Das schwarze Sakrament von Dennis Vlaminck

Buchvorstellungund Rezension

Das schwarze Sakrament von Dennis Vlaminck

Originalausgabe erschienen 2015unter dem Titel „Das schwarze Sakrament“,, 360 Seiten.ISBN 3954514532.

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Kurzgefasst:

Das Rheinland im Jahr 1248: In einer Kirche in den Wäldern vor Köln werden die Leichen von 26 Frauen, Männern und Kindern gefunden, alle ohne äußere Verletzungen. Schnell geistert ein Gerücht durchs Land: Drei erst vor Kurzem ertrunkene Kinder sollen als Untote, Neuntöter genannt, ihre Familien umgebracht haben. Im Auftrag des Kölner Erzbischofs kehrt Büttel Konstantin in seine Heimat zurück, um den mysteriösen Fall zu lösen.

Das meint Histo-Couch.de: „Ein schauerlicher Kriminalroman“80

Rezension von Dirk Jaehner

Ein geistlicher Fürst will seine weltliche Macht vergrößern. Ein weltlicher Fürst kämpft um sein Seelenheil. Bis diese Über-Kreuz-Prämisse offensichtlich wird, vergeht einige Zeit in Dennis Vlamincks neuem Köln-Roman. Aber die Erkenntnis rückt alles bis dahin Geschehene in ein völlig neues Licht. Es bringt die schrecklichen Ereignisse, die der Kölner Büttel Konstantin im Auftrag des Erzbischofs aufklären soll, in die richtige Ordnung. Folglich ereilt die Leserschaft diese Erkenntnis vergleichsweise spät.

Konstantin, genannt Kontz, soll den rätselhaften Tod einer kompletten Dorfbevölkerung aufklären. Das Dorf liegt auf Jülicher Gebiet, die Kirche, in der die Toten gefunden wurden, untersteht aber dem Erzbischof von Köln. Der zuständige Priester beschuldigt die Bewohner außerdem, ihren alten Göttern nicht abgeschworen zu haben. Im Jahr 1248 ist das eine konfliktreiche Gemengelage, die für den Erzbischof von Köln Grund genug ist, nach dem Rechten sehen zu lassen. Konstantin soll ermitteln, weil er explizit angefordert wurde – von Joriß, dem Burgherren von Kaster, unter dessen Gerichtsbarkeit das fragliche Dorf namens Mundt fällt, und zufällig Konstantins Vater. Konstantin ermittelt, findet einen Schuldigen für den Tod der 26 Dorfbewohner und scheint seinen Auftrag erledigt zu haben. Doch mit dem Prozess gegen den Schuldigen tun sich die ganze Tragweite und die Hintergründe der Geschehnisse auf, die Vlaminck bis dahin geschickt verbirgt.

Der Autor täuscht den Leser

Überhaupt ist der Autor hier ein geschickter Täuscher. Was wie ein Schauerroman beginnt, geht über in eine vollwertige kriminalistische Ermittlung und endet in einem Familiendrama mit tödlichen Schicksalsschlägen auf allen Seiten. Vlaminck hält den Leser bei der Stange, lässt ihn nicht mehr wissen als den Ermittler (was allerdings dafür sorgt, dass sowohl der eine wie der andere an einer entscheidenden Stelle zur Erkenntnis kommt, dass diese eine Spur viel eher zum Ziel geführt hätte) und führt ihn sogar ein wenig an der Nase herum. Aber das macht den Ermittler so zugänglich. Konstantin ist kein Super-Detektiv à la James Bond oder Sherlock Holmes. Er ist ein Büttel, ein Vertreter der polizeilichen Gewalt der Stadt Köln, aber auch er ist ein Mensch. Er macht Fehler, er lässt sich beeindrucken und er übersieht Hinweise. Und er ist genauso entsetzt über die Grausamkeiten, die Menschen in der Lage sind, Mitmenschen aus egoistischen Gründen anzutun. Was ihn ein wenig moderner als seine mittelalterlichen Zeitgenossen macht.

Ertrunkene Kinder, der ewige Kampf zwischen Gut und Böse, hier in der Version christlicher gegen Naturglaube, Unwetter-geschüttelte Nächte, geheimnisvolle Gestalten, die des Nachts um Kirchen schleichen, machthungrige Fürsten und gefallene Engel – Vlaminck zieht alle Register eines historischen Romans und flechtet eine schön stringente Kriminalgeschichte ein. Dankenswerterweise verrät er im Anhang, dass sowohl das Dorf als auch der Weiher, der nie trocken fällt, die Burg Kaster und der Konflikt zwischen Köln und Jülich den Tatsachen entsprechen. Wieder einmal hat ein Autor es geschafft, eine erfundene Handlung so in einen historischen Kontext einzubetten, dass es wirklich so hätte passieren können. Auch für Nicht-Kölner lesenswert.

Ihre Meinung zu »Dennis Vlaminck: Das schwarze Sakrament«

Garguille zu »Dennis Vlaminck: Das schwarze Sakrament«13.03.2017
Nach dem Zweitwerk waren meine Erwartungen an das dritte Buch sehr hoch und ich hatte Bedenken enttäuscht zu werden. Bin ich aber nicht, ….. ganz im Gegenteil.

Unser altbekannte Konstantin, welcher in Domfeuer eher im Hintergrund agierte, ist nun der Hauptprotagonist. Gleich zu Beginn des Buches fällt auf, dass die Story diesmal aus der „Ich-Perspektive“ Konstantins erzählt wird, was mich anfangs skeptisch stimmte, später aber überzeugte. Die Gedanken Konstantins ermöglichten es mir noch tiefer in die Geschichte abzutauchen.

Charaktere, sowie deren Handlungen werden erneut sehr authentisch und detailreich beschrieben. Man symphatisiert sehr schnell mit den einen und verabscheut die anderen. Wer Vlaminck aber kennt, sollte mit seinen Lieblingen und Bösewichten vorsichtig ins Gericht gehen, da sich zu Ende des Buches doch die ein oder andere Überraschung hinter jedem Charakter verbirgt, die mich extrem überrascht hat.

Überrascht hat mich auch wieder einmal das Ende bzw. die Auflösung. Vlaminck führt seine Leser in die ein oder andere Sackgasse und wer glaubt den „Gärtner“ gefunden zu haben, wird eines Besseren belehrt.

Erneut werden geschichtliche Hintergründe gekonnt in die Geschichte eingebunden. Man erfährt viel aus dieser vergangenen Zeit und der Region Kölns und deren Umgebung, es wirkt aber nie störend oder bremst den Lesefluss.

Vlaminck verblüffte mich am Meisten mit einer neuen Facette seines Schreibstils. Wo Domfeuer, eher in der Art eines Thrillers geschrieben wurde, besticht sein drittes Werk mit einer mystischen und geheimnisvollen Stimmung, was den Plott extrem spannend gestaltet und überhaupt nicht an einen schnöden Kriminalroman denken lässt.

Mein Fazit:
Ein extrem packendes Buch, welches ich unbedingt weiterempfehlen möchte. Mehr davon, Herr Vlaminck !!
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