Wer Asche hütet von Helga Glaesener

Buchvorstellungund Rezension

Wer Asche hütet von Helga Glaesener

Originalausgabe erschienen 2002unter dem Titel „Wer Asche hütet“,, 397 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

Rom 1559: In einem alten Hafenturm wird die verstümmelte Leiche eines Jungen entdeckt. Der Tote trägt eine Rose im Haar und niemand scheint ihn zu vermissen. Mehr noch: Es gibt jemanden in der heiligen Stadt, der alles daran setzt, die Aufklärung des Mordes zu verhindern. Skandalös, findet Richter Benzoni und macht sich auf eigene Faust auf die Suche nach dem Mörder – auch dann noch, als die Spur in eine bestürzende Richtung läuft… 

Das meint Histo-Couch.de: „;Mehr als gewöhnungsbedürftig“;45

Rezension von Jörg Kijanski

Rom 1559: Bei der Suche nach einem gestohlenen Vortragskreuz finden Richter Tommaso Benzoni und sein Gerichtsnotar Ugo in einem Hafenturm die Leiche eines kleinen Jungen. Obwohl die Untersuchung des Falles eigentlich nicht in seine Zuständigkeit fällt, ordnet Benzoni eine Totenschau an. Der Wundarzt Jacob Sutor kann wenig später Benzoni mitteilen, dass der Junge, der sich als Lustknabe sein Geld verdiente, mit einem Messer, einer sogenannten Ochsenzunge erstochen wurde. Benzoni bringt das auffällig wertvolle Messer zu Achille Gaddi, dem Onkel seiner Frau Vittoria, der als Kriminalrichter des Governatore arbeitet. Gaddi erkennt das Messer wieder. Es gehört dem einflussreichen Kardinal Carlo Carafa, der dafür bekannt ist, für seinen Erfolg im wahrsten Wortsinn über Leichen zu gehen. Benzoni droht zudem weiteres Ungemach, da der Römische Ankläger Andrea Strata die Herausgabe des Messers fordert, vermutlich, um damit Carafa bei Bedarf erpressen zu können.

Während Benzoni mit seinen Beamten ermittelt, steigt die Zahl der Toten drastisch an, denn offenbar will der Mörder des Strichjungen mit allen Mitteln verhindern, dass der Fall aufgeklärt wird. Zur Zeugenbeseitigung bedient er sich dabei der Hilfe eines Berufsmörders. Mehr und mehr verrennt sich Benzoni in den Fall und muss plötzlich feststellen, dass auch seine Frau Vittoria offenbar darin verwickelt ist …

Einige Fragen lösen sich allzu banal auf …

„;Wer Asche hütet“ ist ein historischer Krimminalroman, der vor allem von dem Zusammenspiel seiner beiden Hauptermittler Benzoni und Ugo lebt. Während Benzoni hofft, erfolgreich gegen den verhassten Carafa ermitteln zu können, ist Ugo nur wenig begeistert von dem Fall. Warum sich in die Nesseln setzen in einem Fall, der nicht der eigenen Zuständigkeit unterliegt, noch zudem für einen Strichjungen? Hieraus ergeben sich mitunter recht unterhaltsame Dialoge, wie man sie in artverwandter Form aus vergleichbaren Konstruktionen kennt.

Ansonsten enttäuscht „;Wer Asche hütet“ jedoch in mehrerer Hinsicht. Die Intrigen innerhalb der Kirche, der Machtkampf zwischen dem Papst und Kardinal Carafa werden, sofern überhaupt, nur „;nebenbei“ abgewickelt. Doch warum werden sie dann überhaupt erwähnt? Auch die Frage, warum das kleine Hafengericht (Ripatribunal), für das Benzoni arbeitet, einen Mordfall untersuchen darf und diesen Fall nicht von dem eigentlich zuständigen höheren Gericht entzogen bekommt, bleibt unbeantwortet. Ebenfalls sehr unbefriedigend, da nicht konsequent fortgeführt, ist die Darstellung der Figur von Andrea Strata.

Mäßige Spannung, interessanter Protagonist

Mehrere „;Fälle“ werden nacheinander gelöst. Zunächst taucht das gesuchte Vortragskreuz wieder auf und danach stellt sich heraus, was es mit Carafas Messer auf sich hat. Später kommt es zum Duell Benzoni gegen den angeheuerten Berufsmörder und der Mörder des Strichjungen wird natürlich auch noch entlarvt. Hierbei macht es sich die Autorin Helga Glaesener allerdings ein ums andere Mal zu einfach. Die dargebotenen Lösungen und vor allem die Art und Weise, wie Benzoni die einzelnen Fragen aufklärt, wirken doch recht ideenlos, ein plötzliches Geständnis allein beim „;bloßen Erscheinen“ des Richters („;Lösung“ um Carafas Messer) inklusive.

Gelungen ist jedoch die Charakterdarstellung des Protagonisten, der teilweise recht widersprüchlich wirkt. Verliebt in seine junge, hübsche Frau kann er diese zunächst nicht erreichen. Sie verschwindet nämlich kurz nach der Hochzeit für einige Monate (war wohl damals so üblich – oder auch nicht) und nach ihrer Rückkehr weiß Benzoni nicht so recht, wie er sich ihr gegenüber verhalten soll. Wie gut nur, dass er sich weiterhin blindlings in seinen Fall verrennen kann.

Positiv auffallend ist die konsequente Verwendung historischer Begriffe, welche im Anhang des Buches ausreichend erläutert werden. So wird der Richter durchgehend als Giudice bezeichnet, Ugo als dessen Notaio usw. Hierdurch kommt ein wenig Atmosphäre auf, die ansonsten in erster Linie durch den allgegenwärtigen Dreck und Gestank auf Roms Straßen entsteht.

Der Schreibstil der Autorin ist einmal mehr gewöhnungsbedürftig, wie er schon in der Rezension zu „;Wespensommer“ zutreffend beschrieben wurde. Alles in allem ist „;Wer Asche hütet“ nicht genrerelevant und daher nur für stark verregnte Tage zu empfehlen.

Ihre Meinung zu »Helga Glaesener: Wer Asche hütet«

Liselotte Rosin zu »Helga Glaesener: Wer Asche hütet«10.09.2007
Vielleicht hat es damals, als ich vor Jahren das Buch gelesen habe, tatsächlich geregnet, denn mich hat es gut unterhalten.
Sicher hat dies an der Figur des Guidice Benzoni gelegen und seit dem warte ich auf eine Fortsetzung.
Der Schluß des Buches ließ mich dies hoffen.
Genau so groß ist jetzt meine Hoffnung nach dem Lesen von "Wespensommer" von den Protagonisten dieses Romans noch mal Neues zu lesen.
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