Goliarda Sapienza

Die italienische Schriftstellerin Goliarda Sapienza wurde am 10. Mai 1924 in Catania geboren, ihre Mutter war die erste weibliche Führungskraft der Arbeitskammer von Turin. Beide Eltern waren berühmte Vorkämpfer der sozialistischen Bewegung in Italien, und so wurde sie frei von sozialen Verpflichtungen erzogen. Sie besuchte keine Schule, sie sollte frei von Zwängen und faschistischen Einflüssen aufwachsen.

So meldete sie sich mit 16 Jahren bei der Nationalen Akademie der Dramaturgischen Kunst in Rom an, um Schauspiel zu studieren. Während des Zweiten Weltkrieges ging sie in den antifaschistischen Widerstand und arbeitete anschließend zunächst als Theaterschauspielerin, wo sie auch Hauptrollen in Stücken von Pirandello spielte.

Sie spielte gelegentlich in Kinofilmen, u.a. von Luchino Visconti, mit, allerdings meist nur kleine Nebenrollen. Obwohl sie lange eine Liebesbeziehung mit dem Regisseur Citto Maselli unterhielt, heiratete sie den Schriftsteller und Schauspieler Angelo Maria Pellegrino. Im Jahr 1950 begann sie selbst mit dem Schreiben und hing bald die Schauspielerei an den Nagel.

Ende der 60er Jahre wurde sie wegen Diebstahls verhaftet und kam ins Gefängnis. Dort schrieb sie weiter, publizierte aber – auch insgesamt – nur recht wenig. Dank eines Treffens mit ihrem Landsmann Beppe Costa, einem Poeten und Verleger, konnte sie schließlich einige Schriften veröffentlichen. Er setzte sich lange für sie ein, allerdings gelang es auch durch seinen Einfluss nicht, ihr letztlich eine Leibrente zu sichern oder die Rechte für Neuauflagen ihrer Werke zu erhalten.

Sie gründete einen eigenen Verlag namens Pellicanolibri und gab im Jahr 1987 Le certezze del dubbio heraus. 1994 wurde sie mit dem Premio Casalotti ausgezeichnet. In den Jahren von 1967 bis 1976 schrieb sie an ihrem bekanntesten Roman L’arte della gioia, der lange unveröffentlicht blieb und von mehreren Verlagen abgelehnt wurde. Erst 1998 wurde er von Stampa Alternativa publiziert, zunächst in zwei Teilen, später als Gesamtausgabe. Auf deutsch ist er in zwei Teilen erschienen. 2008 wurde er in Italien neu aufgelegt und wurde mit guten Kritiken überschüttet.

Goliarda Sapienza war in ihren letzten Lebensjahren als Schauspieldozentin am Centro Sperimentale di Cinematografia (dem Film-Experimental-Zentrum) in Rom tätig. Sie starb am 30. August 1996 in Gaeta.

Historische Romane von Goliarda Sapienza:

Weitere Romane von Goliarda Sapienza:

  • (1967) Lettera aperta
  • (1969) Il filo di mezzogiorno
  • (1983) L´Univeritá di Rebibbia
  • (1987) Le certezze del dubbio
  • (2002) Destino coatto (posthum)
  • (2010) Io, Jean Gabin (posthum)