Die Postmeisterin von Helga Glaesener

Buchvorstellung

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Die Postmeisterin“,, 384 Seiten.ISBN 3-471-35132-9.

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Kurzgefasst:

1597. Die junge Adlige Aliz lebt als Kammerfrau bei der Herzogin von Jülich. Als diese brutal ermordet wird, flieht sie mit Moritz, dem illegitimen Sohn ihrer Herrin, nach Wöllenstein, ein Dorf in der Nähe von Mainz. Liebevoll kümmert sie sich um den Jungen. Um zu überleben, baut sie einen illegalen Postdienst auf. Das ist riskant, denn die Familie von Taxis besitzt das kaiserliche Monopol auf die Postbeförderung. Und tatsächlich wird Moritz, mittlerweile zum jungen Mann herangewachsen, von den Häschern der Taxis verhaftet. Doch auch die Vergangenheit verfolgt Aliz. Als die Mörder der Herzogin von einem rechtmäßigen Erben erfahren, werden Aliz und Moritz zu Schachfiguren in einem perfiden Spiel.

Das meint Histo-Couch.de: „Fesselnder Roman um das Postwesen“

1597 ist die  junge Adlige Aliz dÀntigny als Kammerfrau bei der Herzogin Jakobe Jülich- Kleve- Berg angestellt. Unfreiwillig wird sie Zeugin des Mordes an ihrer Herrin. Sie flieht sofort, den illegitimen Sohn Jakobes, den sie zu diesem Zeitpunkt bei sich hat, nimmt sie mit.

15 Jahre später bewirtschaftet sie die Herberge „Zur grünen Laterne“. Ihr herzensguter Ehemann Peter ist verstorben. Sie und ihre drei Kinder müssen hart arbeiten, um einigermaßen über die Runden zu kommen. Die knappe Haushaltskasse bessert sie durch das Betreiben einer illegalen Poststrecke auf. Mit ihrem ältesten Sohn Moritz und ein paar ausgewählten Mitwissern transportiert sie Briefe von Köln bis nach Rheinhausen. Das Porto liegt unter dem der Familie Thurn und Taxis. Diese besitzen als einzige das Monopol, Briefe zu befördern. Ständig muss sie sich vor deren Spionen in acht nehmen, insbesondere vor dem Kölner Postmeister Johann von Coesfeld. Und auch ihre Schwägerin Josefa lässt keine Gelegenheit aus, der ungeliebten Aliz Probleme zu bereiten.

Sohn Moritz lernt derweil das Bäckerhandwerk in Frankfurt. Da er ein Auge auf die Tochter seines Lehrmeisters geworfen hat, versucht er seinerseits auch, Reichtum durch illegale Briefbeförderung zu erlangen, um seiner Eva etwas bieten zu können. Einmal wurde Moritz bereits geschnappt, aber glücklicherweise konnte er die Briefe noch rechtzeitig verschwinden lassen und kam mit Hilfe seiner Mutter wieder frei. Doch das ist erst der Beginn einer ganzen Menge Probleme, die auf Aliz zukommen.

Plötzlich taucht ein Fremder auf und behauptet, Moritz leiblicher Vater und der frühere Geliebte von Jakobe zu sein. In Frankfurt steckt Moritz bis über beide Ohren in Schwierigkeiten. Um seinem Lehrmeister Fettmilch zu imponieren, war er mit am Sturm der Zünfte auf das Frankfurter Rathaus beteiligt. Und als ob das alles noch nicht genug wäre, brennt die „Grüne Laterne“ ab und Tile, der zweite Sohn von Aliz ist verschwunden. Die Ereignisse überschlagen sich …

Perfekt recherierte Historie

Helga Glaesener liefert hier nicht nur ein Werk ab, das viele historisch stimmige Elemente enthält, sondern das außerdem noch ungemein fesselnd ist. Über das Postmonopol der Thurn und Taxis findet man in historischen Romanen eher selten Informationen. Deshalb ist es etwas ganz Besonderes für den Leser darüber etwas zu erfahren. Das Thema könnte gerne noch ausführlicher behandelt werden, aber in der Geschichte des Romans laufen zeitgleich mehrere interessante Handlungsstränge. So wird auch der historisch ebenfalls korrekte Aufstand der Zünfte angesprochen, den der Lebkuchenbäckermeister Fettmilch angeführt hat. Diese Stelle des Buches wird so spannend und lebhaft geschildert, dass man als Leser das Gefühl bekommt, man würde selbst vor dem ausführlich beschriebenen Frankfurter Römer stehen.

Doch auch die Entwicklung der Geschichte um den unehelichen Sohn der Herzogin würzt den Roman an immer wieder passenden Stellen. Auch nicht zu vergessen ist die Aufklärung des Mordes an Jakobe, der sich im Prolog des Buches ereignet.

Grandiose Verflechtung verschiedener Handlungsstränge

Die Hauptprotagonistin entlockt dem Leser durchweg nur Sympathien. Sie nimmt alle Gefahren auf sich, Hauptsache es geht zum Wohle ihrer Kinder, dabei bringt sie Moritz die gleiche Liebe entgegen wie ihren leiblichen Kindern. Auch der verruchte Fremde, der sich als Moritz leiblicher Vater ausgibt, weckt nicht unbedingt Antipathie beim Leser. Sein Begleiter, der Mohr Aleeke, bringt ein gewisses Amüsement in die Handlung. Die böse klassische Rolle ist hier der Schwägerin von Herzogin Jakobe zugedacht und damit bestens besetzt. Auch der Meister Fettmilch wirkt eher negativ auf den Leser.

Der sprachliche Stil trägt zum Lesevergnügen bei. Er ist nicht übertrieben anspruchsvoll, aber gut verständlich. Die Covergestaltung dieses historischen Romans ist dem List Verlag sehr gut gelungen.

Im Epilog verweist Helga Glaesener den Leser kurz auf die historisch belegten Tatsachen. Der Roman macht Lust auf mehr Informationen darüber und regt zur Eigenrecherche an.

Ihre Meinung zu »Helga Glaesener: Die Postmeisterin«

PMelittaM zu »Helga Glaesener: Die Postmeisterin«09.12.2016
1612: Aliz führt nach dem Tod Ihres Mannes alleine das Gasthaus „Grüne Laterne“, kommt aber mit ihren drei Kindern, dem Knecht und den Mägden mehr schlecht als recht über die Runden. Sie hat daher zusätzlich einen Postdienst aufgebaut – da aber das kaiserliche Monopol der Postbeförderung bei der Familie Taxis liegt, ist das Ganze illegal und sehr gefährlich. Eines Tages holt sie auch noch ihre Vergangenheit ein, denn 15 Jahre zuvor wurde sie ungewollt in einen Erbfolgestreit hineingezogen.

Moritz, Aliz älterer Sohn, der in Frankfurt bei Meister Fettmilch das Handwerk des Lebkuchenbäckers lernt, gerät mitten hinein in einen Zwist der Handwerker mit dem Rat der Stadt, hat aber auch private Probleme, denn er liebt Fettmilchs Tochter, rechnet sich aber keine Chancen aus, so lange er nicht wohlhabend ist.

Mich hat der Titel des Romans direkt angesprochen, denn ein historischer Roman über eine Postmeisterin schien mir neu und interessant, zumal mir auch bekannt war, dass es in diesem Bereich ein Monopol gab und die privilegierte Familie sicher nicht begeistert über Konkurrenz war. Ich empfehle, den Klappentext nicht zu lesen, er verrät zu viel und wirkte auf mich persönlich nicht sehr anziehend. Angezogen hat mich aber der Name der Autorin, denn mein bisher einziger Roman von ihr, hat mir sehr gut gefallen und ich wollte unbedingt mehr von ihr lesen.

Helga Glaesener hat in meinen Augen ein großes Erzähltalent, sie erzählt sehr lebendig, beschreibt authentische Charaktere, setzt interessante Protagonisten ein und weiß Spannung richtig zu setzen. Der historische Hintergrund, der auf drei tatsächlichen Gegebenheiten aufbaut, neben dem Postmonopol gab es auch den Erbfolgestreit und die Problematik zwischen Zünften und Rat in Frankfurt, ist gut recherchiert und lädt dazu ein, sich noch ein bisschen mehr mit den Themen auseinandersetzen. Im Epilog geht die Autorin selbst auf Fakten und Fiktion ein.

Gut gefallen hat mir der Druck des alten Frankfurt im Inneren des Romans, ebenso die schön gestalteten Kapitelinitialen.

Die Charaktere sind, wie schon erwähnt, interessant, mir gefällt, dass sie zum größten Teil vielschichtig gestaltet sind und die Protagonisten sich als Identifikationsfiguren eignen. Ich weiß gar nicht, wer mir lieber ist, Aliz, sehr patent und mutig, die alles für ihre Kinder tun würde, Symon, zwielichtig aber nicht unsympathisch, den man erst im Laufe des Romans richtig einordnen kann, Moritz, ebenso mutig wie seine Mutter, aber manchmal auch zu wagemutig oder Rafael, ein jüdischer Junge mit einem Geheimnis. Sehr gut gelungen sind auch ein paar Nebenfiguren, wie Marthe, die ehemalige Amme, die nun an Demenz leidet, der Autorin gelingt es, dies sehr eindrücklich zu schildern, indem sie aus der Perspektive Marthes erzählt oder Aleeke, dunkelhäutig und exotisch, der sich fragen lassen muss, ob er ein Mensch sei.

Die Geschichte selbst ist sehr spannend und entwickelt sich schnell zum Pageturner, und hin und wieder schimmert ein bisschen Humor durch. Die Schicksale der Charaktere sind gut in das historische Geschehen verwoben, nichts wirkt aufgesetzt. Am Ende habe ich den Roman zufrieden zugeklappt, auch, weil kein nicht alles wunderbar ausgeht.

Der Roman hat mich sehr gut gefallen, mich Neues gelehrt und mich gut unterhalten. Ich vergebe gerne volle Punktzahl und eine Leseempfehlung für alle, die historische Romane mit gut recherchiertem geschichtlichem Hintergrund mögen. Ich freue mich auf weitere Romane der Autorin.
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