Die Goldspinnerin von Gerit Bertram

Buchvorstellungund Rezension

Die Goldspinnerin von Gerit Bertram

Originalausgabe erschienen 2010unter dem Titel „Die Goldspinnerin“,, 512 Seiten.ISBN 3-7645-0371-8.

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Kurzgefasst:

Lübeck, anno 1397. Die Goldspinnerin Cristin Bremer führt mit ihrem Mann Lukas eine angesehene Werkstatt in der florierenden Hansestadt. Mit der Geburt ihrer ersten Tochter scheint das Glück des Ehepaars perfekt. Doch kurz darauf wird Lukas vergiftet und die junge Mutter von ihrer eigenen Schwägerin des Mordes und der Hexerei beschuldigt – und dem Henker übergeben. Nur dessen Sohn Baldo glaubt an ihre Unschuld. Gemeinsam fliehen sie aus der Stadt, doch nichts wird Cristin daran hindern heimzukehren, um die hinterlistigen Mörder ihres Mannes zu überführen und ihre Tochter wiederzufinden …

Das meint Histo-Couch.de: „Auf der Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit“72

Rezension von Bettina Weiß

Eine selbstbewusste und mutige Frau, die durch den Tod des Ehemannes alles zu verlieren droht, kämpft um ihr Lebensglück. Die junge Cristin Bremer betreibt zusammen mit ihrem Ehemann Lukas und den Lohnarbeiterinnen eine Goldspinnerei, in der die schönsten Stoffe mit aufwendigen Stickereien verziert werden. Nach einigen Jahren der Ehe erwartet Cristin nun das erste gemeinsame Kind, ihr Glück könnte nicht größer sein. Dann aber stirbt Lukas nach kurzer, schwerer Krankheit eines unerklärlichen qualvollen Todes. Im Lübeck des Jahres 1397 für eine Frau eine ausweglose Situation: Nicht nur dass ihr der Verlust der Werkstatt droht, wird sie auch noch der Hexerei und des Mordes an ihrem Ehemann beschuldigt. Cristin vermutet, dass ihr Mann vergiftet worden ist und verdächtigt ihren Schwager der Tat. Sie wird nach Bahrprobe als Gottesbeweis zum Tode verurteilt. Nur Baldo, der Sohn des Henkers, der von ihrer Unschuld überzeugt ist und sie vor dem Tode rettet, steht ihr jetzt noch zur Seite. Auf der Flucht vor den Widersachern gelangen die Fliehenden von Hamburg über die Ostseeküste nach Polen an den königlichen Hof, getrieben von dem Wunsch, Cristins Unschuld zu beweisen.

Cristin und Baldo, die Hauptprotagonisten des Romans, werden schnell zu vertrauten und gerngesehenen Begleitern durch die ereignisreiche Geschichte. Beide Figuren sind liebevoll und detailreich gezeichnet, wenn auch Cristin die Ecken und Kanten fehlen. Sie ist einfach eine liebenswürdige Person, die für jedermann Verständnis hat und auch ihren Widersachern nicht wirklich zürnt. Baldo ist in diesem Sinne die interessantere Figur, da er aufgrund eines Erinnerungsverlustes nach einen Wildschweinangriff, mit seiner Verletzung und seiner unbekannten Vergangenheit hadert und sich auch Cristin nicht ganz öffnen kann. Die Entwicklung, die Baldo nimmt, bis hin zum Wiedersehen mit seinem Vater, ist ein sehr gelungener Handlungsstrang.

Eine ereignisreiche, zuweilen überfrachtete Geschichte

Die übrige Geschichte ist spannend und ereignisreich, wenn auch an manchen Stellen weniger mehr gewesen wäre. So werden die Angriffe der Deutschritter auf die polnischen Bauern angerissen, die Protagonisten treffen auf einen Waldenser, mit dem sie am Ostseestrand eine religions-philosophische Diskussion führen, und schließlich landen sie auf einem Schiff der Vitalienbrüder. Diese Handlungsstränge werden jedoch nicht weitergeführt und die Begegnungen bleiben in der Luft hängen. Auch ist die Handlung geprägt von vielen Zufällen, die mit dem Fortgang der Geschichte aufstoßen. So kommt nach dem Wildschweinangriff auf Baldo just zum passenden Zeitpunkt ein freundlicher Bader des Wegs, der nicht nur Baldo versorgt, sondern beide auch bei sich aufnimmt. Als es an der Zeit ist, weiter zu reisen, schließen sich Cristin und Baldo einer Gauklertruppe an, deren Narr der verschollene Bruder Cristins ist, der über hellseherische Fähigkeiten verfügt und die in Gefahr befindliche Schwester retten will. Bei Geldnot am Ostseestrand kommt ein netter Bernsteinhändler daher, der für einen Zufallsfund einen herausragenden Preis zahlt. In Polen angekommen finden die Reisenden Unterkunft in einem Kloster, das just am nächsten Tag von der kränkelnden Königin Jagwiga besucht wird und die sich nur von Cristin, die über heilenden Hände verfügt, behandeln lassen will. Woraus sich natürlich eine anhaltende Freundschaft entwickelt, die dazu verhilft, einen Mädchenhändlerring, an dem Cristins Schwager beteiligt ist, aufzudecken.

Zu viele Zufälle hemmen das Mitfiebern

Diese gehäuften Zufälle machen die an sich sehr gute Geschichte leider ein bisschen unglaubwürdig. Wodurch das Mitfiebern mit den Protagonisten etwas auf der Strecke bleibt, da der Leser sicher sein kann, es wird sich immer eine passende Lösung anbieten. Die phantastischen Elemente der Handlung bringen diese auch nicht wirklich voran, so dass die Frage bleibt, wozu diese Aspekte eingeflochten worden sind.

Ungeachtet der genannten Schwächen bietet der Roman gute Unterhaltung durch eine interessante Geschichte. Der Roman zeigt die ganze Bandbreite der damaligen Gesellschaft, Könige, Bürger, Handwerker, Bettler, Gaukler und Huren, die nicht immer ihrer Zeit gemäß, aber durchaus nachvollziehbar handeln. Auch die Hauptpersonen sind ihrer Zeit weit voraus, aber sympathische Begleiter durch angenehme Lesestunden. Insgesamt ein Roman der durchaus Spaß macht, sofern der Leser über die aufgezeigten Schwächen hinweglesen kann oder sich an ihnen nicht stört.

 

Ihre Meinung zu »Gerit Bertram: Die Goldspinnerin«

Doerte zu »Gerit Bertram: Die Goldspinnerin«26.03.2011
Hauchdünne Story voller Klischees, die an den bekannten "Histo-Themen" entlang schrabbt: der gemeine Mord, der nette Henker (in diesem Fall der Sohn), die verfolgte Unschuld usw.
Beim Lesen kam bei mir große Langweile auf, zumal der Roman auch sprachlich recht einfach gestrickt ist.
Allerdings steht zu befürchten, dass mit einer Fortsetzung zu rechnen ist ...
Wieso der Roman "Die Goldspinnerin" heißt (die natürlich auch noch heilende Hände haben muss, hätte ich fast vergessen) blieb mir verschlossen: Ihrem - sicherlich sehr interessanten - Handwerk geht sie gerade mal auf 2 Seiten (von knapp 500) nach ...
simsa zu »Gerit Bertram: Die Goldspinnerin«04.12.2010
„Die Goldspinnerin“ von Gerit Bertram (einem Autorenpaar) hat mich die letzten Tage richtig fesseln können.
Es geht um Christin Bremer, die glücklich mit ihrem Mann Lukas in Lübeck lebt. Christin arbeitet in der eigenen Werkstatt als Goldspinnerin und ist glücklich mit ihrem Leben. Als sie dann auch noch Mutter wird scheint alles perfekt zu sein. Aber Lukas verstirbt plötzlich und Christin wird des Mordes an ihrem Mann beschuldigt. Von da an ändert sich ihr komplettes Leben und Christin hat einen oft ausweglosen Weg vor sich…
Ich selber lese nicht so oft historische Romane und trete diesen auch oft skeptisch gegenüber. Bei diesem Buch war es allerding anders, denn schon das Cover machte mich neugierig und hat mir sofort gefallen. Die Geschichte beginnt sehr brutal, lässt den Leser aber augenblicklich in einer anderen Zeit ankommen. Die Sprache ist flüssig geschrieben und die Seiten ziehen nur so an einem vorbei.
Für mich ein wirklich gelungenes Buch, dass durch die immer wieder aufkommenden Spannungsmomente wirklich keine Lesepausen duldet.
Ich kann und werde es durchaus empfehlen!!!
Patrick zu »Gerit Bertram: Die Goldspinnerin«12.10.2010
Klockmann und Hoeft, die das Buch unter dem Pseudonym »Gerit Bertram« geschrieben haben, fesseln von der ersten bis zur letzten Seite durch einen hervorragend zu lesenden Stil, der einem einfach ungeheuerlich viel Spaß macht.
Die Autoren zeichnen mit Worten die wundervollsten Bilder vor das geistige Leserauge, und an Spannung kann der Roman sicherlich auch mit einem modernen Thriller mithalten.
Bereits auf der ersten Seite reißen einen die Autoren in eine gefährliche und bitterharte Welt des Mittelalters und lassen danach nur kurz Raum, dem Leser Cristin und ihr wohlgeordnetes Leben als Goldspinnerin vorzustellen. Danach ziehen Klockmann und Hoeft das Tempo rasant an, und wie immer sie es geschafft haben: Der Leser bekommt das Gefühl in einer Achterbahn zu sitzen, die auf einmal nur noch bergab fährt und sich dabei selbst zu überholen scheint. Atemlos liest man von Cristin, wie sie plötzlich zur Hexe verurteilt und bei lebendigem Leib begraben wird, wie sie nur mit Mühe dem sicheren Tod durch die Rettung Baldos in letzter Minute entgeht und von ihrer Flucht. Glaubt man dann, die Achterbahn sei endlich unten angekommen und man könne Luft holen, während sie wieder bergauf schleicht, irrt man indes. Kein Luftholen ist möglich. Denn nun gerät Baldo in Lebensgefahr ...

»Spannung bis zur letzten Seite«, wie Iny Lorentz es auf einem Aufkleber auf dem Buchdeckel verspricht, kann ich leider nicht bestätigen, denn während die beiden Hauptfiguren gemeinsam mit Piet, Cristins verschollenem und plötzlich auftauchendem Bruder, nach einer haarsträubenden Reise auf dem polnischen Königshof verweilen, um eine äußerst vage Spur zu verfolgen, die sie zu Lukas' Mördern führen soll, erhält der Leser endlich etwas Luft, durchzuatmen.
Dennoch ist zumindest gute Unterhaltung auch in diesem Romanabschnitt gegeben, und der geschichtlich interessierte Leser erfährt hier auch Einiges über den »Stand der Dinge« im polnischen und europäischen Mittelalter, bevor die Reise zurück nach Lübeck geht, wo das große Finale auf alle wartet.

Zwar überrascht der Roman nicht durch raffinierte Wendungen, und der Zufall kommt den Helden allzu oft zu Hilfe. Dennoch haben mich Klockmann und Hoeft begeistert und mich unwahrscheinlich gut unterhalten; ihre nie langweiligen, sondern dreidimensionalen Figuren sind allesamt großartig charakterisiert.

Ich bin überzeugt, von »Gerit Bertram« noch sehr viel zu lesen und zu hören - und wenn diese(r) Autor(in) nicht bereits mit diesem Werk einen festen Platz unter den besten deutschsprachigen Autoren historischer Romane eingenommen hat, wird dies mit dem nächsten ganz ohne Zweifel passieren.
Zabou1964 zu »Gerit Bertram: Die Goldspinnerin«05.10.2010
In der Hansestadt Lübeck lebt Ende des 14. Jahrhunderts die Golspinnerin Cristin mit ihrem Mann Lukas und ihrer Tochter Elisabeth. Die Werkstatt des Ehepaares floriert, sie sind ein erfolgreiches und liebenswertes Paar. Eines Tages wird Lukas jedoch krank und stirbt kurze Zeit später mit fürchterlichen Magenkrämpfen. Zu allem Überfluss wird Cristin schon bald gefangen genommen und des Mordes an ihrem Mann angeklagt. Obwohl sie mehrfach ihre Unschuld beteuert, glaubt ihr niemand, denn angesehene Bürger der Stadt verleumden sie, allen voran ihre Schwägerin Mechthild, die Frau von Lukas’ Bruder Lynhard. Cristin wird zum Tode verurteilt, doch sie wird von Baldo, dem Sohn des Henkers, gerettet und den beiden gelingt die Flucht. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach Lukas’ wahrem Mörder und beginnen eine Reise voller Gefahren und Abenteuer, die sie bis an den polnischen Königshof führt.

Mit „Die Goldspinnerin“ ist dem Autorenpaar Iris Klockmann und Peter Hoeft ein bildgewaltiger und spannender historischer Roman gelungen. Sie haben sehr viel Wert auf historische Details gelegt, diese aber äußerst geschickt in die Handlung eingeflochten, sodass die Lektüre nie belehrend oder langatmig war. Die Beschreibungen der Figuren, Gebäude und Landschaften war so plastisch, dass alles vor meinem inneren Auge Gestalt annahm. Die Charaktere sind mehrdimensional gezeichnet und entwickeln sich im Laufe der Geschichte. Aus der lebensfrohen und etwas verwöhnten Cristin wird eine skeptische und mutige Frau. Baldo hingegen wandelt sich von dem vom Vater unterdrückten Sohn zu einem selbstbewussten jungen Mann. Voller Spannung bin ich Cristin und Baldo durch Europa gefolgt und habe mit ihnen gerätselt auf der Suche nach dem Mörder. Neben dem Nervenkitzel und den historischen Details hat auch eine romantische Geschichte in der Handlung für ausgezeichnete Unterhaltung gesorgt.

Das Buch ist sehr aufwendig gestaltet. Das Cover zeigt das Bild einer Goldspinnerin, im unteren Teil ist in goldener Prägeschrift der Titel abgebildet. Im vorderen Innenteil befindet sich eine Karte Lübecks, im hinteren eine Landkarte, auf der die Reise Cristins durch Europa eingezeichnet ist.
Ein Glossar bietet viele Informationen über Fachausdrücke und Dialektwörter. Ich fand es sehr hilfreich, hier das ein oder andere fremde Wort nachschlagen zu können. In einem Nachwort erklären die Autoren dem Leser, welche Details ihrer dichterischen Freiheit entsprungen sind.

Fazit:
„Die Goldspinnerin“ hat mich ausgezeichnet unterhalten und mir alles geboten, was ich von einem historischen Roman erwarte: Detailtreue, Hintergrundwissen, Spannung und ein Schuss Romantik.
lesemoni zu »Gerit Bertram: Die Goldspinnerin«30.08.2010
ich habe das Buch letzte Nacht zuende gelesen und bin einfach nur begeistert !!!!!! Die Protagonisten sind sehr lebendig gezeichnet und haben sich sehr schnell in mein Herz geschlichen.Ich habe mit ihnen eine wunderschöne aber auch teils traurige Geschichte erlebt.Langeweile kam in diesem Buch nicht auf,ruckzuck war das Buch gelesen und ich war echt traurig als es dem Ende zuging.Auf eine Fortsetzung würde auch ich mich wahnsinnig freuen.Auch das mhystische in dem Buch war sehr gut umgesetzt.Die Ereignisse kamen immer Knall auf Fall ,kaum war ein Ereignis vorbei und ich dachte so nun wird es ein bisschen entspannter kam schon der nächste Knall,besonders ein Geheimnis hat mich doch sehr berührt und ich war total gerührt und sehr überrascht.Zum Inhalt möchte ich nichts verraten denn das nimmt nur die Spannung, darum müßt ihr dieses Buch schon selbst lesen:-))Von mir gibt es volle 100 Punkte für wunderschöne spannende Lesestunden die leider viel zu schnell vorbei waren !!!!!
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