Gold und Stein von Heidi Rehn

Buchvorstellung und Rezension

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Originalausgabe erschienen 2012 unter dem Titel „Gold und Stein“, , 720 Seiten. ISBN 3-426-65261-7.

Kurzgefasst:

Preußen, Mitte des 15. Jahrhunderts. Die 17jährige Agnes und ihre Mutter Gunda leben als angesehene Bierbrauerinnen in Wehlau. Eines Tages taucht der junge Baumeister Laurenz auf und erobert Agnes´ Herz im Sturm. Mit aller Kraft sperrt sich Mutter Gunda gegen diese Liebe, droht damit doch ein dunkles Geheimnis aus ihrer Vergangenheit offenbar zu werden. Als die Deutschordensritter Wehlau belagern, flieht Agnes nach Königsberg, wo sie dem gleichaltrigen Caspar begegnet. Warum nur fühlt sie sich sogleich zu ihm hingezogen, wo ihr Herz doch Laurenz gehört? Ihre Verwirrung wächst, als sie an Caspars Nacken dasselbe Feuermal wie an dem ihren entdeckt. Was verbindet sie mit ihm? Plötzlich muss sie sich nicht nur zwischen zwei Männern, sondern auch zwischen zwei Müttern entscheiden …

Das meint Histo-Couch.de: „Eine dramatische Suche nach der eigenen Vergangenheit“

von Eva Schuster

Das preußische Wehlau im Jahr 1452: Die siebzehnjährige Agnes lebt hier mit ihrer Mutter Gunda. Seit Gundas Ehemann und Agnes’ Stiefvater Zacharias Fröbel vor einem Jahr starb, betreibt Gunda die Schankwirtschaft alleine und genießt einen guten Ruf für ihr beliebtes Bier. Agnes versteht sich gut mit ihrer Mutter, doch über ein Thema schweigt Gunda seit jeher beharrlich: Über Agnes’ leiblichen Vater und die Zeit unmittelbar nach ihrer Geburt, ehe sie nach Wehlau kamen.

Als Agnes im Wirtshaus von einem Gast belästigt wird, kommt ihr ein Fremder zu Hilfe. Der junge Baumeister Laurenz Selege mit den verschiedenfarbigen Augen und dem schwarzen Bart fasziniert die unerfahrene Agnes sofort und er scheint ebenso interessiert zu sein. Zu Agnes’ Überraschung aber spricht er ihre Mutter mit einem anderen Nachnamen an und behauptet, sie als Gunda Kelletat aus Königsberg zu kennen. Mehr noch – er spricht von ihrem Zwillingspaar, einem Jungen und einem Mädchen, die beide ein Feuermal im Nacken trugen.

Gunda besteht darauf, dass der Fremde sie verwechseln müsse. Agnes ist misstrauisch – denn sie trägt tatsächlich ein Feuermal im Nacken. Sie ist fest entschlossen, endlich das Geheimnis ihrer Herkunft zu lüften. Wenig später wird die Stadt von den Deutschordensrittern umzingelt. Zu allem Überfluss soll Agnes mit einem älteren Mann verheiratet werden. Sie flieht gemeinsam mit Laurenz aus Wehlau nach Königsberg. Hier begegnet sie dem gleichaltrigen Caspar, zu dem sie rasch eine rätselhafte Verbindung fühlt – und sie kommt dem dunklen Geheimnis ihrer Familie auf die Spur …

Ein Familienschicksal im 15. Jahrhundert

Heidi Rehn entführt in diesem umfangreichen Schmöker ihre Leser ins Königsberg des 15. Jahrhunderts, in die Zeit des Preußischen Städtekrieges, auch als Dreizehnjähriger Krieg bekannt. Im Mittelpunkt des Geschehens steht mit Agnes ein junges Mädchen an der Schwelle zur Frau, das einem großen Familiengeheimnis auf die Spur kommt. Die Begegnung mit Laurenz Selege reißt Agnes auf zweierlei Arten aus ihrem bisherigen Leben: Zum einen spürt sie zum ersten Mal die Liebe, zum anderen bringt er sie dazu, nach ihrer Herkunft zu forschen. Bleibt Agnes zunächst etwas blass und austauschbar, gewinnt sie doch nach und nach an Profil und wächst dem Leser durchaus ein wenig ans Herz. Positiv ist vor allem, dass sie nie zu reif für ihr Alter wirkt und ihre teils unsicheren Gedanken und Reaktionen authentisch erscheinen. Ihre Mutter Gunda gehört zu den interessantesten Charakteren des Romans.

Zu Beginn entsteht vor allem das Bild einer willensstarken, energischen Frau, die sich zu behaupten weiß und ihre Tochter manchmal bei aller Liebe etwas zu streng behandelt. Später gibt es vermehrt Einblicke in ihre Vergangenheit, das Verständnis des Lesers wächst und Gundas Verhalten lässt sich zunehmend besser nachvollziehen. Eine besonders liebenswerte Figur ist Gundas Mutter Lore, trotz ihres Alters noch geistig hellwach und vor allem für Agnes ein großer Halt. Interessant sind die vielen Details über das Brauereiwesen, die gut integriert werden und nie belehrend oder trocken wirken. Vergleichsweise kurz kommen dagegen die Details zur historischen Situation und auch das Lokalkolorit hätte sicher ausführlicher thematisiert werden können. Wer sich ausführliche Einblicke in das Königsberg jener Zeit erhofft oder viele Schilderungen zum Städtekrieg, wird möglicherweise enttäuscht – im Fokus steht eindeutig das Schicksal der Familie.

Spannung vor allem in der zweiten Hälfte

Der Stil ist flüssig und lässt sich gut lesen, dennoch ist der Roman in der ersten Hälfte teilweise noch ein wenig schleppend. Es passiert zunächst wenig und der Leser wartet ungeduldig darauf, dass Agnes endlich einmal gewisse Schlüsse zieht und dass sich die Dinge entwickeln. Dies geschieht dann vermehrt in der zweiten Hälfte, die auch gleich umso mehr fesselt. Von nun an gibt es mehrere Faktoren, die für Spannung sorgen: Laurenz sieht sich gezwungen, seine Agnes für ein paar Monate beruflich zu verlassen. Das Mädchen findet zwar bei seiner Tante Obhut und eine Vertrauensperson, aber Agnes bekommt leichte Zweifel, dass Laurenz sie wirklich heiraten will. Auch der Leser schwankt noch ein wenig in seiner Meinung zu Laurenz – er wirkt sympathisch, doch zugleich auch undurchschaubar und es bleibt zu hoffen, dass er es ehrlich mit dem unerfahrenen Mädchen meint. Zum anderen ahnt Agnes nicht, wie nah sie nun ihrem Familiengeheimnis gekommen ist und dass sie sich möglicherweise in Gefahr begibt. Beim Zusammentreffen mit dem liebenswerten jungen Caspar weiß der Leser weitaus mehr als sie und wartet unablässig darauf, dass endlich auch Agnes die Zusammenhänge begreift.

Informativer Anhang

Etwas kritisch ist der Prolog zu sehen, der siebzehn Jahre vor der Haupthandlung spielt, denn der Leser erfährt hier ein bisschen zu viel über das Familiengeheimnis. Zwar gibt es im weiteren Verlauf noch einige Wendungen und manche Dinge entwickeln sich anders als angenommen; dennoch hätte man es auch dabei belassen können, dem Leser nicht so viel Vorwissen zu geben – mit ein bisschen Geschick hätte man auch ohne diesen Prolog sicher gewisse Ahnungen beim Lesen bekommen.

Umso begrüßenswerter ist der ausführliche Anhang. Hier erläutert die Autorin auf einigen Seiten diverse wichtige historische Punkte des Romans vom Bierbrauen bis zur landläufigen Auffassung über Zwillinge. Das Glossar erklärt die ausländischen Formulierungen sowie die zeitgenössischen Begriffe und das Personenregister rundet die Übersicht ab. Bemerkenswert ist auch das edle Cover mit dem golden funkelnden Namen der Autorin.

Unterm Strich legt Heidi Rehn mit Gold und Stein einen lesenswerten Roman vor, der seine Leser gut zu unterhalten versteht. Es ist kein Meisterwerk, aber solide Literatur. Vor allem in der zweiten Hälfte entwickelt der Roman Spannung und lässt sich aufgrund des flüssigen Stil trotz des Umfangs leicht lesen.

Ihre Meinung zu »Heidi Rehn: Gold und Stein«

Zabou1964 zu »Heidi Rehn: Gold und Stein« 18.05.2012
Nach den beiden Büchern um die Wundärztin Magdalena hat Heidi Rehn nun einen Roman verfasst, der den Leser in das Preußen des 15. Jahrhunderts entführt. Die Geschichte beginnt in Wehlau, wo die siebzehnjährige Agnes mit ihrer Mutter Gunda und ihrer Großmutter Lore lebt. Sie betreiben als Bierbrauerinnen ein eigenes Wirtshaus. Dort taucht eines Tages der junge Baumeister Laurenz auf, in den sich Agnes Hals über Kopf verliebt. Er kennt Details aus Agnes’ Familiengeschichte, die Gunda allerdings geheim halten möchte. Aus diesem Grund ist sie gegen die Liebe der beiden jungen Leute und will Agnes mit einem älteren Kaufmann verheiraten. Agnes und Laurenz fliehen nach Königsberg. Dort ist Agnes dem Geheimnis ihrer Familie näher, als sie dachte. Die Begegnung mit dem gleichaltrigen Caspar verwirrt sie zutiefst. Wie kann sie sich zu ihm hingezogen fühlen, wo sie doch Laurenz liebt?

Mit ihrer bildhaften Sprache und der spannenden Geschichte hat mich die Autorin von der ersten Seite an gefesselt. Agnes’ Schicksal hat mich sehr bewegt. Zu Anfang ist sie noch ein recht naives junges Mädchen, entwickelt sich aber im Laufe des Buches zu einer selbstbewussten jungen Dame. Auch die anderen Figuren konnten mich durch ihre Mehrdimensionalität überzeugen. Niemand ist nur böse oder nur gut. Jede Figur hat ihre Geschichte, die sie zu dem gemacht hat, was sie ist. Heidi Rehn ist es auf großartige Art und Weise gelungen, in mir die unterschiedlichsten Emotionen auszulösen. Ich habe förmlich mit den Figuren gelebt, geliebt und gelitten.

Neben der spannenden Handlung erfährt der Leser auch sehr viel über das Handwerk des Bierbrauers und über die Deutschordensritter. Ein ausführliches Nachwort der Autorin erklärt noch weitere Einzelheiten. Ein Glossar, ein Personenverzeichnis und eine Karte der Region runden das hervorragend ausgestattete Buch ab.

Wie ich mittlerweile erfahren habe, schreibt die Autorin bereits an einer Fortsetzung der Geschichte. Darauf freue ich mich schon sehr. Doch zunächst erscheint im Juni 2012 der dritte Teil der Magdalena-Reihe, dem ich bereits sehnsüchtig entgegenfiebere.

Fazit:
Heidi Rehn hat mit diesem Roman wieder bewiesen, dass sie Geschichte spannend und unterhaltsam erzählen kann. Von mir gibt es für dieses gut recherchierte Werk die volle Punktzahl.

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