Die Waldgräfin von Dagmar Trodler

Buchvorstellung und Rezension

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Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel „Die Waldgräfin“, ISBN nicht vorhanden.

Kurzgefasst:

Man schreibt das Jahr des Herrn 1066: Eigenwillig, hoch gewachsen und von unbändigem Freiheitsdrang, hadert Alienor, die Tochter des verwitweten Freigrafen zu Sassenberg in der Eifel, mit ihrem eintönigen Schicksal als Burgherrin. Ausgerechnet der weihnachtliche Almosengang in den Kerker verändert ihr Leben.
Sie findet heraus, dass der angeblich stumme, rätselhafte Gefangene Normannisch spricht, die Sprache ihrer Mutter. Alienor erhält den „;Barbaren“; von ihrem Vater als Reitknecht zum Geschenk. Doch erst als der Fremde beinahe mörderischen Intrigen zum Opfer fällt und sein Leben in ihren Händen liegt, weiß Alienor, was sie will. Und ergreift ihre Chance zur Unabhängigkeit…

Das meint Histo-Couch.de: „;Ordentliches Debüt mit kleinen Schwächen“; 

von Katharina Lewald

Aller Anfang ist schwer – und das Bücherschreiben bildet da keine Ausnahme. Mit ihrem Debütroman „;Die Waldgräfin“; hat Dagmar Trodler sicher ein ordentliches Werk vorgelegt – jedoch kein perfektes.

Eines Tages bringt Alienors Vater von einem Jagdausflug einen unbekannten Wilddieb mit auf die Burg, den er grausam foltert und ihr danach kurzerhand zum Geschenk macht. Als Reitknecht soll er ihr dienen, doch zunächst spricht „;Hans” nicht einmal ihre Sprache – nur unbändiger Zorn und Rachegelüste zerfressen seine Seele. Alienor kann mit dem Fremden erst nichts anfangen – bis eine Kettenreaktion von Ereignissen plötzlich ihr ganzes Leben verändert…

Große Gefühle, bittere Realität

Ein gewöhnlicher Roman ist “;Die Waldgräfin„; keinesfalls, denn er erzählt nicht nur von dem Beginn der innigen Liebe eines ungleichen Paares, sondern nimmt den Leser auch mit auf eine Reise in die Gedankenwelt einer ungewöhnlichen Frau.

Zwar ist Alienor von Sassenberg eine fiktive Figur – doch beim Lesen beginnt man zu glauben, dass man Alienors Geschichte selbst durchlebt, denn ihre Geschichte wird aus der Ich-Perspektive erzählt. Das ist ungewöhnlich für einen historischen Roman, doch Dagmar Trodler bietet gute Ansätze in dieser Technik: Ständig plagen Alienor Zweifel an allem was sie sagt und tut und die tiefe Religiosität bestimmt weitgehend ihr Leben. Jedoch entstehen trotz des guten Schreibstils einige Längen, hat der Leser doch bisweilen das Gefühl, dass Alienor es mit der Gottesfürchtigkeit übertreibt.

Im einen Moment ist die Hauptfigur in Trodlers Roman eine starke Persönlichkeit, die ihren eigenen Weg geht – doch im nächsten Moment fällt sie wieder in ihr altes Verhaltensmuster zurück und denkt, dass sie für ihre Entscheidungen auf ewig in der Hölle schmoren wird. Sicherlich ist dies auf eine Art nachzuvollziehen – jedoch stimmt es einen etwas nachdenklich, wenn das über fast 600 Seiten so bleibt. Alienor vollzieht zwar eine Wandlung in ihrer Persönlichkeit, doch scheint diese sich vollkommen von ihren Denkansätzen zu unterscheiden. Trotz diesen Widersprüchen ist Alienor von Sassenberg eine interessante junge Frau, deren Schicksal den Leser in seinen Bann zieht.

Ebenso interessant ist Erik, zunächst Hans genannt. Hinter seinem aufbrausenden und bisweilen brutalen Verhalten steckt ein weicher Kern: Auch der unbekannte Knecht, dem alle Ehre durch ein Brandmal und einen eisernen Halsring genommen wurde, sehnt sich nach Ruhe und Geborgenheit. Bisweilen versteht Trodler es jedoch, diese Gefühle zu verbergen, indem sie seine (natürlich vollkommen verständlichen) Rachegelüste und sein Ehrgefühl in den Vordergrund stellt. Während man bei Alienor (auch aufgrund der Ich-Perspektive) oftmals das Gefühl hat, sie zu verstehen, kann man bei Eriks Verhalten manchmal nur den Kopf schütteln. Doch das macht diesen Charakter so faszinierend – wahrscheinlich auch für Alienor!

Ende besonders spannend

Hat der Roman in der Mitte auch so einige Längen, wird es zum Ende hin noch spannend: Werden Alienor und Erik zusammen in eine neue Zukunft fliehen? Hier bekommt der Leser den Eindruck, dass Trodler ihr ganzes Potenzial in die letzten 150 Seiten gesteckt hat – denn sie reißt den Leser mit, der im einen Moment vor Freude weint und im anderen Moment vor Wut kocht. Wäre das ganze Buch doch so fantastisch gewesen! Leider kamen gerade in der Mitte des Buches viele Widersprüche auf (sie zu nennen, würde allerdings zu viel von dem Ausgang der Geschichte verraten).

Einschübe stören Lesefluss

Auch negativ fallen die viel zu häufigen, in lateinischer und nordischer Sprache verfassten Einschübe auf, die zwar für das “;Verständnis nicht notwendig” seien, wie der Anhang verrät, jedoch den Lesefluss stark behindern. Zwar kann man alle Wendungen im Anhang finden, doch ob das beim Lesen Spaß macht ist anzuzweifeln.

Alles in allem bietet ";Die Waldgräfin” spannende Unterhaltung – allerdings nur für die, die es mit kleinen Schönheitsfehlern nicht so genau nehmen. Wer so jemand ist, der kann das Buch gut zur Hand nehmen – wer sich an Widersprüchlichkeiten stört, sollte es trotzdem ausprobieren und danach entscheiden, ob er die beiden weiteren Bände der Trilogie lesen möchte. Dagmar Trodlers Erstlingswerk ist ungewöhnlich – und deshalb sollte man ihm eine Chance geben und hier und da ein Auge zudrücken.

Ihre Meinung zu »Dagmar Trodler: Die Waldgräfin«

Katherina zu »Dagmar Trodler: Die Waldgräfin« 30.05.2013
"Die Waldgräfin" hat sich zu meinem absoluten Lieblingsbuch entwickelt (und das kommt von einer militanten Stephen King-Verehrerin!) und auch die beiden anderen Bücher habe ich verschlungen. Ich bin aber der Ansicht, so ist es auch gut und jeden, der meint, es bräuchte einen vierten Teil, erkläre ich hiermit zum Sadisten. Ist diesen armen Menschen nicht schon genug zugestoßen? Roman hin oder her, irgendwann ist es gut.
Ich persönlich störe mich auch nicht an den "Längen" im Mittelteil, denn da wird erst wirklich verständlich gemacht, welche Macht und welchen Einfluss die Kirche zu dieser Zeit hatte, ein Aspekt, den wir uns heutzutage gar nicht mehr vorstellen können. Und natürlich, die Sprache der Kirche war damals Latein. Was genau da gesprochen wird, ist in den allermeisten Fällen auch nicht relevant.
Insgesamt wird ein sehr lebensechtes Bild des Mittelalters gezeichnet (natürlich gehört da Gewalt und Blut und Folterkammer dazu aber eben auch die katholische Kirche) und genau das macht es spannend aber auch gefühlvoll.
Ich hätte gerne mehr solcher Bücher, anstatt das ewige gebetsmühlenartige Wiederkäuen von Intrigen, Verrat und Sex, wie es viele andere Mittelalterromane oder Trilogien aufnehmen.
Carolin Wagner zu »Dagmar Trodler: Die Waldgräfin« 12.08.2011
Ich liebe dieses Buch. Es ist zu meinem absoluten Lieblingswerk geworden. Auch die beiden nachvolgenden Bände sind meiner Meinung nach nur zu empfehlen. Doch das erste lese ich immer noch am liebsten. Die Autorin versteht es, den Leser vollkommen in ihren Bann zu ziehen und sich beinahe selbst ein Stückchen von Erik angezogen zu fühlen. Ein wirklich packender Roman!
mimi zu »Dagmar Trodler: Die Waldgräfin« 02.05.2011
Habe das Buch "Die Waldgräfin" auf Empfehlung der Bibo gelesen und dann auch die beiden Folgeromane regelrecht verschlungen. Ich fand die Gegenüberstellung der verschiedenen Glauben und Kulturen fazinierend, aber auch die Kraft solch ein Leben in damaliger Zeit zu führen bewundernswert. Wieviel ein Mensch aushalten kann. Sicher ist dies nur eine Geschichte, aber es ist vorstellhaft, wie die Menschen damals gelebt haben. Mir hat es Kraft für meinen eigenen Alltag und mein Leben gegeben.
Tringin zu »Dagmar Trodler: Die Waldgräfin« 22.12.2008
Zugegeben, der Einstieg in die Geschichte wirkt ein wenig an den Haaren herbeigezogen (Burgherr schenkt Tochter heidnischen Sklaven), aber was die Autorin dann daraus macht, fasziniert: eine Culture-Clash-Abenteuer-Liebesgeschichte bei der sowohl Held als auch Heldin weder banal und eindimensional gezeichnet noch leicht zu durchschauen sind.

Mag das Zaudern und die Unsicherheit der Heldin für uns heute auch schwer verständlich sein, aber für den Schauplatz (deutsche Provinz) und den Zeitpunkt (Mitte des 11. Jahrhunderts, Übergang Früh-/Hochmittelalter) passt es perfekt. Religion und Glaube dominieren den Alltag und damit einhergehend - aus heutiger Sicht - Aberglaube und Intoleranz. Schön, dass sich die Autorin nicht zu schade ist, diese auch ihren Protagonisten zuzuschreiben. Fesselnd ist das Panoptikum der Gefühle, die die Autorin durch Handlung und Sprache ausbreitet: Von Liebe bis Hass, von Fürsorge bis Ignoranz, von Opportunismus bis Mitgefühl ist alles vertreten. Gut gefallen hat mir auch, dass die Autorin die sehr tiefgehenden Gefühle der Protagonisten teils sehr sinnlich und "unplatt" beschrieben hat.

Trotz der schon beschriebenen und bemängelten Längen (die man aber einem Erstling durchaus verzeihen kann), entwickelt die Geschichte eine Dynamik, die nicht aus wildem Aktionismus der Figuren resultiert sondern aus ihren Beziehungen und Gefühlen zueinander: folgerichtig, logisch, konsequent.

Auf das ein oder andere unrealistisch-phantastische Element (des Juden Vision z.B.) oder die doch etwas übertrieben häufigen Misshandlungen und Verletzungen (wie viele Leinenbinden haben die 2 im Wald eigentlich dabei?) hätte ich gerne verzichtet, aber die spannende Thematik Heidentum/Christentum, die gut recherchierten Details zum Alltag, die interessanten, sich entwickelnden Figuren und die durch und durch spannende Geschichte machen das Buch zu einem tollen Lesevergnügen. Ich freue mich auf die beiden Nachfolgebände!
Else zu »Dagmar Trodler: Die Waldgräfin« 22.12.2008
Kritik hin oder her, ich kann mich Sarah nur anschließen, Band 2 und 3 sind einach wundervoll und ingeheim hofft man auf Band 4. Irgendwie hat die Geschichte noch viel Potential für den 4. Band. Die Grausamkeiten habe ich immer überlesen, weil ich so etwas nicht mag, aber es gehört nunmal in die Zeit. Ich bin eigentlich nur durch Zufall au das Buch gestoßen, das Bild der jungen Frau mit dem Greifvogel auf der Hand hatte mich neugierig gemacht. Die Zusammenfassung hat mich dann so mitgerissen, dass ich es einfach lesen musste. Ich hatte es mir in der Bücherei von Stralsund ausgeliehen.
Sarah zu »Dagmar Trodler: Die Waldgräfin« 12.09.2008
Trotz der oben angeführten Kritik- ein historischer ROMAN ist und bleibt ein ROMAN- daher ist es völlig egal, dass der gute Erik nach der Folter noch toll aussieht.
Als Historikerin kann ich nur raten, den 2. und 3. teil zu lesen, denn selten fand ich eine so liebevoll detailierte und gut rechechierte Szenerie in einem historischen Roman...
Toast zu »Dagmar Trodler: Die Waldgräfin« 29.08.2008
Was mich bei eigentlich allen Historienromanen, bzw. mittelalterlich angehauchten Liebesromanen stört ist diese Geschichte mit der Folterei: Erst wird der Mann bis aufs Blut ausgepeitscht, gebrandmarkt, bekommt Lanzen, Schwerter und andere spitze Gegenstände in sämtliche Rumpfpartien gestochen, wird zudem regelmäßig verprügelt oder anderweitig schwerst körperlich misshandelt und... ist trotzdem noch der allerschönste Mann den die Menschheit jemals hervorbringen wird. Ach ja, hatte ich schon erwähnt, dass er so gut wie nichts zu essen bekommt und trotzdem vor Muskeln strotzt und kein bisschen ausgemergelt erscheint???? Da hört für mich der Realismus ganz gewaltig auf....
barbara zu »Dagmar Trodler: Die Waldgräfin« 21.08.2008
Durch Zufall stieß ich auf "Freyas
Töchter". Ich habe das Buch "verschlungen". Jetzt habe ich eben "Die Waldgräfin" beendet. 1000 Dank an die Autorin! Nach über zehn Jahren war das Eis gebrochen, ich konnte wieder lesen ud wie ein Mädchen die Welt um mich vergessen! Ich habe u.a. auch einer meiner Töchter,1965 geboren,den Roman empföhlen.
Alienore zu »Dagmar Trodler: Die Waldgräfin« 12.08.2008
Nun es hört sich komisch an - aber ich habe doch tatsächlich mit dem letzen Buch " Die Tage des Raben" angefangen. Es war mein erster historischer Roman.
Erst auf der Homepage von Dagmar Trodler habe ich gelesen, dass es noch 2 weitere Bücher gibt. Jetzt erst lese ich "Die Waldgräfin". Ich bin hingerissen von der Geschichte von Erik und Alienor. Beim Lesen habe ich versucht mir die Bilder vorzustellen. Es ist eine wunderbare Geschichte. So real erzählt, dass ich mit Alienore mitgefiebert habe und mit ihr geweint habe.
Wirklich jedem zu empfehlen, der gern historische Romane liest.
adhara zu »Dagmar Trodler: Die Waldgräfin« 20.04.2008
Lange ist dieses Buch auf meinem SUB gelegen und ich habe immer wieder gezögert, es in Angriff zu nehmen. Doch als ich es schliesslich tat, hat sich mir eine wundervolle Geschichte eröffnet.
Dagmar Trodler erzählt in der Waldgräfin nicht nur vom eingschränkten Leben der Grafentochter und von den Verfolgungen, denen Ungläubige ausgesetzt waren. Sie erzählt auch von Menschenwürde und von Demütigung. Sie beschreibt die schwelenden Hassgefühle, die Missgunst und die Angst. Und sie zeigt ein Bild von einer allgegenwärtigen Kirche, deren Diener sich selber am nächsten sind. In einzelnen Szenen ist die strenge Sittsamkeit und Gläubigkeit der Grafentochter Alienor für meinen Geschmack etwas zu ausgedehnt ausgefallen und wirkte teilweise entsprechend langweilig. Dagmar Trodler ist dabei ganz nahe an die Grenze gekommen, die Sympathie für die Grafentochter wäre fast in mitleidiges Kopfschütteln über soviel Naivität umgekippt. Doch die gute sprachliche Umsetzung wie auch das Entwicklungstempo der Geschichte haben ein Abgleiten immer wieder verhindert. So ist die Geschichte rund und spannend ausgefallen. Dass sie gleichzeitig einen tiefen Einblick in die nordische Götterwelt gewährt, fand ich persönlich einen besonderen Gewinn.

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