Das Geheimnis des Poeten von Guido Dieckmann

Buchvorstellungund Rezension

Das Geheimnis des Poeten von Guido Dieckmann

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Das Geheimnis des Poeten“,, 413 Seiten.ISBN 3-7466-3235-8.

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Kurzgefasst:

Weimar im Jahr 1797: Der junge Christian Vulpius steckt in Schwierigkeiten. Er hat Schulden, und seine Pläne, selbst als Schriftsteller zu reüssieren, sind ins Stocken geraten. Ohne Wissen seiner Schwester Christiane, die mit Goethe liiert ist, nimmt er ein paar Bücher aus dessen Haus mit als Material für einen Roman über einen Räuberhauptmann, den er plant. Doch ausgerechnet diese Bücher werden ihm gestohlen, und dann wird auch noch ein Mann ermordet, der ihm einen Tag zuvor im Gasthaus von einer Verschwörung und einer mysteriösen Urkunde erzählt hat, die seit Jahren in Goethes Haus versteckt sei und jeden, der nach ihr suche, einer tödlichen Gefahr aussetze.

Das meint Histo-Couch.de: „Goethes Schwager auf Verbrecherjagd in Weimar“85Treffer

Rezension von Yvonne Schulze

In Guido Dieckmanns neuem Roman Das Geheimnis des Poeten geht es für den Leser auf eine Reise in das historische Weimar Ende des 18. Jahrhunderts und damit in die Zeit der Weimarer Klassik. Protagonist dieses historischen Kriminalromans ist jedoch keiner der wohlbekannten Dichterfürsten oder Geistesgrößen jener Zeit, sondern ein Mann, der damals in Weimar sicher kein Unbekannter war, den aber heute kaum noch jemand kennt. Christian Vulpius, der in Dieckmanns Roman die Rolle des Titelhelden verkörpert, ist der Bruder von Goethes Geliebter und späterer Ehefrau Christiane Vulpius. Christian und Christiane – da heißt es aufpassen beim Lesen. 

Im August des Jahres 1797 sieht es in Christian Vulpius´ Leben nicht gerade rosig aus. Nach dem Tod seines Vaters steht er völlig mittellos da, nachdem sein Vater im Glauben daran, dass aus seinem Sohn etwas Gescheites wird, nahezu sein ganzes Vermögen in Christians Ausbildung gesteckt hat. Doch Christian steht nicht der Sinn nach einem Leben als Jurist oder herzoglicher Rat. Seinen Lebensunterhalt muss er sich mit allerlei unliebsamen Tätigkeiten verdienen, sein größter Traum ist es jedoch, ein anerkannter Dichter wie Goethe zu werden. In seinem Bestreben, einen möglichst authentischen Räuberroman zu schreiben, schießt Christian jedoch über das Ziel hinaus, indem er sich zum Beispiel auf Goethes Kosten beim besten Schneider der Stadt eine „Räubergarderobe“ anfertigen lässt und Bücher aus der Bibliothek seines Schwagers in spe entwendet. Wenig später wird Christian in einem Gasthaus von einem Fremden angesprochen, der ihm eine abenteuerliche Geschichte über eine verschwundene Urkunde erzählt, die sich angeblich in einem der Bücher befinden soll, die Christian aus Goethes Bibliothek entwendet hat. Als diese Bücher unmittelbar darauf gestohlen werden und der Fremde tot aufgefunden wird, gerät Christian selbst unter Verdacht. Und als ein weiterer Mord geschieht, sind Christians schriftstellerische Ambitionen erst einmal vergessen und er begibt sich auf Verbrecherjagd, denn es wird sehr schnell klar, dass die Morde etwas mit jener geheimnisvollen Urkunde zu tun haben. Unterstützung erhält er dabei von der eigensinnigen Helene de Ahna.

Ausgewogene Mischung aus Krimi und historischem Roman

Wenn man die erste Seite dieses Buches aufschlägt und zu lesen beginnt, ist man sofort gefangen von der Geschichte, die mit einem geheimnisvollen Prolog beginnt. Dieckmann holt den Leser mit den ersten Zeilen ab und führt ihn durch einen spannenden und kurzweiligen Plot. Sein historischer Kriminalroman bietet die richtige Mischung aus Krimi und historischem Roman und die Balance zwischen diesen beiden Elementen ist ausgewogen. Die Krimihandlung selbst ist klug aufgebaut, sie überzeugt mit interessanten Wendungen und spielt mit dem Leser. Der Spannungsbogen bleibt weitestgehend hoch und flacht nur hier und da mal etwas ab. Die historischen Elemente werden dabei vom Autor gekonnt in die Handlung mit eingebaut, in einem kurzen Nachwort differenziert er dann auch nochmals zwischen dem, was historischen Tatsachen entspricht und dem, was seiner Fantasie entsprungen ist. Vor den Augen des Lesers entsteht so ein lebendiges Bild Weimars im Spätsommer des Jahres 1797. Goethe selbst taucht in der Geschichte übrigens nicht auf, denn er weilte ja bekanntlich zu diesem Zeitpunkt auf einer geheimnisvollen Reise und nicht einmal seine Angehörigen wussten, wo er sich aufhielt.

Gelungene Figurenzeichnung 

Neben den Geschwistern Vulpius und Helene de Ahna spielt auch Charlotte von Stein eine nicht unwesentliche Rolle. Die Ressentiments zwischen Goethes abgelegter Geliebter Charlotte von Stein und der jetzt unverheiratet mit ihm zusammenlebenden Christiane Vulpius sind natürlich auch Teil der Handlung. Ein waschechter Zickenkrieg in bester Reality-Show-Manier einschlägiger Privatsender wird dem Leser aber nicht geboten. Dieckmann zeichnet das schwierige Verhältnis zwischen diesen beiden Frauen auf eher subtile Weise und keine der beiden Damen ist hier nur die Böse oder nur die Gute. Ein großer Pluspunkt dieses Romans ist, dass Dieckmann seine Figuren nicht in Schubladen einordnet. So zeichnet er auch seinen Protagonisten Christian als liebenswerten Chaot und Luftikus und macht aus ihm keinen strahlenden, makellosen Helden. In Christians Charakterzeichnung vereinen sich Tollpatschigkeit und Naivität mit charmanter Schlitzohrigkeit, er ist ein Protagonist mit Ecken und Kanten und – da wir es hier mit dem Auftakt zu einer Serie zu tun haben – auch mit jeder Menge Entwicklungspotential für spätere Bücher.

Das Geheimnis des Poeten ist ein flott erzählter historischer Kriminalroman, bei dem Fans dieses Genres bedenkenlos zugreifen können. Spannend erzählt und mit einer feinen Prise Humor gewürzt beschert er dem Leser ein kurzweiliges Leseerlebnis.   

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