Jerusalem von Hanns Kneifel

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2011unter dem Titel „Jerusalem“,, 720 Seiten.ISBN 3-404-16533-0.

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Kurzgefasst:

Gott will es! Befreit Jerusalem, und die Sünden sind euch vergeben! Anno Domini 1095. Papst Urban II. ruft das Volk zum Kreuzzug auf. Unter den Zuhörern ist auch Jean-Rutgar von Les-Baux, ein junger Ritter aus der Provençe. Von Frankreich durch ganz Europa, über Konstantinopel nach Kleinasien und weiter durch unbekanntes Land ziehen die Kreuzfahrerheere gen Jerusalem. Ein Weg, der für Rutgar viele Abenteuer, manche Entbehrungen und schließlich die große Liebe seines Lebens bereithalten wird – auch wenn er mehr und mehr daran zweifelt, das verheißene Königreich des Himmels je zu erreichen.

Das meint Histo-Couch.de: „Ein mühsamer Weg für Pilger und Leser“56

Rezension von Christina Wohlgemuth

Frankreich, 1095. Papst Urban II. ruft die Gläubigen in einer eindrucksvollen Rede auf, das Heilige Land zu befreien und die verfolgten Glaubensbrüder zu retten – denn die heilige Stadt Jerusalem ist schon seit vielen Jahren in der Hand der Muslime. Unter den Zuhörern befindet sich Jean-Rutgar, der uneheliche Sohn eines provencalischen Grafen. Zu Hause ohne Perspektive und beeindruckt von der Massenbewegung schließt sich Jean-Rutgar dem Kreuzzug an – und erlebt, zunächst an der Seite des Peter von Amiens, später unter verschiedenen Führern des Kreuzzuges, die schwere Reise durch ganz Europa bis ins Heilige Land …

1095, das Jahr, das als Geburtsstunde der Kreuzzüge gilt. Papst Urban ruft – je nachdem, welcher Quellenlage und Meinung unter Historikern man folgt – zum Heiligen Krieg auf – und tausende und abertausende Folgen. Der Kreuzzug, der sich in viele Fraktionen spaltet und sich in viele kleine Züge unterteilt, bedeutete sowohl für die Pilger als auch für die Bewohner der Länder, durch die die Kreuzzügler zogen, Entbehrungen, Lebensgefahr und Elend.

Eine spannende Epoche, deren Darstellung nur begrenzt überzeugt

Der erste Kreuzzug von 1096 bis 1099, der mit der Einnahme Jerusalems durch die Kreuzritter endete, führte zur Bildung mehrerer Kreuzfahrerstaaten. Warum die Staaten nicht von Dauer waren und sich gegenseitig schwächten, zeichnet sich bereits während dieses Kreuzzuges ab: die weltlichen Führer des Kreuzzuges, gleich ob selbsternannt oder tatsächlich berufen, ringen um die Beute, ringen um die Gunst des Papstes, ringen um Land. Die schier unüberblickbare Anzahl an Heerführern spiegelt sich auch im Roman wieder – leider zum Nachteil des Lesers. Denn obwohl sich der Autor bemüht, einzelne Führungsfiguren herauszugreifen und sie wiederholt auftreten lässt, bleiben sie als Charaktere nicht in Erinnerung. Sie alle verschwimmen – auch für den Leser mit groben Vorkenntnissen – in einem Einheitsbrei, aus dem sie nur szenenweise auftauchen.

Überzeugen kann der Autor mit seiner Darstellung der Entbehrungen und des Leids, das sowohl die Pilger als auch die einheimische Bevölkerung erleiden müssen. Entfernungen, deren Unüberwindbarkeit für den Leser heutzutage nicht mehr nachvollziehbar sind, werden während des Romans auch für diesen greifbar und nachvollziehbar. Die Plünderung der Städte, die tägliche Gefahr, einem Überfall oder einer Krankheit zu erliegen, ist allgegenwärtig. Doch gerade darin liegt auch ein Problem des Romans. Der Autor ergeht sich in Wiederholungen der immer selben Szenen, ohne diese abzuwandeln. Plünderung gleicht Plünderung, Krankheitswelle gleicht Krankheitswelle. Das ermüdet den Leser trotz der eigentlich überzeugenden Darstellung auf einer Dauer von über 700 Seiten. Fahrt nehmen Geschichte und Darstellung erst ab der Belagerung Antiochias auf.

Figurenzeichnung und Stil überzeugen nur begrenzt

Neben Jean-Rutgar und seiner Geliebten treten nur wenige Figuren so bedeutsam hervor, dass sie einen bleibenden Eindruck beim Leser hinterlassen. Neben den nur schwierig unterscheidbaren Heerführern des Kreuzzuges bleiben auch die Weggefährten der Protagonisten eher blass – einzelne Ausnahmen bilden bedeutende Nebenfiguren wie Peter von Amiens. Auch stilistisch kann die Geschichte nicht überzeugen: lange Schachtelsätze, die manchmal über ganze Absätze reichen, stören des Lesefluss ebenso wie ungewöhnliche Satzkonstruktionen oder seltsam klingende Vergleiche. Hier wäre ein intensiveres Lektorat möglicherweise hilfreich gewesen.

Letzten Endes bleibt Jerusalem eine Geschichte mit vielen Möglichkeiten und guten Ansätzen, die jedoch im Endeffekt daran scheitern, dass der Autor allen Aspekten der Geschichte genügen will – und es im Endeffekt nicht wirklich schafft. Über die Epoche der Kreuzzüge liegen dem geneigten Leser weit bessere Bücher vor.

Ihre Meinung zu »Hanns Kneifel: Jerusalem«

M.Reinsch zu »Hanns Kneifel: Jerusalem«22.07.2016
Im Jahr 1095 schließt sich Jean-Rudger aus Les Baux dem Pilgerzug des Predigers „Peter, der Eremit“ an. Dieser stellte ein frommes Pilgerheer zusammen, um dem Aufruf Papst Urban II zu folgen, und das Grabmal Christis in Jerusalem von den Ungläubigen zu befreien. Nach einem entbehrungsreichen Marsch erreichen Sie endlich Konstantinopel und setzen über in die nördliche Türkei. Hier will man warten bis das „Große Heer“ der westlichen Herrscher eintrifft um mit Ihnen gemeinsam nach Jerusalem zu ziehen. Nur hat in Peters Zug Niemand mit der Gier und Einfalt (Sündenerlass durch die Kirche), der fahrenden Ritter gerechnet, denn diese fallen plündernd und mordend über die Siedlungen der Einheimischen her und ziehen so den Zorn des Sultans der Sarazenen auf sich. Es kommt zum offen Krieg zwischen Pilgern und Sarazenen…
Ich muss gestehen, dass ich das Buch nur bis Seite 380 (von über 700) gelesen habe! Ich kann mich einfach nicht mit dem Schreibstil von Hans Kneifel anfreunden. In der Zeit, die ich investiert habe, hätte ich 2-3 andere Bücher lesen können, habe aber immer wieder versuch weiter zu kommen. Hr. Kneifel hat extrem gut recherchiert, und ist dem Weg des ersten Kreuzzuges aufs Genaueste gefolgt. Genau da liegt für mich das Problem. Bis ins kleinste Detail werden die Strapazen der Wanderungen berichtet, jede Landschaftsänderung, jede Unterhaltung, mit Beteiligten, die (zwar geschichtlich wichtig) für den Verlauf der Geschichte so nebensächlich sind genau wiedergegeben. Das Leben in den Dörfern, im Palast im Treck – man wird mit Informationen erschlagen und das bei einem fortlaufenden, eher sehr ruhigen Geschehen. Zwar sind die beschriebenen Schlachten sehr blutig und detailliert, aber sie bilden die einzigen Spannungsspitzen! Der Hauptprotagonist geht so ins Detail, dass er sogar in Selbstgesprächen an sich selbst und seinen Handlungen zweifelt. Nach 380 Seiten sind 2 Jahre nach dem Aufbruch vergangen und Jean-Rudger hängt in einem kleinen Fischerdorf am Schwarzen Meer fest. Peter (der Eremit) lässt es sich in Konstantinopel gut gehen und vom „Großen Heer“ hat der Leser so gut, wie Nichts erfahren… Sorry, ich gebe auf! All die vielen Informationen, hätte ich (in geraffter Form) auch einem Geschichtsbuch entnehmen können…
Fazit: Mehr detailliertes Geschichtsbuch, als historischer (unterhaltungs) Roman- (für mich) Zuviel des Guten…
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