Der ehrlose König von David Gilman

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2015unter dem Titel „Defiant unto Death“,deutsche Ausgabe erstmals 2017, 560 Seiten.ISBN 3-499-29077-4.Übersetzung ins Deutsche von Michael Windgassen.

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Kurzgefasst:

1356. Normandie, zu Beginn des Hundertjährigen Krieges. Thomas Blackstone, Ritter der englischen Armee, hält in Nordfrankreich mehrere Städte für seinen König. Wieder und wieder greifen er und seine Männer von dort aus an und fügen den Gefolgsleuten des französischen Königs empfindliche Niederlagen zu. Thomas¼ Ruf erreicht schon bald Paris. König Johann ersinnt einen Plan, um seinen Gegner auszuschalten. Der Mann, den er auf Thomas ansetzt, kennt keine Skrupel: der ebenso schlaue wie grausame Schlächter Gilles de Marcy. Es dauert nicht lange, bis sich das Netz um Thomas Blackstone und seine normannischen Verbündeten zuzieht …

Das meint Histo-Couch.de: „Staatsfeind Nummer eins“92Treffer

Rezension von Annette Gloser

Im Jahr 1356 hält Thomas Blackstone in Frankreich ein großes Gebiet für den englischen König. Seine Verbündeten sind jene normannischen Barone, die mit der Herrschaft König Johanns unzufrieden sind und die sich einen starken Herrscher wünschen. Sie glauben, mit Edward III. von England einen Mann gefunden zu haben, der in der Lage ist, kluge Entscheidungen zu treffen und durchzusetzen. Johann dagegen schwankt wie ein Rohr im Wind, spürt die eigene Schwäche und lässt sich zu grausamen Urteilen hinreißen, die seine Macht stärken sollen, seine Barone jedoch nur noch mehr gegen ihn aufbringen. Thomas Blackstone ist für König Johann allerdings Staatsfeind Nummer eins, ein Mann der Unruhe stiftet. Darum entschließt sich Frankreichs König, Gilles de Marcy gegen Thomas zu schicken, einen skrupellosen Mörder ohne auch nur den Hauch eines Gewissens.

De Marcy will Christiana, Blackstones Frau. Und er will Rache, denn vor zehn Jahren verstümmelte Blackstone ihm die Hand. Man nennt ihn den blutrünstigen Priester und er scheut keine Grausamkeit, keine List, um Thomas zu sich zu locken. Als er jedoch einen Ritter tötet, mit dem Thomas befreundet ist, schwört Blackstone ihm Rache. Ihm und dem verräterischen König Johann, der dieses Ungeheuer auf Blackstone und seine Familie losgelassen hat.

Ein sympathischer Held

Autor David Gilman erzählt mit viel Enthusiasmus und einem ganz feinen Händchen für Spannung die Geschichte des Emporkömmlings Thomas, der als Bogenschütze seine militärische Laufbahn begann, schwer verwundet geadelt wurde und nun als Edelmann sein eigenes Gebiet beherrscht. Blackstone ist ein Mann, den man einfach mögen muss: Aus niedrigsten Verhältnissen kommend hat er sich seinen neuen Stand durch Mut und Tatkraft verdient. Er herrscht klug und zum Wohle derer, die ihm unterstellt sind. Und seine Vorstellungen von Ehre und Moral erweisen sich auch unter schwierigsten Bedingungen als standfest. Zum Glück sind auch ihm eine gewisse Skrupellosigkeit und eine gehörige Portion Brutalität zu eigen, schließlich muss er in den Wirren des Hundertjährigen Krieges bestehen. Und so wird aus dem strahlenden Helden ein Mensch mit vielen Stärken und einigen Schwächen. Sehr angenehm.

Überhaupt zeichnet Gilman seine Protagonisten mit interessanten Schattierungen. Selbst die meisten Bösewichte sind nicht einfach nur böse sondern haben auch irgendwo die eine oder andere gute Eigenschaft, ausgenommen natürlich de Marcy. Und so kommt auch die Spannung zu einem guten Teil eben nicht nur aus der brisanten politischen Situation, in welcher der Roman spielt, sondern aus den Charakteren der einzelnen Protagonisten, aus ihren Entscheidungen, ihrem Handeln. Und spannend ist es von der ersten bis zur letzten Seite, mit etwas ruhigeren Phasen zur Erholung der Lesernerven und zur Rekonvaleszenz der Verwundeten natürlich.

Fakten und Fiktion gekonnt verknüpft

Autor David Gilman fordert seinen Lesern einiges an Geschichtswissen ab. Er führt sie mitten hinein in die erste Phase des Hundertjährigen Krieges. Er zeigt politische Interessen und Zusammenhänge auf, aber er erklärt nichts mit Fußnoten oder einem Nachwort. Wer mehr wissen will, der muss sich selbst darum kümmern. Gilman setzt mündige und gebildete Leser voraus. Und doch erfährt man in diesem Roman viel, denn der Autor verknüpft die historischen Fakten geschickt mit der Romanhandlung. Das ist wohl die große Kunst: Eine fiktive Geschichte so mit den realen Gegebenheiten zu verbinden, dass der Leser fast ein bisschen enttäuscht ist, wenn er sich mal wieder bewusst macht, dass er hier einen Roman in den Händen hat. Dies zeugt auch davon, dass David Gilman seine Romanreihe offenbar umfassend und tiefgründig recherchiert hat. Ob es um Waffen geht, um die Wirtschaft auf einem Gutshof oder das Leben in Paris: David Gilman kann es so schildern, dass man als Leser ein genaues Bild davon im Kopf hat. Sollten sich Ungenauigkeiten und Widersprüche eingeschlichen haben, so fallen sie vermutlich nur versierten Historikern auf. Und natürlich geht es blutig zu. Wie sollte es auch anders sein, wenn zwei Könige sich um ein Land streiten, wenn Barone und Ritter ihre Interessen durchsetzen wollen. Darum ist dieser Roman wohl eher nichts für zartbesaitete Mitmenschen.

Furiose Fortsetzung

Der ehrlose König ist Band 2 und furiose Fortsetzung der Reihe „Legenden des Krieges“. Es lohnt sich, zuerst Das blutige Schwert, den ersten Band der Reihe, zu lesen, denn ein Teil der Handlung baut auf dem Geschehen aus dem ersten Band auf. Die Innenseite des Covers hat eine Karte Frankreichs zu bieten, so kann man sich als Leser immer mal wieder orientieren. Ansonsten ist die Ausstattung eher schmalbrüstig. Dennoch hat rororo hier eine tolle Romanreihe gefunden, die für alle Freunde spannender Unterhaltung genau das Richtige ist. Eine ordentliche Portion Blut, Schweiß und Tränen sollte man allerdings vertragen können.

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