Die geliehene Schuld von Claire Winter

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2018unter dem Titel „Die geliehene Schuld“,, 576 Seiten.ISBN 3-453-29194-8.

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Kurzgefasst:

Berlin, Sommer 1949: Die Redakteurin Vera Lessing hat während des Zweiten Weltkrieges ihre Eltern und ihren Mann verloren. Sie will vor allem eines die traumatischen Erlebnisse für immer hinter sich lassen. Doch als ihr Jugendfreund und Kollege Jonathan auf mysteriöse Weise ums Leben kommt, wird sie unweigerlich in seine Arbeit hineingezogen. Jonathan hat Recherchen über ehemalige Kriegsverbrecher betrieben. Gleichzeitig stand er im persönlichen Kontakt mit einer jungen Frau namens Marie Weißenburg, eine Sekretärin im Stab Konrad Adenauers. Vera geht den Spuren nach, die sie bis in die mächtigen Kreise der Geheimdienste führen.

Das meint Histo-Couch.de: „Wenn plötzlich nichts mehr ist, wie es schien“85Treffer

Rezension von Rita Dell'Agnese

Vera Lessing arbeitet in der Redaktion des „Echo“ in Berlin für den Kulturteil. Obwohl der Zweite Weltkrieg schon vier Jahre vorüber ist, wirken die schrecklichen Kriegsjahre noch nach. Auch, weil Vera im Krieg nicht nur ihre Eltern, sondern auch ihren Ehemann verloren hat. Halt gibt ihr unter anderem ihr Jugendfreund Jonathan, der wie sie beim „Echo“ arbeitet. Als Jonathan von einer Recherchereise nicht mehr zurückkehrt, ahnt Vera sofort, dass sein Tod nicht einfach nur ein tragischer Unfall mit Fahrerflucht war. Bestärkt wird sie in ihrem Gefühl durch einen Packen Unterlagen, den Jonathan nur wenige Augenblicke vor seinem Tod per Post an sie schickte. Ohne jemanden einzuweihen, beginnt Vera zu recherchieren. Sie greift dabei auf die Hinweise zurück, die sie von Jonathan erhalten hat. Zudem nimmt Vera Kontakt zu einer jungen Frau auf, die für Jonathan zunehmend wichtig geworden war: Marie Weissenburg arbeitet in Bonn als Sekretärin für den aufstrebenden Politiker Konrad Adenauer. Die intelligente junge Frau beginnt je länger desto mehr, Fragen zu stellen. Zum Missfallen ihrer Mutter und ihrer beiden Brüder will sich Marie auch mit der Rolle ihres eigenen, im Krieg gefallenen Vaters auseinandersetzen, der vor seinem Eintritt in die Arme im Reichssicherheitshauptamt gearbeitet hatte. Als einem guten Freund der Familie in Nürnberg der Prozess gemacht wird, erkennt Marie, dass ihre Fragen dem Stich in ein Wespennest gleichen. Während Vera bei ihren Recherchen in die Kreise des Geheimdienstes vorstößt und in akute Gefahr gerät, deckt Marie nach und nach die Rolle ihres eigenen Umfeldes bei der Vernichtung von Millionen von Menschen auf.

Vielfältige Kombinationen

Claire Winter greift in ihrem Roman Die geliehene Schuld einen interessanten Aspekt auf: Das langsame Erkennen eines jungen Menschens, was die tatsächliche Stellung ihres geliebten Vaters im Gefüge der Kriegsmaschinerie anbelangt. Es ist einer der stärksten Aspekte, die der Roman zu bieten hat. Die Fragen, das erste Begreifen, die Fassungslosigkeit und auch die Enttäuschung, die Marie durchlebt, sind ausgezeichnet heraus gearbeitet und präsentiert. Hier mag man der Autorin auch verzeihen, dass sie der Versuchung nicht widerstehen konnte, Marie ausgerechnet in Kontakt mit einer aus Amerika zurückgekehrten Jüdin zu bringen, die zur engen Freundin wird. Diese Konstellation scheint etwas aufgesetzt, und wäre angesichts der Fülle des Romans nicht unbedingt notwendig gewesen. Auch Veras Kontakte scheinen da und dort etwas zu stark dem Wunsch entsprungen, zusätzliche Spannung in den Roman zu bringen. Die vielfältigen Kombinationen haben zwar etwas an sich, Claire Winter bewegt sich aber dicht am Abgrund.

Ein Roman in kleinen Happen

Um ihre Geschichte zu erzählen, hüpft die Autorin intensiv zwischen den Charakteren und den verschiedenen Zeitpunkten hin und her. Obwohl stets klar ist, wo sich der Leser gerade bewegt, sind die Sprünge manchmal etwas anstrengend und hemmen den Lesefluss. Die verschiedenen Schauplätze werden oft in so kleinen Happen serviert, dass es schwierig wird, sich in die jeweilige Situation zu vertiefen, bevor man unvermittelt wieder in eine andere Zeit und zu anderen Menschen katapultiert wird. Dass die Zeitenebenen alle innerhalb weniger Monate liegen, macht die Sache schwer zu fassen und fordert vom Leser das stetige Bewusstsein ein, an welchem Punkt der Geschichte man sich gerade befindet. Die teilweise sehr kleinen Sequenzen drücken auch etwas auf den Spannungsbogen.

Lehrreich aber nicht belehrend

Mit ihrem Roman vermittelt Claire Winter ein Wissen, das gerade den weit nach dem Krieg geborenen Generationen weitgehend fehlt. Die Autorin spiegelt eine Welt, in der durch das Kriegsende nicht plötzlich alles ganz anders ist: Die Zimmerwirtin mit ihrer latenten Judenfeindlichkeit ist ebenso symptomatisch, wie Maries Brüder, die auf die Nachfragen ihrer Schwester mit Aggression reagieren und ihr vorwerfen, das Andenken ihres Vaters in den Schmutz zu ziehen. Trotz vieler negativer Aspekte zeigt der Roman aber auch die Kraft der Menschen in den Nachkriegsjahren auf, die damit beginnen, neben den Trümmern auch ihre Geschichte aufzuarbeiten. Oder sich ihrer Verantwortung zu entziehen, indem sie sich nicht mehr zu ihren ehemaligen Taten bekennen. Insofern ist Die geliehene Schuld nicht nur eine spannende und in angenehmer Sprache erzählte Geschichte, sie ist auch lehrreich, ohne je belehrend zu wirken.

Ihre Meinung zu »Claire Winter: Die geliehene Schuld«

-LENA- zu »Claire Winter: Die geliehene Schuld«28.03.2018
Der Roman spielt in der Nachkriegszeit, den Anfängen der Bundesrepublik und dem Beginn des kalten Krieges . Mit ihrer Recherche stoßen Jonathan und Vera, die beiden Journalisten, in ein Wespennest. Die Ergebnisse sind so brisant,dass ein bestimmter Personenkreis unbedingt verhindern will, dass davon etwas an die Öffentlichkeit gerät.
Muß man sich schuldig fühlen für die Verbrechen, die begangen wurden oder macht man einen Schnitt und blendet das Geschehene aus? Bei Marie kann man diese Gewissenskonflikte sehr gut nachempfinden.

Durch den spannenden Handlungsablauf mit den wechselnden Perspektiven, den Protagonisten und wie gefährlich die Nachforschungen sind versteht es die Autorin den Leser mitzunehmen. Obwohl vieles zwischenzeitlich bekannt ist, geht es einem wie Vera, die diese unglaublichen Vorgänge nicht fassen können.
Claire Winter hat hier über ein dunkles Kapitel der Nachkriegsgeschichte geschrieben, das erst Jahrzehnte später wissenschaftlich aufgearbeitet wurde.
Ein lesenswerter, sehr interessanter Roman, den man nur empfehlen kann.
Sagota zu »Claire Winter: Die geliehene Schuld«23.03.2018
"Die geliehene Schuld" von Claire Winter ist bereits ihr drittes Buch, das im Diana-Verlag veröffentlicht wurde: Anders als die Vorgänger, nicht eben ein "Wohlfühlbuch", dafür aber eine absolut spannende und heute noch brisante, immer aktuelle Geschichte um Geheimdienste, kriminelle Machenschaften und Geschehnisse jenseits der Legalität, die man als "Normalbürger" oft gar nicht mitbekommt, sind die Themen des neuen Romans von Claire Winter, auf den ich schon sehnsüchtig wartete - und der meine Erwartungen absolut erfüllen, ja fast übertreffen konnte! Der wundervolle, außergewöhnliche Schreibstil der Autorin macht die thematische Düsterkeit, mit dem der Roman aufwartet (begonnen mit dem Jahr 1945, Übergangsjahre, 1948 und Folgejahre, als die Bundesrepublik Deutschland, wie wir sie heute kennen, aus der Taufe gehoben wurde - nach einem sehr dunklen Kapitel deutscher Zeitgeschichte, wett - und man versinkt wie in einer Zeitreise in den deutschen Nachkriegsjahren....


"Berlin, Sommer 1949:
Die Redakteurin Vera Lessing hat während des Zweiten Weltkrieges ihre Eltern und ihren Mann verloren. Sie will vor allem eines - die traumatischen Erlebnisse für immer hinter sich lassen. Doch als ihr Jugendfreund und Kollege Jonathan auf mysteriöse Weise ums Leben kommt, wird sie unweigerlich in seine Arbeit hineingezogen. Jonathan hat Recherchen über ehemalige Kriegsverbrecher betrieben. Gleichzeitig stand er im persönlichen Kontakt mit einer jungen Frau namens Marie Weißenburg, einer Sekretärin im Stab Adenauers. Vera geht den Spuren nach, die sie bis in die mächtigen Kreise der Geheimdienste führen."
(Quelle: Klappentext, Diana-Verlag)

Meine Meinung:

Ich bin seit über 10 Jahren ein großer Fan der Autorin, die auch hier in "Die geliehene Schuld" wiederum ihr ganzes schriftstellerisches Können zeigt: Zu den Hauptcharakteren zählen Vera Lessing, die seit Kindertagen eng mit Jonathan befreundet ist und ihr später bei der Zeitung "Echo", wo er als Journalist arbeitet, ebenfalls einen Job besorgen kann, wo sie im kulturellen Teil der Zeitung Artikel schreibt. Jonathan begibt sich durch seine Recherchen, die ihn zu Kreisen führen, in denen es ehemaligen Nationalsozialisten gelingt, Wege zu finden, auch nach dem Kriege dort anzuknüpfen, wo sie beruflich bereits im Dritten Reich erfolgreich waren und sich dies zunutze zu machen wissen: Er kommt dabei Männern auf die Spur, die - offiziell verschwunden von allen Listen - ihr Leben, auch ihr berufliches, an einer Stelle weiterführen können, die ihr Wissen für sich zu nutzen versteht. Niemand ist daher daran interessiert, dass die wahren Fakten, die der geradlinige Demokrat und Journalist Jonathan sammelt, jemals veröffentlicht werden: Im Gegenteil, es gilt, dies auf jeden Fall zu verhindern - und sei es, in dem man Leute ausschaltet und es - rein offiziell - wie einen Unfall aussehen lässt....

Claire Winter, die diesen Roman akribisch recherchiert hat und selbst dem Journalismus beruflich entstammt, gelingt es sehr überzeugend, die Nachkriegsjahre und die Zeit des beginnenden "Kalten Krieges", in der Deutschland in die Zonen der 4 Besatzungsmächte aufgeteilt war und die Bevölkerung noch sehr unter den Nachwirkungen des Krieges litt, die früheren Wehrmachtsangehörigen eines Entnazifizierungsprogrammes (zurecht, wie ich meine!) unterzogen wurden, wieder auferstehen zu lassen: Sie webt ein feines Netz zwischen den verschiedenen ProtagonistInnen, die der Leser immer besser kennenlernt und sich mit ihnen gut identifizieren kann; auch die Nebendarsteller wie Leo, andere Informanten, die Vera helfen, die Recherchen ihres Freundes Jonathan fortzusetzen und sie schützen, da sie sich in Lebensgefahr damit begibt, sind sehr authentisch dargestellt.

Rätselt man anfangs, ob dieser oder jener Person zu trauen ist, eben genau so, wie es Vera ergangen sein muss, klärt sich nach und nach auf, wer Freund - und auch, wer Feind ist. Besonders gelungen und den Spannungsbogen von der ersten bis zur letzten Seite haltend, sind dabei die sanften Übergänge der Handlung, die ineinandergreifen und ein Merkmal schriftstellerischer Größe von Claire Winter sind, trotz Zeitsprüngen immer die Authentizität zu wahren. So bewegen sich die Personen, die um Jonathans Recherchen kreisen, immer mehr aufeinander zu - auch Marie Weißenburg, die den Journalisten in Bonn kennenlernt, ist sehr authentisch und exemplarisch dargestellt - man kann ihr nur eine schöne Zukunft mit Jonathan wünschen: Dass sie das Herz am rechten Fleck hat, beweist ihr Verhalten gegenüber Lina, die sie in Nürnberg kennenlernt, wo die Nachkriegsprozesse stattfanden
und beide Frauen sich miteinander anfreunden; mit weittragenden Folgen...

Der Roman transportiert auf sehr eindringliche Weise die Themen Nachkriegszeit, Geheimdienste, Journalismus im "Kalten Krieg", die Rolle der Alliierten und auch der Kirche, die diese beim Untertauchen können einstiger Nazigrößen de facto spielten, Menschen, die skrupellos und kaltblütig vorgehen, um ihre Interessen zu schützen; aber auch von Freundschaft, Liebe, Aufrichtigkeit, Familiengeheimnissen, Loyalität und der veränderten Rolle der Frau, die nach dem Zweiten Weltkrieg erstmals die Chance bekam, beruflich aktiv zu werden und damit auf eigenen Beinen stehen zu können, sind weitere Inhalte dieses sehr gut umgesetzten zeitgeschichtlichen Romans, den ich sehr gerne gelesen habe und für den ich der Autorin wie auch dem Diana-Verlag für die Publikation meinen Dank als Leserin ausspreche! Ein weiteres Plus empfand ich durch die Karte im Buchdeckel, die die Aufteilung der Zonen - mit Berlin im Sonderstatus - zeigt, das Personenregister und den Anhang der Autorin über Wahrheit und Fiktion mit weiteren Literaturhinweisen, die zu Selbstrecherchen motivieren.

Fazit:

Emotional, spannend, aufwühlend - ein historisches Stück Zeitgeschichte, das noch in die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland hineinweist und zeigt, wie weit Menschen und auch Organisationen, hier die Geheimdienste, gehen, um "so manches nicht publik werden zu lassen". Damit ist es für mich auch ein weiterer "literarischer Stolperstein", der den Leser wachsam entlässt - nach spannenden Lesestunden und einem Einblick in die schwierige Nachkriegszeit. Ich vergebe die volle Punktezahl auf der "Histo-Couch" und 5 Sterne am Bücherfirmament, verbunden mit der Vorfreude auf den nächsten Roman von Claire Winter!
Kessi67 zu »Claire Winter: Die geliehene Schuld«22.03.2018
"Die geliehene Schuld" von Claire Winter ist eine erschütternde und zugleich berührende Reise in die Vergangenheit der deutschen Geschichte.

Vera Lessing ist im Jahr 1949 schon einige Zeit Redakteurin in der Berliner Zeitung " Echo". Ihr Jungenfreund Jonathan , ebenfalls in diesem Verlag als Journalist tätig, war bei seinen Recherchen zu seinem neuen Artikel, auf eine unfassbare Spur gestoßen.
Vera, die im Krieg ihre Eltern, Ehemann und ihr ungeborenes Kind verloren hat, hatte in Jonathan nicht nur einen engen Freund, er war auch ihr engster Vertrauter. Er stand ihr in jeder Lebenslage bei und hat sie unterstützt, all das schrecklich Erlebte zu verarbeiten und hinter sich zu lassen um in ein neues Leben zu starten.
Nun jedoch lebt er nicht mehr, denn er kam auf mysteriöse Weise ums Leben. Kurz vor seinem Tod hat er eine Akte an Vera geschickt. In dieser befinden sich viele Hinweise zu seinen Recherchen. Er hat eine letzte Bitte an Vera. Sollte ihm etwas zustoßen, muss sie unbedingt die Öffentlichkeit wissen lassen, was er entdeckt hat. Dies , dass darf sie nie dabei vergessen, soll sie nur unter absoluter Vorsichtig tun.
Was hat Jonathan da nur aufgedeckt, dass er sich in solch eine Gefahr begeben hat?
Hin und her gerissen kommt sie zu dem Entschluss, dass sie es Jonathan schuldig ist, seinen letzten Wunsch zu erfüllen. Damit begibt sie sich auf dünnes Eis und in Lebensgefahr.
Bald und völlig unverhofft, hat sie jemanden an ihrer Seite, der sie aus ganz eigenen Interessen unterstützen wird.
Kann und werden sie diesen gefährlichen Weg bis zum Ende gehen? Und wie gehen sie mit all den unglaublichen Wissen um, welches sie bei ihren Recherchen aufdeckt.
Wie weit liegen Professionalität, Gefühl und Liebe auseinander?

Meine Meinung:
Ich kann meine Empfindungen für diesen tollen Roman kaum in Worte fassen, so emotional hat er mich mitgerissen. Keine Ahnung wie oft ich beim Lesen das Wort "unglaublich" in meinem Kopf hatte, so unfassbar waren die auf Tatsachen beruhenden Hintergründe die zur Geschichte gehören.
Claire Winter macht es einem mit ihrem lebendigen und bildlichen Schreibstil nicht schwer in die Zeit von 1949 einzutauchen. Es gibt zwei Erzählstränge die nur ein paar Monate auseinander liegen. Der eine handelt von Jonathan bei seinen Nachforschungen für seinen Artikel, bis zu seinem Tod. Und der andere von Vera , bei ihren aktuellen Ermittlungen.
Man spürt die Hingabe und mit wieviel Herzblut die Autorin diesen Roman geschrieben hat. Mir hat gefallen das ganz unmerklich eine wachsende Liebe mit den historischen Hintergründen vermischt wurden. Und nicht zu vergessen, die enorme Spannung, die den gesamten Roman begleitet hat.
Nicht nur Vera und Jonathan sind mir ans Herz gewachsen, es gibt noch einige interessante und liebenswerte Protagonisten. Aber auch solche, die meine volle Verachtung verdient haben, so schockiert war ich über dessen Werdegang während der Kriegs- und Nachkriegszeit.
Von mir eine absolute Leseempehlung. Liebe, Hass, Unglaubliches und vieles mehr, alles in diesem Roman vertreten.
Mohnblume zu »Claire Winter: Die geliehene Schuld«13.03.2018
Zwei Frauen auf der Suche nach der Wahrheit und Gerechtigkeit
VON ARIETTA
Inhaltsangabe:

Berlin, Sommer 1949: Die Redakteurin Vera Lessing hat während des Zweiten Weltkrieges ihre Eltern und ihren Mann verloren. Sie will vor allem eines – die traumatischen Erlebnisse für immer hinter sich lassen. Doch als ihr Jugendfreund und Kollege Jonathan auf mysteriöse Weise ums Leben kommt, wird sie unweigerlich in seine Arbeit hineingezogen. Jonathan hat Recherchen über ehemalige Kriegsverbrecher betrieben. Gleichzeitig stand er im persönlichen Kontakt mit einer jungen Frau namens Marie Weißenburg, eine Sekretärin im Stab Konrad Adenauers. Vera geht den Spuren nach, die sie bis in die mächtigen Kreise der Geheimdienste führen.

Inklusive aufklappbarem Lesezeichen mit Personenverzeichnis


Zur Autorin:

Ich kann nur sagen WOW, was für ein Roman, ein regelrechter Polittriller, Liebes- und Familiengeschichte. Ihre beiden Vorgänger haben mich ja schon begeistert, aber mit diesem „ Die geliehene Schuld“ möchte ich sagen hat sie sich selbst übertroffen. Ihr Schreibstil ist flüssig, klar, kraftvoll und sehr mitreißend, man wird beim lesen in die Geschichte mit hin Involviert, ein Teil ihrer Protagonisten. Alles ist so lebendig und bildhaft beschrieben und hervorragend recherchiert, ihr scheinen die Worte nur so aus der Feder zu fließen. Ihre Figuren und deren Charaktere sind facettenreich gezeichnet, ebenso hat sie Fiktion und wahren realen Hintergrund sehr gut miteinander verwoben. Mir war nie so richtig bewusst wie die Alliierten, die katholische Kirche und das internationale Rote Kreuz mit den Illegalen Flüchtlingsrouten nach Italien, der Immigranten und Nazis verwickelt waren und diese Nazis deckten, ihnen eine neue Identität gaben.

Die Kirche aus Angst gläubige Schäfchen zu verlieren, die Alliierten an die Russen. Mich hat die ganze Geschichte sehr erschüttert und einen Faden und bitteren Beigeschmack hinterlassen. Das man die Bevölkerung so betrogen hat. Das alles unter dem Deckmantel Gerechtigkeit, das man heimlich den Nazis Tür und Tor öffnete, sie wieder führende Posten übernahmen, wie zum Beispiel Gehlen, der sogar Präsident des Bundesnachrichtendienstes wurde. Das hinterlässt bei einem Gänsehaut.


Zum Inhalt:

Sehr gut gefielen mir die zwei Frauen Vera die Journalistin beim Echo in Berlin, Marie Senkrätin im Amt von Adenauer. Die beiden verbindet vieles besonders Jonathan Jacobsen, der als Journalist beim Echo tätig ist ein Jugendfreund von Vera und der Verlobte von Marie. Beide müssen mit dem Verlust von Jonathan fertig werden, der durch einen mysteriösen Unfall starb. Er recherchierte an einer sehr brisanten Sache, den Illegalen Flüchtlingswegen und den Lagern, und ist manchen auf die Füße getreten. Vera in ihrer Trauer, und Wut verbissen möchte Jonathans Vermächtnis zu Ende bringen und bringt sich und andere in große Gefahr. Ich habe sie für ihre Tapferkeit, Mut und Stärke verbunden , wie sie für die Wahrheit kämpfte. Auch Marie ist in die Geschichte mit reingezogen, bei ihr war es der Auslöser der Nürnberger Prozesse, auch möchte sie mehr über die Rolle die ihr gefallener Vater Hermann Weißenburg im Reichssicherheitshauptamt spielte in Erfahrung bringen, dabei hat ihr Jonathan geholfen. Ob die zwei Frauen es schaffen werden, die Wahrheit ans Licht auszuzehren, scheint fraglich. Da ist noch Maries Onkel Karl Huttner, der eine dunkle Rolle spielt, ebenso Maries Mutter und ihre Brüder, sie fühlt das sie etwas verschweigen.
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