Fundgeschichten von Diverse

Buchvorstellungund Rezension

Fundgeschichten von Diverse

Originalausgabe erschienen 2010unter dem Titel „Fundgeschichten“,, 560 Seiten.ISBN 3805342047.

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Kurzgefasst:

Eine Zeitreise durch 400 Millionen Jahre: Fundgeschichten aus der faszinierenden Welt der Archäologie – die Landesausstellung Nordrhein-Westfalen 2010 in Köln und Herne präsentiert eine einzigartige Rückschau auf Entdeckungen und Entwicklungen der letzten Jahre in NRW. Interessante Essays und ein Katalogteil mit vielen Hintergrundinformationen geben Einblicke in neue Arbeitsfelder wie die Industrie- und Weltkriegsarchäologie, in neueste Untersuchungsmethoden zu Klima oder Umwelt vergangener Epochen. Verfolgen Sie den tragischen Tod einer Südelefantenherde in Westfalen vor 2 Millionen Jahren oder die spektakuläre U-Bahn-Grabung zum römischen Hafen in Köln, lernen Sie Bauern- und Adelshöfe des Mittelalters kennen oder eine Künstlerwerkstatt der Renaissance.

Das meint Histo-Couch.de: „Mehr als “nur„ ein Katalog“90Treffer

Rezension von Carsten Jaehner

566 Seiten stark ist er, enthält 742 Farbabbildungen und 11 in schwarzweiß, er ist groß und schwer und als Hardcover besonders beeindruckend. Der Ausstellungskatalog zu Archäologischen Funden in Nordrhein-Westfalen aus dem Hause Philipp von Zabern in Mainz zur Ausstellung „Fundgeschichten“ im Römisch-Germanischen Museum in Köln (2011 in Haltern zu sehen) besticht nicht nur durch sein äußeres Format, sondern vor allem auch durch seinen Inhalt.

Man muss die Ausstellung nicht unbedingt gesehen haben, um an dem Katalog seine Freude zu haben, wenngleich es die Freude durchaus erhöht und auch verlängert. Schon allein auf der Innenseite des Titelblattes findet sich eine Karte Nordrhein-Westfalens mit den eingezeichneten 143 Fundorten, die uns auf den kommenden Seiten begegnen werden.

Nach ein paar Essays zur Paläontologie berichten die Autoren chronologisch nach den Funden von Steinzeiten und den Metallzeiten über die Römerzeit, das Mittelalter und die Neuzeit bis hin zum Zweiten Weltkrieg und sogar bis in die Industriearchäologie. Äußerst reich bebildert und immer verständlich zu lesen werden dabei nicht nur die Funde an sich dargestellt, sondern auch die angewandten Ausgrabungsmethoden dargestellt, die Gründe des Findens dargelegt und auch die Fundstellen erklärt mit ihren Eigenschaften, Eigenheiten und Besonderheiten. Durch Karten und Pläne werden die Berichte über die Fundorte ergänzt, und so entstand ein Katalog auf höchstem Niveau, der mehr als eine Ergänzung zur Ausstellung ist.

Damit sind allerdings erst knapp zwei Drittel des Katalogs erreicht. Es folgen Essays über die angewandten Methoden, aus den Werkstätten und über Rekonstruktionen von Bauten, Themenrouten durch Nordrhein-Westfalen und ausführliche Berichte über die Denkmalpflege. Erst auf den letzten 70 Seiten folgt der eigentlich Ausstellungskatalog mit zahlreichen Abbildungen und Ergänzungen zu den Ausstellungen.

Ohne jegliches störendes und unverständliches Fachchinesisch werden dem Leser die Funde und Fundorte präsentiert, so dass man Spass an der Lektüre bekommt, die durchweg auch spannend ist und bis 400 Millionen Jahre in die Vergangenheit führt. Von unzähligen Beispielen seien nur ein Elefantenfriedhof aus dem frühen Eiszeitalter in der Nähe von Dortmund erwähnt, zudem Blätterhöhlen, Steingräber, Siedlungen, Delfine bei Castrop-Rauxel, Flottenlager, Römerlager, Therme in Köln, Römerstrassen, Kirchbauten, Kirchgrabungen, Wehranlagen und, und, und – aus jeder Region werden auch neuere Funde beschrieben und gezeigt, sodass jeder Rheinländer oder Westfale quasi das ursprüngliche Leben vor der eigenen Haustür gezeigt bekommt.

Die einzelnen Kapitel sind recht kurz und knapp, dafür aber auf den Punkt gebracht, und so wird der Leser immer wieder durch neue Geschichten unterhalten. Fundgeschichten eben, wie treffend doch der Titel von Katalog und Ausstellung sind. Ein Lob gilt dem Verlag für die große Mühe, die in dieses Werk gesteckt wurde, man hat noch lange seine Freude daran und lernt viel über die Geschichte vor der eigenen Haustür. Dies ist allerdings nicht nur für Menschen aus Nordrhein-Westfalen interessant, sondern für alle, die sich für Geschichte und Geschichten interessieren. Da der Katalog thematisch sehr weitgreifend ist, dürfte auch für jeden etwas dabei sein.

Die Abbildungen sind allesamt hochwertig, die Zeichnungen und Karten verständlich, man merkt, dass dieser Katalog mit viel Akribie und Liebe zum Detail erstellt wurde. Die Anschaffung ist trotz des Preises auf jeden Fall lohnenswert und ein Besuch der Ausstellung bestimmt eine gute und interessante Ergänzung.

Für Interessierte und solche, die es werden wollen, ist der Ausstellungskatalog zu den „Fundgeschichten“ eine Quelle für weitere Interessen, die sich vielleicht auch in weiteren Museumsbesuchen oder in der Lektüre von Sachbüchern oder gut recherchierten historischen Romanen niederschlagen kann. Nirgendwo erfährt man mehr über sich, als in einem Blick in die Geschichte. Sehr lobenswert und höchst empfehlenswert.

 

Die Termine der Ausstellung „Fundgeschichten – Archäologie in Nordrhein-Westfalen“:

  • 19. März – 14. November 2010 in Köln, Römisch-Germanisches Museum
  • 16. April – 20. November 2011 in Herne, LWL-Museum für Archäologie – Westfälisches Landesmuseum

 

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