Die eiserne Krone von Christoph Hardebusch

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2015unter dem Titel „Die eiserne Krone“,, 496 Seiten.ISBN 3805250657.

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Kurzgefasst:

Frühsommer 1451: Lukas, der Bastard des Ritters Johannes aus Eschwege, ist zufällig in die Fänge von Piraten aus dem Maghreb geraten und sieht als Galeerensklave dem sicheren Tod entgegen. Aber dann bricht vor der Küste Zyperns ein Sturm aus. Lukas kann sich und sogar noch den jungen osmanischen Adeligen Selim retten. Der schickt ihn zum Dank als freien Mann nach Konstantinopel. Doch die Zeiten sind unruhig, und ein alter Konflikt spitzt sich zu: Das osmanische Reich unter Mehmed II. will den Thron der Welt erobern. Bald fallen die Stadtmauern. Im größten Kriegschaos deckt Lukas eine Verschwörung gegen den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches auf. Jetzt ist sein Leben in Gefahr...

Das meint Histo-Couch.de: „Die Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen“65

Rezension von Carsten Jaehner

Im Jahr 1451 findest sich der Ritterbastard Lukas auf einer Sklavengaleere wieder, wo er mit im Schiffsbauch sitzt und rudern muss. Während eines Sturms kann er den jungen Adligen Selim retten, der ihn zuvor von den Ketten befreit hat. Er wacht in einem Bett auf, dass sich auf Zypern befindet und das dem Onkel von Alexia gehört, der Verlobten von Selim. Sie kümmert sich aufopferungsvoll um Lukas und dieser tritt als Dank für die Pflege in die Dienste des Onkels ein.

Lukas wird als Begleiter Alexias nach Konstantinopel geschickt, derweil der Sultan des Osmanischen Reiches, Mehmed II., plant, Konstantinopel zu erobern. Lukas ist von Konstantinopel beeindruckt und lernt verschiedene Menschen kennen, die ihm unterschiedliche Sichtweisen auf die Stadt aufzeigen. Die Stadtmauer beispielsweise ist alt und mächtig, aber baufällig und vielleicht nicht unbedingt geeignet, einem Angriff von See aus oder von Land aus Stand zu halten.

Während Mehmed seien Truppen gen Konstantinopel schickt, gerät Lukas in die Verteidigung der Stadt und beginnt eine Liebesgeschichte mit Alexia, die sich ebenfalls in ihn verliebt hat. Kann Konstantinopel dem Angriff der Osmanen entgegenhalten, und hat die Liebe von Alexia und Lukas eine Zukunft?

Gemischstes Histo-Debüt

Mit Die eiserne Krone legt Christoph Hardebusch, der sonst eher für seine Fantasy- und Trolle-Romane bekannt ist, seinen ersten historischen Roman vor, den er vor der Kulisse der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 spielen lässt. Dies tut er anhand des Schicksals des jungen Lukas, der auf der Suche nach der Lösung eines Rätsels aus seiner Vergangenheit ist, das aber zunächst überhaupt keine Rolle spielt.

Hardebusch beschreibt mit viel Fantasie und schönen Worten die Stadt Konstantinopel, den heimlichen Hauptdarsteller des Romans. Er kennt sich aus in den Vierteln, architektonischen Gegebenheiten, Stärken und Schwächen der Stadt und schafft es, dem Leser den Geruch der Stadt in die Nase zu pflanzen. Das menschliche Gewimmel in den Strassen wird gut erfasst, man fühlt sich vor Ort und mitgenommen in diese exotische Welt, die hinter jeder Ecke etwas völlig neues bietet.

Dies gilt auch für die Religionen, die in dieser Stadt aufeinander treffen. Man kann sich nie sicher sein, welcher Religion der Mensch angehört, der einem gerade gegenüber steht, wenn man sich nicht gerade in religiösen Gruppierungen oder Zirkeln aufhält. Dass man mehr gegeneinander als miteinander lebt, mag auch ein Grund dafür sein, dass man sich nicht einig ist, wie man dem angreifenden Feind gegenübertreten soll.

Zarte Liebesgeschichte

Durch all die Beschreibungen und Gegebenheiten verliert der Autor gelegentlich den Kontakt zu seinem Hauptcharakter Lukas. Dessen Geschichte wird mysteriös aufgebaut, er ist auf der Suche nach Dingen aus seiner Vergangenheit, aber irgendwie geht es letztlich gar nicht darum, zumindest kümmert es den Autor nicht, ob dieses Ziel erreicht wird. Wird es zwischendurch (selten genug) mal wieder erwähnt, hat man es schon wieder vergessen gehabt.

Mehr im Vordergrund steht seine Verbindung zu Alexia, in die er sich verliebt hat und die aber mit Selim verlobt ist, den Lukas einst beim Schiffsbruch rettete. Sie ist ihm versprochen, doch er ist irgendwie nie da und auch kein Thema für Lukas, und so scheint diese Verbindung auch nicht gut durchdacht, denn aufkommende Probleme werden hier durch Abwesenheit des Konkurrenten und auch langzeitiges Nichterwähnen einfach weggeschwiegen. So geht es also auch.

Falscher Klappentext

Wer in dem Roman die auf dem Klappendeckel angepriesene gefährliche Verschwörung sucht, der braucht das Buch erst gar nicht in die Hand nehmen. Ein weiteres Beispiel dafür, dass Verlage irgendwelche Klappentexte schreiben, die nichts mit dem Inhalt zu tun haben und somit eher dafür sorgen, dass man Bücher aus dem Verlag argwöhnischer betrachten sollte. Diese geringe Sorgfalt den Lesern gegenüber sollte viel mehr publik gemacht werden. Was treibt einen Verlag dazu, einen falschen Klappentext auf das Cover zu schreiben? Vor der Antwort mag einem als Leser bange werden und man muss überlegen, Bücher solcher Verlage künftig zu vermeiden.

Das allerdings täte dem Roman auch wieder Unrecht, denn der Autor kann gewiss nichts dafür, dass sein Inhalt ein anderer ist als der auf dem Buchcover angekündigte. Der Titel des Romans bleibt auch lange schleierhaft und wird nur in einem Nebensatz ansatzweise angedeutet, warum das Buch so heisst. Wer eine Jagd nach einer Krone oder eine Verschwörung um eine solche vermutet, wird enttäuscht werden. Die Ritterrüstung auf dem Cover mag immerhin derjenigen nahekommen, die Lukas in der Schlacht tragen muss.

Prächtiges Konstantinopel

Neben der Romanhandlung enthält der Roman einige Zwischenspiele, kleinen Nebenhandlungen, die allerdings für den Verlauf des Romans nichts zur Sache tun und auch hätten wegfallen können. Überhaupt plätschert der Roman gelegentlich vor sich hin, ohne dass man ein Ziel erkennen könnte. Dass schließlich alles in die Eroberungsschlacht Konstantinopels mündet, ist mehr der Historie an sich als dem dramaturgischen Geschick des Autors geschuldet. War Konstantinopel bis 1453 noch Teil des Byzantinischen Reiches, wurde es anschließend Teil des Osmanischen Neureiches, nachdem es nach zweimonatiger Belagerung schließlich eingenommen wurde. Das hätte spannend beschrieben werden können, leider ergeht sich der Autor aber bisweilen in unwichtigen Nebenschauplätzen. Als es doch zur Schlacht kommt und man vergeblich auf Hilfe wartet, ist man als Leser nicht gefesselt, was aber am Vorlauf liegt, nicht an der Beschreibung selbst.

Christoph Hardebuschs Debütausflug in den Historischen kann alles in allem nur bedingt als gelungen bezeichnet werden. Punkten kann er in seiner Beschreibung Konstantinopels und der Stimmung in der Stadt und bei den Menschen. Die Handlung ist dünn und nicht immer stringent, die Charaktere bleiben größtenteils blass bis neutral, ohne Ecken und Kanten und dem Willen, sich mit ihnen identifizieren zu können.

Leider enthält der Roman keinerlei zusätzliche Anhänge wie ein Personenverzeichnis, eine Karte oder ein historisches Nachwort, anhand dessen man die tatsächliche Geschichte hätte nachvollziehen können. Das ist schade, denn hier wurde ein Roman zu einer Ereignis geschrieben, das eine intensivere Betrachtung verdient hätte und das gerne die komplizierten Verhältnisse besser aufschachteln können. Eine kleine Danksagung am Ende reicht dafür nicht aus.

Schade, hier kann der Autor künftig noch nachbessern und der Verlag sollte seine Einstellung zu seinen Klappentexten überdenken. Leider kein grosser Wurf.

Ihre Meinung zu »Christoph Hardebusch: Die eiserne Krone«

leseratte1310 zu »Christoph Hardebusch: Die eiserne Krone«25.07.2015
Lukas befindet sich auf einer Pilgerreise, als er in die Hänge von Piraten fällt und dann als Sklave auf einer Galeere eingesetzt wird. Dem Adligen Selim verdankt er, dass er nicht mehr angekettet ist, als das Schiff kentert. Er lässt sich an einem Fass durch die Wellen treiben und rettet nun Selim aus den Fluten. Im Hause ihres Onkels pflegt Alexia den schwer verletzten Lukas gesund und er begleitet sie dann nach Konstantinopel.
Der junge Sultan des osmanischen Reiches, Mehmed II, will sein Volk von seinen Fähigkeiten überzeugen und Konstantinopel erobern. Er lässt eine Festung in Sichtweite errichten und bildet ein riesiges Heer. Es droht ein gigantischer Krieg.
Lukas musste sein zu Hause nach dem Tod des Vaters verlassen, weil er nur ein Bastard ist und sein Bruder ihn nicht mehr in seinem Haus duldete. Nun ist er auf der Suche nach seiner Herkunft. Eigentlich hat er keine Anhaltspunkte und mir ist rätselhaft, wie er so etwas herausbekommen will. Er nimmt den Job als Söldling bei Alexias Vater an, weil er der Familie dankbar ist und gerät dadurch in diesen grausamen Krieg. Aber auch seine Gefühle für Alexia halten ihn in Konstantinopel, obwohl er weiß, dass sie Selim versprochen ist.
Der Schreibstil ist gut und flüssig zu lesen. Immer wieder gab es kleine Zwischenepisoden, die nicht alle so von Bedeutung für den Verlauf der Geschichte sind. Aber so wissen wir, wie sich Mehmed auf den Krieg um Konstantinopel vorbereitet.
Als Lukas mit dem Schiff Richtung Konstantinopel anreist, lernt er eine beeindruckende Kulisse kennen. So eine große Stadt hat er noch nicht gesehen. Später muss er dann innerhalb der Stadtmauern feststellen, dass Vieles schon dem Verfall preisgegeben ist. Die Stadtmauer, die schon so alt ist und immer Schutz geboten hat, kann allerdings den modernen Waffen jener Zeit nicht standhalten. Der Kaiser ist nicht gerade ein charismatischer Führer, schon gar nicht in diesen bedrohlichen Zeiten. Die Bewohner der Stadt sind sehr uneins in Glaubensfragen, so dass die gemeinsame Messe, die die Gemeinschaft bestärken soll, das Gegenteil bewirkt.
Lukas ist ein sympathischer junger Mann, der allerdings ein wenig aus der Bahn geworfen ist und seinen eigenen Weg erst finden muss. Da ist Alexia bestimmt eine gute Partnerin, denn sie ist offen, freundlich und mitfühlend. Diese Liebesgeschichte wird allerdings nur recht kurz behandelt im Gegensatz zu den Schlachten, die einen ziemlich großen Raum einnehmen.
Ein spannender historischer Roman.
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