Rungholts Ehre von Derek Meister
Buchvorstellung und Rezension
Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel „Rungholts Ehre“, , 544 Seiten. ISBN 3-442-36310-1.
Kurzgefasst:
Lübeck, 1390: In der Hauptstadt der Hanse wird die Leiche eines offensichtlich weit gereisten Fremden aus der Trave gezogen. Unversehens findet sich der bärbeißige Patrizier Rungholt – ein Mann mit unablässigem Zahnschmerz und Hang zum Hamburger Bier – in einer finsteren Ränke wieder. Denn sein Kaufmannslehrling wird beschuldigt, den Fremden erschlagen zu haben. Rungholt bleiben nur wenige Tage, um die Unschuld seines Lehrlings zu beweisen und die Ehre seines Hauses wieder herzustellen. Dickköpfig und gegen alle Widerstände des Hohen Rats und der Kirche, verfolgt Rungholt seine Spuren und verliert über der Suche nach der Wahrheit beinahe alles: Seine Ehre, sein Leben – und seine geliebte Tochter Mirke…
Das meint Histo-Couch.de: „;In jeder Hinsicht ein grandioses Buch!“;
von Jörg Kijanski
Mittelalter-Krimis gibt es viele, aber selten führte ein Debütroman derart intensiv in die vergangene Zeit. Doch der Reihe nach…
Lübeck 1390: Der angesehene Patrizier Rungholt steht mitten in den Vorbereitungen für die Verlobung seiner 13-jährigen Tochter Mirke mit dem angesehenen Kaufmann Sebalt von Attendorn. In Wirklichkeit liebt Mirke aber Rungholts Lehrling Daniel, mit dem sie heimlich verstecken spielt. Daniel will sich dabei im Schilf der Trave verstecken und entdeckt dort einen Toten, der sich an dem Ruderbalken einer Kogge verfangen hat. Daniel erkennt in dem Mann jenen Fremden, mit dem er am Abend zuvor in einem Wirtshaus gespielt und der ihm nach seiner Niederlage nicht die Spielschulden gezahlt hat. Daraufhin kam es zu Handgreiflichkeiten vor den Augen der anderen Gäste und so ergreift Daniel panikartig die Flucht.
Wenig später erfährt Rungholt, dass sein Lehling des Mordes an dem Fremden beschuldigt, von dem aufstrebenden jungen Richter Kerkring friedlos, also vogelfrei gesprochen wurde. Nach Daniels Verhaftung gewährt Kerkring Rungholt genau zwei Tage, um in dem Fall ermitteln zu können. Somit könnte die Ehre Rungholts als Daniels Vormund noch rechtzeitig vor der Verlobung seiner Tochter wiederhergestellt werden, doch recht bald muss Rungholt feststellen, dass Beweismittel verschwinden und seine Nachfragen behindert werden…
Piraten greifen die Koggen der Hanse an
Während Rungholt die Zeit davon läuft, hat der Rat der Hansestadt Lübeck ganz andere Probleme als den bevorstehenden Prozess gegen Daniel, der aufgrund seines Fluchtversuches ohnehin nur eine Formsache zu werden scheint. Immer wieder werden Koggen der Hanse von Vitalienbrüdern oder Serovese genannten Piraten aufgebracht. Richter Winfried der Kahle will daher mehrere Friedeschiffe bauen lassen, um den Piraten Einhalt zu gewähren. Da aber die Hansestädte Rostock und Wismar den Piraten, die auch gegen die verhassten Dänen zu Felde ziehen, freien Zugang zu ihren Häfen gewähren, würden Winfrieds Pläne einen nicht ungefährlichen und vor allem kostspieligen Konflikt mit Mecklenburg auslösen, die ein derartiges Vorgehen gegen die Piraten als Unterstützung der Dänen auffassen könnten…
Von den Problemen Rungholts und des Stadtrates ist der Lübecker Kaufmann Hinrich Calve, zumindest geografisch gesehen, weit entfernt. Auf einer Geschäftsreise weilt er mit seinem jüngsten Sohn Johannes in Stralsund als ihn die Nachricht vom Tod seines Sohnes Egbert erreicht. Noch in der Nacht begibt sich Calve mit Johannes und einigen Söldnern auf die unsichere Heimreise, bei der sie prompt in einen Hinterhalt geraten. Die Diebe scheinen es jedoch nicht auf die Beute (unter anderem wertvolle Pelze) abgesehen zu haben, sondern auf Calve selber…
Der Überlebende der großen Sturmflut
Die Zweite Marcellusflut oder „;de grote Mandrenke“; („;die große Manntränke“;) ereignete sich im Januar des Jahres 1362 und war eine der größten Sturmflutkatastrophen, die je die Nordseeküste heimgesucht haben. Östlich des heutigen Pellworm versank dabei der Ort Rungholt in den Fluten, einer der wichtigsten Orte Nordfrieslands im Mittelalter. Durch die Flut verliert ein kleiner Junge seine gesamte Familie und wird von einem Kaufmann aufgenommen. Da dieser seinen wirklichen Namen nicht kennt, wird der Junge kurzerhand nach seinem Heimatort Rungholt benannt. Rungholt arbeitet sich in Lübeck nach oben und wird zu einem der einflussreichsten Kaufleute und Ratsherren.
Aber seine persönliche Geschichte hat Spuren hinterlassen. Durch die Flutkatastrophe bedingt ist Rungholt der einzige Lübecker Kaufmann, der zwar mit dem Handel zur See sein Geld verdient, gleichzeitig aber eine höllische Angst vor dem Wasser hat. So ist Rungholt nicht bei vielen Einwohnern beliebt, zumal er auch einige recht unangenehme Charaktereigenschaften aufweist. Jähzornig und aufbrausend will Rungholt allzu oft mit seinem Dickschädel durch die Wand rennen, ohne Rücksicht auf Verluste und sei es die Anerkennung seiner Tochter. Übergewichtig, ständig zum Hamburger Bier und anderer alkoholischer Getränke greifend, sieht sich Rungholt bei seiner Ehre gepackt als seinem Lehrling der Mord an dem Fremden zur Last gelegt wird, schließlich stand Daniel unter Rungholts Munt (Vormundschaft). So gibt Rungholt denn auch keine Ruhe bis er mit Hilfe seines Kapitäns Marek Bolge den wahren Täter zu fassen bekommt.
Nur ein kleiner Schwachpunkt
Leider, und dies ist der einzige Schwachpunkt dieses ansonsten in jeder Hinsicht grandiosen Buches, verliert Autor Derek Meister am Ende des Romans ein wenig den Mut und bietet (nur) die Lösung, „;die kommen musste“;, so dass unterm Strich ein wenig die Überraschung fehlt. Bereits zu Beginn des Buches stellt sich dem Leser ja schon die Frage, wie die Liebesgeschichte zwischen Mirke und Daniel wohl ausgehen mag und hier gibt es naturgemäß nur zwei mögliche Lösungen (gut oder schlecht). Meister entschied sich pragmatisch für jene konventionelle Variante, die ihm das Wohlwollen seiner Leser auch für die nächsten Abenteuer Rungholts sichert – und dies mit den dazugehörigen Konsequenzen.
Trotzdem kann man lange Zeit rätseln, wie die oben dargestellten Handlungsstränge zusammen passen und erhält erst nach gut 400 Seiten Gewissheit, so dass ein durchaus ordentlicher Spannungsbogen aufgebaut wird. Dabei versteht es Derek Meister (nein, ich vermeide das sich aufdrängende Wortspiel) ganz hervorragend, seine Leser in die damalige Zeit zu versetzen. Zwar wurden einige historische Ereignisse recht freizügig interpretiert bzw. für die Geschichte passend gemacht (es handelt sich ja schließlich um einen Roman), doch werden diese im Nachwort richtig gestellt.
Bestnoten für die Charaktere
Was die Charakterdarstellung von Rungholt betrifft, muss man die Bestnote vergeben, ebenso für die Einblicke in das Lübecker Stadtleben. Atmosphärische Dichte vom Allerfeinsten und fast meint man, den Gestank der Gassen oder den Geruch des Quendelkrauts wahrzunehmen. Auch Rungholts permanenter Zahnschmerz lässt den Leser mitleiden und mit Grausen an den nächsten Termin beim eigenen Zahnarzt denken. Garniert wird die Szenerie durch zahlreiche „;Fremdworte“; aus der damaligen Zeit (Trippe, Tappert, Misericord, Toslach, Dornse, Scrivekamere usw. usw.), von denen die meisten in einem Glossar am Ende des Buches erklärt werden. Hier wäre ein größerer Umfang allerdings wünschenswert gewesen und eine Übersicht der handelnden Personen zu Beginn des Buches (wie man es von vergleichbaren historischen Romanen kennt) hätte das ansonsten stimmige Bild perfekt abgerundet.
Das Nachwort von Derek Meister endet (verständlicherweise) mit dem Satz: „;Ich würde mich freuen, wenn Sie Rungholt auf seinen weiteren Abenteuern begleiten würden“;. Darauf, Herr Meister, können Sie getrost ein Hamburger Bier trinken!
Ihre Meinung zu »Derek Meister: Rungholts Ehre«
- MyLady zu »Derek Meister: Rungholts Ehre« 26.03.2009
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Ich fand "Rungholts Ehre" einen klasse Roman. Vor allem die Persönlichkeiten der Darsteller haben es mir angetan. Rungholt als beleibter, grummeliger Vater und Lehrmeister mit seinem überaus sarkastischen Auftreten der doch ein weiches Herz beweist; Alhyde als baldige liebenswerte Schwiegermutter allein die Vorstellung dieses Paares bringt mich schon zum Schmunzeln. Dann natürlich Mirke als (nicht ganz so braves) Nesthäkchen und Daniel mit seiner aufmüpfigen Schnauze. Und nicht zu vergessen Marek der Kapitän mit seinem trockenem Humor.
Herr Meister hat es hervorragend verstanden seinen Darstellern leben einzuhauchen.
Auch die Handlung fand ich sehr gelungen, auch wenn es anfangs etwas verwirrend begann, umso besser wurde es dann. Ich fand es ein Vergnügen diesen Roman zu lesen und freue mich schon auf die nächsten Teile die bereits im Regal stehen!
- Aurea zu »Derek Meister: Rungholts Ehre« 10.12.2008
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Der Plot ist sicherlich nicht schlecht, und auch der bezug auf die heute noch an manchen Stellen schöne stadt Lübeck, aber ich frage mich, wie jemand Schriftsteller weden kann, wenn er so wenig ahnung von Grammatik hat, nicht in der Lage ist, das Plusquamperfekt richtig zu gebrauchen und so weiter...
- Ute Bühner zu »Derek Meister: Rungholts Ehre« 02.06.2008
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Es gibt so wenig wirklich gute, historische Krimis. Dies ist einer davon! Eigentlich müsste Derek Meister schon lange auf der Bestsellerliste landen.
Gute Charaktere, toller Schreibstil, spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Rungholt muss man einfach mögen! Man fühlt sich wie von Zauberhand ins Lübeck des Mittelalters versetzt. Mehr davon!
- anath zu »Derek Meister: Rungholts Ehre« 19.10.2007
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Ein Buch wie ein Lübecker Pfeffersack,dick und behäbig.Die Geschichte fängt langsam an,treibt so dahin,scheint sich zu zerfasern und wieder zusammen zu gleiten. Und unversehens ist der Leser gefangen und dem gewieften Händler auf den Leim gegangen.Was da so behäbig begann entpuppt sich nach und nach als gut und detailreich recherchierter Histo-Krimi mit einem ausgesprochen sympathischen Haupthelden und interessant gezeichneten Nebenfiguren in den unterschiedlichsten Schattierungen.Davon hätte ich gerne einen Nachschlag.
- Antje zu »Derek Meister: Rungholts Ehre« 11.04.2007
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Genial, genial, genial!!! Das Buch ist absolut fesselnd, die Charaktere interessant und anschaulich beschrieben, und das Lokalkolorit von Lübeck - man meint förmlich, durch die Stadt zu schlendern. Mit Rungholt ist eine wirklich interessante Person auf der Bühne der Histo-Krimis erschienen. Spannend bis zum Schluss - uneingeschränkt empfehlenswert (wie übrigens auch Band 2 - Rungholts Sünde - wobei es hier, im Gegensatz zu Rungholts Ehre, ordentlich zur Sache geht; ist also nichts für zarte Gemüter...)!
- R. van Ham zu »Derek Meister: Rungholts Ehre« 25.10.2006
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Ein absoluter Leckerbissen, der historischen Romane. Lebendig taucht man in Lübeck ein, wo der Ort und das Geschehen sehr lebhaft und detailliert beschrieben sind. Dieses Buch fesselt von der ersten bis zur letzten Seite und macht neugierig auf mehr. Sicher wird Derek Meister seinem Namen auf dem Gebiet der historischen Romane noch alle Ehre machen!
Absolut empfehlenswert.
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