Das Mädchen aus Apulien von Iny Lorentz

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Das Mädchen aus Apulien“,, 624 Seiten.ISBN 3-426-66382-1.

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Kurzgefasst:

Die junge Pandolfina, Tochter einer Sarazenen-Prinzessin und eines apulischen Grafen, sucht Zuflucht am Hof des Staufer-Kaisers Friedrich II.. Sie steht nach dem Tod ihres Vaters allein auf der Welt da und muss sich ihres Nachbarn erwehren, der die väterliche Burg gewaltsam in seinen Besitz gebracht hat und das Mädchen zur Heirat zwingen will. Der Staufer Friedrich, der zu jener Zeit vom Papst gebannt war, zögert zunächst aus politischen Gründen, nimmt sie aber dann doch in seinen Haushalt auf: Nachdem sie ihm im Heiligen Land das Leben gerettet hat, ermöglicht er es ihr, als eine der ersten Frauen in Salerno Medizin zu studieren. Dann aber verschlägt das Schicksal sie aus dem warmen Italien nach Deutschland, wo sie um ihr Leben und ihr Glück kämpfen muss. 

Das meint Histo-Couch.de: „Das 13. Jahrhundert relativ modern inszeniert“75

Rezension von Alexandra Hopf

Pandolfina wächst wohlbehütet auf der Burg ihres Vaters in Apulien auf. Ihre von den Sarazenen  abstammende Mutter ist bereits gestorben. Als auch ihr Vater Graf Gauthier, selbst normannischen Geschlechts, plötzlich den Folgen einer Krankheit erliegt, steht das junge Mädchen allein da.

Der mit der Familie verfeindete Nachbar Silvio di Cudi verliert keine Zeit. Noch bevor der tote Graf beerdigt ist, dringt er mit Hilfe des verräterischen Burgmönchs Pater Mauricio in die Burg ein. Gewaltsam will er Padolfina zu seiner Frau machen und so selbst Herr über das Anwesen werden. Doch dem jungen Mädchen gelingt mit der Küchenmagd Cita die Flucht. Gemeinsam mit dem treuen Gefolgsmann Renzo schlagen sie sich bis nach Barletta durch. Dort auf der Burg verweilt derzeit Kaiser Friedrich II. Dieser steht kurz vor seinem Kreuzzug nach Jerusalem. Da Graf Gauthier ein treuer Freund war, verspricht er Pandolfina die väterliche Burg sofort nach der Rückkehr aus Jerusalem zurückzuerobern. Solange soll sie selbst als Gast und Mündel beim Kaiser bleiben.

Doch zunächst ist der Kreuzzug die dringendere Angelegenheit. Friedrich hofft durch einen erfolgreichen Kreuzzug eine Annäherung zwischen ihm und der Kirche zu erwirken. Derzeit ist der Kaiser aus der Heiligen Kirche wegen Gebietsstreitigkeiten zwischen den beiden Parteien ausgeschlossen. Der Kaiser erhebt Padolfina in den Stand der Markgräfin von Montecuore um ihr so seine Wertschätzung zu zeigen. Der Titel lockt zunächst auch Werber um das apulische Mädchen an, doch sobald die jungen Männer sehen, dass außer dem Titel derzeit nichts zu holen ist, da die dazugehörige Burg derzeit vom Feind besetzt ist, nehmen die jungen Männer ganz schnell Abstand. Das verletzt Pandolfina zutiefst.

Die Heilerschule in Salerno

Das Verhältnis zwischen Friedrich und Pandolfina ist sehr vertraut und innig. Das kluge Mädchen findet Hinweise auf Intrigen und Verrat an Friedrich und gibt ihre Informationen an den Kaiser weiter. Außer ihrer Klugheit besitzt die junge Markgräfin auch ein besonderes Geschick und Interesse an der Heilkunde. Da ihr Friedrich sehr gewogen ist, spielt sie mit dem Gedanken, den Kaiser zu bitten, sich nach ihrer gemeinsamen Rückkehr aus Jerusalem dafür einzusetzen, dass sie als Frau an der Heilerschule in Salerno studieren darf. Tatsächlich  bestätigen sich die Hinweise des Mädchens. In Jaffa wird von Verrätern ein Attentat auf Friedrich verübt. Doch Pandolfina gelingt es, Friedrich zu schützen und der Kaiser verdankt seinem kleinen Mündel das Leben. Zu Dank verpflichtet ermöglicht Friedrich dem Mädchen das Studium in Salerno, nachdem er als glorreicher Sieger aus Jerusalem zurückkehrt. Er selbst hat viel zu tun. Während seiner Abwesenheit ist es zu einigen Aufständen gekommen und es gilt die Gebiete wieder zurückzuerobern.

Auch aus deutschen Landen, wo er seinen Sohn Heinrich als König eingesetzt hat, erreichen den Kaiser nur Klagen über Missstände. Und während Pandolfina in Salerno mit ihren eigenen Problemen kämpft, tritt der Teutone Ludwig Löwenherz, mit seinem Sohn Leonhard, den er kurz vorher aus dem Kloster zurückgeholt hat um seine Nachfolge anzutreten, an den Kaiser mit neuen Klagen heran. Friedrich entwickelt einen guten Plan, doch auch der bringt viele unvorhergesehene Ereignisse mit sich …

Friedrich II. als historischer Kernpunkt einer fiktiven Geschichte

Den meisten Lesern ist bekannt, dass sich hinter Iny Lorentz ein gemeinsam schreibendes Ehepaar verbirgt. Diesmal haben sie sich als Schaubühne das Italien des 13. Jahrhunderts auserkoren.

Wie meist in Iny Lorentz-Romanen finden wir auch hier eine stark polarisierende weibliche Hauptprotagonistin. In diesem Fall ist es das Mädchen Pandolfina Montecuore, die im Verlauf des Romans zu einer sehr selbstbewußten jungen Frau heranwächst. An sich ein kleiner Widerspruch. Denn im 13. Jahrhundert war es nicht unbedingt üblich, dass Frauen eine dermaßen ausgeprägte Rolle spielen. Und man wundert sich etwas, dass sie noch dazu so einen starken Einfluss auf den Kaiser Friedrich II ausübt. Es gelingt ihr fast mühelos an die Heilerschule in Salerno zu gelangen. Erst dort trifft sie auf zeitgemäße Probleme, die sich Frauen der damaligen Zeit ausgeliefert sahen. Pandolfina ist dem Leser nicht unsympatisch aber man würde sie vom ganzen Verhalten und Denken eher in der heutigen Zeit als dem 13. Jahrhundert ansiedeln.

Auch hier nimmt das Autorenpaar ein paar wenige historische Eckpfeiler und bastelt eine sehr aufgebauschte fiktive Geschichte drum herum. Kaiser Friedrich ist ebenso wie Pandolfina Sympathieträger des Lesers. Historisch belegte Tatsachen wie etwa der Kreuzzug nach Jerusalem, werden eher nebensächlich abgehandelt und müssen ausgiebig beschriebenen, erfundenen Begebenheiten, wie beispielsweise der gemeinsamen Falkenjagd, Platz machen. Ebenfalls gerne liest man die Kapitel in denen der junge Leopold vorkommt. Obwohl er sein komplettes Leben im Kloster verbracht hat, scheint er als kämpferischer Ritter fast ein Naturtalent und seine Siege gegen die vermeintlich stärksten Gegner haben fast schon märchenhafte Züge.

Doch zu all den „Guten“ gibt es natürlich auch den „bösen“ Gegenpart im Personenrepertoire. Allen voran die gesamte Sippe der Teutonen Heimsberg, eben die Feinde der Löwensteins. Nicht zu vergessen der verräterische Pater Mauricio und dessen neuer Verbündete Silvio di Cudi. Auch am Hofe des Kaisers trifft der Leser sofort auf eine Person, die zurecht die Zweifel des Lesers bestärken, nämlich den eher unscheinbaren Conte Antonio de Maltarena.

Da das Werk über 600 Seiten umfasst, begegnen dem Leser natürlich einige Personen, denen er mehr oder weniger gewogen ist. Der Übersichtlichkeit halber befindet sich am Ende ein Personenregister. Aufgeteilt in erfundene Personen und in Persönlichkeiten, die tatsächlich gelebt haben, wobei letztere leider in geringer Anzahl vorhanden sind. Abschließend findet sich ein kleiner Glossar. Erschienen ist Das Mädchen aus Apulien im Knaur Verlag, der mit den kräftigen Farben der  Covergestaltung „Mittelmeerflair“ vermittelt.

Nichts für Liebhaber für historische Tatsachen

Leser, die viele historisch belegte Begebenheiten suchen, werden an diesem Roman keinen Gefallen finden. Denn in der Tat ist wirklich nur ein kleines reales Grundgerüst vorhanden. Um diese Tatsachen allerdings herum ist ein kurzweiliger, leicht und flüssig zu lesendes triviales Werk entstanden. Ein typischer Iny Lorentz Roman , wobei er im Vergleich sicher zu den Stärkeren gehört.

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