Die Rivalin der Königin von Elizabeth Fremantle

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2015unter dem Titel „Watch the Lady“,deutsche Ausgabe erstmals 2017, 480 Seiten.ISBN 3-570-10287-4.Übersetzung ins Deutsche von Sabine Herting.

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Kurzgefasst:

Penelope Devereux ist eine für ihre Zeit ungewöhnlich selbstbestimmte und mutige Frau. Sie ist nicht nur schön, sondern auch gewitzt. Als Hofdame lebt sie im Machtzentrum der alternden Elizabeth I., verfolgt Ränkespiele bei Hofe und ist dabei selbst nicht ganz unbeteiligt. Trotz ihrer Proteste muss sie den unsympathischen Robert Rich heiraten, handelt aber mit ihm aus, dass er sie gehen lässt, wenn sie ihm zwei Söhne geboren hat, denn ihre ganze Liebe gilt Philip Sidney, der für sie hinreißende Sonette schreibt.

Das meint Histo-Couch.de: „Die schöne Hofdame und die alternde Königin“80

Rezension von Yvonne Schulze

Die Rivalin der Königin ist der dritte Teil aus der Tudor-Reihe von Elizabeth Fremantle und wie schon in den vorherigen beiden Büchern macht die Autorin wieder eine heute weniger bekannte Dame jener Zeit zur Protagonistin ihres Romans. Penelope Devereux, die mit 18 Jahren Hofdame am Hofe Königin Elizabeths I. wurde, war nicht nur eine legendäre Schönheit, sie war auch eine kluge und für ihre Zeit erstaunlich selbstbestimmte Frau. Sie war eine englische Adelige mit einer imposanten Ahnenreihe. So war sie mütterlicherseits eine Nachfahrin Mary Boleyns und damit eine entfernte Cousine Königin Elizabeths, was ihr nicht immer zum Vorteil gereicht. Ihre Mutter Lettice Knollys, die ohne Einwilligung der Königin deren Favoriten Robert Dudley geheiratet hat, fiel in Ungnade und wurde vom Hof verbannt. Als Penelope als Hofdame an den königlichen Hof kommt, lernt sie schnell die Spielregeln höfischen Intrigenspiels, die sie auch geschickt zu ihrem eigenen Vorteil nutzt. In einer Umgebung aus Neid, Rivalität und Missgunst sichert sie sich die Gunst der alternden Königin und schmiedet ihre eigenen Allianzen. Als sie zur Ehe mit Robert Rich gezwungen wird, fügt sie sich nicht widerstandslos in ihr Schicksal. Ihr gefährlichster Widersacher ist der hochintelligente Robert Cecil, einer der mächtigsten Minister am königlichen Hof, der die Familie Devereux unbedingt vernichten will, was ihm bei Penelopes Bruder dann auch gelingt und diesen somit zum tragischen Helden dieser Geschichte macht. Und so dreht es sich wieder, das Karussell aus politischen Machtspielen, höfischen Intrigen, Herzensangelegenheiten und Rivalitäten.

Einstieg mit Hindernissen

Der Einstieg in den Roman ist für Leser, die über keinerlei Hintergrundwissen verfügen, eine Herausforderung, denn gleich zu Beginn betritt eine ganze Reihe von Personen die Bühne, die kaum auseinander zu halten und deren oft weitverzweigte verwandtschaftliche Verflechtungen kaum zu durchschauen sind. Zur allgemeinen Verwirrung des Lesers trägt dann auch noch bei, dass diese Personen mal mit ihren Vornamen, dann wieder nur mit Titel oder Familienname genannt werden. Leider gibt es im Anhang des Buches weder ein Personenverzeichnis noch Stammbäume, die als Orientierungshilfe dienen könnten. Das führt natürlich zwangsläufig dazu, dass einzelne Figuren nicht richtig greifbar werden und ihre Intentionen oder Entscheidungen deshalb manchmal schlichtweg nicht nachzuvollziehen sind. Penelope ist zwar eine der tragenden Figuren in diesem Roman, sie muss sich diesen Status aber mit noch ein paar anderen Charakteren teilen. Aufgrund der Fülle an Personen gerät die Figurenzeichnung oftmals ins Hintertreffen, die am besten gezeichneten Charaktere sind neben Penelope die alternde Königin Elizabeth, Penelopes Bruder Robert und Robert Cecil, aus dessen Perspektive die Geschichte teilweise erzählt wird.

Unterhaltsamer Geschichtsunterricht

Der historische Hintergrund, in den die Autorin ihre fiktive Geschichte bettet, ist wie gewohnt sehr gut recherchiert und besticht durch Detailgenauigkeit und Akkuratesse. Viele historische Fakten und Ereignisse finden Eingang in die Handlung und die Autorin stellt damit erneut ihre breitgefächerten Kenntnisse der Tudorzeit unter Beweis. Der Sprachstil bleibt dabei eher nüchtern und die Autorin lässt die Geschehnisse für sich sprechen, ohne sie mit übertriebenen Gefühlsduseleien und getunter Action künstlich zu dramatisieren. Das Erzähltempo variiert zwischen behäbig und rasant.

Die Beschreibung des familiären Umfelds von Penelope ist interessant, ihre Gedankengänge aufschlussreich. Die Machtspiele am durch Intrigen geprägten königlichen Hof sind nachvollziehbar beschrieben und geben dem Leser einen guten Einblick in das heute schwer zu verstehende Geflecht höfischen Lebens. Die Autorin beschreibt anschaulich die komplizierten Abläufe bei Hofe, das Hofzeremoniell, die Machenschaften des Hofstaats, den Kampf um die Gunst der Königin, das Intrigenspiel und das gezielte Streuen von Gerüchten. Der Roman beginnt stark, flacht im Mittelteil aber deutlich ab und beginnt, sich teilweise im Kreis zu drehen, bevor er dann im letzten Drittel wieder interessant wird. Ein großes Problem sind hierbei die Zeitsprünge, die sicher notwendig sind, wenn man ein so komplexes Leben wie das der Penelope beschreiben möchte, nur leider findet die Autorin hier nicht das richtige Maß. Auf der einen Seite verweilt sie unnötig lange bei Nebensächlichkeiten, während sie auf der anderen Seite wirklich wichtige Ereignisse und einschneidende Erlebnisse im Zeitraffer am Leser vorbeirasen lässt.

Fremantles dritter Roman ihrer Tudor-Serie reicht definitiv nicht an seine beiden Vorgänger heran und ist der bisher schwächste Teil. Doch trotz der qualitativen Abstriche haben wir hier einen lesenswerten Roman für die historisch interessierten Leser, der die schon oft thematisierte Tudorzeit aus einer etwas anderen Perspektive betrachtet. Man sollte als Leser aber bereits Vorkenntnisse mitbringen oder bereit sein, öfters mal das Internet zu Rate zu ziehen, um diesen Roman in allen seinen Facetten zu begreifen und die komplexen Personenkonstellationen nachvollziehen zu können.

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