Die Kirschvilla von Hanna Caspian

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Die Kirschvilla“,, 480 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

Isabell und ihre Großmutter Pauline treten ein Erbe in Köln an – Paulines Geburtshaus. Doch die alte Villa am Rheinufer birgt dunkle Geheimnisse. Bald sieht sich Isabell mit der Frage konfrontiert, ob ihr Liebesglück mit den Geheimnissen ihrer Familie zusammenhängt. Denn ausgerechnet Julius, Isabells neue Liebe, scheint tief in die schmerzliche Familientragödie verstrickt. Doch schließlich geben zwei Tagebücher aus den 1920er-Jahren, die die Zeit überdauert haben, Auskunft über die schockierenden Geschehnisse am Rheinufer – und über Wahrheiten, die niemand gerne über seine Familie erfährt.

Das meint Histo-Couch.de: „Liebesgeschichte und düstere Familiensaga auf zwei Zeitebenen“90Treffer

Rezension von Alexandra Hopf

Die junge Isabell lebt in Berlin. Sie arbeitet dort als Yogalehrerin. Ihre einzige lebende Verwandte ist die 88-jährige Großmutter Pauline Bach. Sie pflegt ein sehr herzliches Verhältnis zu ihr, auch wenn diese in Königswinter in einer kleinen Seniorenwohnung lebt. Im Mai 2014 bittet Pauline ihre Enkelin zu sich. Sie hat Post aus Amerika erhalten. Dort lebte ihr Bruder Oskar. Sie hatte ihn 30 Jahre nicht mehr gesehen und nun ginge es um eine rätselhafte Erbschaft. Da Oskar eine eigene Familie in den USA hat und zu Pauline nie Kontakt gepflegt hat, war die alte Dame sehr überrascht, dass er sie bedacht hatte. Es ging um eine Immobilie in der Nähe Kölns.

Isabell begleitet ihre Großmutter nach Köln zum Notar. Die Immobilie ist eine verfallene Villa samt  großzügigem Grund direkt am Rhein gelegen. Darauf befinden sich noch eine Lagerhalle und eine Brauerei. Es stellt sich heraus, dass es sich um Paulines Elternhaus handelt. Die alte Dame wusste nicht, dass es überhaupt noch im Familienbesitz war. Sie lebte dort nur während ihrer ersten Lebensjahre, mit ihrer Mutter und ihren fünf Geschwistern. Nachdem die Mutter bei einen Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg ums Leben kam, zog sie nach Königswinter zu ihren Tanten.

Der junge Notar Julius Grothues begleitet Enkelin und Großmutter, um das Erbe zu erkunden. Bei den Ortsbegehungen knistert es mächtig zwischen Julius und Isabell. Doch die junge Frau blockt ab, denn sie möchte sich auf keine Bindungen einlassen.

Pauline hingegen belasten die Erinnerungen an die Vergangenheit sehr. Nur zögerlich gibt sie Einblicke in eine traurige Kindheit an diesem Ort. Den Vater selbst hat Pauline nie kennengelernt. Er starb wenige Tage vor ihrer Geburt. Er verdiente den Familienunterhalt mit der Bierbrauerei auf dem Gelände und der heimlichen Schnapsbrennerei. Die fünf Geschwister beachteten die jüngste Schwester nur wenig.  Bei einer dieser Erkundungstouren findet das Trio die Tagebücher von Paulines Schwester Clementine, welche 1931 Selbstmord begangen hatte. Die Lektüre dieser Tagebücher geben Isabell endlich Antworten auf viele Fragen ihrer Familiengeschichte. Es kommen ungeheuerliche Begebenheiten ans Licht, die selbst Isabells Oma aus der Fassung bringen …

Rundum spannendes Lesevergnügen

Hanna Caspian ist das Pseudonym einer erfolgreichen deutschen Autorin. Unter diesem Namen bringt sie erstmals einen Roman heraus. Der Autorin gelingt es durch den gesamten Roman hindurch einen Spannungsbogen aufzubauen, lediglich die Liebesgeschichte zwischen Isabell und Julius weist kurze Längen auf. Aber auch nur, weil der Leser begierig darauf ist, wieder in die Zeitebene der 20iger Jahre zurückzukommen und zu erfahren, wie die traurige Geschichte der Familie Korte weitergeht.

Die Verknüpfung der Gegenwart mit der zweiten Ebene um 1920 gelingt Caspian durch den gesamten Roman hindurch perfekt. Der Roman spielt im Jahre 2014. Ab und an blendet das Buch selbst in die zweite Zeitebene zurück oder eine der drei Protagonisten liest im Tagebuch Clementines und liefert dem Leser so wiederum wichtige Puzzleteile, um die traurige Familiengeschichte Korte zu verstehen.

Das erste Puzzleteil liefert die Autorin bereits am Anfang des Romans. Die erste Szene des Buches spielt im Jahre 1926. Zunächst bleibt das dort geschilderte Geschehen für den Leser ohne Zusammenhang. Erst am Romanende versteht man dann die Bedeutung dieser Szene.

Thema ist ein stimmiges Puzzlebild

Die drei Protagonisten sind sehr sympatisch dargestellt. Da ist die junge Isabell, die sehr zurückgezogen lebt und als Bezugsperson nur ihre Großmutter hat. Bisherige Versuche, Beziehungen zu führen, scheiterten. Deshalb zögert sie auch, den Signalen des smarten Julius nachzugeben. Sie möchte nicht schon wieder enttäuscht werden. Oder gar selbst enttäuschen, denn Julius gefällt ihr durchaus. Doch mittlerweile denkt sie schon, das Problem liegt bei ihr und sie sei beziehungsunfähig.

Der Notar hat selbst schwere Zeiten hinter sich, da er seine junge Frau durch Krebs verloren hat. Nach mehreren Jahren, in denen er sich nur in seiner Arbeit verkrochen hat, kann er endlich wieder mehr für einen Menschen empfinden. Zum Glück lässt er sich durch Isabells kühle Art nicht abschrecken und hilft ihr tatkräftig, die Situation rund um das Erbe zu meistern. Auch die alte Dame Pauline muss der Leser einfach mögen und im Verlauf der Geschichte empfindet man als Außenstehender doch Mitleid über den Verlauf ihrer Kindheit.

Das Mitleid überträgt sich auf die gesamte Familie Korte, die sehr unter dem Familienoberhaupt August Korte zu leiden hatten. Die Darstellung seiner Person ruft während der Lektüre große Wut hervor.

In dieses Buch kann der Leser komplett eintauchen und fließend weiterlesen. Immer wieder, wenn eine neue Begebenheit der damaligen Zeit sich dem Leser offenbart, will man wissen, wie es denn nun weitergeht. Die lebhafte und bildliche Sprache begünstigt den Lesefluss. Tagebucheinträge sind kursiv gedruckt.

Die Familie samt ihrer Geschichte ist natürlich fiktiv und nur im historischen Rahmen der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg eingebettet. Doch auch wenn es kein großes historisches Thema mit realen Persönlichkeiten gibt, ist es absolut lesenswert.

Ihre Meinung zu »Hanna Caspian: Die Kirschvilla«

Hanno Buttlar zu »Hanna Caspian: Die Kirschvilla«21.03.2017
Ist mir zu düster und zu tragisch - über der ganzen Geschichte hängt Elend wie ein dunkler Fluch. Da fehlt jede Leichtigkeit, jedes Atemholen - sorry, das war einfach keine Lektüre für mich. Besonders gestört hat mich die altbackene Sprache der Gegenwartsebenes das klingt ja wie aus den Fünfziger Jahren, so redet heute niemand mehr.
Zu viel gewollt, zu wenig geschafft, so lautet bei diesem Roman leider mein enttäuschtes Resümee. Muss man wirklich nicht lesen.
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