Die Brüder Sass - Geliebte Ganoven von Horst Bosetzky

Buchvorstellungund Rezension

Die Brüder Sass - Geliebte Ganoven von Horst Bosetzky

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Die Brüder Sass - Geliebte Ganoven“,, 217 Seiten.ISBN 3839221021.

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Kurzgefasst:

Berlin 1926. Die bis dahin im Leben irgendwie gescheiterten Brüder Franz und Erich Sass kommen auf die geniale Idee, Banktresore mit Hilfe eines Schneidbrenners zu öffnen. Sie landen ihren ersten großen Coup, als sie durch einen Tunnel in die Stahlkammer einer Bank eindringen und 179 Schließfächer ausräumen. Kriminalsekretär Max Fabich kommt ihnen zwar auf die Spur, kann ihnen aber nichts Konkretes nachweisen. Als die Nazis an die Macht kommen, wird ihnen in Deutschland der Boden zu heiß und sie fliehen nach Dänemark. Als man sie schließlich ausliefert, werden sie bei der Überstellung ins KZ Sachsenhausen ermordet.

Das meint Histo-Couch.de: „Erinnerung an zwei beliebte Bankeinbrecher“85Treffer

Rezension von Jörg Kijanski

 Die Familie Sass bestand aus den Eltern Maria und Andreas sowie deren fünf Söhnen, darunter Franz (*1904) und Erich (*1906), denen der vorliegende „biografischen Kriminalroman“ gewidmet ist. Das Verhältnis der Eltern war früh zerrüttet, die Kinder waren meist sich selbst überlassen. So verwundert es nicht, dass vier der fünf Kinder auf die schiefe Bahn gerieten. Der Name Sass war polizeibekannt.

Über eine Bekannte erfahren Franz und Erich im Jahr 1926 von der Entwicklung eines neuen Schneidbrenners der Firma Fernholz. Diesen müssen sie haben, denn sie träumen von einem Leben in Wohlstand, den ihnen der eine oder andere Bankeinbruch bescheren soll. Doch der Verkäufer ist skeptisch, informiert die Polizei und somit kommt der Kriminalsekretär Max Fabich ins Spiel. Er ordnet, obwohl allein der Besitz eines solchen Gerätes natürlich nicht strafbar ist, eine Dauerüberwachung der Brüder an, welche jedoch schnell entdeckt wird. Mit Instinkt und Geschick gelingt es Franz und Erich Sass immer wieder, die Polizei zum Narren zu halten. Allein, sie haben nichts davon, denn in den Jahren 1927 und 1928 gehen gleich sechs versuchte Einbrüche schief. Es entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen den Brüdern und Fabich, welches (zunächst) zugunsten der Sass-Brüder ausgeht.

„Eine umfassende und allgemein anerkannte Theorie des Scheiterns ist noch nicht geschrieben worden. Wer es aber versucht, der sollte auch die Brüder Sass nicht vergessen. Vertreter der Ansicht, Misserfolg fördere die Entwicklung, indem aus Fehlern gelernt wird, suchen in den Brüdern Sass jedoch vergeblich ein gutes Beispiel.“

Dann folgt der 27. Januar 1929. Endlich ein Erfolg und die Polizei kann den Brüdern nichts gerichtsfest nachweisen. Es folgt die Machtergreifung der NSDAP und wie die Nazis mit sogenannten Volksschädlingen umgehen ist bekannt. 1933 bleibt nur die Flucht und diese führt nach Dänemark. Dort folgen weitere Einbrüche, die Verhaftung und letztlich die Auslieferung nach Deutschland. Zu dreizehn beziehungsweise elf Jahren Zuchthaus werden die Brüder verurteilt, doch Reichsführer Himmler entscheidet, diese sofort zur Erschießung in das KZ Sachsenhausen zu überführen. Den Schießbefehl am 27. März 1940 gibt Rudolf Höß; der spätere Kommandant von Auschwitz.

Aufstieg und Fall der Brüder Sass

Lange waren die Sass-Brüder in weiten Teilen der Bevölkerung beliebt, da sie der Polizei immer wieder entwischen konnten. Auch verteilten sie teilweise Geld unter besonders bedürftigen Personen frei nach Robin Hood. Das Buch Die Meisterdiebe von Berlin von Ekkehard Schwerk (2001 bei Jaron erschienen) gibt bereits einen umfassenden Überblick und Horst Bosetzky macht erst gar keinen Hehl daraus, dass er dieses als maßgebliche Quelle verwendet hat. Auch aus einem Buch von Paul Gurk (Tresoreinbruch, 1981 bei Agora erschienen) wird zitiert. Dennoch ist es erfreulich, dass in der Reihe Wahre Verbrechen des Gmeiner-Verlages erneut auf das Leben der Brüder Sass eingegangen wird, da diese sicher zahlreichen Krimifreunden eher unbekannt sein dürften. Horst Bosetzky, Altmeister deutscher Krimis, schreibt einen kurzen, aber dennoch sehr unterhaltsamen und informativen Roman über zwei Kriminelle, die für ein Novum sorgten: Sie öffneten als Erste Banktresore mit Schneidbrennern.

„Weißt du, wer angerufen hat und dich sprechen wollte?“

„Nee, Hermann Göring vielleicht?“

„Pssst! Nein, die Kripo Kopenhagen, ein gewisser Christian Bjerring.“

„Warum denn das? Haben sie in der dänischen Botschaft hier in Berlin ein Smörrebröd geklaut?“

„Nein, ob wir die Brüder Sass kennen, die sind irgendwie auffällig geworden.“

„Mensch, das ist ja’n Ding!“

Auf rund 200 Seiten, leider ohne Bildmaterial, wird das Leben der Brüder beleuchtet, aus Zeitungen und den beiden vorgenannten Büchern zitiert, und immer wieder werden die Ereignisse der damaligen Zeit vor Augen geführt. Welche Filme liefen in den Kinos, welche Erfolge feierte Max Schmeling und der Aufstieg der Nazis ist natürlich ein wiederkehrendes Thema. So entsteht ein lesenswertes Portrait zweier Einbrecher, die nur dieses eine Leben leben konnten. Sie waren süchtig nach Einbrüchen, obwohl sie die Gefahren kannten. Das breitgefächerte Panorama der späten 1920er Jahre bildet das perfekte Begleitprogramm. Warum allerdings Frank Sass hochdeutsch spricht, während Erich (sehr unterhaltsam übrigens) berlinert, erschließt sich einem nicht. 

Ihre Meinung zu »Horst Bosetzky: Die Brüder Sass - Geliebte Ganoven«

Eike Bornemann zu »Horst Bosetzky: Die Brüder Sass - Geliebte Ganoven«01.10.2017
Franz galt als der "Interlektuelle" der Brüder, wortgewandt und extrovertiert. Aus seinem Notizbuch, das bei einer Hausdurchsuchung gefunden wurde, geht hervor, dass er sich auch mit Fremdsprachen befasste (dänisch, französisch, englisch). Erich Sass wird in den Berichten eher als schweigsam beschrieben, schüchtern. Vielleicht erklärt dies, warum Bosetzky Franz Sass hochdeutsch reden lässt.
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