Seltsame Karten von Frank Jacobs

Buchvorstellungund Rezension

Seltsame Karten von Frank Jacobs

Originalausgabe erschienen 2009unter dem Titel „Strange Maps“,deutsche Ausgabe erstmals 2012, 125 Seiten.ISBN 3935890982.Übersetzung ins Deutsche von Matthias Müller.

»Seltsame Karten« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

Kurzgefasst:

Seit der Schulzeit ist Frank Jacobs ein großer Kartenliebhaber. Allerdings wurde diese Liebe früh enttäuscht, da sein Schulatlas mit dem offiziellen Lehrplan abgestimmt war und somit der Fantasie wenig Raum ließ. Wie jeder enttäuschte Liebhaber sah er sich bald schon nach etwas anderem um und stieß dabei auf Karten, die mehr erzählen, als sie eigentlich zeigen: literarische Karten, Propagandakarten, kartographische Irrtümer, Kartogramme.

Als Frank Jacobs viele Jahre später seinen Blog „Strange Maps“ ins Leben rief, um seine mittlerweile umfangreiche Sammlung mit anderen Kartenliebhabern zu teilen, ging er von einigen wenigen Lesern aus. Doch schon nach einer Woche erzielte sein Blog mehrere Tausend Hits, am Ende des Jahres waren es fast eine Million Dieser Band vereint die schönsten, skurrilsten und komischsten Karten, die Frank Jacobs bislang in seinem Blog gepostet hat. Seit jeher zeugen Karten vom Wissensstand einer Epoche – und loten ganz nebenbei die Grenzen menschlicher Vorstellungskraft aus. Denn sie bringen dem Betrachter nicht nur Unbekanntes nahe, sondern sind auch veritable Fremdenführer der Fantasie.

Das meint Histo-Couch.de: „Eine bunte und kurzweilige Sammlung an Kuriositäten“90Treffer

Rezension von Carsten Jaehner

Der Amerikaner Frank Jacobs hat ein seltsames Hobby. Nun liegt die Definition des Begriffs „seltsam“ sicherlich auch im Auge des Betrachters. Doch Frank Jacobs sammelt seltsame Karten. Eher durch Zufall auf solche Karten gestossen (wie das meistens so ist) entwickelte sich daraus eine Leidenschaft und auch ein Blog, der seit 2006 im Internet erscheint und der zweieinhalb Jahre später bereits 10 Millionen Besucher hatte. Nun sind die Höhepunkte seiner Sammlung als „Atlas kartographischer Kuriositäten“ im Liebeskind Verlag erschienen und versprechen neben erstaunlichen Irrtümern auch viel Fantasie und Kreativität.

Jacobs’ Karten sind weder chronologisch, thematisch, alphabetisch noch sonst wie geordnet, so dass man auf jeder Seite immer wieder etwas neues entdecken und sich überraschen lassen kann. Den jeweiligen abgedruckten Karten hat er jeweils einen Kommentar zur Seite gestellt, der dem Leser die Karte erklärt, was er darauf sehen und entdecken kann und soll, und viele lustige und interessante Anekdoten drum herum.

Falsche Karten, Irrtümer und Fantasien

Schon auf dem Titelbild des Hardcoverbandes sieht man eine „seltsame“ Karte, die aus heutiger Sicht allerdings eher unvollständig denn seltsam ist. Als man Amerika noch nicht komplett kartiert hatte, geriet Kalifornien zwangsläufig zur Insel. Doch auch, als Forschungsreisen längst das Gegenteil bewiesen hatten, wurde der Halbinselstatus Kaliforniens erst im 18. Jahrhundert anerkannt und durchgesetzt.

Neben alternativen Karten eines erweiterten Belgiens und diversen Umaufteilungen der Vereinigten Staaten von Amerika ist auch die erste falsche Karte des Nordpols vorhanden. Schon im 14. Jahrhundert dachte man, dass hoch im Norden ein Pol aus Stein liegt. Karten und Beschreibungen aus dieser Zeit und dem späten 15. Jahrhundert behaupten, es gäbe inmitten von vier Ländern einen Strudel, in dem sich die vier entsprechenden Meere entleeren, und in der Mitte ist als Pol ein kahler Felsen, der ganz aus magnetischem Stein bestünde …Heute wissen wir, wie es um den geographischen um den magnetischen Nordpol bestellt ist, aber nun, man hat versucht, es sich irgendwie zu erklären, und die Karte von Gerald Mercator, die dieses Bild aufzeigt, hielt sich bis weit ins 17. Jahrhundert.

Fiktive Länder und Inseln

Auch sind Karten von fiktiven Ländern zu finden, die es gar nicht gibt. Vorlagen hierzu bilden Romane wie beispielsweise von Jules Verne. So ist eine Karte der Insel Lincoln abgebildet, wo Kapitän Nemo im Roman „Die geheimnisvolle Insel“ seine letzte Ruhe fand. Eine weitere literarische Karte gibt es vom Land Oz aus dem Buch „Der Zauberer von Oz“ von L. Frank Baum.

Aber nicht nur alte, historische Karten mit zwangsläufigen Irrtümern sind in dem Atlas zu finden, sondern auch neuere, moderne. Herausragend darunter sind sicher auf der einen Seite der Spaziergang von Neil Armstrong nach seiner Landung auf dem Mond, dargestellt als Wegkarte und als Größenorientierung platziert auf einem Baseballfeld bzw. auf einem Fußballfeld. Verschwörungstheoretiker werden natürlich zwischen beiden Karten Unterschiede finden, obwohl es sich um denselben Spaziergang handelt. Nun, die NASA wird die Wahrheit wissen …

Die Welt in U-Bahn-Stationen

Zum anderen ist auch eine U-Bahn-Weltkarte abgedruckt, auf der sich jeder zurecht finden wird, der täglich mit der U-Bahn unterwegs ist. Die Karte ist aufgebaut wie der ikonische Streckenplan der Londoner U-Bahn von 1933, nur statt des Plans von London eben der der ganzen Welt, und die Stationen sind 230 Städte auf der Welt, in denen sich fertige oder im Bau befindliche U-Bahnnetze befinden. Mehrere Linien führen um die Welt, so dass man beispielsweise in derselben Linie von Oslo nach Pjöngjang fahren kann. Interessant hierzu sind auf jeden Fall die Leserkommentare aus dem Blog, wo es unter anderem heisst: „Ich würde den Abschnitt Teheran – Haifa vermeiden“.

Natürlich können hier nicht alle Karten beschrieben werden. Aber es gibt neben den genannten und kurz angerissenen Karten auch botanische Karten, Populationstabellen, humoristische Umrisse verschiedener Länder, polyglotte Karten, Karten indianischer Gebiete, die es nie gegeben hat und viele mehr, und als witzigen Höhepunkt: Wenn auf der Weltkarte das Wasser Land wäre und das Land Wasser wäre.

Wissenschaft trifft Humor und Kuriosität – die perfekte Mischung

Kurz, in diesem Buch gibt es für jeden Leser viel zu entdecken. Es geht nicht nur um wissenschaftliche Irrtümer, sondern auch um Visionen, Fantasien und die Versuche, seine Träume und Wünsche in einer Karte unterzubringen, sei es sinnvoll oder auch nicht. Das Auge will seine Information verbildlicht haben, damit sich das Gehirn die Informationen besser vorstellen kann, und wenn man Glück hat und eine gute Lösung gefunden hat, verstehen es andere Personen durch diese Darstellung ebenfalls.

Der Atlas bietet eine Fülle an Eindrücken und Einblicken in die Welt der Kartographie und besticht durch die hervorragende Wiedergab der teils sehr alten Karten. Die informativen Texte sind sachlich und doch mit einem Augenzwinkern geschrieben und sorgen so für informativen Kurzweil. Es gibt viel zu entdecken, und jede Seite bietet etwas neues. Dadurch ist man auch nicht gezwungen, das Buch am Stück durchzublättern, sondern kann problemlos vor- und zurückblättern, ohne einen roten Faden zu verlieren.

Ein eindrucksvoller Schatz an Kuriositäten, der sich in jedem Bücherschrank gut macht und auch als Geschenk für historisch und/ oder geographisch Interessierte unbedingt geeignet ist. Hier hat der Liebeskind Verlag wieder ein gutes Näschen bewiesen. Und bestimmt gibt es irgendwo noch mehr Material für weitere Ausgaben. Sehr empfehlenswert.

Ihre Meinung zu »Frank Jacobs: Seltsame Karten«

Ihr Kommentar zu Seltsame Karten

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.