ich würde das Buch jedem weiterempfehlen, der gerne in die Vergangene Zeit reist.
- Henriette zu »Iny Lorentz: Die Kastratin« 25.02.2008
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Das Buch hat mir gut gefallen. Leicht zu lesen. Mir haben allerdings die Namen etwas Schwierigkeiten gemacht. Für mich wie immer gewöhnungsbedürftig. Der geschichtliche Hintergrund wurde zwar erwähnt, aber man wurde damit nicht erschlagen. Finde ich bei Romanen immer wichtig. Manchmal war die Geschichte etwas langatmig, dafür das Ende zu kurz gehalten.
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