Der Apotheker von Clare Clark

Buchvorstellung und Rezension

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Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel „The Nature of Monsters“, deutsche Ausgabe erstmals 2007 , 432 Seiten. ISBN 3-455-40057-4. Übersetzung ins Deutsche von Rita Seuß.

Kurzgefasst:

London, 1718. Als die unverheiratete, schwangere Eliza die Stadt erreicht, ist sie verzweifelt. Sie setzt alle Hoffnung auf Apotheker Black, der sie großmütig in seinen Dienst nimmt. Doch Black betreibt unheimliche Studien. Was geht in dem Haus vor sich, und welche Rolle soll Eliza dabei spielen?

Eliza lebt mit ihrer Mutter, einer Kräuterheilerin, auf einem Dorf im ländlichen England. Dort würde ihre Schwangerschaft sofort einen Skandal heraufbeschwören. Deshalb wird sie von ihrer Mutter nach London geschickt, wo ein Apotheker namens Black sie als Hausmädchen aufnimmt. Eliza erhofft sich von Black eine Lösung für ihr »kleines Problem«. Sie ahnt nicht, dass der geheimnisvolle, stets mit einem Schleier verhüllte Hausherr ganz andere Pläne mit ihr hat. Eliza kommt ihm sehr gelegen für seine Experimente, die ihm, so hofft er, endlich Anerkennung als Wissenschaftler verschaffen. Als Eliza schließlich erkennt, welches Geheimnis der Apotheker wirklich hütet, ist es für sie schon fast zu spät.

Das meint Histo-Couch.de: „;Viele Schwächen können die gute Grundidee nicht retten“;

von Jörg Kijanski

Als der Sohn des reichen Kaufmannes Campling auf die 16jährige Eliza aufmerksam wird, sieht deren Mutter die Chance gekommen, ihre Tochter in eine reiche Partie zu verkuppeln. Nachdem es zu einer denkwürdigen Hochzeitszeremonie kommt, wird Eliza nach kurzer Zeit schwanger, doch die vermeintliche Ehe wird von Campling nicht anerkannt, da Eliza aus zu niedrigen Verhältnissen stammt. Um für alle Beteiligten eine einvernehmliche Lösung zu finden, soll Eliza ihren Heimatort verlassen und wird nach London geschickt, um dort für ein Jahr bei dem Apotheker Grayson Black zu wohnen. In der Annahme, dass dieser ihrer Schwangerschaft ein Ende bereiten wird und Eliza somit „;ehrenhaft“ zurückkehren kann, macht sich diese auf die Reise in die große, ihr unbekannte Stadt.

In London angekommen erlebt Eliza eine böse Überraschung. Der Haushalt wird von der tyrannischen Mrs. Black geführt, die Haushaltsgehilfin Mary ist eine geistig zurückgebliebene Frau und der Apothekengehilfe Edgar ist unberechenbar. Mr. Black selbst bleibt zunächst im Verborgenen, da er mit der Erstellung seiner wissenschaftlichen Studie über die „;Einbildungskraft von Müttern“ beschäftigt ist. Viel zu spät erkennt Eliza, dass Mr. Black, in seinem Bestreben endlich als Wissenschaftler in der Royal Society anerkannt zu werden, alles andere als einen Schwangerschaftsabbruch im Sinn hat …

Start wie bei einem Groschenroman

Ein schwangeres Mädchen gerät in die Hände eines verrückten Wissenschaftlers, der mit Hilfe von Untersuchungen an Schwangeren und später deren Neugeborenen seine abstrusen Thesen beweisen will. So lässt sich der Inhalt in wenigen Worten zusammen fassen und macht zunächst einmal neugierig. Doch schon nach wenigen Seiten stellt sich die Frage, ob man diesen Roman nicht besser gleich wieder in das Regal zurückstellen soll. „;Im staubig dämmrigen Licht des oberen Zimmers lehnte ich mich atemlos an die Wand, hob die Röcke und presste meine Hand auf die zarte Moschusblüte. Sofort teilten sich die Lippen, der schwellende Mund saugte gierig an meinen Fingern und umschloss sie mit kräftiger Inbrunst.“ „;Das Verlangen berauschte mich...“, „;Die unbändige Begierde...“ usw., usw. …

So viel zu den ersten Seiten dieses Romans, die an einen billigen Schundroman erinnern. Doch dann nimmt die Geschichte tatsächlich ihren Lauf, wenngleich mit einer quälend langsamen Geschwindigkeit. Fast 200 Seiten benötigt die Autorin damit Eliza ihr Kind endlich zur Welt bringen kann, nur um. …

Bis dahin wird überwiegend der Haushaltsalltag beschrieben, der geprägt ist vom strengen Regiment der Mrs. Black. Das Nachtlager muss sich Eliza mit der „;Idiotin“ (Mary) teilen, was mitunter zu Schwierigkeiten führt. Dazwischen gelegentliche Befragungen von Mr. Black, deren Sinn sich Eliza nicht erschließen will, womit sie das Schicksal des Lesers/der Leserin weitgehend teilt. Dann heißt es wieder seitenlang ab an die (Haus-)Arbeit.

Wo ist das London des 18. Jahrhunderts geblieben?

Das Haus verlassen darf Eliza zunächst nur bis zur Wasserpumpe am Ende der Gasse und zum sonntäglichen Gottesdienst. Sehr praktisch, denn somit erspart sich die Autorin die Mühe, etwas Historie in den Plot zu legen. Immerhin spielt die Handlung im ersten Quartal des 18. Jahrhunderts und da hätte man doch gerne einiges über das „;historische London“ erfahren. So aber bleibt man im Haus des Apothekers und begnügt sich weitgehend mit der Beschreibung, dass London groß, laut und vor allem dreckig ist. Für derartig simple „;Erkenntnisse“ hätte man allerdings nicht großartig recherchieren müssen, wenngleich die Autorin auf eben diese „;Recherchen“ (?) in ihrem Nachwort hinweist. Doch selbst vereinzelt eingestreute Straßen- und Stadtteilnamen in der Story vermögen den Leser diesbezüglich nicht zu täuschen

Neben fehlender Historie und Spannung sind auch die Charaktere äußerst schwach

Ein „;grauenhafter“ Beginn, ein mäßiger Spannungsbogen, kaum historischer Bezug und die geheimnisvolle Arbeit des Apothekers bleibt ebenfalls weitestgehend im Dunkeln. Am Ende eines jeden Kapitels finden sich zwar dessen „;wissenschaftliche“ Notizen, Tagebucheinträge oder (die Handlung erklärender) Schriftverkehr, doch viel mehr erfährt man nicht. Dabei wird die Figur des Apothekers, der durch den zunehmenden Gebrauch von Opium der Welt immer mehr entrückt, noch mit am „;glaubhaftesten“ dargestellt. Alle Figuren sind blass und ihr Handeln wenig bis gar nicht nachvollziehbar; vielleicht noch mit Ausnahme der „;Idiotin“ (ein Wort, welches unzählige Male Verwendung findet). Eliza wird oftmals recht einfältig dargestellt und träumt lange Zeit davon ihrer „;Gefangenschaft“ zu entfliehen, ohne dies jedoch zu tun. Dann hat sie plötzlich immer mal wieder kurze „;Anwandlungen“ (über deren Ursprung man nur spekulieren kann), die sie zu einer „;Heldin“ mutieren lassen, die tatsächlich denken kann. Sympathisch wird sie durch derlei Schwankungen in ihrem Verhalten nicht und über die Gespräche zwischen dem Buchhändler Honfleur und seiner Tochter Henriette möchte ich mich an dieser Stelle erst gar nicht weiter auslassen.

Das Ende des Buches ist vorhersehbar, wenngleich Clare Clark hier immerhin noch mit einer kleinen, aber gelungenen Überraschung aufwartet. Diese kann jedoch nicht von einem insgesamt enttäuschenden Plot mit zahlreichen Schwächen ablenken.

Ihre Meinung zu »Clare Clark: Der Apotheker«

diwi zu »Clare Clark: Der Apotheker« 11.12.2009
Nach einem echt starken Erstlingswerk "Der Vermesser" war es einfach wiederum berauschend in die Unterwelt Londons mit dieser Autorin abzutauchen. Ich verstehe die Kritik von Jörg Kijanski zwar teilweise,vorab wenn man gute Werke dieser Epoche schon kennt wie diejenigen von Dickens ua. Trotzdem wer schreibt heutzutage schon nur noch annähernd so gut wie Clarke? Geben sie mir ein paar bessere Titel und Autoren dieser Themen!! Wäre ja toll noch mehr davon lesen zu dürfen. Der Apotheker bleibt für mich auf alle Fälle eines dieser Bücher in diesem Jahr wo ich in einem Guss lesen konnte,voller Begeisterung ob all dieser Gerüche und Blickwinkel dunkler Ecken und Gestalten.
Julchen2 zu »Clare Clark: Der Apotheker« 11.10.2009
Habe das Buch jetzt auch gelesen und kann mich nur meiner Vorrednerin anschließen. Ich bin fasziniert von dem Buch. Es gehört zu den wenigen Büchern, die mich auch einige Zeit nach dem Lesen noch gefangenhalten. Selten schafft es ein Buch, mich so sehr in die damalige Zeit abtauchen zu lassen. Wie inge schon schreibt: Mir hängt immer noch der faulig-rußige Gestank in der Nase. Ich hoffe, daß es bald noch mehr Bücher von der Autorin geben wird!!!!
inge zu »Clare Clark: Der Apotheker« 06.08.2009
Die beiden vorherigen Kritiken kann ich nicht verstehen, dieses Buch ist einfach nur genial.
Achim hatte sein Urteil schon nach den ersten Seiten gefällt,
Alexandra hat bis zum Schluß die seelische Misere von Eliza nicht begriffen.
Beim Lesen des Buches und auch jetzt, 4 Tage nach Beendung, befinde ich mich immer noch im Bann des Buches.
Mir hängt immer noch der faulig-rußige Gestank in der Nase und mich jucken immer noch die Flohbisse, die Eliza für mich erlitten hat
Alexandra zu »Clare Clark: Der Apotheker« 12.04.2009
Nachdem ich "Der Vermesser" gelesen hatte, war ich auf den "Apotheker" sehr gespannt. Aber viele Ungereimtheiten trüben das Lesevergnügen. Zum Beispiel ist Eliza die Tochter einer Hebamme, vermag aber (als Mary ihr Kind bekommt) nicht einmal einen normalen Säugling zu erkennen, der bleibt "die Kreatur", ist in ihren Augen mißgestaltet.
Positiv: die Schilderungen des Alltags, wenn auch recht einseitig. Man ist froh, nicht in dieser Zeit leben zu müssen.
achim zu »Clare Clark: Der Apotheker« 23.02.2008
Der Vermesser von Clare Clark war allererste Sahne. Ein Buch aus einem Guß. Was für ein Erstlingswerk. Der Gestank der Fäkalien löste sich aus allen gedruckten Buchstaben des Buches, so dass man versucht war, sich dauernd die Hände waschen zu wollen. Die Krimi-Komponente war ungemein geschickt in diesen historischen Roman eingeflochten. Entsprechend hoch sind jetzt natürlich die Erwartungen an ihren Folgeroman.

Die Geschichte spielt zu Anfang des 18.Jahrhunderts in London. Die Sprache des Romans soll diese Zeit ausdrücken. Das klingt alles so gespreizt, wie die Beine einer Dirne, oder wie zu Zeiten Balzacs, der ganze Liebes- und Erosschmalz inbegriffen.

Ein Zitat (Hauptperson):

"Im staubig dämmrigen Licht des oberen Zimmers lehnte ich mich atemlos an die Wand, hob die Röcke und presste meine Hand auf die zarte Moschusblüte. Sofort teilten sich die Lippen, der schwellende Mund saugte gierig an meinen Fingern und umschloss sie mit kräftiger Inbrunst."

Dann doch lieber die "tolldreisten Geschichten" von Balzac.

Nach den ersten hundert Seiten des Romans lässt mich nur die Erinnerung vom ersten Band weiter lesen.

In der Hoffnung, der Roman möge sich etwas weg von "Angelique" und mehr hin zu "Hannibal Lector" orientieren, habe ich dann den Roman zu Ende gelesen. Leider blieb es eine unerfüllte Hoffnung.

Als Schnulze im historischen Gewande durchaus tauglich, war das Ende aber dermaßen herzschleimig, dass meine Finger am Einband des Romans so abrutschten, dass ich mir zwei Knöchel dabei brach.

Mein Fazit:

Angeblich hat Frau Clark ja stark recheriert für ihren Roman, inhaltlich kam das dann aber doch nur sehr oberflächlich zum tragen.
Der Roman ist definitiv nicht für Bartträger geeignet und auch nur bedingt tauglich für die andere Hälfte der Bevölkerung.

Lauwarm bis höchstens 40°

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