Der Tanz der Freiheit von Dave Boling

Buchvorstellungund Rezension

Der Tanz der Freiheit von Dave Boling

Originalausgabe erschienen 2008unter dem Titel „Guernica“,deutsche Ausgabe erstmals 2009, 474 Seiten.ISBN 3-426-19833-9.Übersetzung ins Deutsche von Rainer Schmidt.

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Kurzgefasst:

Spanien, 1935: Nach einer Auseinandersetzung mit der Guardia Civil flieht der junge Baske Miguel nach Guernica. Hier findet er nicht nur ein neues Leben, er trifft die Liebe seines Lebens. Die junge Miren ist eine elegante, charismatische Tänzerin, die, obwohl von allen jungen Männern begehrt, bald nur noch Augen für den geheimnisvollen Miguel hat. Doch in Spanien tobt der Bürgerkrieg und beschwört eine Tragödie herauf, die das junge Glück bedroht …

Das meint Histo-Couch.de: „So gehaltvoll wie ein schwerer spanischer Rotwein“87Treffer

Rezension von Rita Dell'Agnese

Der junge Baske Miguel glaubt an die Freiheit seiner Heimat. 1935 ist es gefährlich seine Meinung zu äußern. Als heißblütiger Mann gerät Miguel in eine Auseinandersetzung mit der Guardia Civil und muss fliehen. In Guernica will er sich verstecken und wenn möglich ein neues Leben beginnen. Erst recht, als er die charismatische Tänzerin Miren entdeckt. Sie ist die Tochter eines mächtigen Mannes im Ort und das begehrteste Mädchen. Miren fühlt sich zu Miguel hingezogen. Sie ahnt in ihm ein Geheimnis und möchte den jungen Fremden ergründen. Zwischen Miguel und Miren entwickelt sich eine tiefe Liebe, die von einer gemeinsamen Tochter gekrönt wird. Allerdings meint es das Schicksal nicht gut, mit der jungen Familie. Der in Spanien zu dieser Zeit tobende Bürgerkrieg macht auch vor Guernica nicht Halt und stellt alles in Frage, was sich Miguel und Miren erträumt haben. Sie können sich dem Krieg nicht entziehen und müssen einen hohen Preis zahlen.

Intensive Bilder

Es ist nicht schwer herauszufinden, dass sich der Autor Dave Boling ebenso intensiv mit dem Baskenland auseinandersetzt hat, wie auch mit dem Spanischen Bürgerkrieg. Er geht in einer Art auf die Ereignisse ein, die von einem fundierten Wissen zeugen. Allerdings ist es eine Gratwanderung, was Boling mit seinen Lesern macht. Die detailreiche Beschreibung der Situation hat einerseits einen Facettenreichtum, wie er nur selten zu finden ist. Andererseits braucht es da und dort etwas Geduld, um sich von den vielen Details nicht erschlagen zu fühlen. Die Fülle an Informationen legt sich manchmal wie eine Sommerschwüle auf den Roman und hemmt den Erzählfluss. Wer genau hinschaut, wird dabei entdecken, was etwa einen schweren spanischen Rotwein ausmacht – eine samtene Erdigkeit und damit Verbundenheit mit der Region, in der der Roman spielt.

Schöne Figurenzeichnung

Besonders viel Geschick beweist der Autor bei der Figurenzeichnung. Er schafft es mühelos, den kantigen Miguel wie auch die elegante und feinfühlige Miren in die Herzen der Leser zu schreiben. Da Boling weitgehend auf Klischees verzichtet und jeden einzelnen Charakter sehr gezielt ausarbeitet, bekommt der Roman eine wunderbare Tiefe und Tiefgründigkeit. Die Handlung ist gut nachvollziehbar, selbst wenn bei der einen oder anderen Situation der Leser wohl anders gehandelt oder entschieden hätte. Doch ist der Verlauf der Geschichte stets stimmig.

Gute Einführung in die politischen Ereignisse

Bolings Stärke ist auch die Analyse der politischen Auseinandersetzung jener Zeit. Er macht für den Leser die Abgründe des Spanischen Bürgerkriegs ebenso sichtbar, wie die Gedanken der Basken, die sich bemühen, ihre eigene Identität zu wahren. Dem Autor gelingt es, die Gegensätzlichkeit der Kulturen aufzeigen, ohne schulmeisterlich zu wirken. Und er schafft es, trotz des Grauens, das um die Protagonisten immer wieder herrscht, eine grundsätzliche Lebensfreude in den Roman einzubauen. So grausam die einen Szenen sind, so hoffnungsvoll stimmen andere. Wer das Baskenland kennt, weiß, dass es Boling verstanden hat, den Geist dieser Region einzufangen und für seine Leser auf eine eindrückliche und nachhaltige Art aufzubereiten. Der Tanz der Freiheit ist kein Buch, das man einfach aus den Händen legt und vergisst. Es hallt lange nach und weckt im Leser die Neugier auf eine Region, über die hierzulande nur wenig bekannt ist.

Ihre Meinung zu »Dave Boling: Der Tanz der Freiheit«

tedesca zu »Dave Boling: Der Tanz der Freiheit«01.10.2009
"Guernica" ist eine Geschichte, die einen zutiefst berührt. Da ich schon das Bild von Picasso kannte und somit auch seine Geschichte, wusste ich ja, was auf die sympathisch beschriebenen Figuren zukommen würde: Die totale Vernichtung. Der Teufel in Person des Wolfram von Richthofen, des Bruders des berühmten Roten Barons.

Dave Boling beschreibt anschaulich und sachlich, ohne je distanziert zu wirken, das Grauen dieses Tages im Jahr 1937. Er lässt uns teilhaben am Leben der baskischen Bauern, das für eine Minderheit in einem Land des Bürgerkrieges ohnehin nicht leicht ist. Wie ein Schimmelpilz breiten sich Verrat und Hinterhältigkeit auch in diesem kleinen Dorf in den Bergen aus, schaffen Misstrauen und Unfrieden in der sonst so friedlichen Gemeinschaft. Doch niemand konnte damit rechnen, dass gerade dieser kleine Ort zur Zielscheibe der totalen Vernichtungswut werden sollte, nur, weil es galt, eine kleine Brücke in der Umgebung zu zerstören (die übrigens als eines der wenigen Bauwerke das Bombardement unbeschädigt überstanden hat).

Picasso hat das Grauen dieses Tages zum Thema seines Auftragswerkes für die Weltausstellung in Paris gemacht und so seinen Opfern ein unzerstörbares Denkmal gesetzt, das sich auf Dauer in die Erinnerung der Betrachter einprägt.

Interessant für mich war die Tatsache, dass die baskischen Waisenkinder nach England gebracht wurden, wo viele sich auch niedergelassen haben. D.h. es gibt in England nicht wenige Familien baskischen Ursprungs.

Der Roman endet mit einem Hoffnungsschimmer für die Zukunft - wie lange es noch dauern würde, dass dieses Land zur Ruhe kommt, konnte wohl damals niemand ahnen.

Ein grandios geschriebenes Buch, berührend und interessant, ein 100%iger Tipp für alle, die gern gut geschriebene geschichtliche Romane lesen.
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