Das Erbe von Samara und New York von Erik Eriksson

Buchvorstellungund Rezension

Das Erbe von Samara und New York von Erik Eriksson

Originalausgabe erschienen 1999unter dem Titel „Vårt hjärta dog i New York“,deutsche Ausgabe erstmals 2013, 442 Seiten.ISBN 3941895915.Übersetzung ins Deutsche von Else Ebel.

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Kurzgefasst:

Erik Erikssons persönliche Familiengeschichte handelt von Heimatsuche und Heimatverlust, von der Einsamkeit im Miteinander und den Tücken menschlicher Kommunikation. Während seine Großeltern mütterlicherseits in den Wirren der russischen Oktoberrevolution von Samara an der Wolga nach Schweden fliehen müssen, versuchen die Eltern seines Vaters im verheißungsvollen Amerika einen Lebensstandard zu finden, den sie im ärmlichen Schweden niemals erreichen könnten scheitern aber. So lernen sich Erikssons Eltern eher unfreiwillig in Schweden kennen, wo beide ihrer Meinung nach nicht hingehören. 

Das meint Histo-Couch.de: „Fortgehen und Ankommen“90Treffer

Rezension von Annette Gloser

Schweden, 1875: Schon als Kind träumt Hedvig davon, nach Amerika auszuwandern. Ihre Familie lebt in großer Armut und für das junge Mädchen gibt es nicht viel mehr als harte Arbeit. Mühsam spart sie das Geld für die Überfahrt zusammen, aber durch die Unterstützung eines Verwandten gelingt es ihr bald, die Schiffspassage zu kaufen. Ihr Verlobter Karl Gustaf jedoch bleibt in Schweden zurück. Zwar ist Hedvigs Leben in Amerika nicht einfach, aber es gelingt ihr, Fuß zu fassen. Als es Hedvig gelingt, auch Karl Gustaf aus Schweden fort zu holen, können sie sich gemeinsam eine Existenz aufbauen. Doch der Wohlstand ist nicht von Dauer. Mit ihren Kindern kehren sie nach Schweden zurück. Ihre Söhne Verner und Mauritz aber fühlen sich als Amerikaner, fremd in der Heimat der Eltern. Sie haben geschworen, wieder nach Amerika zurückzukehren.

1918 verlässt Magdas Familie das russische Samara. Russland, gezeichnet von Krieg, Revolution und Bürgerkrieg, erscheint nicht mehr sicher. Magdas Vorfahren kamen aus Schweden nach Russland und mit Hilfe des Roten Kreuzes gelingt die Ausreise. Magda jedoch wird den Verlust der Heimat nie ganz verwinden, auch nicht, als sie Mauritz begegnet, jenem Jungen, der unbedingt nach Amerika zurück will.

Ein psychologisches Skizzenbuch

Das Erbe von Samara und New York ist kein Roman im üblichen Sinne sondern fast schon eine Dokumentation. Autor Erik Erikson hat hier seine Familiengeschichte aufgearbeitet, die Geschichte seiner Eltern Magda und Mauritz, seiner Großeltern und natürlich auch seine eigene Geschichte. Dabei verfolgt er nicht nur die einzelnen Lebensstationen, er nähert sich jedem Familienmitglied sehr behutsam und mit viel psychologischem Feingefühl. Dabei entstehen spannende Portraits jeder Person, sehr differenziert und bis hin zu sehr intimen Details. Gleichzeitig macht der Autor deutlich, wie sehr sich der Verlust der Heimat auf alle Betroffenen auswirkt, wie lange er nachwirkt. Schließlich hat irgendwie jeder in dieser Familie seine Heimat verloren. Hedvig ihr Traumland Amerika, Karl Gustaf sein Schweden. Verner und Mauritz fühlen sich als Amerikaner und kommen nie wirklich in Schweden an. Magda verliert nicht nur Russland und Samara sondern vor allem ihre geliebte Schwester Erika.

Keiner von ihnen kann diese Verluste wirklich aufarbeiten und sein Leben unbeschwert neu beginnen. Und das Gefühl der Heimatlosigkeit, ebenso wie die  daraus resultierende Unfähigkeit zu intensiven Beziehungen, wird an die nächste Generation weiter gegeben, die daran ebenso schwer zu leiden hat. Letztendlich hat man hier eine Art psychologisches Skizzenbuch, voll mit den unterschiedlichsten Symptomen entwurzelter Menschen.

Ein Buch für ruhige Stunden

Erik Erikson hat sich bei der Arbeit am Buch auf die Aufzeichnungen seiner Mutter und seiner Großmutter stützen können. Er erzählt mit einfachen Worten, keine großen Geschichten, keine wilde Action. Dennoch gelingt es ihm, bis zum Ende des Buches eine gewisse Spannung aufrecht zu halten und man blättert gerne weiter, liest sich durch diese interessante Familiengeschichte. Dem Autor ist es gelungen, sehr viel Atmosphäre in den Kapiteln einzufangen, so dass man als Leser förmlich hineingezogen wird in die sehr unterschiedlichen Welten der einzelnen Familienmitglieder. Man lernt sie gut kennen, kann ihr Handeln nicht immer verstehen, findet sie vielleicht auch schwach oder abstoßend, sehr menschlich. Und man kann mit ihnen leiden, sich mit ihnen freuen.

Der Oktober Verlag hat hier ein außergewöhnliches Buch im Programm. Das Erbe von Samara und New York sollte man sich für die ruhigen, entspannten Stunden aufheben, wenn man Zeit hat, sich diesem literarischen Genuss in aller Ruhe zu widmen.

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