Die drei Leben der Silvia Hirsch von Cornelia Rosenkranz-Gilles

Buchvorstellungund Rezension

Die drei Leben der Silvia Hirsch von Cornelia Rosenkranz-Gilles

Originalausgabe erschienen 2012unter dem Titel „Die drei Leben der Silvia Hirsch“,, 144 Seiten.ISBN 3828030521.

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Kurzgefasst:

Drei Rückführungen in ganz unterschiedliche Zeiten erlebt das Mädchen Silvia, deren Eltern völlig hilflos sind, als ihre Tochter urplötzlich Wesen und Aussehen verändert. Dank der liebevollen Fürsorge des Mönchs Kunibert darf Silvia fortan ein Kloster ihre Heimstatt nennen. Sie sieht sich zurückversetzt in die Zeit von Christi Geburt. Das einstige Heiligtum der Germanen, die Externsteine bei Detmold, und der Kampf um die Freiheit stehen im Mittelpunkt. Später findet sich Silvia mitten in dem tragischen Kinderkreuzzug des 13. Jahrhunderts wieder. Schließlich taucht sie ein in die Renaissancewelt des Michelangelo Buonarotti, wo sie den schwierigen Weg des begnadeten Künstlers hingebungsvoll begleitet. Cornelia Rosenkranz-Gilles legt ein komplexes Werk vor, das sich auf ungewöhnliche und packende Weise mit drei verschiedenen Zeitepochen befasst.

Das meint Histo-Couch.de: „Die Würze liegt nicht immer in der Kürze“42

Rezension von Birgit Borloni

Bis zu ihrem vierten Geburtstag im Jahr 1987 ist Silvia Hirsch ein völlig normales Kind, dann beginnt die erste von insgesamt drei Rückführungen, in denen sie Teile aus ihren früheren Leben erneut durchlebt. Nach ihrer ersten Rückführung in ihr Leben zu Zeiten Irmins, der uns besser bekannt ist als Arminius, wird sie in ein Kloster aufgenommen, um einer Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung zu vermeiden. In den folgenden Jahren wird sie noch zweimal eine Rückführung erleben: Einmal in die Zeit des Kinderkreuzzugs, an dem sie teilnahm, und einmal in die Zeit von Michelangelos, deren Gefährtin sie seit Kindertagen war.

Die Idee hinter diesem Roman ist durchaus interessant. Die Möglichkeit einer Wiedergeburt bzw. das Erinnern an frühere Leben übt seit langem eine gewisse Faszination aus. Dass damit ein Fantasy-Element in einem historischen Roman auftaucht, stört nicht, schließlich ist z.B. Zeitreise immer wieder ein Thema in diesem Genre. Allerdings ist in diesem Buch die Umsetzung der an sich vielversprechenden Idee alles andere als gelungen.

Das hauptsächliche Problem ist die Kürze des Buchs: Es hat gerade mal 143 Seiten, die dazu noch in sehr großer Schrift gesetzt sind. Das ist für Silvias Leben im Hier und Jetzt als Rahmenhandlung sowie für die Erlebnisse in ihren Rückführungen definitiv zu wenig Raum, um mehr als ein paar oberflächliche Betrachtungen anstellen zu können.

Viele Themen, wenig Aussage

Der erste Teil ist durchaus interessant, denn über die Externsteine bei Detmold und die damit verbundenen Mysterien und Riten liest man wenig in historischen Romanen. Doch wird hier viel Wissen auf wenige Seiten geballt präsentiert, so dass es sich teilweise wie ein Geschichtsbuch liest, ohne jedoch wirklich in die Tiefe zu gehen.

Der zweite Teil, der sich mit dem Kinderkreuzzug beschäftigt, ist düster, teilweise brutal und grausam, versteht es aber kaum, Zusammenhänge und Hintergründe zu transportieren. Der Wikipedia-Artikel zu dem Thema ist wesentlich erhellender.

Der dritte Teil um Michelangelo ist zumindest ganz amüsant zu lesen. Die Charakterisierung dieses begnadeten Künstlers in seiner Kinder- und Jugendzeit und seine Schwierigkeiten, sich als Bildhauer durchzusetzen, verstehen zu fesselnd, und die Entstehungsgeschichten einiger seiner bekannten Kunstwerke machen Spaß zu lesen. Doch auch hier kratzt die Autorin naturgegeben nur an der Oberfläche – immerhin hat sie nur fünfzig Seiten zur Verfügung.

Schöne Ausstattung, mangelhaftes Lektorat

Sprachlich kann dieses Werk auch nicht überzeugen. Einige Formulierungen muten sehr seltsam an, zum Beispiel erliegt Silvia anfangs einem Fieberanfall – gemeint ist damit aber nicht ihr Ableben, sondern schlicht die Tatsache, dass sie daran erkrankt ist. Es finden sich einige Kommafehler und Rechtschreibfehler, von denen zumindest einer wahrscheinlich auf die Autokorrektur zurückzuführen ist. So wird aus dem bekannten Mönch Fra Savonarola Frau Savanarola". Ein ausgesprochen peinlicher Fehler. An einer anderen Stelle findet sich in eckigen Klammern ein Einschub mit dem Hinweis, dass die Schreibweise eines germanischen Namens noch überprüft werden müsste. Ein Armutszeugnis für das Lektorat, besonders wenn man die Kürze des Buchs in Betracht zieht.

Mit der Ausstattung des Buchs hat sich der Verlag allerdings Mühe gegeben: Das Cover ist stimmungsvoll, am Anfang eines jeden Teils findet sich eine passende Abbildung, im ersten Teil gibt es sogar eine einfache Karte, eine Erklärung einiger germanischer Worte und im Text eine Abbildung von verschiedenen Runen und deren Bedeutung.

Die oben genannten Kritikpunkte verhindern hinreichend, dass Die drei Leben der Silvia Hirsch das Prädikat „lesenswert“ auch nur annähernd erhält. Das einzig uneingeschränkt positive an diesem Roman ist, dass er Lust darauf macht, sich mit den einzelnen Epochen näher zu beschäftigen – sei es in Roman- oder Sachbuchform. Auf jeden Fall aber umfassender und tiefergehender als es Rosenkranz-Gilles hier tut.

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