Im Schatten der Hanse von Henning Mützlitz

Buchvorstellungund Rezension

Im Schatten der Hanse von Henning Mützlitz

Originalausgabe erschienen 2015unter dem Titel „Im Schatten der Hanse“,, 336 Seiten.ISBN 3954517205.

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Kurzgefasst:

Lübeck, 1376: Als der Kaufmannssohn Jacob Wallersen das Familiengeschäft übernimmt, tritt er ein folgenschweres Erbe an: Ihm wurden zahlreiche Verbindlichkeiten und dubiose Geschäftsbeziehungen hinterlassen. Bald droht ein Strudel aus Schulden und Gewalttaten die Familie in den Abgrund zu reißen. Während Jacob verzweifelt einen Ausweg sucht, befindet sich das letzte Schiff der Familie auf dem Heimweg nach Lübeck. Doch auf die Seeleute lauern nicht nur die Piraten Gotlands, die sich ihrer wertvollen Fracht bemächtigen wollen, und für Jacob beginnt ein fataler Wettlauf gegen die Zeit.

Das meint Histo-Couch.de: „Spannender und temporeicher Hanse-Thriller“84

Rezension von Carsten Jaehner

Lübeck, 1376. Jacob Wallersen muss unerwartet das Geschäft übernehmen, nachdem sein Vater und sein ältester Bruder ums Leben gekommen sind. Schneller als ihm lieb ist stellt sich heraus, dass sein Vater ihm nur Schulden und Verbindlichkeiten hinterlassen hat. Seine Mutter, sein jüngerer Bruder und vor allem seine Schwester sind ihm auch keine Hilfe, im Gegenteil, sie werden ihm noch Knüppel zwischen die Füsse. Händeringend wartet er auf einige Handelsschiffe, die ihn zumindest aus den gröbsten Schulden herausholen würden.

Zeitgleich in Reval. Das Mädchen Svanja ist mittellos und will aus Reval fliehen. Als sie auf ein Schiff gerät, wird sie nur vom Matrosen Matt entdeckt, der sie versteckt hält. Das Schiff in Diensten der Wallersens ist unterwegs Lübeck, wird aber unterwegs von Piraten erobert.

Während Jacob verzweifelt auf die Handelsschiffe wartet, wird er immer weiter in den Sog aus Intrigen und Machenschaften gezogen, in die sein Vater scheinbar verstrickt war. Die Zeit drängt, denn es drohen ihm Enteignung und Totalbankrott, wenn nicht ein Wunder geschieht.

Intrigen zur Hansezeit

Henning Mützlitz, bislang eher bekannt durch Fantasy-Romane, hat mit Im Schatten der Hanse seinen ersten historischen Roman vorgelegt und beweist mit der Thematik gleich ein gutes Händchen. Er hat sich die Zeit der Hanse ausgewählt, in der der Handel in Europa blühte und somit schnellem und gutem Geld auch natürlich auch dem Verbrechen Tür und Tor geöffnet waren.

Zu Beginn betrauert Jacob Wallersen aus einer angesehenen Händlerfamilie, dass sein Vater und sein ältester Bruder ums Leben gekommen sind, und es ergibt sich daraus, dass er nun für das Geschäft verantwortlich ist. In seiner Mutter und vor allem seiner verwöhnten Schwester, die mit Geld nur so um sich wirft, hat er keine bis wenig Unterstützung, und auch der Kontorverwalter Ludewijk kann ihm anhand der Zahlen in den Büchern nur wenig Hoffnung machen. Im Gegenteil, es ist viel schlimmer als erwartet, wurde der Familie vom Vater doch immer ein gut laufendes Geschäft vorgegaukelt. Jacob, der nie ins Geschäft hätte einsteigen sollen, macht sich mit Ludewijk über die Bücher her und versucht bei einigen Schuldnern, Aufschub zu bekommen.

Doch es ist wie verhext, jeden Tag, jede Stunde kommen neue Hiobsbotschaften auf Jacob zu, und auch die Konkurrenz schläft nicht und bietet ihm die Übernahme des Kontors an. Doch Jacob gibt so leicht nicht auf. Ein Konkurrent will sogar Jacobs Schwester heiraten, aber das kommt für Jacob nicht infrage.

Piraten der Ostsee

Der zweite Handlungsstrang beginnt in Reval (heute Tallinn), wo sich die junge Svanja mehr schlecht als recht durchs Leben schlägt. Als sie sich für die Nacht in einem Fass mit Fellen verkriecht, wird sie mit diesem Fass am anderen Tag auf ein Schiff verladen. Nur der Matrose Matt entdeckt sie und füttert sie ein paar Tage durch, ohne sie zu verraten. Als das Schiff von Piraten überfallen wird, wird das Schiff nach Gotland gesegelt, wo Svanja unbemerkt von Bord gelangen kann und überlegt, wie sie in eine sichere Stadt wie Lübeck kommen kann.

Doch allein wird sie es nicht schaffen. Helfen kann ihr nur Matt, der einzige, den sie kennt. Es steht aber zu befürchten, dass er mit der Schiffscrew getötet wurde. Doch sie findet ihn mit einer Handvoll anderer Matrosen gefangen. Doch wie kann sie die Männer unbemerkt befreien und sie überreden, sie mitzunehmen?

Natürlich wird sich der Leser denken, dass die beiden Erzählstränge irgendwie zusammen gehören, zumal die gekaperte Kogge, auf der Svanja nach Gotland gelangt, den Wallersens aus Lübeck gehört. Doch glücklicherweise lässt sich der Autor bis fast zur letzten Seite Zeit, beiden Handlungsebenen zusammen zu führen, was die Spannung tatsächlich bis zu einem Wimpernschlag aufrecht erhält. Überhaupt schafft es der Autor, dass dem Leser zu keiner Zeit langweilig wird. Es gibt keinen Leerlauf, es ist alles geradeaus erzählt, und doch bekommt man einen Eindruck, wie es zur Zeit der Hanse zuging in Europa, in den Handelsstädten, auf den Reisen von A nach B. Hier hat Mützlitz gut recherchiert, zudem gelingt es ihm, dem Leser seine Erkenntnisse gut überzubringen und ihn in das 14. Jahrhundert an der Ostsee zu holen.

Bunte Charakterenschar

Mützlitz Charaktere sind gut gestaltet, allen voran Jacob, der von einer Katastrophe in die nächste gestürzt wird und wenig Unterstützung in der eigenen Familie erfährt. Warum das so ist, wird leider nicht richtig geklärt, vor allem die Abneigung seiner Schwester bleibt im Dunkeln. Gerade am Ende, fehlt die Aussicht, wie es ihr ergeht. Vielleicht wird das ja in einer geplanten Fortsetzung genauer betrachtet.

Im anderen Erzählstrang erweisen sich vor allem Matt und Svanja als junges Protagonistenpärchen als taffe Charaktere, die an ihren ihnen gestellten Aufgaben wachsen. Auch die „Dea ex machina“ Lidia, ehemalige Piratin, weiss, was sie tut. Sie ist diejenige, die von der Piratenseite auf die Seite von Svanja kommt, was allerdings sehr schnell passier, so dass man das Gefühl hat, es hätte besser vorbereitet werden können. Überhaupt sind sowohl der Zufall als auch verschlafene Piraten gute Helfer, wenn es um eine Flucht mit einem Schiff geht.

Insgesamt ist Mützlitz ein spannender, aufregender und temporeicher Roman gelungen, der in eine spannende Zeit entführt und den Leser kaum zu Atem kommen lässt. Und obwohl viel los ist in dem Roman aus dem Hause Emons, der sich über knappe 320 Seiten erstreckt, wird doch die Zeit eingefangen und die Stimmung der Geschäftsleute dem Leser gut übermittelt. Ein echter Pageturner, der vielleicht gerade wegen seiner trotzdem vorhandenen Komplexität den einen oder anderen Handlungshaken auslässt und zum Ziel kommen muss.

Ein Personenverzeichnis und ein kurzes Nachwort sind die Zugaben zum Roman. Gerne hätte man auch einen Glossar gehabt, der zum Beispiel die alten Monatsnamen, die der Autor verwendet, in heutige übersetzt. Die Benutzung der Begriffe „Holzing“ und „Ernting“ sind zwar zeitgemäß, doch dürfte heute nur noch wenige Leser damit etwas anfangen können. Der Autor hat eine Fortsetzung mit denselben Personen angekündigt, vielleicht kann man dann ja noch einen Glossar mit anfügen. Ein kurzweiliges Leseerlebnis mit Spannung und viel Historie. Gelungen.

Ihre Meinung zu »Henning Mützlitz: Im Schatten der Hanse«

Johann_Barkhaus zu »Henning Mützlitz: Im Schatten der Hanse«04.01.2016
Bei meinem Entschluss, dieses Buch aus dem emons-Verlag zu kaufen, hatte ich Romane mit ähnlichem Hintergrund und Umfeld in Erinnerung, wie z.B. die durchaus gelungene "Runghold"-Reihe von Derek Meister.

Leider wurden meine Erwartungen dahingehend enttäuscht, als das ich schon nach wenigen Seiten den Eindruck bekam, das der Autor sich zuvor wohl mit der von ihm "bespielten" Epoche - der zweiten Hälfte des 14. Jahrhundert - kaum und wenn, dann nur oberflächlich auseinandergesetzt zu haben scheint.

Mir ist klar, das ein (wenn auch historischer) Roman in erster Linie unterhalten und den Leser nicht geschichtlich bilden soll und kann. Aber wenn man liest, das sich eine der Protagonistinnen behelfsmäßig mit einem Sack bekleidet, der zuvor dem Transport von Kartoffeln (!) diente und wenn auch sonst ein Gesellschafts- und Standesbild vermittelt wird, das es zu jener Zeit niemals gegeben hat, muss man sich schon fragen, ob der Autor zuvor sowas wie Recherche betrieben hat.

Leider strotzt der Roman nur so von Fehlern, sei es die klischeehafte Beschreibung der getragenen Garderobe zu jener Zeit (Leder, Leinen, Jute, Korsagen etc.), die eher an ein sogenanntes "Historien-Spektakel a la "Wanderhure"-Verfilmungen erinnert, oder das im Roman vermittelte Frauenbild der Zeit, das stellenweise zwar korrekt, meist jedoch etwas sozialromantisch daher kommt (selbstbestimmtes leben, Frauen auf Schiffen, Piratinnen etc.)

Der Plot an sich hat durchaus Potenzial, leider wird die Umsetzung ihm nicht gerecht.
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