Das Erbe von Carreg Cottage von Constanze Wilken

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Das Erbe von Carreg Cottage“,, 480 Seiten.ISBN 3-442-48476-6.

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Kurzgefasst:

Die 35-jährige Lili Gray steht vor dem Nichts, als sie ihr Café in einem kleinen schottischen Küstenort schließen muss. Doch dann vermacht ihr ein Unbekannter ein altes Haus auf der Halbinsel Llyn in Nordwales. Die leicht verfallene Pilgerraststätte und der Garten an den Klippen ziehen Lili sofort in ihren Bann. Von dort blickt sie auf die Insel Bardsey, die eine unerklärliche Faszination auf sie ausübt. Aber Lilis Anwesenheit scheint jemanden zu stören, und die junge Frau ahnt nicht, wie sehr die Geschichte des Pilgerortes mit ihrer eigenen – und der des unbekannten Gönners verbunden ist ...

Das meint Histo-Couch.de: „Die Geister des 7. Jahrhunderts werden wach“88Treffer

Rezension von Rita Dell'Agnese

Lilian Gray ist am Ende. Sie musste ihr kleines Café schließen und verliert damit ihre Existenz. Da kommt ihr eine seltsame Erbschaft gerade recht: Sie soll ein Pilger-Cottage auf der Halbinsel Llyn in Wales übernehmen und es so betreiben, dass Pilger darin auch wirklich wieder unterkommen können. Das denkmalgeschützte Haus soll ihr jedoch nicht gehören – einzig das um das Cottage liegende Land ist ihr Eigentum. Mangels anderer Perspektiven geht Lilian Gray auf die Bedingungen ein, obwohl sie sich nicht so richtig willkommen fühlt. Immer wieder gibt es kleine Vorkommnisse, die sie verunsichern. Und da ist auch der sympathische Colleen, der Lilian auf der Suche nach der Vergangenheit des Cottage zur Hand geht. Je länger sie sich im Cottage aufhält, desto stärker hat Lilian das Gefühl, dass sie etwas Mystisches umgibt. Im 7. Jahrhundert lebte in der Hütte auf der Halbinsel Llyn die Druidin Lileas, nachdem sie als Einzige einem Massaker an ihrem Dorf entkommen konnte. Um den römisch-katholischen Priestern, die nach ihr suchen, zu entkommen, nimmt Lileas den Namen Meara an. Sie lebt zurückgezogen, bis zwei Mönche auf ihrem Weg zur Glaubensgemeinschaft auf der nahe gelegenen Insel den schwer verletzten Cadeyrn zu ihr bringen. Cadeyrn, Sohn eines Edelmannes, ist bei einem brutalen Kriegstreiber in Ungnade gefallen, nachdem er einen Unfall verursachte, bei dem der Sohn des Kriegstreibers ums Leben kam. Als einzige Alternative bleibt ihm das Leben in der Glaubensgemeinschaft. Meara schafft es, den Mönch vor dem Tod zu bewahren, muss dann aber erleben, dass er dem Kriegstreiber in die Hände fällt.

Ein ungewohntes Geschichts-Kapitel

Constanze Wilken mischt in ihrem Roman Das Erbe von Carreg Cottage zwei Haupt-Zeitebenen miteinander. Zum einen ist es die Jetzt-Zeit mit Lilian Gray, die auf der Suche nach sich selber ist. Zum anderen ist es das 7. Jahrhundert mit der Heilerin Lileas, die dem Roman die eigentliche Basis gibt. Constanze Wilken bestätigt hier ihren Ruf, den sie sich als Autorin von historischen Romanen längst erarbeitet hat. Spannend und informativ schlägt sie ein ungewohntes Kapitel der Geschichte auf und nimmt ihre Leser mit in eine Zeit, in der die römisch-katholischen Priester dem alten Glauben in Wales den Kampf ansagten. Geschickt flicht sie Lileas und ihre Heilkunst in die Geschichte ein, macht sie zur überzeugenden Botschafterin einer längst untergegangenen Kultur und verleiht dem Roman eine ganz besondere Note. Es gelingt der Autorin sehr gut, den Lesern die kulturellen und politischen Gegebenheiten des 7. Jahrhunderts näher zu bringen und den Konflikt darzustellen, in dem die Menschen jener Zeit lebten: Ihre Verbundenheit mit dem alten Glauben und der Wunsch, im neuen Glauben tatsächlich genügend Halt zu finden, um aus dem herrschenden Elend ausbrechen zu können. Sehr schön sind die Schilderungen der Lebensumstände von Fischern und Bauern, die immer wieder quasi beiläufig in die Geschichte eingebunden sind und einen tiefen Einblick in die damalige Kultur erlauben.

Die Verbindung der beiden Zeitebenen mag die eingefleischten Histo-Leserinnen und Leser weniger zu überzeugen. Das auch, weil Lilian und ihre Suche nach der Vergangenheit oft etwas oberflächlich wirkt und gegenüber der Welt, in der Lileas lebt, wenig Neues zu bieten hat. Allerdings bilden die beiden Erzählstränge eine ausgewogene Einheit, die für einige unterhaltsame Lese-Stunden sorgt. Selbst Freunde von klaren historischen Romanen kommen auf ihre Kosten.

Empathische Figuren

Dass die Autorin Constanze Wilken spannende Figuren zeichnet, hat sie nicht erst in diesem Roman bewiesen. Hier bestätigt sie die bisherigen Erfahrungen. Auch darin, dass es nicht die Hauptfiguren sein müssen, welche die stärkste Ausstrahlung haben. Wohl ist Lileas eine der starken Figuren im Roman, doch bleibt Lilian eher farb- und konturenlos. Sie wirkt immer wieder einzig als Mittel zum Zweck, um die Geschichte zu erzählen. Hier sind es eher die Nebenfiguren, die teilweise erstaunlich viel Tiefe haben und der Geschichte ein starkes Fundament verleihen. Das Zusammenspiel der Erbin und der alteingesessenen Menschen, die ihr nicht nur wohlgesonnen sind, bringt einige Spannung in die Gegenwarts-Geschichte.

Ihre Meinung zu »Constanze Wilken: Das Erbe von Carreg Cottage«

-LENA- zu »Constanze Wilken: Das Erbe von Carreg Cottage«26.04.2017
Das keltische Erbe in Wales reicht bis in die Gegenwart und dieser Roman verbindet beide Zeiten. Das Verbindungsglied sind die beiden Protagonistinnen Lilian und Lileas bzw. Merea. Was beide zu ihrer jeweiligen Zeit erleben mit Feinden und Freunden erfährt man im Verlaufe des Romans. Auch die Naturverbundenheit der beiden Frauen spielen eine besondere Rolle.
Es gibt die eine oder andere Wendung in der Geschichte, manches erahnt man. Beide Handlungsstränge haben spannende Momente, denn man möchte wissen wie sich alles auflöst.
Durch die bildhafte Beschreibung der Landschaft von Nordwales ist diese sehr gut vorstellbar. Manchmal hätte man sich eine Karte gewünscht.

Ein unterhaltsamer, flüssig zu lesenden Roman mit einigen Geheimnissen , der auch die Verfolgung des alten Glaubens durch christliche Eiferer beinhaltet.
Sagota zu »Constanze Wilken: Das Erbe von Carreg Cottage«22.03.2017
"Das Erbe von Carreg Cottage" von Constanze Wilken erschien als 4. Roman der "Wales-Reihe" als TB im Goldmann-Verlag, 2017.Das 'sagenhaft' schöne Cover verspricht nicht zu viel, sondern passt wundervoll zu diesem historischen Liebesroman, der dieses Mal auf der Halbinsel Lyn verortet ist: Mit Blick auf die Pilgerinsel Ynys Enlli - auf englisch Bardsey Island; einer Pilgerinsel mit einer langen Geschichte...

"Die 35-jährige Lili Gray steht vor dem Nichts, als sie ihr Café in einem kleinen schottischen Küstenort schließen muss. Doch dann vermacht ihr ein Unbekannter ein altes Haus auf der Halbinsel Lyn in Nordwales. Die leicht verfallene Pilgerraststätte und der Garten an den Klippen ziehen Lili sofort in ihren Bann. Von dort blickt sie auf die Insel Bardsey (Ynys Enlli), die eine unerklärliche Faszination auf sie ausübt. Aber Lilis Anwesenheit scheint jemanden zu stören. Und die junge Frau ahnt nicht, wie sehr die Geschichte des Pilgerortes mit ihrer eigenen - und der des unbekannten Gönners - verbunden ist."(Quelle: Buchrückentext)
Im Prolog des Romans geht es um eine schwangere, sehr unglückliche junge Frau, die sich in ein Kloster flüchtete und suizidgefährdet ist. Die Schwester hält sie jedoch davon ab und segnet sie....
Constanze Wilken verwebt sehr gekonnt und sprachgewaltig sowie dennoch höchst sensibel zwei Erzählstränge miteinander:

Nordwales, 614 n.Chr.:
Lileas, die Tochter des Druiden Ruan, hat "das zweite Gesicht", sieht dunkle Zeiten in ihren Visionen. Die Familie befindet sich bereits seit längerer Zeit auf der Flucht, da missionarische Priester den alten Glauben der Druiden verstoßen, Gefahr droht...
Cadeyrn, der Sohn eines Adligen, intelligent und der Sprachenkunde des Lateinischen sowie des Griechischen mächtig, muss vor Alpin fliehen, da König Edwin der Überzeugung ist, dass Cadeyrn für den Tod dessen Sohnes verantwortlich ist und ihn zur Rechenschaft ziehen will.
Lileas flieht als einzige Überlebende, als ihre Familie ermordet wird und Cadeyrn wird von seinem Vater in einem Kloster auf Ynys Enlli untergebracht, wo er fortan darauf hofft, die alten Schriften übersetzen zu können, wäre da nicht ein Neider...
Lileas, die sich nach der Flucht Meara nennt, ist heilkundig und als Cadeyrn schwer verletzt wird, treffen sich ihre Wege und Meara pflegt ihn mit dem Wissen der Druiden und der Heilkunst der Kräuter gesund - beide empfinden große Zuneigung füreinander, wohlwissend, dass der unterschiedliche Glaube sie trennt. Ob es ihnen gelingt, sie aufgrund ihrer starken Liebe füreinander zu überwinden?

Halbinsel Lyn, April 2016:
Lilian, die Hauptprotagonistin in der Gegenwart, erbt nach dem Verlust ihres kleinen Cafés in Schottland ein altes Cottage mit der Bedingung, dort für mindestens ein Jahr zu leben und es wieder instand zusetzen. Sie erhält Hilfe von Collen, der im "Zentrum für walisische Geschichte und Sprache" arbeitet und Historiker ist sowie von Marcus, der eine kleine Renovierungsfirma hat und sich als mehr als nur ein 'Allrounder' in Renovierungsaufträgen erweist - beide Männer helfen Lili, sich in dem ihr noch fremden Wales einzugewöhnen und einer von ihnen verliebt sich unsterblich in sie...
Lili spürt, dass Carreg Cottage der Ort ist, wo sie hingehört und entdeckt einen Stein, der ihr Interesse weckt: Durch Visionen, die sie hat, tritt sie kurzweilig in Verbindung mit der Vergangenheit - in längst vergangene Zeiten...
Mit Marcus und seinem Gehilfen Jo gelingt es ihr immer mehr, das Cottage in den Zustand zu versetzen, der ihr vorschwebt: Auch den Garten sieht sie bereits in ihrer Phantasie ausgestaltet und freut sich über jede Weiterentwicklung. Wären da nur nicht die seltsamen Vorkommnisse, die ihr das Leben erschweren - und sie nicht weiß, wem sie trauen kann....

Constanze Wilken hat diese teils historische, teils in der Gegenwart spielende Geschichte sehr gekonnt und voller Spannung aufgebaut: Als Leser macht man eine Zeitreise und taucht immer wieder in der Jetzt-Zeit im Cottage auf, was ich sehr genossen habe! Die Protagonisten sind sehr facettenreich und sympathisch, allen voran Meara und Cadeyrn, Lilian und Collen, Marcus - besonders gut gelingt es der Autorin, auch die Nebenfiguren sehr ausdrucksstark und nah zu zeichnen; auch sie sind in jedem Roman sehr wichtig. Zum Ende des Romans nimmt die Spannung zu und auf beiden Zeitebenen erlebt der Leser eine Dramatik, die es schwermacht, das Buch beiseite zu legen.

Besonders angenehm empfand ich die historischen Begebenheiten und Beschreibungen, die hier gut recherchiert über das Keltentum, die Druiden und ihren Glauben informieren: Erklärungen zur Mystik der Kelten, deren Symbole (unendliche Knoten z.B.), die Bedeutung, die die Natur hat; die Sonne, die Sterne, die Bedeutung des Mondes und natürlich der Heilkraft der Pflanzen, die die Erde uns schenkt.

Beide Erzählstränge bewegen sich aufeinander zu, bis sie sich treffen und miteinander verwoben, dem Leser sehr glückliche und spannende wie auch informative Lesestunden schenken; im Epilog wird dann so manches Rätsel gelöst und der mystische keltische Knoten erscheint in aller Deutlichkeit vor dem geistigen Auge: Ein Roman, der alles in sich trägt, um zeitweise in eine andere Welt, der Welt der Kelten, abzutauchen und mit einer zarten Liebesgeschichte verbunden ist.

Ein beeindruckendes Nachwort der Autorin, die gerne mehr Informationen über ihre HP über Wales gibt (oder auch mein-wales.de) lässt erkennen, dass Constanze Wilken in all ihren Wales-Romanen ihre Leidenschaft und ihre Liebe zu "Cymru" - der Landschaft, der Schönheit, der Poesie, der Sprache und Geschichte wie auch der Menschen von Wales wiederspiegelt - Romane, die man nicht so schnell vergisst!

Ich bedanke mich ganz herzlich für eine wundervoll begleitete Leserunde und für viele schöne Lesestunden in Wales! Mit einer absoluten Leseempfehlung und 5 Sternen freue ich mich bereits jetzt auf die Fortsetzung dieses Romans!
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