Der Duft von Schokolade von Ewald Arenz

Buchvorstellung und Rezension

kaufen bei amazon.de
kaufen bei sofortwelten

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel „Der Duft von Schokolade“, , 270 Seiten. ISBN 3897168138.

Kurzgefasst:

Für August klingt es wie ein Traum: Als der junge Leutnant 1881 seinen Dienst bei der k. u. k. Armee Österreich-Ungarn quittiert, liegt ein ganzer langer Sommer in seiner Heimatstadt Wien vor ihm. Erst im Herbst soll er bei seinem Onkel, einem Schokoladenfabrikanten, seine neue Stelle antreten. Dann jedoch trifft er die selbstbewusste Elena Palffy, deren Mann erst kurz zuvor unter mysteriösen Umständen verschwunden ist, und die unter dem Verdacht steht, ihn umgebracht zu haben. Mit außergewöhnlichen Schokoladenkreationen wirbt August um sie und gewinnt schließlich ihr Herz. Doch nach einem Brand in der Wiener Oper bleibt Elena spurlos verschwunden …

Das meint Histo-Couch.de: „Sehr viel “Das Parfum„ und Schokolade treffen auf mangelnde Spannung und keine Historie“

von Jörg Kijanski

 

Leutnant August Lieberkind quittiert im Frühjahr 1881 seinen Dienst in der kaiserlichen und königlichen Armee Österreich-Ungarns. Eigentlich müsste er der glücklichste Mensch der Welt sein, denn erst im Oktober soll er bei seinem Onkel Josef, dem führenden Schokoladenfabrikanten Wiens, eine Stelle als Einkäufer antreten. Dummerweise hat August jedoch so gar keine Vorstellung, wie er sein Leben mit einem Sinn gebenden Inhalt füllen soll, und so vertrödelt er seine Zeit, bis er eines Tages auf eine geheimnisvolle Frau trifft, die auf einem Hochrad durch die Stadt fährt.

Man sieht sich zufällig wieder und August fühlt sich, ohne es sich zunächst eingestehen zu wollen, zu der geheimnisvollen Frau hingezogen. Er kommt jener jungen Dame namens Elena Palffy immer näher und verliebt sich in sie, nur um dann zu erfahren, dass Elena mit einem Oberleutnant verheiratet ist. August und Elena kommen sich dennoch zaghaft näher, zumal Oberleutnant Palffy in Afrika im Einsatz ist, wo er allerdings von einer Expedition nicht zurück kommt und seitdem als verschollen gilt.

Dann gerät Elena unter Verdacht, mit dem mysteriösen Verschwinden ihres Mannes etwas zu tun zu haben, während August, inzwischen selbst angelernter Schokolatier, mit immer gewagteren Schokoladen und Pralinen versucht, Elenas Herz endgültig für sich zu erobern. Doch dann besuchen die beiden gemeinsam die Oper, welche einem Brand zum Opfer fällt. Fünfhundert Menschen finden den Tod, und plötzlich fehlt von Elena jede Spur …

Von führenden Literatur-Zeitungen empfohlen. Oder so ähnlich

Die „Nürnberger Nachrichten“ (immerhin) stellten im Dezember 2007 anlässlich der gebundenen Ausgabe dieses Romans fest, dass „der Spannungsbogen bebt“. Da wollte auch die Literatur-Fachzeitschrift „Brigitte“ (26/2007) nicht hinten anstehen und schreibt von „Nahrung für die Seele“. Heißt bitte was?

Ja, der Roman ist eindeutig etwas für alle Romantiker und Träumer und liefert einen ausschweifenden Blick auf die große, wenngleich tragische Liebe des Lebens. Da es seitenweise zudem um die Herstellung allerfeinster Schokolade geht und der Protagonist anhand der Düfte, die an den Menschen hängen bleiben, deren Geschichten, die sie erlebt haben, geistig vor sich sieht, muss vor allem eines festgehalten werden. Der Duft von Schokolade ist eine milde Prise von Chocolat mit einem sehr gewaltigen Schuss von Das Parfum. Inwieweit Der Duft von Schokolade ein großer Liebesroman mit dramatischen Abläufen ist oder eher als seichter Kitsch abgetan werden kann, soll an dieser Stelle nicht weiter vertieft, geschweige denn bewertet werden. Mögen die Romantiker entscheiden.

Fakt – „Erde an Nürnberg, bitte kommen“ – ist aber, dass hier an nahezu keiner Stelle der „Spannungsbogen bebt“. Die Liebesgeschichte ist naturgemäß Geschmacksache, aber an Spannung fehlt es hier an allen Ecken. Die Handlung ist vorhersehbar, und ob die ständigen Duftattacken, die den „Schokoladensoldaten“ August zu den tollsten Einsichten und Weitblicken führen, wirklich den Roman voran treiben, erscheint zumindest fraglich. Zu viele Passagen erinnern allzu stark an das schon erwähnte „Parfum“.

Was mir hinsichtlich einer Rezension für die Histo-Couch aber wirklich das Leben schwer macht, ist der Umstand, dass zwar bereits im ersten Satz erwähnt wird, dass die Geschichte 1881 beginnt, davon aber im weiteren Verlauf nichts, aber rein gar nichts mehr zu sehen beziehungsweise zu lesen ist. Man fährt mit dem Fiaker, schön und gut, aber ist dies in Wien nicht auch noch heutzutage problemlos möglich? Die Geschichte könnte mit minimalen Änderungen völlig problemlos in der Gegenwart spielen.

Wer von Schokoladen, Düften und vor allem „der großen Liebe“ schwärmt und sich auf einem derart seichten Kissen dahin treiben lassen möchte, der – oder wohl eher die – greife gerne zu. Aus „historischer“ Sicht – und darum geht es auf dieser Seite primär – ist der Roman eine Mogelpackung. Ein einziger Satz zu Beginn erzeugt keineswegs eine historische Affäre und lässt stattdessen einen nachdenklichen Leser zurück, der sich fragt, warum die Jahreszahl nicht einfach weggelassen wurde?

Ihre Meinung zu »Ewald Arenz: Der Duft von Schokolade«

Igelmanu66 zu »Ewald Arenz: Der Duft von Schokolade« 09.01.2015
»Nur in den Düften ließen sich Erinnerungen bewahren.«
»Es regnete jetzt tatsächlich, aber das machte nichts. Wenn es das tat, roch alles nur noch stärker, und August liebte die Gerüche. Wenn er die Augen schloss, konnte er sie sogar sehen. Jeder Duft hatte eine Farbe, für die es in der Sprache keine Wörter gab. Auch der Geruch von Frühlingsregen, er war wie ein blasses, unaufdringlich heiteres Lindgrün. … Wie er die Gerüche draußen liebte, so liebte er auch die Aromen im Demel, die in Schleiern in der Luft lagen, sich gemächlich umeinander drehten und alle zusammen die Atmosphäre des Kaffeehauses ausmachten. Als Erstes und am stärksten kam einem, wie als Begrüßung, schon an der Tür der Geruch des frisch röstenden und aufgebrühten Kaffees entgegen. Dann der Zigarrenrauch, der einzige Duft, den man sehen konnte. Und dann, ganz zart und jeder unverwechselbar, die vielen kleinen Düfte. Bitter, von geraspelter Schokolade. Oder geschmolzen und süß, von den Schokoladen der Damen an kühlen Tagen wie heute, mit einem Hauch Vanille darin. Tragant, der einfache, süße Geruch, der von all den Zuckerfiguren ausging. Honig. Überall, wieder wie Farben, die unterschiedlichen Gerüche des Honigs: rosigsüß im Rachat-Lougoum, blütensüß im Halwa, walddunkel in den Nonnenkrapferln, durchsichtig fein im Akazienblütenkonfekt.«

Wien, 1881. Leutnant August Liebeskind hat seine Dienstzeit beendet und sucht nun eine neue Aufgabe für sich. Leutnant hin oder her – ein zackiger Typ war er nie, er selbst bezeichnet sich im Geheimen als „Schönwetterleutnant“, der – im Gegensatz zu seinen Kameraden - heilfroh war, dass er während seiner Dienstzeit in keinen Krieg ziehen musste.
Dass er anders ist, als die ihn umgebenden Menschen, weiß er schon seit seiner Kindheit. August hat nämlich eine besondere Fähigkeit – den absoluten Geruchssinn.
»Erst als er die Gesichter der Eltern sah, das Grinsen seines Bruders, erst da verstand er das erste Mal, dass die anderen nichts von dem rochen und sahen, was er roch und sah. Nichts.«
In der Schokoladenfabrik eines reichen Onkels nimmt er eine Stelle an. Als er eines Tages der schönen Elena begegnet, bekommt sein Leben ein neues Ziel. Diese Frau will er erobern! Diese Frau, die Hochrad fährt und sich in keiner Weise um die öffentliche Meinung schert. Die überall mit ihrem frechen und an Arroganz grenzenden Auftreten aneckt! Mit Hilfe seines Sinns für Düfte kreiert er die ausgefallensten und edelsten Pralinés und nach kurzer Zeit erliegt Elena den schokoladigen Versuchungen. Doch es gibt ein Problem, denn Elena ist bereits verheiratet…

Dieses Buch ist ein wahrer Lesegenuss. Ich war völlig fasziniert, mit welchen Ausdrücken man Düfte beschreiben kann! Was August empfindet und „sieht“, wenn er einen Duft wahrnimmt, ist nicht selten ein Sinnesrausch. Und Ewald Arenz hat wunderbare Worte gefunden, um diese Wahrnehmungen zu Papier zu bringen. Meine Worte hingegen reichen nicht aus, um dies adäquat zu beschreiben, man muss es einfach lesen.

Schön fand ich auch zu beobachten, wie sich Augusts Wahrnehmungen im Laufe seines Lebens entwickelten. Wie der kleine Junge merkte, dass er seine Fähigkeit verbergen muss. Wie der erwachsene August lernt, davon zu profitieren, wie seine Begabung ihm manchmal Segen und manchmal auch Fluch ist.

Ich ziehe einen Punkt ab, da mir der Herzschmerzfaktor im Verlauf des Buches ein wenig zu hoch war. Nun bin ich aber auch kein Fan von Liebesgeschichten - wer sie mag, dürfte an diesem Buch überhaupt nichts auszusetzen haben.

Fazit: Wunderbare Worte formen einen einmaligen Lesegenuss, den man sich nicht entgehen lassen sollte.
venatrix zu »Ewald Arenz: Der Duft von Schokolade« 09.12.2014
Der Roman spiegelt das Leben der High Society in der Donaumonarchie im ausgehenden 19. Jahrhundert wieder: gelangweilte adelige Damen, unterbeschäftigte Militärs und Industriemagnaten. Die Liebesgeschichte der Gräfin Palffy mit Leutnant Liebeskind wurden geschickt rund um den Brand des Ringtheaters 1881 mit seinen nahezu 400 Toten in Szene gesetzt.
Die Rezension der Histo-Couch verwirrt ein wenig, da vom „Brand der Oper“ die Rede ist. Außerdem wird der Name des Leutnants falsch angegeben. Es scheint, als habe der Rezensent das Buch nicht ordentlich gelesen.
Ich fand das Buch spannend, was aber vielleicht daran liegt, dass ich aus Wien bin und mit der Geschichte vertraut bin. Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem „Parfum“ ist sicherlich gewollt.
Karin Volz zu »Ewald Arenz: Der Duft von Schokolade« 17.11.2011
Schon richtig, es erinnert an den Roman
Parfum.
Es spiegelt - geht man es von der Seite
einer Symbolbedeutung an,
unser Seelenleben wider.
Seelenleben - Feuer und Wasser.
Haben wir mit diesen Elementen zu tun;
indem wir uns befreien oder durchhalten müssen, plagen wir uns
durch Gefühlsmomente hindurch,
die unsere leidenschaftliche Genießernatur uns auferlegt, sind wir
mit diesem Bändchen in bester
Liäson.
Die Sinne sind geöffnet. Das muß ich mir erst einmal erlauben können in der Hektik von Zeitverläufen, die uns zwingen tagtäglich für die Existenz
Verbeugungen zu machen. Süchte, Zwänge arbeitsintensive Routineabläufe bestimmen uns.
Deshalb, nimm ein Stück Schokolade
und rufe den ersten Augenblick Deines Lebens auf, in dem Du ein
kleiner Lutschfan wurdest, der sich
nunmehr schnüffelnd an Süßwarenläden aufhält.
Das Buch darf unter dem Weihnachtsbaum liegen.

Karin
tedesca zu »Ewald Arenz: Der Duft von Schokolade« 16.12.2009
Ein sinnliches Leseerlebnis, das einem die Düfte des Kaffees, der Schokolade und Gewürze fast riechen lässt. Frauen, so unterschiedlich wie dunkle, bittere Schokolade und das helle, süße Nougat, ein Mann, für den Gerüche zu Bildern werden, eine Geschichte, wie sie romantischer und dramatischer nicht sein könnte.
Dazu minutiöse Beschreibung der Wienerstadt um 1881, dem Jahr des großen Ringtheaterbrandes, der fast 400 Todesopfer forderte. Bei der Beschreibung des Flammenmeeres wird einem um eine Spur wärmer, doch die Aufbahrung der verkohlten Leiche läßt einen gleich wieder frösteln - eine Berg- und Talfahrt der Gefühle, die auch der Protagonist August Liebeskind durchmachen muss.
Ein wunderbares Buch, ein Genuss für alle Sinne und auch sprachlich ein Leckerbissen - genau richtig für die Advent- und Weihnachtszeit!

Einzige offene Frage: hat der Mensch, der Klappentext und Kurzbeschreibung geschrieben hat, das Buch auch gelesen??? August hat Elena nicht mit eigens kreiertem Konfekt erobert, sondern mit Dufterlebnissen, und es ist nicht die Wiener Oper abgebrannt, sondern das Ringtheater. Auch wenn dort ebenfalls Opern aufgeführt wurden, ist das doch ein Unterschied, weil es sich um ein anderes Gebäude handelt. So viel nur am Rande.
Marina Wegfeld zu »Ewald Arenz: Der Duft von Schokolade« 23.09.2009
Auf der Basis einer der größten Brandkatastrophen im 19. Jahrhundert - dem Ringtheaterbrand in Wien - erzählt dieses Buch eine wunderschöne Liebesgeschichte. Die Welt der Düfte wird so eindringlich und sensibel geschildert, daß man glaubt, das Mandelaroma von Marzipan aus dem Honig der Bienenkönigin zu riechen, mit der August Liebeskind Elena Palffy bezaubert.
Ein wunderbares Buch für Herbstabende mit Tee und Schokolade.
Marina Wegfeld zu »Ewald Arenz: Der Duft von Schokolade« 23.09.2009
Auf der Basis einer der größten Brandkatastrophen im 19. Jahrhundert - dem Ringtheaterbrand in Wien - erzählt dieses Buch eine wunderschöne Liebesgeschichte. Die Welt der Düfte wird so eindringlich und sensibel geschildert, daß man glaubt, das Mandelaroma von Marzipan aus dem Honig der Bienenkönigin zu riechen, mit der August Liebeskind Elena Palffy bezaubert.
Ein wunderbares Buch für Herbstabende mit Tee und Schokolade.

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Roman mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern dabei nicht die Spannung. Danke!

Ihr Kommentar zu Der Duft von Schokolade


Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen:

über die Histo-Couch:

Histo-Couch.de ist ein Projekt der Literatur-Couch Medien GmbH & Co. KG.
Copyright © 2006–2015 Literatur-Couch Medien GmbH & Co. KG.