Grandhotel Angst von Emma Garnier

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Grandhotel Angst“,, 320 Seiten.ISBN 3328100881.

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Kurzgefasst:

Italien, März 1899. Die junge Nell reist mit ihrem Mann Oliver an die ligurische Küste, um in Bordighera ihre Flitterwochen zu verbringen. Das Paar logiert im luxuriösen Grandhotel Angst. Nell ist von dem großartigen Gebäude, dem exotischen Hotelpark und dem Blick aufs funkelnde Meer fasziniert. Doch zu ihrer Überraschung kennt Oliver nicht nur bereits das Personal und einige Gäste, sie scheinen auch Geheimnisse zu teilen. Als ein Hotelgast überraschend verstirbt, beginnt Nell, nachzuforschen. Und stößt auf eine Geschichte von Schuld und Verrat und auf eine unheimliche Legende, die sie in ihren Bann zieht. Bis sie plötzlich selbst im Verdacht steht, ein Verbrechen begangen zu haben …

Das meint Histo-Couch.de: „Atmosphärischer Gruselkrimi um 1900“80

Rezension von Eva Schuster

Italien im März 1899: Die junge Nell verbringt ihre Flitterwochen mit ihrem Ehemann Oliver an der ligurischen Küste. Sie wohnen im luxuriösen Grandhotel Angst, das Oliver von regelmäßigen Besuchen sehr vertraut ist. Nell ist zwar fasziniert von der wunderschönen Umgebung und der Eleganz des Hotels, doch zugleich fühlt sie sich zunehmend unwohl in dem düsteren Gebäude.

Dazu trägt auch die unheimliche Legende um die verstorbene Lukrezia bei, die einst auf dem Hotelgrundstück lebte. Angeblich spukt ihr Geist noch im Hotel umher. Zudem erkennt Nell durch ein Porträt, dass ihr jene Lukrezia erstaunlich ähnlich sah. Auch erste Unstimmigkeiten zwischen Nell und ihrem Mann trüben das Flitterwochenglück ein wenig.

Während Nell dennoch versucht, die Zeit zu genießen, geschieht ein Mord an einem Hotelgast. Es handelt sich um einen Geschäftspartner von Oliver. Nell findet beunruhigende Hinweise, dass ihr Mann mehr darüber weiß, als er zugibt. Und was hat es mit dem Tod seiner ersten Frau Kate auf sich, über die er nie sprechen will ...?

Flitterwochen in „Angst“

Ein Hauch von Daphne du Mauriers Rebecca liegt über Emma Garniers Grandhotel Angst, schließlich geht es auch hier um eine junge Ich-Erzählerin und ihre etwas überstürzte Ehe mit einem düsteren, deutlich älteren Mann, um den mysteriösen Tod der ersten Ehefrau und um ein mondänes Anwesen, von dem Unheil für die Protagonistin auszugehen scheint.

Grandhotel Angst verbindet eine kriminalistische Handlung mit Schauerromantik und macht aus dieser Kombination eine vergnügliche Lektüre. Überzeugend ist vor allem das stimmungsvolle Setting in der bezaubernden ligurischen Landschaft, deren malerische Schönheit gut eingefangen wird. Die Gegend scheint der perfekte Ort für romantische Flitterwochen. Der blaue Himmel, das Meer, die üppige Vegetation, die pittoresken Bauten und Gassen und das italienische Flair nehmen Nell zunächst sofort für sich ein. Auch der Leser fühlt sich nach Italien versetzt und erhält ein farbenprächtiges Bild von Bordighera mitsamt Beschreibungen der Architektur, typischer Speisen und all den Düften, die die Pflanzen und Blumen im Frühling verbreiten.

Die Legende um Lukrezia, die den Ort nicht für den Bau des Hotels freigeben wollte und je nach Version ermordet wurde oder sich selbst verbrannte, legt sich jedoch alsbald wie ein Schatten über das zarte Glück. Nell wird immer unruhiger, fürchtet sich vor den Gerüchten um Geistererscheinungen und misstraut schließlich zunehmend ihrem Ehemann. Was verbindet ihn mit dem Grandhotel und dessen Besitzer Adolf Angst? Was weiß er über Lukrezias Tod? Wie ist seine erste Frau ums Leben gekommen – und ist es Zufall, dass ausgerechnet jetzt sein Geschäftspartner ermordet wird? Nell weiß nicht, ob sie sich zunehmend in wirren Ängsten verliert oder ob sie ihrem Ehemann wirklich nicht trauen kann. Auch der Leser durchschaut nicht sofort, wem hier zu trauen ist. Die offenen Fragen sorgen für Spannung, noch verstärkt durch Nells Hilflosigkeit. Sie ist fremd in Italien, spricht nicht die Sprache, hat außer Oliver niemand Vertrautes um sich und schließlich wird sie auch noch von der Polizei verdächtigt, ein furchtbares Verbrechen begangen zu haben. Man fühlt mit dieser jungen Frau, deren Flitterwochen sich so abrupt in einen Alptraum verwandelt haben, und möchte erfahren, wie all die Ereignisse zusammenhängen und sich auflösen.

Kleine Schwächen

Etwas gewöhnungsbedürftig sind die Zeitsprünge in der Handlung, die mal in den Tagen um den 17. März und mal gut eine Woche später spielt. Zwar wecken Nells Andeutungen, dass sich schreckliche Dinge in der Zwischenzeit ereignet haben, eine gewisse Neugierde, aber bisweilen verwirren diese Andeutungen auch, da die Zusammenhänge unklar sind, während sie an anderen Stellen etwas zu viel vorwegnehmen. Des Weiteren wirkt es konstruiert, wie leicht Nell von einer nahezu fremden Person Unterstützung erfährt. Es gibt auch Luft nach oben, was ihre Charakterdarstellung betrifft: Sie ist zwar eine sympathische Figur, bleibt aber zunächst etwas blass, zu passiv, zu verhuscht. Nells Erwähnung, dass sie früher ein »ungestümes Mädchen« war, »das auf Bäume kletterte«, kann man sich folglich kaum vorstellen. Das Ende mag sich ein bisschen zu leicht ergeben, aber insgesamt können diese kleinen Mankos den guten Gesamteindruck nur wenig trüben.

Unterm Strich ist Grandhotel Angst ein unterhaltsamer Roman mit dichter Atmosphäre und dezentem Gruselflair, der ein paar kurzweilige Lesestunden garantiert.

Ihre Meinung zu »Emma Garnier: Grandhotel Angst«

Krimisofa.com zu »Emma Garnier: Grandhotel Angst«07.11.2017
Auf der Seite von Random House steht über Emma Garnier folgendes: „Emma Garnier ist das Pseudonym einer Autorin, deren atmosphärische Krimis regelmäßig in den Top 10 der Bestsellerliste stehen“. Das klingt gut, das lädt ein, „Grandhotel Angst“ zu lesen – zumindest auf den ersten Blick. Denn irgendwann fragt man sich „Moment. Warum dann ein Pseudonym?“ Okay, vielleicht passt das Genre nicht ganz zu ihren anderen Werken, das war bei Fitzeks „Blutschule“ ähnlich. Die angekündigte Atmosphäre ist dann bei Garnier wohl eher bei den Krimis zu finden – aber alles der Reihe nach.

Eleonore ist 21, äußerst sensibel und sie liebt Schauergeschichten und okkultes Zeug. Sie liebt ihren Mann so sehr, dass sie ihn nach nur einer kurzen Zeit heiratet. Wobei auch dazukommt, dass es Daheim bei ihren Eltern nur schwer auszuhalten ist. Dass Oliver so gut wie nichts über sich erzählt, war ihr vor der Hochzeit offenbar völlig egal, genau wie der Umstand, dass er 15 Jahre älter ist als sie. Kurzum kann man Nell, wie die frisch Vermählte im Buch genannt wird, als reichlich naiv bezeichnen, was nicht mal unsympathisch ist, sondern der Geschichte einen gewissen Pepp verleiht. Das war es dann aber auch, denn die Geschichte ist von vorne bis hinten leblos, langweilig, vorhersehbar und an den Haaren herbeigezogen. Ausgestattet mit einem hübschen Umschlag, der als Eyecatcher herhalten soll, um das hässliche Entlein als stattlichen Schwan zu verkleiden – so wie es leider viel zu oft von Verlagen gemacht wird.

Ich verstehe ja durchaus die Intention der Autorin und finde die Idee, einem alten leerstehenden Hotel, das ja tatsächlich existiert hat, auf diese Art Leben einzuhauchen, wirklich gut, denn alte leerstehende Gebäude haben tatsächlich oft etwas gruseliges. Aber wie es von der Autorin, die mit ihren „atmosphärischen Krimis regelmäßig in den Top 10 der Bestsellerliste“ steht umgesetzt wurde, ist ziemlich ernüchternd. Da hätte ich wesentlich mehr erwartet, als das, was hier geliefert wurde. Wenn es wenigstens gruselig wäre, aber nicht mal das ist die Geschichte. Vielmehr kommt es mir vor, als konnte sich Garnier nicht entscheiden, ob sie einen Krimi, einen Thriller, eine Horrorgeschichte oder ein Drama schreiben wollte – von allem findet man etwas, aber  nur so halbgar und keines dieser Genres hat Hand oder Fuß. Sorry, dass ich das Buch hier so runter mache, aber ich hab mich zu keiner Zeit von diesem Buch in den Bann gezogen gefühlt. Und ich bin mir sicher, dass die Autorin auch mit solcher Art von Kritik etwas anfangen kann, denn immerhin ist sie ehrlich und konstruktiv.

Aber um die Rezension doch noch etwas versöhnlich ausklingen zu lassen, möchte ich mit etwas Positiven schließen: Mir hat der feministische Aspekt, den Eleonore im Lauf der Geschichte immer mehr ausstrahlt, sehr gut gefallen

Tl;dr: „Grandhotel Angst“ verspricht mit dem Cover und der Ansage, dass das Buch von einer Autorin sei, deren atmosphärische Krimis regelmäßig in den Top-10 der Bestsellerlisten stünden, mehr, als die Geschichte hält. Sie ist nämlich leblos und alles andere als atmosphärisch – leider, denn die Idee der Geschichte ist nicht schlecht.
Zabou1964 zu »Emma Garnier: Grandhotel Angst«13.09.2017
Die Autorin Emma Garnier ist mir bereits unter einem anderen Namen und ihrem realen Namen bekannt. Ich mag ihre Bücher sehr, was nahelegte, dass ich auch diesen Roman, den sie unter ihrem neuen Pseudonym geschrieben hat, lesen wollte. Das Grandhotel Angst gibt es tatsächlich. Auf einer Reise hat sie das verfallene Gebäude entdeckt und war sofort entschlossen, einen Roman zu schreiben, der die ehemalige Pracht dieses Hauses beschreibt. Und das ist ihr auf ganz wunderbare Weise gelungen; sie hat dem verfallenen Bau neues Leben eingehaucht.

Die Geschichte spielt im Jahr 1899 an der ligurischen Küste. Die beiden Engländer Nell und Oliver sind frisch verheiratet und befinden sich in den Flitterwochen. Der vermögende Oliver möchte seiner jungen Frau Italien und das luxuriöse Grandhotel Angst zeigen. Zunächst ist Nell fasziniert: von der Schönheit der Landschaft, der Pracht des Hotels und ihrem charmanten und weltgewandten Mann. Aber schon bald muss sie erkennen, dass nicht alles so ist, wie es erscheint. Im Hotel scheint es zu spuken, eine Angestellte erkennt in ihr eine Ähnlichkeit mit einer Verstorbenen und ihr Oliver ist alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Oder bildet sich Nell alles nur ein? Ist sie vielleicht selbst eine Mörderin?

Der Charakter Nell, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, hat mich zunächst ziemlich verwirrt. Sie wirkt so unschuldig und naiv. Erst nach und nach erfährt der Leser, wie sie so geworden ist, und warum sie den Charmeur Oliver geheiratet hat. Der stellt sich im Laufe der Handlung allerdings als weniger charmant heraus. Seine Vorgeschichte scheint eher dubios zu sein. Er ist Witwer und böse Zungen behaupten, dass er am Tod seiner Frau nicht unschuldig war. Als auch im Hotel ein Mord geschieht, zählt Nell gar zu den Verdächtigen.

Die Geschichte wird in zwei Handlungssträngen erzählt. Im ersten berichtet Nell von ihrem Schicksal nach einem bestimmten Ereignis, von dem der Leser erst nach und nach erfährt, was es ist. Der zweite Strang beschreibt die jüngste Vergangenheit. In Rückblenden wird auch die frühe Vergangenheit von Nell erzählt.

Emma Garnier versteht es vorzüglich, den Glanz des Grandhotels wieder aufleben zu lassen. Ihre Beschreibungen haben sofort ein Bild vor meinem inneren Auge entstehen lassen. Sehr schön finde ich, dass im Klappumschlag des Buches sowohl ein altes Bild des Hotels als auch eines des Hauses im heutigen Zustand zu finden sind. Die Schönheit der italienischen Landschaften wird ebenso gut beschrieben.

Besonders begeistert hat mich, dass ich nie wusste, ob Nell sich alles nur einbildet oder es im Hotel wirklich spukt. Durch die Ich-Form konnte ich mich hervorragend in die Protagonistin hineinfühlen. Ich war unsicher wie sie, habe dieselben Ängste ausgestanden. Das hat das Buch so spannend gemacht, dass ich es kaum aus der Hand legen konnte.

Fazit:
Ein Roman, der mystisch und geheimnisvoll die Vergangenheit eines großen Hauses und das Schicksal einer jungen Frau beschreibt. Von mir gibt es fünf von fünf Sternen.
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