„;Marthe ist alles andere als perfekt!“;

Sabine Ebert sprach mit der Histo-Couch über ihre schriftstellerischen Anfänge, den großen Coup mit dem Droemer Knaur Verlag und über ihre Protagonistin, die Hebamme Marthe.

Histo-Couch: Wie sind Sie zum Schreiben gekommen bzw. welchen Datums sind Ihre allerersten schriftstellerischen Werke?

Sabine Ebert: Die stammen schon aus den ersten Schuljahren. Ich habe schon immer viel gelesen und das förderte in mir die Lust, selbst Geschichten zu erzählen. Der Weg zum Journalismus war dann folgerichtig.

Histo-Couch: Wie viel Zeit hat die Suche nach einem Verlag in Anspruch genommen?

Sabine Ebert: Ich hatte etwa ein Dutzend Verlage angeschrieben, die entweder gar nicht antworteten oder mir Exposé und Probekapitel zurückschickten, wobei der Zustand der Blätter zumeist darauf schließen ließ, dass niemand die Seiten überhaupt aus der Klarsichtfolie genommen hatte. Knaur hingegen reagierte sofort. Auf meine Mailanfrage nach einer Kontaktperson, in der ich in kurzen Worten das Thema des Romans beschrieb, wollten sie das Exposé sehen und kurz darauf kaum schon die Antwort: Klingt interessant, schicken Sie doch mal, was Sie haben. Das waren damals reichlich 200 Seiten. Wenig später kam die nächste Mail: Gefällt uns gut, wir sind interessiert.

Histo-Couch: Beschreiben Sie doch bitte Ihre Reaktion, als Sie erfahren haben, dass die Verlagsgruppe Droemer Knaur Ihre Reihe veröffentlichen möchte.

Sabine Ebert: Natürlich habe ich mich riesig gefreut! Ich konnte mein Glück gar nicht fassen und kann es eigentlich bis heute nicht. Aber von da an ging es mit dem Schreiben viel leichter – als ob eine unsichtbare Barriere niedergerissen worden wäre.

Histo-Couch: Was macht Ihnen an der Schriftstellerei am meisten Spaß? (Recherche, Zusammenarbeit mit Experten, das Schreiben selbst?)

Sabine Ebert: Das Schreiben selbst. Aber das funktioniert nur, wenn vorher die Recherche gründlich war und ich viele Details mit Experten besprechen konnte. Sonst versagt die Fantasie. Durch diese Gespräche mit Fachleuten bekomme ich viele Anregungen, oft auch für ungewöhnliche Dinge oder Einzelheiten, die ich noch nie sonst in einem Roman gelesen habe, zum Beispiel zum Münzwesen.

Histo-Couch: Kürzlich erschien Ihr zweiter Roman über die Hebamme Marthe. Wie kam Ihnen die Idee, über die ersten Siedler im Erzgebirge zu schreiben?

Sabine Ebert: Das Thema liegt in meiner Wahlheimat Freiberg sozusagen auf der Straße wie damals das Silber. Jedes Kind hier kennt die Geschichte von den ersten Silberfunden; die Besiedlung selbst wird in Mittelsachsen jeden Sommer eine Woche lang von rund 150 Mittelalterenthusiasten mit einem historischen Besiedlungszug nachgelebt. Und die Freiberger sind sehr stolz auf ihre Geschichte, die durch den Silberbergbau geprägt wurde. Überall stößt man noch auf Spuren und Belege dazu – ob nun an den Häusern oder durch den Gruß „Glück auf“, der hier immer noch sehr verbreitet ist.

Histo-Couch: Speziell Marthe hat sehr viele Vorzüge. Sie ist nicht nur schön, sondern auch heilkundig und eine erfahrene Hebamme, zudem hat sie Gesichte. Ist das nicht etwas unrealistisch, eine so perfekte Frau?

Sabine Ebert: Sie ist alles andere als perfekt! Zum Einen steht nirgendwo im Text, dass sie schön ist. Im Gegenteil, sie wird anfangs mehrfach als mager und zerlumpt beschrieben. Männer sagen oder denken gelegentlich im Buch, sie sei hübsch, aber sie selbst sieht sich nicht als schön und verschwendet keinen Gedanken an ihr Äußeres – abgesehen davon, dass einem damals ein hübsches Gesicht leicht zum Verhängnis werden konnte. Sie hat oft Angst und weiß sehr wohl um die Gefahren, die ihre Arbeit mit sich bringt. Mit ihrem neuen Status als Edelfreie im zweiten Band hat sie auch ihre Schwierigkeiten; sie fühlt sich zutiefst verunsichert in der höfischen Gesellschaft. Im ersten Band schafft sie es noch, in den dramatischsten Momenten ihre Angst zu überwinden. Im zweiten Buch hat das Durchlittene sie so tief getroffen und verändert, dass sie für eine Zeit wie gelähmt ist und verstummt. Obwohl die Ereignisse sie zwingen, sich wieder aufzuraffen – die Zeiten damals waren nicht so, dass die Menschen in aller Ruhe ihre seelischen Probleme aufarbeiten konnten – ist sie dennoch am Ende dieses Bandes nicht mehr so wie früher. Wie gesagt, sie ist durchaus nicht perfekt.

Histo-Couch: Haben Ihre Figuren reale Vorbilder? Oder sind sie alle der reinen Fantasie entsprungen?

Sabine Ebert: Ich denke, jeder Romanautor lässt in seine Figuren etwas von den Personen einfließen, die er kennt, diesen oder jenen Charakterzug oder bestimmte Angewohnheiten. Die historischen Persönllichkeiten hingegen habe ich strikt nach dem gestaltet, was wir über sie wissen. Historiker bescheinigten mir zu meiner großen Erleichterung, dass ich die Zeit und die einzelnen Charaktere recht gut getroffen hätte.

Histo-Couch: Wie gefällt Ihnen die Cover-Gestaltung Ihrer Werke? Haben Sie darauf Einfluss?

Sabine Ebert: Das Cover lässt der Verlag entwerfen, darauf hat man als Autor keinen Einfluss. Als ich den Entwurf zum ersten Band sah, dachte ich zuallererst: Das gibt Ärger hier in Sachsen! Denn die dort abgebildete Stadt ist nicht Freiberg, sondern Pirna zu einer viel späteren Zeit. Promt gab es auch entsprechende Leserkritik an den Verlag, der wohl mit dieser Akribie der Sachsen in Sachen Historie nicht gerechnet hatte, sodass nun bei Band 2 und auch 3 ein Freiberger Motiv als urbaner Hintergrund zu sehen ist. Aber letztlich soll das Cover Blicke ziehen und neugierig machen – und diese Aufgabe erfüllt es doch hervorragend, oder?

Histo-Couch: Wird es auch Hörbücher zu der Hebammen-Reihe geben?

Sabine Ebert: Den ersten Band hat Weltbild schon im Sommer 2007 als Hörbuch vorgelegt, das Hörbuch zum zweiten Band soll voraussichtlich im Frühjahr 2008 erscheinen.

Histo-Couch: Wie viele Romane sind zur Hebammen-Reihe nach den ersten drei Teilen noch geplant?

Sabine Ebert: Es werden insgesamt fünf Bücher werden. Ursprünglich dachte ich, die ganze Geschichte, die insgesamt 30 Jahre umspannt, in einem Buch unterbringen zu können. Aber da hatte ich mich ganz schön verschätzt …

Histo-Couch: Vielen Dank für das Interview.

Die Fragen stellte Katharina Lewald.
Gestalterische Aufbereitung von Katharina Lewald.

Foto: FinePic