Tausend Teufel von Frank Goldammer

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Tausend Teufel“,, 368 Seiten.ISBN 3423261706.

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Kurzgefasst:

Dresden 1947: Im zweiten Jahr nach Kriegsende gehört die Stadt zur sowjetischen Besatzungszone und ist nach wie vor eine Trümmerwüste. Im klirrend kalten Winter wird das Leben beherrscht von Wohnungsnot, Hunger und Krankheit. Oberkommissar Max Heller wird von der neu gegründeten Volkspolizei an einen Tatort in der Dresdner Neustadt gerufen. Doch bevor er mit den Ermittlungen beginnen kann, wird der tot aufgefundene Rotarmist vom Militär weggeschafft. Zurück bleiben eine gefrorene Blutlache und ein herrenloser Rucksack, in dem Heller eine grauenhafte Entdeckung macht: den abgetrennten Kopf eines Mannes ...

Das meint Histo-Couch.de: „Ein Ermittler zwischen den Fronten“85Treffer

Rezension von Jörg Kijanski

Februar 1947. Minus sieben Grad tagsüber, über zwanzig Grad minus in der Nacht. Doch nicht alleine die eisige Kälte macht den Menschen im zerbombten Dresden das Leben schwer. Es fehlt fast alles, vor allem Nahrung, Kleidung und Brennmaterial. So sind Überfälle und sogar Morde in der von der Roten Armee besetzten Stadt keine Seltenheit. Ein ermordeter sowjetischer Offizier ist dennoch etwas Besonderes und so ist Oberkommissar Max Heller nur wenig verwundert, dass sich bei seinem Eintreffen die Leiche bereits auf einem russischen Militärlaster befindet. Dennoch entdecken er und sein Mitarbeiter Werner Oldenbusch in unmittelbarer Nähe des Tatorts einen Rucksack, der einen abgetrennten Kopf beinhaltet. Kurz darauf erfährt Heller von Generalleutnant Igor Medvedev, dem Leiter des SMAD, dass bereits vier Tage zuvor ein weiterer russischer Offizier ermordet wurde.

„Habt ihr gehört, sie wollen die Semperoper sprengen.“

„Aber sie ist doch schon zerstört.“

„Sie soll ganz weg, hieß es. Man braucht Platz für Neues.“

„Zeit, dass dieser alte herrschaftliche Protz fortkommt.“

„Also hör mal, sie ist doch ein Wahrzeichen.“

„Ist das denn wichtig, bei all der Wohnungsnot?“

Dann überschlagen sich die Ereignisse, denn kurz hintereinander gibt es Anschläge auf eine Veranstaltung für die Opfer der Faschisten und die Gaststätte „Schwarzer Peter“, ein beliebter Treffpunkt russischer Offiziere, in dem nicht nur Getränke angeboten werden. Ein Treffen mit Oberst Ovtscharov vom MWD lässt Heller endgültig zwischen die Fronten geraten&

Max Heller ermittelt in der russischen Besatzungszone

In seinem zweiten Fall nach dem fulminanten Debütroman Der Angstmann (spielt 1944/45) ermittelt Oberkommissar Max Heller in Dresden, welches im Februar 1947 von der Roten Armee besetzt ist. Das ehemalige Justizministerium ist nun offizieller Sitz der Stadtkommandantur der sowjetischen Militäradministration Deutschlands (SMAD), wo sich Generalleutnant Medvedev der Dienste Hellers versichert. Aber auch das MWD, das Ministerium für innere Angelegenheiten mit Oberst Ovtscharow, greift auf Keller zu, dessen Fähigkeiten als Ermittler sich herum gesprochen haben. Zu dessen Leidwesen ist allerdings auch bekannt, dass er noch immer nicht der SED, dem Zusammenschluss aus SPD und KPD, beigetreten ist, was ihn verdächtig macht. Doch Heller war noch nie in einer Partei, auch nicht vor 1945. Für ihn geht es ausschließlich um den Dienst am Land, womit er weitgehend alleine steht. Denn die Notlage der Menschen ist enorm, nicht zuletzt, weil die russischen Besatzer die Bevölkerung hungern lassen. Die Entnazifizierung ist noch nicht abgeschlossen und wird nicht überall konsequent betrieben, wie sich am Beispiel des neuen Staatsanwaltes zeigt, einem Nazi der ersten Stunde.

„All diese Menschen da draußen, diese dummen verbohrten Menschen, Egoisten, ohne jeden Anstand. Sie fühlen sich alle als Opfer, keiner, kein Einziger will ein Täter gewesen sein. Dabei haben sie sich gegenseitig verraten, sich bestohlen und umgebracht. Die schlimmsten Verbrecher sitzen schon wieder in den Ämtern und bekleiden die hohen Posten. Und genau diese Leute haben einen Mörder zu ihrem Anführer gewählt, sitzen auf ihren Lebensmitteln und werden fett, während die Kinder im Wald zugrunde gehen.“

Frank Goldammer gelingt auch in seinem zweiten Roman ein eindrucksvoll-beklemmendes Bild seiner Heimatstadt, die von den Folgen des Krieges und der Besatzung schwer gezeichnet ist. Während ein neuer Zeitgeist versucht Einzug zu halten, zeigt sich, dass nicht wenige Deutsche noch immer vom alten System angetan sind. So vermutet Oberst Ovtscharow hinter den Anschlägen deutsche Wehrwölfe, die vom Ende des Bolschewismus träumen. Doch womöglich sind diese auch fungiert, um das mitunter harte Durchgreifen der Roten Armee zu rechtfertigen. Die Lage in der Stadt und die politischen Verhältnisse werden lebendig geschildert, die einzelnen Vorkommnisse (Morde, Anschläge) später gekonnt miteinander verbunden und nicht zuletzt gibt es auch im Privatleben des Protagonisten neue Entwicklungen. Heller versucht nicht nur verzweifelt seiner schwer erkrankten Nachbarin die dringend benötigten Medikamente zu besorgen, sondern wartet – gemeinsam mit seiner Frau Karin – sehnsüchtig auf die Heimkehr seines Sohnes Klaus aus der russischen Gefangenschaft.

Alles zusammen bietet Tausend Teufel einen packenden Einblick in die Nachkriegszeit. Auf den dritten Fall, der im Juni 2018 erscheinen und im Sommer 1948 spielen wird, darf man gespannt sein. Bis zur Gründung der DDR ist es dann bekanntlich nicht mehr lange hin.

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