Der Klang des Pianos von Elisabeth Büchle

Buchvorstellungund Rezension

Der Klang des Pianos von Elisabeth Büchle

Originalausgabe erschienen 2012unter dem Titel „Der Klang des Pianos“,, 445 Seiten.ISBN 3865916635.

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Kurzgefasst:

Freiburg, 1912: Richard darf einen lukrativen Auftrag ausführen. Der junge Klavierbauer soll für die Firma Welte ein selbstspielendes Piano auf einem Luxusliner einbauen: der Titanic. In Irland trifft er die bezaubernde Norah, die sein Leben gehörig auf den Kopf stellt. Die Stewardess soll sich um das Wohl der reichen Gäste auf dem Schiff kümmern. Doch mit einer gewagten Rettungsaktion im irischen Hafenviertel schafft sich Norah mächtige Feinde. Als finstere Ganoven hinter ihr her sind, versucht Richard sie zu beschützen. Schließlich läuft die Titanic aus Southampton aus und die beiden blicken in eine ungewisse Zukunft …

Das meint Histo-Couch.de: „Musik, Liebe und die Titanic“89Treffer

Rezension von Rita Dell'Agnese

Richard Martin hat sein Leben dem Piano verschrieben. Als Klavierbauer in einer Manufaktur in Freiburg entwickelt er neue Instrumente. Sein fachliches Können bringt ihn nach Irland, wo er eine beschädigte Charge von Klavieren, die für das neue Luxusschiff „Titanic“ vorgesehen sind, reparieren soll. Dort trifft der junge Mann wieder auf Norah, die junge Verwandte seines Arbeitgebers. Vor einigen Monaten hatte er die Aufgabe, Norah bei ihrem zweiwöchigen Besuch in Freiburg auf ihren Ausflügen zu begleiten. Wie schon in Deutschland fordert Norah, die als Stewardess auf Schiffen der White Star-Linie arbeitet, mit ihrer spontanen Art den jungen Mann heraus. Er genießt die unkonventionelle Bekanntschaft, zumal sie erneut nur von kurzer Dauer scheint. Denn Richard soll nach der Reparatur zurück nach Deutschland, Norah hingegen wird mit der „Titanic“ auf Jungfernfahrt gehen. Die beiden verbringen viel Zeit miteinander, Richard fühlt sich in Norahs Gegenwart wohl und betrachtet die Bekanntschaft als einen Glücksfall. Anders die reiche Helena, die sich ebenfalls um Richard bemüht und auch nicht davor zurück schreckt, härtere Bandagen einzusetzen. Da sticht die „Titanic“ in See.

Viel mehr als nur ein Schiffsuntergang

Über den Untergang der Titanic sind in jüngster Zeit einige Romane erschienen. Alle haben nebst der Schiffstragödie noch einen anderen zentralen Punkt. Das ist auch bei Elisabeth Büchle so. Sie bietet den Lesern gleich mehrere historische Hintergründe an. Da ist etwa die Piano-Fabrik, in der fieberhaft nach Neuheiten geforscht wird, um das Piano-Geschäft auf Kurs zu halten. Der junge Instrumentenbauer Richard Martin beweist sich hier nicht nur als Meister seines Fachs, sondern auch als ein Mensch mit einem äußerst feinen Musikgehör. Diese Kombination befähigt ihn, den von ihm konzipierten oder reparierten Instrumenten mehr als nur einen befriedigenden Klang zu entlocken. Gerne würde man noch mehr Einzelheiten aus diesem Bereich erfahren. Um dem Roman jedoch die beabsichtigte Richtung zu geben und auch genügend Tempo hinein zu bringen, verlässt die Autorin die Fabrikation in Deutschland und wendet sich dem Leben im irischen Hafen Belfast zu. Durch Norah erleben die Leser, was sich hinter den Fassaden der heruntergekommenen Häuser abspielt. Geschickt stellt die Autorin den Gegensatz der beiden Welten dar, in der sich Richard nun bewegt: In die Welt der Reichen, die sich kaum Gedanken über ihren aufwändigen Lebensstil machen müssen und die Welt der Armen, in der sich eine frischgebackene Mutter keine Kleidung für ihr Baby besorgen kann – in der die Leute einander aber beistehen.

Naives Mädchen

Dass sich zwischen Richard und Norah eine Liebesgeschichte zu entwickeln beginnt, vermag kaum zu überraschen. Ebenso wenig, mit welcher Naivität die beiden an die Sache heran gehen. Und auch die böse Gegenspielerin – hier in Gestalt der verwöhnten Helena – fehlt nicht. Dass diese Geschichte nicht mit aller Raffinesse aufgebaut ist, sondern eher einem erfrischen unschuldigen Muster folgt, tut dem Roman keinen Abbruch. Allerdings wünschte man sich da und dort ein etwas reiferes Verhalten der an sich patenten Norah. Ihre kindliche Unerschrockenheit will nicht ganz zu ihrem familiären Hintergrund und ihrer Arbeit als Stewardess passen, muss sich doch in manch brenzliger Situation einen kühlen Kopf bewahren. Dies ist aber lediglich ein kleiner Schönheitsfehler.

Gut aufgefangen

Geschickt steuert Elisabeth Büchle im zweiten Teil des Romans auf die dramatische Jungfernfahrt der Titanic und dem Ende des stolzen Schiffes zu. Die hinlänglich bekannte Geschichte des Untergangs würzt die Autorin mit einigen überraschenden Begebenheiten und macht das Drama auf diese Weise zu einem neuen Erlebnis. Damit umschifft sie die größte Klippe: Den Eindruck der Leser, das alles schon mal oder gar mehrmals gehört oder gelesen zu haben. Die Autorin vermag den Spannungsbogen gut zu halten und erst auf den letzten Seiten ganz zu lösen.

Eine Freude ist die Gestaltung des Buches. Nicht nur, das schön gestaltete Cover der Erstausgabe mit der Titanic im nächtlichen Meer sondern auch die üppige Dreingabe in Form von historischer Einführung, Erklärung zu den Personen, Begriffserläuterung und vor allem auch die Skizzen der Titanic stellen ein echtes Plus dar.

Mit ihrem Titanic-Roman hat Elisabeth Büchle bewiesen, dass es auch bei einem so populären Thema möglich ist, einen neuen Ansatz zu finden und die Dramatik hoch zu halten.

 

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