Die Vergolderin von Helga Glaesener

Buchvorstellungund Rezension

Die Vergolderin von Helga Glaesener

Originalausgabe erschienen 2011unter dem Titel „Die Vergolderin“,, 448 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

Braunschweig, 1604: Auf der Flucht vor Plünderern wird Elisabeth von einem geheimnisvollen Blinden gerettet. Doch ihr Herz gehört einem anderen. In der aufblühenden Handelsstadt Braunschweig arbeitet sie heimlich als Vergolderin. Ihr Geschick bringt ihr viele Aufträge, aber auch den Zorn ihres Großvaters ein, denn Frauen ist das Handwerk untersagt. Einer der mächtigsten Gildemeister hat es auf Elisabeth abgesehen und stellt ihr nach. Als sie sich wehrt, droht er ihr. Da begegnet sie ihrem Retter wieder. Kann er ihr auch diesmal helfen?

Das meint Histo-Couch.de: „Klassischer Mainstream-Roman mit vielen Klischees“65

Rezension von Rita Dell'Agnese

Elisabeth ist verzweifelt: Sie hat ihrer Mutter auf deren Sterbebett versprochen, für die Geschwister Marga und Christian zu sorgen und sie zum Großvater nach Braunschweig zu bringen. Denn der Großvater ist der einzige Angehörige der drei Waisen. Dieser nimmt die Kinder seines Sohnes zwar auf, bringt ihnen aber wenig Herzlichkeit entgegen. Sein Sohn war mit der Familie nach einem Betrug mit Schimpf und Schande aus Osnabrück gejagt worden und nun befürchtet Elisabeth, der Makel könne ihnen wie ein Mühlstein am Hals hängen. Heimlich vergoldet sie Spiegel, um das Lehrgeld für Christian zusammen zu bringen. Diese Heimlichkeit bringt sie aber in Teufelsküche, denn einer Frau ist es 1604 untersagt, dem Goldschmiedehandwerk nachzugehen. Als Elisabeth dem blinden Kaufmann Martin Clavius begegnet, gerät sie in den Strudel eines sich entbrennenden Bruderzwistes. Gregor Rudel, Clavius Bruder, schreckt auch vor Mord nicht zurück.

Schwarz und Weiß

Dieser Roman gehört zu jenen Geschichten, in denen es nur schwarz und weiß gibt und wo die Zwischentöne vollständig fehlen. Schnell wird klar, dass die wunderschöne und blütenreine Elisabeth ein selbstloses Wesen besitzt und kein anderes Ziel verfolgt, als ihren Geschwistern eine Zukunft zu ermöglichen. Ihre Schwester Marga ist hingegen nicht nur weniger hübsch, sondern auch von schlechtem Charakter. Neid und Missgunst lassen sie ihrer tapferen Schwester immer wieder Knüppel zwischen die Beine werfen. Ein noch drastischeres Bild ergibt sich bei den Brüdern Martin Clavius und Gregor Rudel. Während Martin nur Gutes will und ein umsichtiger, tapferer Mann ist – trotz Blindheit – handelt es sich bei Gregor Rudel um einen skrupellosen Menschen, dem ein anderes Menschenleben nichts gilt.

Dieses Gut-Böse-Bild zieht sich durch den ganzen Roman hindurch. Sämtliche Protagonisten lassen sich mühelos einordnen. Den Figuren fehlt es an Tiefe und Vielschichtigkeit, die ihnen mehr Lebendigkeit verschafft hätten. Dies ist die größte Schwachstelle des Romans, dem dadurch wesentliche Elemente fehlen, um ihn aus der breiten Masse hervorzuheben.

Vertiefte Auseinandersetzung mit dem Gewerbe

Hapert es bei den Figuren, kann der Leser hinsichtlich der historischen Grundlage nicht klagen. Helga Glaesener setzt sich vertieft mit dem Gewerbe der Goldschmiede auseinander und serviert dem Publikum so ein umfassendes Bild. Diese Hintergründe, die sehr geschickt mit der Geschichte verwoben sind, geben dem Roman das Gewicht, das ihm beim Plot fehlt. Es zeugt von gutem Handwerk, eine an sich unspektakuläre, wenngleich interessante Begebenheit auf diese Weise zu präsentieren.

Weniger überzeugend ist hingegen der Plot an sich. Besonders bei der Lebensgeschichte von Martin Clavius muss man Fragezeichen setzen. Vor dem Hintergrund, dass es sich hier um einen Roman handelt, mag man zwar einige gewagte Winkelzüge verzeihen. Hier wird aber so dick aufgetragen, dass es einen schalen Nachgeschmack hinterlässt. Mit einer streckenweise spannenden Rahmenhandlung vermag die Autorin jedoch einen Teil dieser starken Überzeichnung aufwiegen.

Nette Unterhaltung

Letztlich präsentiert sich dieser Roman als nette Unterhaltung, der weitgehend im Strom der Durchschnitts-Histo-Romane mitzuschwimmen vermag, sich aber nicht absetzen kann. Flüssig zu lesen, lädt die Geschichte zum Blick hinter die Kulissen des Handwerks im beginnenden 17. Jahrhundert ein. Der Plot bietet nur wenige Überraschungen, wenngleich die Autorin mit einigen sehr gelungenen Szenen beweist, dass in ihr mehr Potential steckt.

 

Ihre Meinung zu »Helga Glaesener: Die Vergolderin«

Janine2610 zu »Helga Glaesener: Die Vergolderin«23.09.2015
Mir ist es so leicht gefallen, von Anfang an in die Geschichte einzutauchen, da ich vor ein paar Jahren bereits die Leseprobe via "vorablesen" dazu gelesen habe und mich von damals noch gut erinnern konnte, was zu Beginn geschehen ist.

Schon der Einstieg fesselt enorm, da es mit Elisabeths Flucht und dem Verstecken vor den Plünderern losgeht. Und genau genommen geht es auch genauso spannend weiter, denn in Elisabeths Leben gibt es sowieso kaum Ruhe, geschweige denn Langeweile. Aufregung, Hass und Wut, unter anderem bedingt durch ihre Schwester, dem Großvater und den teilweise brutalen Gildemännern, die es auf sie abgesehen haben, dominieren Elisabeths Alltag. Lediglich ihr Bruder Christian und der eine oder andere 'nette' Mann erhellen ihr Leben ein wenig.

Tatsächlich kann ich sagen, dass es hier keinen einzigen Lesemoment gab, der langweilig oder gar zum Abschweifen gewesen wäre, nein. Die fesselnde Handlung zieht sich wirklich durch das gesamte Buch - bis zum Schluss!

Wer (sehr) zart besaitet ist, ist mit den paar blutigen und gewaltvoll grausigen Szenen im Buch vielleicht nicht ganz so gut bedient. Mich persönlich hat das aber weniger gestört, damit bin ich zurecht gekommen, nicht zuletzt, weil ich auch stark annehme, und das konnte man aus dem Text so auch herauslesen, dass zur damaligen Zeit Folter, Gewalt und schneller Mord gang und gäbe bzw. nichts allzu Außergewöhnliches war ...

Obwohl das Lesen meines letzten historischen Romans schon ein Weilchen her ist, fand ich, dass hier alles sehr authentisch beschrieben und dargestellt wurde. Auch das Denken und Handeln der Protagonisten war teilweise sehr altertümlich und für mich somit absolut glaubwürdig.

Die Hauptprotagonistin Elisabeth ist eine mutige, junge Frau, die für ihre Freiheit, ihr Glück und ein unbeschwertes Leben kämpft. Genau diese Merkmale fand ich an ihr besonders bewundernswert, da zur damaligen Zeit ja ausschließlich Männer das Sagen hatten und Frauen wirklich Schwierigkeiten bekommen konnten, wenn sie es gewagt haben, ihren Mund aufzumachen, oder gar zu widersprechen ...
Elisabeth ist eben eine völlig ungewöhnliche Frau - und daher rühren auch die Schwierigkeiten mit ihrer Schwester Marga, dem Großvater und den mächtigen Männern in der Stadt. Durch Elisabeths Wesen findet man hier also wahrlich eine Menge fesselnden Lesestoff!

Ich bin äußerst angenehm von diesem historischen Roman überrascht. Ich hätte anfangs nicht erwartet, dass ich mich so sehr in diese Geschichte fallen lassen könnte. - Aber ja, genau das ist geschehen. Durch die rasante Handlung war ich eigentlich dauergefesselt, wenn man das so ausdrücken kann.
Dieses Buch schafft es einfach auf ganzer Linie zu unterhalten. - Ein klarer 5-Sterne-Fall!
bookorpc zu »Helga Glaesener: Die Vergolderin«29.12.2011
Mit Die Vergolderin zauberte die Autorin Helga Glaesener erneut einen wunderschönen Historischen Roman .
Inhalt:
Auf der Flucht aus Osnabrück erleben Elisabeth und ihre Geschwister einige Schicksalsschläge, bis sie in Braunschweig bei ihren Großvater ankommen. Dort versucht sie alles um ihre Versprechen, die sie auf dem Totenbett gegeben hat, zu erfüllen. Dafür benötigt sie aber ein Einkommen und deshalb arbeitet sie heimlich als Vergolderin. Bei einer nächtlichen Übergabe der fertigen Ware trifft sie Räuber, aber ein blinder Fremder rettet sie. Diese Begegnung hat für Elisabeth und ihrer Geschwister weitreichende Konsequenzen, da sie dadurch die Wut eines mächtigen Glidemitglieds auf sich zieht .

Meine Meinung:
Ein ereignisreiche Geschichte in einer Zeit, als man Frauen nicht in Männerberufen sehen wollte. Ohne geschichtliche Fakten, aber mit den typischen Klischees dieser Zeit. Wer eine Frau in Männerkleidung erwartet, wird enttäuscht, anstatt dessen erhält man viele überraschende Wendungen, eine schöne Liebesgeschichte und Familientragödie verpackt in einem fesselnden Schreibstil und in angenehmer Schriftgröße. Die Tätigkeit als Vergolderin spielt zwar eine Rolle, aber ist nicht der beherrschende Part des Romans.

Fazit: Eine unterhaltsamer Roman für Liebhaber historischer actionreicher Liebesgeschichten.
Astrid zu »Helga Glaesener: Die Vergolderin«25.08.2011
Grauenhaftes Schlachtfest einer sonst fantastischen Autorin mit flachen Charakteren und blöder Handlung.
Man hat das Gefühl aus Versehen zur "Wanderhure" gegriffen haben. Helga Glaesener ist sonst eine der Autorinnen, die sich nicht in das voyeuristische Blut-und-Sperma-Genre, zu dem die historischen Romane oft gemacht werden, einordnete, sondern mit vielschichtigen Charakteren, komplexen Plots mit überraschenden Wendungen und tiefen Einblicken in die Beweggründe ihrer Figuren überzeugte - und jetzt das! Es ist wie Ken Follett. Die Bösen sind ganz böse und ganz schrecklich und die Guten sind ein wenig gebeutelt aber ihr strahlend goldenes Herz überdauert.
Am schlimmsten ist das Liebespaar - was mich daran am meisten genervt hat, kann ich nicht ohne spoiler sagen.
Ich bin ein großer Fan von Helga Glaesener und hoffe inbrünstig, dass sie diese Art zu schreiben nicht beibehält. Sie hat uns wunderbare Bücher gebracht. Natürlich sind das finstere Zeiten, in denen sie erzählt, aber was bewegt sie dazu, diese Seite so in den dominierenden Fokus zu stellen? Ist das modern? Wenn Millionen Deutsche an den Fernsehern hängen um "die Wanderhure" zu sehen, prägt dass dann die Art in der historische Romane geschrieben werden, damit man sie besser verkaufen kann?
allegra zu »Helga Glaesener: Die Vergolderin«29.03.2011
Elisabeth, die ihrer sterbenden Mutter das Versprechen gegeben hat, dass sie sich um ihre Geschwister Marga und Christian kümmern wird, ist eine begabte Goldschmiedin und Vergolderin. Die Kinder finden bei ihrem Großvater Franz Weißvogel Unterschlupf, der sie allerdings nur widerwillig aufnimmt. Er erkennt aber bald, dass er auf sie angewiesen ist. Seine Hände zittern immer stärker, sodass er das Goldschmiedehandwerk nicht mehr ausüben kann. So arbeitet Elisabeth in seiner Werkstätte und Marga versorgt den Haushalt.
Längerfristig stellt der zwölfjährige Christian eine große Hoffnung für die Familie dar. Wenn er das Goldschmiedehandwerk erlernen kann, wird er seine Geschwister später ernähren können. Aber erst muss eine Lehrstelle für ihn gefunden und das Lehrgeld bezahlt werden. Dafür und für Margas Mitgift spart Elisabeth das Geld, das sie durch den Verkauf von kunstvoll vergoldeten Spiegelrahmen verdient.

Der Titel, sowie der Umschlag, den ein Ausschnitt aus Jan Vermeers Gemälde „Frau mit Waage“ ziert, lassen einen historischen Roman erwarten, der das Handwerk des Goldschmieds und des Vergoldens im Mittelpunkt hat. Je weiter die Geschichte voranschreitet rückt aber immer mehr ein Bruderzwist ins Zentrum zwischen dem Kaufmann Martin Clavius und seinem Halbbruder, dem machtgierigen Goldschmied Gregor Rudel. Elisabeth gerät zunehmend zwischen die Fronten und ihr guter Ruf ist zunehmend in Gefahr, weil Gregor Rudel alle Mittel recht sind.

Historisch ist der Roman eingeordnet in die Jahre 1602 bis etwa 1604 in Braunschweig. In den Wäldern rund um die Stadt verbreitet der sagenumwobene Räuber Lippold mit seiner Bande Angst und Schrecken. Im Roman erwähnt ist Henning Brabandt, der mit seinen „Bürgerhauptleuten“ der ärmeren Stadtbevölkerung zu mehr Mitspracherechten verhelfen konnte. Er stand im Verdacht mit dem verfeindeten Herzog Julius Heinrich in Kontakt zu stehen und wurde im Jahre 1604 unter schwerer Folter verurteilt und hingerichtet. An zwei Stellen wird das im Buch kurz erwähnt, aber leider nicht weiter ausgeführt.

Der Roman ist mitreißend geschrieben. Die Autorin erfreut den Leser mit einer guten Mischung aus Gefühl und Spannung. Die Beschreibung der Schauplätze und der Handwerksgerätschaften ist abwechslungsreich, anschaulich und kenntnisreich.
Die Personen sind für meinen Geschmack leider zu sehr in Richtung gut – böse herausgearbeitet. Elisabeth, mit der der Lese mitfiebert, ist eine sehr schöne Frau, durchwegs sympathisch und zuverlässig, während ihre Schwester Marga nicht nur rein äußerlich weniger positiv wegkommt, sie ist vor allem als verbiestert, griesgrämig, egoistisch und oberflächlich dargestellt. Die entsprechende Konstellation kann man zwischen den Brüdern Martin und Gregor erkennen. Leider entbehrt auch die Figur von Elisabeths Geliebtem Berthold jeglicher Tiefe und der zwölfjährige Christian ist so brav, tapfer und zuverlässig, dass es einen fast schmerzt in der Brust.

Die Handlung ist in Bezug auf die Entwicklung der Beziehungen zwischen den Hauptpersonen zwar relativ absehbar, die Verwicklungen auf dem Weg dahin sind aber unerwartet und sie halten die Spannung aufrecht. Das Happy End um Martin Clavius ist für mich persönlich etwas zu dick aufgetragen, aber es war wohl nötig für den Fortgang der Geschichte.

Mit dem vorliegenden Roman ist Helga Glaesener ein solider, spannender historischer Roman nach bewährter Machart gelungen. Ich fühlte mich auf sehr angenehme Weise unterhalten und bin sehr gerne in die Welt des 17. Jahrhunderts in Braunschweig eingetaucht. Allerdings würde ich ihn nicht zu den besten historischen Romanen zählen, die ich gelesen habe, weil mir etwas an historischer Tiefe fehlt und die Charaktere nicht realistisch genug gezeichnet sind. Zur Unterhaltung ist „Die Vergolderin“ aber auf jeden Fall empfehlenswert.
waschita zu »Helga Glaesener: Die Vergolderin«28.03.2011
u Beginn des 17. Jahrhunderts wird August Weisvogel, ehemals ein angesehener Goldschmied, nachdem er beim Fälschen erwischt wurde, mit seiner Familie aus Osnabrück vertrieben. Tochter Elisabeth verspricht ihrer sterbenden Mutter auf ihre Geschwister Marga und Christian zu achten und sie zum Großvater Franz nach Braunschweig zu bringen. Dort werden sie Waisen mehr geduldet als geliebt, sie dürfen aber bleiben, als der Großvater das Geschick von Elisabeth beim Vergolden bemerkt.

Heimlich vergoldet sie nebenbei noch Bilderrahmen, die ihre große Liebe, der inzwischen verheiratete Berthold aus Osnabrück abnimmt und für sie verkauft. So spart sie für das Lehrgeld ihres Bruder und die Aussteuer der Schwester. Eines Nachts will sie nach einem Treffen mit Berthold in die Stadt zurück wird aber fast von einer Räuberbande erwischt. Nur durch das Eingreifen des blinden Martin Clavius, gelingt es ihr zu entkommen. Dieser bittet Lissi immer wieder um Hilfe bei dem Versuch die Umstände zu klären, die vor 18 Jahren zu seiner Erblindung führten. Dadurch wird sie in die Intrigen zwischen Martin und seinem Stiefbruder Gregor Rudel, einem mächtigen Goldschmied in Braunschweig, hineingezogen, wodurch sie beinahe ihren guten Ruf verliert und dadurch die Zukunft ihrer Geschwister gefährdet. Wobei Christian ihr vertraut, während Marga ihr in den Rücken fällt und ihr eigenes Netz spinnt.

In Lissi entwickeln sich zarte Gefühle für Martin, aber sie glaubt immer noch an eine Zukunft mit Berthold in Osnabrück, bis sie von dem vermeintlichen Tod Martins erfährt und es fast zu spät ist….



Helga Glaesener hat wieder einen ansprechenden historischen Roman geschrieben, obwohl er meiner Meinung nach nicht zu ihren besten gehört.

Das Leben und die Position der Frauen in der Arbeitswelt ist gut und detailliert beschrieben, allerdings sind mir die Personen zu „schwarz-weiß“ beschrieben , die immer gute Lissi und die immer intrigante Marga. Auch das Vergolden ist mir eigentlich ein wenig zu nebensächlich behandelt worden, ist es doch immerhin der Titelgeber.

Insgesamt ist es ein flüssig zu lesender Roman, der kurzweilig geschrieben ist und auch für „Historik-Einsteiger“ geeignet, die nicht an zuviel historischen Erklärungen interessiert sind.

Empfehlenswert
enzian zu »Helga Glaesener: Die Vergolderin«25.03.2011
Im Dezember 1602 muss Marga Weißvogel mit ihrem Mann August und ihren Kindern aus Osnabrück fliehen. Der Goldschmied hat Schmuck verfälscht und und das Stadtrecht verloren. Unterwegs begeht August Selbstmord und Marga stirbt. Vorher nimmt sie ihrer Tochter Elisabeth das Versprechen ab, ihre Geschwister zum Großvater nach Braunschweig zu bringen und für sie zu sorgen. Es gelingt Elisabeth, zusammen mit Marga und Christian ein neues Leben in Braunschweig aufzubauen. Frauen dürfen zu dieser Zeit kein Handwerk ausüben, so arbeitet Elisabeth heimlich als Vergolderin. Das Gold zum Verzieren von Spiegelrahmen besorgt ihr Geliebter Berthold. Da wird Elisabeth nach einem Treffen mit Berthold im Wald überfallen und von einem vermeintlich Blinden gerettet. Es handelt sich um Martin Clavius, der als Kind Braunschweig unter mysteriösen Umständen verlassen hat. Nun ist Martin nach vielen Jahren in seine Heimatstadt zurückgekehrt. Dort leben sein Stiefvater und sein Stiefbruder, Gregor Rudel. Dieser denkt, dass Martin den ihm zustehenden Teil seines Erbes verlangt. In Wirklichkeit möchte Martin ein Geheimnis lüften. Dabei soll ihm Elisabeth helfen. Gregor unternimmt alles, um das zu verhindern und schreckt auch vor Mord nicht zurück. Bald muss Elisabeth um ihr Leben fürchten. Kann Martin, der selbst in arge Bedrängnis geraten ist, ihr noch einmal helfen?

Wie immer, hat Helga Glaesner es auch in diesem Buch verstanden, eine Vielfalt unterschiedlicher Charaktere treffend zu beschreiben. Da haben wir die starke Elisabeth, die es auch unter schwierigsten Bedingungen versteht, das Leben zu meistern. Daneben ihr anfangs schwacher, hilfebedürftiger Bruder, der sich im Laufe der Handlung zu einem mutigen jungen Mann entwickelt. Dann ihre unehrliche, ränkeschmiedende Schwester sowie der zänkische Großvater, der seine Enkel im Haus nur duldet. Ein edler Retter in der Not, in Gestalt von Martin, darf auch nicht fehlen. Nebenher wird ein sehr buntes und lebendiges Bild vom Leben in dieser Zeit gezeichnet. Die grausamen Bestrafungen sowie die der Zusammenschluss von Handwerkern in Gilden. Dort hatten Frauen natürlich nichts zu suchen. Am Beispiel Elisabths wird deutlich, welche Stellung Frauen in dieser Zeit eingenommen haben und wie schwer sie es hatten. Der Schreibstil des Buches ist flüssig, es kommt zu vielen unerwarteten Wendungen. Dennoch wirkt dieser Roman auf mich etwas klischeehaft.
KimVi zu »Helga Glaesener: Die Vergolderin«20.03.2011
Das Jahr 1602 ist kein gutes Jahr für die Familie Weißvogel aus Osnabrück. Der Vater, ein Goldschmied, wird zum Fälscher. Er verwendet statt reinem Gold überzogenes Kupfer. Doch der Betrug wird entdeckt. Nach einer Gerichtsverhandlung wird er ausgepeitscht und mit der gesamten Familie aus der Stadt vertrieben. Auf der Flucht begeht der Vater Selbstmord. Wenig später stirbt die Mutter. Kurz vor ihrem Tod nimmt sie ihrer Tochter Elisabeth das Versprechen ab, sich künftig um das Wohl ihrer Geschwister Marga und Christian zu kümmern. Die drei Waisen schlagen sich bis nach Braunschweig durch. Dort lebt ihr Großvater. Er ist ebenfalls Goldschmied und nimmt seine Enkel notgedrungen bei sich auf. Die drei versuchen ihm nicht zur Last zu fallen, denn ihre Angst, das Dach über dem Kopf zu verlieren, ist groß. Obwohl es gegen die Regeln der Handwerksgilde verstößt geht Elisabeth ihrem Großvater in der Werkstatt zur Hand. Niemand darf davon erfahren, denn Frauen ist die Ausübung dieses ehrbaren Berufs strengstens verboten. Eines Nachts beobachtet Elisabeth einen hinterhältigen Überfall. Ein geheimnisvoller blinder Mann hilft ihr dabei unentdeckt zu bleiben. Schon bald treffen die beiden erneut aufeinander. Ungewollt gerät Elisabeth dabei zwischen die Fronten einer Familienfehde.

Meine Meinung

Der Einstieg in diesen historischen Roman gelingt durch den lebendigen Schreibstil der Autorin mühelos. Aufgrund der detaillierten Beschreibungen fällt es leicht, sich die Handlungsorte und Protagonisten vorzustellen. Das harte Schicksal der drei Geschwister und die ständige Gefahr, in der sie sich befinden, wird glaubhaft dargestellt. Auf Elisabeths Schultern ruht die Verantwortung für die Geschwister. Sie wirkt besonders sympathisch in ihrem Bemühen, die Familie durch diese harten Zeiten zu bringen. Ihre Schwester Marga sieht das ganz anders. Sie lässt keine Gelegenheit aus Elisabeth in den Rücken zu fallen und sich selbst ins rechte Licht zu rücken. Marga wirkt zänkisch und undankbar. Man kann sich beim Lesen gut in Elisabeth Lage versetzen und leidet mit ihr mit. Diese Darstellung wirkt auch nicht zu übertrieben, sondern glaubhaft und nachvollziehbar.

Obwohl der Titel des Buchs einen intensiven Einblick in die Arbeit der damaligen Goldschmiede verspricht, kommt dieser Aspekt ein wenig zu kurz. Die Gepflogenheiten innerhalb der Handwerkszünfte, die harte Ausbildung der Lehrlinge und einige von Elisabeths Arbeiten werden durchaus beschrieben, doch nicht in dem Umfang, den der Buchtitel vermuten lässt.

Im Verlauf der Handlung muss sich Elisabeth allerdings nicht nur mit der zänkischen Schwester, dem brummeligen Großvater und den Sorgen um die Ausbildung des Bruders beschäftigen. Zufällig wird sie Zeugin eines Überfalls und gerät dadurch zwischen die Fronten einer erbitterten Familienfehde. Sie wird zur Schachfigur in einem Bruderkrieg und hat wenig Hoffnung, dabei unversehrt zu bleiben. Als Frau ist sie der Willkür der Männer ausgesetzt und nahezu rechtlos. Elisabeth weiß nicht, wem sie noch trauen kann. Sie schwebt schon bald in großer Gefahr und ist von Neid, Intrigen und Verrat umgeben. Durch überraschende Wendungen bleibt die Handlung durchgehend spannend, sodass man förmlich über die Seiten fliegt und das Buch nur ungern zur Seite legt.

In diesem historischen Roman kommt auch die Liebe nicht zu kurz. Doch von allzu romantischen Verwicklungen bleibt man verschont. Elisabeths Liebesleben drängt sich nicht zu sehr in den Vordergrund. Denn die spannende Fehde, die ungeahnte Ausmaße annimmt, bildet das Zentrum der Handlung. Dabei trifft man auf zahllose Bösewichte, die einige Klischees bedienen. Dennoch macht es Spaß den lebendigen Schilderungen der Autorin zu folgen.

Ich habe spannende Lesestunden mit diesem historischen Roman verbracht und mich dabei nicht einen Moment gelangweilt. Deshalb empfehle ich das Buch gerne weiter und vergebe vier von fünf möglichen Bewertungssternen. Den einen ziehe ich ab, da mir die Handlung an einigen Stellen zu klischeehaft war.
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