Die Mutter des Satans von Claudia Beinert

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Die Mutter des Satans“,, 448 Seiten.ISBN 3-426-65383-4.

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Kurzgefasst:

In Zeiten von Pest, Aberglaube und Ablass: 1480 wird die junge Margarethe mit dem gleichaltrigen Hans Luder vermählt. Trotz der zunächst trostlosen Aussicht eines Lebens an der Seite eines Bergmannes ist die Ratsherrentochter 1483 über die Geburt ihres ersten Sohnes Martin sehr glücklich. Als Martin Luther sich Jahre später gegen den Willen des Vaters für ein Leben als Mönch entscheidet, ist Margarethe hin- und hergerissen zwischen Ehegehorsam und Mutterliebe. In den gefährlichen Jahren der beginnenden Reformation wagt sie einen gefährlichen Balanceakt und trifft den mittlerweile berühmt-berüchtigten Sohn sogar heimlich. Erst ihre bedingungslose Zuneigung und Liebe zu Martin – von Geburt an – machten aus Martin Luther den mutigen, unerschütterlichen Reformator, der uns bis heute überliefert ist. 

Das meint Histo-Couch.de: „Der Blick der Mutter auf den berühmten Sohn“80

Rezension von Yvonne Schulze

Es ist ein ziemlich reißerischer Titel, der dem Leser vom Cover dieses Buches entgegenspringt, doch die Frau, die von einigen ihrer Zeitgenossen als eben jene „Mutter des Satans“ betitelt wurde, ist keine geringere als Margarethe Luder, die Mutter des Reformators Martin Luther. Während im Reformationsjahr 2017 Martin Luther in aller Munde ist, widmen sich die Beinert-Geschwister in ihrem neuen Roman der Mutter des Reformators. Wer war diese Frau und welchen Einfluss hatte sie auf die Entwicklung und den Werdegang Martin Luthers? Wie sah die Kindheit des großen Reformators aus? Die Autorinnen lassen Margarethe diese Fragen selbst beantworten. Da wir heute verständlicherweise nicht mehr nachvollziehen können, wie Margarethe gedacht hat, sind diese Erinnerungen fiktiver Natur. Doch das heißt nun nicht zwangsläufig, dass in diesem Roman alles erfunden ist. Die Autorinnen lassen viele Erkenntnisse, die sie bei ihren Recherchen gewonnen haben, in die Handlung mit einfließen.

Die Luders und ihre Zeit

Der Roman beginnt im Jahr 1483 mit der beschwerlichen Reise des Ehepaares Luder nach Eisleben. Margarethe, die als Ratsherrentochter unter ihrem Stand geheiratet hat, ist hochschwanger. Doch Hans Luder ist ein strebsamer Mann, der eine Karriere als Hüttenmeister im Kupferbergbau anstrebt. Kaum in Eisleben angekommen, bringt Margarethe unter höchst dramatischen Umständen ihren Sohn Martin zur Welt, bevor die Handlung dann in das Jahr 1527 springt und der Leser sich im Atelier des Malers Lucas Cranach wiederfindet, der im Auftrag seines Freundes Martin Luther dessen Eltern porträtieren soll, eben jenes Porträt Margarethes, das auch das Cover dieses Buches ziert. Die Romanhandlung spielt also auf zwei Zeitebenen. Cranachs künstlerisch-analytischer Blick auf Margarethe gibt der Geschichte nicht nur eine andere Perspektive, sondern ist auch die Sicht eines Zeitgenossen auf die Mutter des Reformators. Kunsthistorische Elemente und Details aus Cranachs Familienleben sowie sein Wirken als Maler finden neben den Erzählungen Margarethes Einzug in die Geschichte. In diesen Erzählungen erfährt der Leser viel über das gesellschaftliche Leben jener Zeit, sei es das Familienleben der Luders, die strenge Erziehung der Kinder und die untergeordnete und ihrem Ehemann absoluten Gehorsam schuldende Rolle der Ehefrau. Kriege, Hexenverfolgung und Pestepidemien sind ein wichtiger Bestandteil der Geschichte, wie auch das schwere Los der Bauern und das Bergwesen jener Zeit. Das Bild Margarethes, das die Autorinnen vor den Augen des Lesers entstehen lassen, ist das einer liebevollen Mutter und gehorsamen, gottesfürchtigen Ehefrau. Die für diese Zeit typische Gottesfürchtigkeit und Religiosität ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Die starke Hinwendung zum Glauben nimmt zuweilen Ausmaße an, über die man heute nur noch staunend den Kopf schütteln kann. Der Aberglaube, der Ablasshandel, die Macht der Kirche, die ständig mit dem strafenden Gott droht und die Menschen so unter ihre Knute zwingt, also all jene Umstände, die letztendlich zur Reformation geführt haben, werden hier ganz besonders deutlich.

Unausgewogene Handlungsabläufe mit einigen Längen  

Martin Luthers Kindheit und sein Weg zum Glauben werden hauptsächlich aus Sicht seiner Mutter erzählt. Margarethe strahlt eine stille Würde aus und dementsprechend angepasst ist auch der Sprachstil dieses Romans. Die Autorinnen erzählen sehr ruhig, manchmal behäbig und belehrend, womit gerade die Leser, denen eine Handlung nicht dramatisch und abenteuerlich genug sein kann, sicher ihre Schwierigkeiten haben werden. Der Nachteil dieser zurückgenommenen Erzählweise ist, dass hier wenig Spannung aufkommt. Auch verlieren sich die Autorinnen gerne einmal in detailfreudigen Beschreibungen von Nebensächlichkeiten. Als Beispiel sei hier nur das Hüttenwesen jener Zeit genannt, das sicherlich erwähnenswert ist, weil es den Lebensunterhalt der Luders begründet, das von den Autorinnen aber viel zu detailliert und lehrbuchhaft beschrieben wird, wobei die Autorinnen hier Margarethe über das Bergwesen referieren lassen, was wenig glaubwürdig wirkt. Die Ratsherrentochter Margarethe mag zwar eine gewisse Bildung genossen haben, diese wird aber eher auf ihre zukünftige Rolle als Ehefrau und Mutter ausgerichtet gewesen sein und ganz sicher kein Fachwissen über das Bergwesen beinhaltet haben. Auf der anderen Seite wird dann aber die Zeit, als Martin gegen die katholische Kirche und den Papst zu Felde zieht und als Ketzer verfolgt wird und die zwangsläufig auch für seine Angehörigen eine sehr schwere und gefährliche Zeit gewesen sein muss, sehr oberflächlich abgehandelt. Dabei ist doch gerade dieses Thema besonders interessant und es ist schade, dass die Konsequenzen von Luthers Glaubensfeldzug für das Leben seiner Angehörigen hier so wenig Beachtung finden.

Die Mutter des Satans ist ein interessanter Roman, der eine etwas andere Sicht auf den großen Reformator wirft. Dass dabei so manches der Fantasie der Autorinnen entsprungen ist, kann dahingestellt bleiben, denn die Umsetzung des Themas ist im Großen und Ganzen gelungen und hätte sich auch so abgespielt haben können. Abgerundet wird der Roman durch ein ausführliches Nachwort, ein Personenverzeichnis und ein Glossar, des Weiteren sind die Texte der Fabeln, die in diesem Roman eine Rolle spielen, im Anhang zu finden und der einzige überlieferte Brief Martin Luthers an seine Mutter ist dem Roman als Prolog vorangestellt.  

Ihre Meinung zu »Claudia Beinert: Die Mutter des Satans«

PMelittaM zu »Claudia Beinert: Die Mutter des Satans«10.02.2017
Im Lutherjahr, 2017 jährt sich Luthers Thesenanschlag zum 500. Mal, wird der Buchmarkt sicher mit einigen Büchern zur Reformation und zum Reformator überschwemmt werden. Nadja und Claudia Beinert wählten einen sehr interessanten Zugang zu Martin Luther, sie versuchen ihn von Geburt an über sein Elternhaus, vor allem über seine Mutter, Margarethe Luder, und in Romanform erfahrbar zu machen.

Die Autorinnen lassen Margarethe selbst erzählen, beginnend mit dem Tag der Geburt Martins, allerdings rückblickend und damit eher als allwissenden Erzähler, aber immer noch basierend auf den Emotionen und Gedanken einer Frau jener Zeit. Margarethe stammte aus guten Verhältnissen und machte durch ihre Heirat mit dem Sohn einer, wenn auch wohlhabenden, Bauernfamilie, einen gesellschaftlichen Abstieg. Dass sie überhaupt mit Hans Luder verheiratet wurde, lag aber wohl daran, dass ihr Vater Hans Einiges zutraute, und Hans Luder hat in seinem Leben tatsächlich eine Menge erreicht. Margarethe ist ein Kind ihrer Zeit, was Glauben und Aberglauben anging, aber auch das Unterordnen zunächst dem Vater, später dem Ehemann gegenüber. Trotzdem hatte sie natürlich auch eigene Bedürfnisse, die sie aber größtenteils zurückstecken musste. Die Autorinnen charakterisieren Margarethe als liebevolle Mutter, aber auch hier den Gepflogenheiten ihrer Zeit angepasst. Ihre Liebe zu ihren Kindern wird aber immer wieder greifbar.

Neben Margarethes Erzählstrang gibt es einen weiteren, der einige Jahrzehnte später einsetzt, Martin hat sich als Kirchenreformer bereits etabliert. Hier ist Lucas Cranach der Ältere Mittelpunkt, erzählt wird aus seiner Sicht, jedoch in der dritten Person. Der Maler war ein guter Freund Martins und ist als Reformationsmaler berühmt geworden. Er hat nicht nur Bilder von Martin, sondern auch Porträts seiner Eltern gemalt, von seinen Sitzungen mit Margarethe erzählt dieser Teil des Romans, wir erfahren Martins Mutter mit Cranachs Augen und erleben mit, wie sie auch sein Denken beeinflusst. Dass das so entstandene Porträt Margarethe Luders, zumindest beim HC, das Cover ziert, ist eines der I-Tüpfelchen, die den Roman zu etwas Besonderem machen, Cover und Roman ( und das einleitende Zitat von Leon Battista Alberti) greifen ineinander – wahrlich perfekt.

Lucas' Erzählstrang unterbricht Margarethes relativ selten, ein-, höchstens zweimal in jedem der fünf Teile, in die der Roman gegliedert ist, und immer gut zu Margarethes Gedankengängen passend. Mir hat gut gefallen, dass man als Leser Margarethe damit nicht nur als (junge) Mutter, Ehefrau und Mittelpunkt ihrer Familie erleben konnte, sondern auch als alte Frau, von außen gesehen. Mir hat das Porträt auch geholfen, mir Margarethe als Person vorzustellen. Man sieht, wie sie das Leben geprägt hat, man sieht aber auch eine starke Persönlichkeit.

Der Ansatz, Martin Luther durch seine Mutter zu erfahren, gefällt mir sehr gut, zumal Margarethes Leben interessant ist und dem Leser zusätzlich einen Blick in das Leben der Menschen der damaligen Zeit bietet. Darüberhinaus erfährt man viel über Luthers Heimatstadt Mansfeld, die vom Erzabbau lebte, Martins Vater war Hüttenmeister. Den Beinert-Schwestern gelingt es sehr gut, auch diesen Aspekt anschaulich darzustellen, man kann Mansfeld und die allgegenwärtigen Ascheflocken regelrecht vor sich sehen.

Wer meine Rezensionen verfolgt, weiß, dass ich mit dem Debüt der Schwestern nicht sehr glücklich war, mittlerweile bin ich froh, dass ich ihnen trotzdem noch eine Chance gab. Mir scheint, die beiden Autorinnen werden mit jedem Roman besser, „Die Mutter des Satans“ ist in meinen Augen ein wahres Lesehighlight, das mich Martin Luther und seiner Familie näher bringt, nebenbei die Gründe für seine Kirchenkritik greifbar macht, Negatives nicht ausblendet, und mich vor allem auch mit dem gesellschaftlichen und religiösen Hintergrund jener Zeit konfrontiert. Zu Fakten und Fiktionen und zu weiteren Hintergründen gibt es ein sehr gutes und ausführliches Nachwort, das man unbedingt lesen sollte. Ein Überblick über die Charaktere, mit Kenntlichmachung historischer Persönlichkeiten, findet sich direkt zu Beginn. Daneben gibt es ein Glossar, drei Fabeln, Fabeln spielen im Roman und in Luthers Leben eine Rolle, sowie einen Brief Luthers an seine Mutter.

Ich bin begeistert und vergebe gerne volle Punktzahl und eine Leseempfehlung. Wer sich für Martin Luther und die Reformation interessiert, bekommt hier einen etwas anderen Zugang, und wer gerne gut recherchierte historische Romane liest, sollte unbedingt zugreifen. Mich hat der Roman auch nach dem ich ihn zu Ende gelesen hatte, noch weiter beschäftigt und zudem angeregt, mich ein bisschen mehr über seine Hintergründe zu informieren.
Mohnblume zu »Claudia Beinert: Die Mutter des Satans«10.02.2017
Eine Starke Frau und Liebende Mutter
von Arietta

Inhaltsangabe



Ein historischer Roman von den Zwillingen Claudia und Nadja Beinert über Margarethe Luther und wie sie ihren Sohn, den Reformator Martin Luther, prägte. In Zeiten von Pest, Aberglaube und Ablass: 1480 wird die junge Margarethe mit dem gleichaltrigen Hans Luder vermählt. Trotz der zunächst trostlosen Aussicht eines Lebens an der Seite eines Bergmannes ist die Ratsherrentochter 1483 über die Geburt ihres ersten Sohnes Martin sehr glücklich. Als Martin Luther sich Jahre später gegen den Willen des Vaters für ein Leben als Mönch entscheidet, ist Margarethe hin- und hergerissen zwischen Ehegehorsam und Mutterliebe. In den gefährlichen Jahren der beginnenden Reformation wagt sie einen gefährlichen Balanceakt und trifft den mittlerweile berühmt-berüchtigten Sohn sogar heimlich. Erst ihre bedingungslose Zuneigung und Liebe zu Martin – von Geburt an – machten aus Martin Luther den mutigen, unerschütterlichen Reformator, der uns bis heute überliefert ist.


Meine Meinung zum Inhalt:

Sehr schön haben die beiden Autorinnen, die Lebensgeschichte von Margarethe Luther erzählt. Endlich lernt man die Frau und Mutter kennen und gewinnt tiefe Eindrücke in deren Leben und wirken. Man kann sagen hinter jedem berühmten Mann , steckt eine Frau, sie sind es die den Männern den Rückhalt geben. Margarete war eine sehr starke Frau, die viele Schicksalsschläge meisterte. Sie hatte sehr viel Rückgrat und lies sich so schnell nicht ermutigen. Das Leben damals war sehr hart, die Ehe am Anfang alles andere als Glücklich. Der Ort Mansfeld mit dem sie mit ihrem Mann Hans trostlos,die Luft voller Asche. Hans empfand ich sehr streng und hart, er konnte seine Gefühle nicht zeigen. Ihr erstgeborenes Kind Martin, ist Margarethes Sonnenschein und halt, sie überschüttet ihn mit Liebe, ihre Liebe ist schon Abgöttisch , diese Liebe ist es die den späteren Professor und Reformator Martin Luther prägten und formten und ihn zu diesem Menschen werden ließen .Zwischen den beiden besteht ein sehr enges und zärtliches Band.

Diesen Satz von Martin Luther ist das Beispiel dafür. Seite 345

„Deine Liebe,deine Hoffnung und deine Zärtlichkeit haben mich den gnädigen, sanftmütigen Gott überhaupt erst finden lassen.“

Margarethe , bekam nach Martin noch einen Sohn und vier Töchter, sie liebte jedes ihrer Kinder. Martin war es der immer wieder Sorgen bereitete, er studierte er Jura, schmieß sein Studium und wurde Mönch. Lehnte sich später gegen die Kirche und den Papst auf, wetterte gegen den Ablasshandel . Der Vater brach darauf hin mit seinem Sohn. Aber Margarthe hält heimlich Kontakt zu ihm, sie sitzt zwischen zwei Stühlen, aber irgendwie schafft sie diesen Balance Akt, sie möchte keinen der beiden verlieren. Die Familie wird angefeindet, dann bricht auch noch die Pest aus, die Bauernkriege und an allem ist Martin schuld.Er bringt sich und seine Familie in Gefahr. Der Aberglaube war sehr groß damals. Zu Margarthe sagte man sie sei die Mutter des Satans. Wie weh muss das getan haben. Dabei wollte Martin nur das beste für die Menschen, was er ja auch am Ende schaffte. Uns den wahren gütigen Gott zeigen. Auch übersetzte er uns die Bibel ins Deutsche, das ein jeder sie lesen konnte.


Meine Meinung zu den Autorinnen:

Sie haben einen wirklich wunderschönen und großartigen Roman geschaffen, in dem sie Margarete Luther ein Denkmal setzen. Ohne sie gebe es Martin Luther nicht, sie hat ihn geformt. Die große Liebe zu Martin und den Gehorsam und Achtung zu ihrem Mann haben sie bewunderswert geschildert. Die Größe, Stärke und Güte dieser Frau war spürbar. Sehr schön fand ich auch die Sitzungen beim Maler Lucas Cranach, sie waren so einfühlsam und Bildhaft geschildert, auch etwas vertautes konnte man zwischen den beiden Spüren, als könnten sie Gedanken lesen. Überhaupt ist die damalige Zeit sehr gut geschildert, ob der Aberglaube, die Hexenverfolgung, die schreckliche Pestwelle und die Bauernkriege. Das harte Leben der Bevölkerung, diese dunkle und düstere Zeit damals. Der Stand der Frauen, sie hatte ihrem Manne Gehorsam zu sein und sich zu fügen. Der Umbruch der Kirche durch Martin Luther audgelöst. Das alles ist so lebendig und real geschildert. Sehr gut sind belegte Historische Ereignise mit etwas Fiktion gemischt. Den Schreibstil fand ich sehr spannend, informtiv und Bildhaft. Mich hat der Roman sehr gefesselt und ich danke den beiden Autorinnen für diesem Facettenreichen Roman.


" Ein Facettenreicher und Einfühlsamer Roman über Margarethe Luhter und ihrem berühmten Sohn den Refomator Martin Luther "
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