Der Dornengarten von Eva Wahrburg

Buchvorstellungund Rezension

Der Dornengarten von Eva Wahrburg

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Der Dornengarten“,, 448 Seiten.ISBN 3990011804.

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Kurzgefasst:

1824: Um nicht enteignet zu werden, muss die scheue Erbin eines verarmten Gutes den von der Kirche entsandten Restaurator Herwegh bei sich aufnehmen. Maria von Eschweih, die von einem Priester sinnesfeindlich erzogen wurde, hat gelernt, Männer zu fürchten. Mit Herwegh wird ein Albtraum für sie wahr, denn er entpuppt sich als zynischer Rohling, der es gewohnt ist, Frauen körperlich zu benutzen.

Das meint Histo-Couch.de: „Ein Leben in Einsamkeit“90Treffer

Rezension von Karin Speck

Der Dornengarten ist das Debüt der Autorin Eva Wahrburg und dieses Debüt ist ihr wirklich gelungen. In diesem eher stillen Roman geht es mehr um die Psyche des Menschen als um eine mitreissende Handlung. Die Protagonistin Maria von Eschweih ist in Einsamkeit aufgewachsen. Sie wurde von ihrem Onkel erzogen, dieser war ein Pfarrer und streng gläubig. So hat er auch seine Nichte erzogen und alles Schöne und Helle aus ihrem Leben verbannt. Als ihr Onkel dann verstirbt und die junge Frau allein zurückgelassen hat, muss sie lernen, damit zu leben. Sie verschließt sich vor der Welt und lebt in ihrer eigenen kleinen, abgeschiedenen Welt. Eines Tages kommt der Maler Herwegh in ihr Haus. Er soll in der Kapelle auf dem kleinen Gut ein Altarbild restaurieren. Für Maria werden es berührende 40 Tage, die sie mit diesem Fremden verbringt. Denn 40 Tage vor Ostern beginnt der Maler und soll eben bis Ostern fertig sein, so lautet sein Auftrag.

Ein tiefer Einblick in die Seele einer jungen Frau

Wahrburg hat sich dafür entschieden, Maria ihr Leben und ihre Gefühle selbst schildern zu lassen. Dies erlaubt dem Leser, direkt in den Kopf der Protagonistin zu schauen. Allerdings ist es dabei nicht immer einfach, ihren Gedankengängen zu folgen. Hat man sich aber erst einmal darauf eingelassen, kann man das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen. Schnell wird klar, das Leben hat es nicht immer gut mit Maria gemeint. Nach und nach entschlüsselt sich ihr Schicksal. Die Zusammenhänge werden klar und kaum meint man die Geschichte durchschaut zu haben, da kommt die Autorin mit einigen Wendungen daher, die so nicht ersichtlich waren. Auch der männliche Part ist mit dem Maler Herwegh gut besetzt. Er ist nicht leicht zu durchschauen und auch er öffnet sein Wesen dem Leser erst allmählich, bleibt dabei aber eine eher düstere Erscheinung. Hier treffen christliche Werte auf die Ansichten von David Hume, eines Philosophen des 18. Jahrhunderts. Geschickt hat die Autorin eben diese Ansichten in ihre fiktive Geschichte mit einfließen lassen und somit ein schönes Gesamtbild der Protagonisten geschaffen.

Die Geschichte spielt zwar im 19. Jahrhundert, aber das historische ist eher verhalten im Hintergrund. Keine großen Details zum Leben der Zeit, keine langen Beschreibungen der Kleider, Speisen und so weiter. Die Autorin konzentriert sich auf das Leben der Maria, auf ihre Begegnung mit dem Maler und den Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung, wie ihre zwei Bediensteten oder die zwei Besucherinnen, die unerwartet auftauchen. Das eigentliche Geschehen spielt sich in ruhigen Bahnen ab, ist deswegen aber nicht weniger spannend, eher im Gegenteil.

Ein Nachwort gibt es hier leider nicht, wäre vielleicht interessant zu erfahren, wie die Autorin auf die Idee zu diesem Roman gekommen ist. Auf ihrer Internetseite erzählt sie aber noch ein wenig darüber.

Gelungenes Debüt

Der Dornengarten ist ein stiller Roman vor historischer Kulisse. Er erzählt von der Liebe, von der Einsamkeit und von der Hoffnung auf bessere Tage. Christliche Werte werden hinterfragt und neue Ansichten zugelassen. Ein wahrlich gelungenes Debüt.

Ihre Meinung zu »Eva Wahrburg: Der Dornengarten«

Aleshanee zu »Eva Wahrburg: Der Dornengarten«14.03.2017
Zum Inhalt

1824

Maria von Eschweih ist in einem bizarren Käfig voller Glaubensfesseln aufgewachsen, in dem eine Frau nichts zählt und Demut und Strafen an der Tagesordnung stehen. Selbst 12 Jahre nach dem Tod ihres Ziehvaters ist sie noch immer in ihren eigenen Selbstzweifeln gefangen und verbringt ihre Tage einsam mit den Übersetzungen von Bibeltexten.

Doch alles ändert sich, als der Restaurator Herwegh auftaucht. Er soll in der Kapelle ein Fresko wiederherstellen und fällt der Hausherrin sofort durch seine ruppige und düstere Art negativ auf. Auch sein Verhältnis zu Frauen scheint äußerst rigoros und herabschauend zu sein - aber die beiden haben ein Geheimnis, das sie verbindet und je mehr es an die Oberfläche steigt, umso mehr Licht erreicht ihr einsames Leben - bis die Vergangenheit sie wieder einholt.

Meine Meinung

Wow! Mir fehlen wirklich die Worte für dieses Buch, weil es mich so überrascht hat und so unfassbar ungewöhnlich und fesselnd war, dass ich gar nicht weiß, wie ich es euch beschreiben soll! Ich hatte eine einfache Geschichte dahinter erwartet, einen typischen historischen Roman mit ein bisschen Liebe - und soviel mehr bekommen!

Die Atmosphäre ist von Anfang an sehr einnehmend. Die Einsamkeit der Gutsherrin Maria von Eschweih wirkt bedrückend und berührend. In jedem Wort und auch zwischen den Zeilen spürt man sehr genau, wie schwierig das Leben für sie ist und dass sie sich mit ihrem tragischen Schicksal eigentlich schon abgefunden hat.
Auch wenn man manches vielleicht nicht so recht nachvollziehen kann, wie sie denkt und fühlt, nähert man sich ihr immer mehr an, weil man nach und nach erfährt, wie die Vergangenheit sie geprägt hat. Die Wandlung, die sie durchmacht, geht nur langsam voran, doch es wirkt in keinem Moment so, als würde man auf der Stelle treten. Die Trostlosigkeit im Herzen von Maria und auch innerhalb der düsteren Mauern ihres Heimes sind ständig spürbar.

"Stattdessen hatte ich mich an meine Einsamkeit gewöhnt; sie war meine Freundin geworden, das Einzige, das sicher war - ..." S. 17

Vor allem der Schreibstil ist hier unglaublich gut an die Zeit angepasst, dabei ungewöhnlich ernst, aber mit viel Hingabe, dass es einfach eine Freude zu lesen ist. Eva Wahrburg vermittelt so viel Detailreichtum und Hintergrundwissen, philosophische Fragen und Metaphorismen, die ein perfekt inszeniertes Bild schaffen und viel zum Nachdenken anregen. Über mich selbst, über die Wahrnehmung, über die Vorurteile anderer gegenüber und wie sehr man sich vereinnahmen lässt von den Altlasten unserer Vergangenheit.
Aber auch über das damalige Leben, den Alltag, die Religion und die Schwierigkeiten, sich als Frau durchzusetzen geben dem ganzen eine authentische Note.

Die andere prägnante Figur ist Herwegh, der als roher und brutaler Kerl von Anfang an einen schlechten Stand hat. Allerdings zeigt auch er von sich nur eine Fassade, hinter die man immer wieder einen Blick werfen darf. Wahre Abgründe tun sich da auf und machen deutlich, wie sehr vergangene Ereignisse einen Menschen prägen und in eine Richtung entwickeln lassen, die man nur schwer wieder verlassen kann; auch wenn man es noch so gerne möchte. Nur ab und an blitzt für andere sichtbar der wahre Kern durch, den er vor allen anderen vorsorglich versteckt hält.

"Es gibt viele Quellen der Verbitterung. Die Tragik ist, dass die meisten nie versiegen. Man muss einfach aufhören, willentlich daraus zu schöpfen." S. 138

Menschliche Verhaltensweisen und die Suche nach Liebe stehen hier im Mittelpunkt in einer großartig beschriebenen Kulisse, in die ich wahrhaft eingetaucht bin und alles mit Genuss und ohne Hetze lesen wollte. Der Stempel "Historischer Roman" ist hier definitiv zu wenig, denn man bekommt eine unglaublich intensive Geschichte menschlicher Tragik, die mir noch lange in meinen Gedanken hängenbleiben wird.

Fazit

Meine Worte sind viel zu wenig für dieses fantastische Werk, dass mir in all seiner unscheinbaren Dramatik und der fesselnden Atmosphäre sehr zu Herzen gegangen ist. Das Schicksal der zwei Hauptfiguren ist so essenziell, dass ich es wirklich jedem ans Herz legen möchte, es einmal damit zu versuchen.

© Aleshanee
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