Das Haus Gottes von Charlotte Lyne

Buchvorstellung und Rezension

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Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel „Das Haus Gottes“, , 704 Seiten. ISBN 3-499-24918-9.

Kurzgefasst:

Ein Schiff für den König, ein Geheimnis im Haus Gottes und die Macht einer verbotenen Liebe Portsmouth, 1336. Die tatkräftige Dorothy heiratet den gut aussehenden Symond, Sohn des berühmten Schiffsbauers Aimery Fletcher. Doch schon bald zerbricht ihr Traum vom Glück: Symond entpuppt sich als Taugenichts und Frauenheld. Dorothy muss zusehen, wie sie sich und ihre Kinder über die Runden bringt. Da geschieht eine unfassbare Katastrophe: Die Franzosen legen Portsmouth in Schutt und Asche; es ist der Beginn des Hundertjährigen Krieges. In ihrer Verzweiflung wendet sich Dorothy dem Schwiegervater zu. Aber kann ein Mann ihr helfen, von dem es heißt, er habe seine untreue Ehefrau ermordet?

Das meint Histo-Couch.de: „Intensives Südengland mit
einigen Längen“

von Carsten Jaehner

Im Portsmouth des Jahres 1336 heiratet Dorothy Loyes den gutaussehenden Symond Fletcher, Sohn des berühmten und alten Schiffsbauers Aimery Fletcher. Aus dem Nachbarort Southampton stammend, stellt sie jedoch schon bald fest, dass in ihrer neuen Familie nichts so ist, wie es scheint. Ihr Mann Symond arbeitet nicht und geht lieber zu Prostituierten, anstatt seinem Leben einen Sinn zu geben.

Trotzdem bringt sie Zwillinge zur Welt und schafft es mit Hilfe ihres 20 Jahre älteren Schwiegervaters, ihre kleine Familie über Wasser zu halten. Aimery soll vor Jahren seine Frau umgebracht haben und wird deshalb von allen in der Stadt mehr oder weniger geschnitten. Genannt „der Schwarze“, lebt er neben seinen Schiffen ein eigenes, eigenbrötlerisches Leben. Auch Dorothy fürchtet ihn, ist aber auf andere Weise gleichzeitig von ihm fasziniert.

Als 1337 der Hundertjährige Krieg ausbricht und die Franzosen Portsmouth angreifen, haben alle Familien Tote zu beklagen, auch die Fletchers. Aimery zieht mit in die Schlacht und schafft es, durch seinen Lohn Dorothy und ihre Familie durchzubringen. Als er zurückkehrt, kommt die Pest über das Land. Alles gerät ins Wanken. Während Dorothy und Aimery sich näher kommen, gerät das klösterliche Hospiz vor der Stadt, genannt das „Haus Gottes“, immer mehr in den Fokus der Beteiligten.

Flüssiger Erzählstil

Auf 648 Seiten präsentiert Charlotte Lyne eine Geschichte, die sich über mehrere Jahre erstreckt und in der das Leiden der Menschen kein Ende zu nehmen scheint. Der Vorabend und der Beginn des Hundertjährigen Krieges bilden hier den Rahmen für eine mehr als ungewöhnliche Liebesgeschichte einer jungen strebsamen Frau, die einen Schwächling als Ehemann hat und sich in ihren Schwiegervater verliebt. Dabei wird Dorothy nicht als Heldin dargestellt, hat sie doch stets ihre Familie im Blick und tut was nötig ist, ohne dabei das eigene Gesicht zu verlieren.

Dabei schafft die Autorin durch ihren flüssigen Erzählstil eine Nähe zu den Protagonisten, dass man förmlich die Luft der Zeit riecht und eine Atmosphäre vor dem geistigen Auge hat, wie es nur wenigen Autoren so blendend gelingt. Auch werden die Hauptfiguren alle gut beschrieben, von Dorothy und Aimery bis zu den Händlern wie Gilbert Berkham entstehen Charaktere, die mit beiden Beinen im Leben stehen. Dabei verzichtet die Autorin auf jegliche Schwarz-Weiß-Malerei, jede Person hat ihre Ecken und Kanten und ist nicht nur sympathisch oder unsympathisch. An jeder Figur gibt es etwas zu entdecken, so dass jeder auch irgendwie einem Wandel unterzogen ist.

Hintergrund für all das Geschehen ist ein Südengland, in das in der Mitte des 14. Jahrhunderts nur langsam Nachrichten von außen dringen. Die Doppelstadt am Solent ist strategisches Ziel der französischen Truppen und wird daher nicht nur einmal belagert und angegriffen. Der König erlässt Steuern um Steuern, um sein Heer zu finanzieren, aber wo niemand mehr ist, kann auch eine strategisch wichtige Hafenstadt nicht ausreichend verteidigt werden. Diese historischen Hintergründe bilden das Fundament dieses intensiven Romans und malen dabei ein hervorragendes Bild der Zeit.

Erleichert, aber deswegen auch gleichzeitig erschwert, wird das Lesen dieses Buches durch die Sprache, die gerade am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig ist. Kurz und knapp unterhalten sich die Menschen, manchmal so knapp, dass man die Dialoge nicht versteht. Die Autorin bedient sich älteren Sprachformulierungen, durch die der anfängliche Lesefluss doch ein ums andere Mal ins Stocken gerät und es dauert einige Seiten, bis man sich an den Stil gewöhnt hat. Je länger die Geschichte dauert, desto flüssiger wird allerdings der Stil.

Nach dem Krieg kommt die Pest

Immer wieder werden den Protagonisten unerwartete Steine in den Weg gelegt, und zwischendurch taucht immer wieder der vergessene Ehemann Symond auf, schwach und unnütz und natürlich im falschen Moment. Das ist dramaturgisch recht geschickt gemacht, wie im richtigen Leben, möchte man meinen. Überhaupt kann man sich selbst an vielen Stellen wiedererkennen oder zumindest eigene Handlungsweisen und man kann froh sein, nicht in Dorothys und Aimerys Schuhen zu stecken.

Im dritten Viertel tauchen allerdings einige Längen auf, die dem Leser das Gefühl geben, dass die Handlung auf der Stelle tritt und erst wieder neu in Schwung gebracht werden muss. Das unterbricht den roten Faden, der bis dahin kontinuierlich durch das Buch führte. Doch im letzten Viertel nimmt der Roman wieder an Fahrt auf und das leider in Form der Pest. Einzig Aimerys ewiges Lamentieren bis zum Ende des Buches nervt auf Dauer und wie gerne würde man ihm so manches Mal in den Hintern treten. Auch hierin ist das Tief im dritten Viertel zu begründen.

Gerade hier wird das Leiden der Menschen sehr ausführlich und nah beschrieben, so dass man fast den Geruch selbst in der Nase hat. Allerdings fällt auf, dass alle Personen, die am Ende an der Pest sterben und zufällig gefunden werden, innerhalb der nächsten 24 Stunden in den Armen von jemandem sterben, wenn nicht sogar sofort. Das erscheint doch sehr auffällig und unwahrscheinlich, dass man immer und im letzten Moment kommt, bei aller Tragik.

Bereichert wird das Buch durch einen fünfseitigen Glossar, der die wichtigsten Begriffe, vor allem aus der Seefahrt, erklärt. Was leider fehlt, ist eine historische Einordnung in den realen Gesamtkontext der Zeit. Am schmerzlichsten vermisst wird jedoch eine Karte von Portsmouth, Southampton und dem Solent. Bei allen strategischen Schachzügen, die den Krieg beherrschen, sind geografische Kenntnisse sehr wertvoll, doch ohne Karte für den nicht ortskundigen Leser nicht gut nachvollziehbar.

Was bleibt ist jedoch ein Roman, der an Intensität mit allen Aufs und Abs, seiner glaubhaften Erzählweise und seinen gut gezeichneten Figuren den Leser in eine ereignisreiche Zeit mitnimmt, die ihren Bewohnern viel abverlangt hat. Wer eine außergewöhnliche Liebesgeschichte lesen will, in der es allerdings nicht kitschig wird, sondern wo es eher bodenständig vor sich geht, der macht mit diesem Buch einen sicheren Griff.

Ihre Meinung zu »Charlotte Lyne: Das Haus Gottes«

bine zu »Charlotte Lyne: Das Haus Gottes« 21.09.2010
Ich kann mich den bisherigen Rezensenten leider nicht anschließen, da ich das Buch nach knapp 230 Seiten beendet habe, obwohl mir dieses anfänglich sehr gut gefiel. Der Schreibstil der Autorin ist ist sehr schön, flüssig, poetisch und bildhaft. Die Ereignisse in Portsmouth des 14. Jahrhunderts werden sehr anschaulich erzählt, ich war von Anfang an mitten drin in der Geschichte und dann die große Entäuschung. Die Figuren des Romans: eindimensional, ihr Verhalten für mich unglaubwürdig und nervig.
Dorothy tüchtig, adrett, fromm und naiv beinahe dumm.
Aimery, der Schwarze , häßlich
schweigsam, begnadeter Schiffsbauer, der sich von seinem Vater ständig demütigen und von seiner Schwiegertochter herumkommandieren läßt, ohne Widerworte.
Symond, der schöne, weichliche Jüngling, ein Schatten nicht fassbar, einer der seine Braut erst galant umwirbt, um danach seine Tage und Nächte bei einer monsterartigen Hure zu verbringen (war für mich überhaupt nicht nachvollziehbar) Auch das der junge Mann überhaupt keinem Broterwerb nachgeht und dies von allen anderen Familienmitgliedern einfach so toleriert wird, fand ich mehr als eigenartig.
Ebenso werden die Zwillinge des jungen Paares von Geburt an in zwei Lager geteilt. Der Junge, schön, der Engel seiner Mutter, und das Mädchen: häßlich, schwarz und schreiend.
( sonst nichts?) Einzig die Schwester Agnes, die nicht nur schön, unkeusch, frech und verdorben war, sondern auch einige "nette" Eigenschaften hatte, fand ich wirklich sympatisch, allerdings verschwindet sie recht bald von der Bildfläche. Auch passieren immer wieder "Zufälle", die die Geschichte nicht glaubwürdiger machen. z.B. Als die gefallene Agnes ihrem Schicksal vielleicht noch entfliehen könnte, kommt flugs der Feind des Schwarzen und macht alles zunichte. Schlecht bleibt schlecht und gut bleibt eben gut. Wirklich schade, ich hatte mir von den Flechter´s und ihren Mitstreitern mehr erhofft. Auch wenn die Geschehnisse nie ins kitschige abdriften, so ist doch ein Happy End schon bald abzusehen, die Hindernisse zur gegebenen Zeit beiseite räumend.
Claudia Hötte zu »Charlotte Lyne: Das Haus Gottes« 31.08.2010
Durch einen schönen Zufall lieh mit meine Freundin dieses verdammt dicke Buch. Als ich endlich anfing es zu lesen, konnte ich es nicht mehr fortlegen. Ich mußte mich zwingen, es nach Stunden abzulegen, um mich auf etwas freuen zu können.........
Kein Wunder, daß ich das Buch "Die 12. Nacht" sofort hinterher kaufte und nun werde ich die nächsten 2 auch kaufen. Bitte Frau Lyne schreiben Sie weiter!!! Kein anderer Schriftsteller hat mich mit meinen 52 Jahren so fasziniert, gefesselt, schockiert und erfreut zugleich. Danke
anna191 zu »Charlotte Lyne: Das Haus Gottes« 20.03.2010
Das Buch von Charlotte Lyne hat mich schockiert und andererseits auch fasziniert. Es spielt im 14. Jahrhundert im Südengland zu Beginn des Hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich.
Am Anfang des Buches im Prolog beschreibt die Autorin die Vorgeschichte in sehr knappen Sätzen. Dadurch spürt man ein Gefühl der Kälte, die sofort in den Nacken steigt. Die anfänglich abgehackte Sprache verstärkt nur den Eindruck. Mit dieser Kombination erzeugt Charlotte Lyne eine perfekte Basis für einen spannenden Roman. Im Laufe des Lesens hat man den Eindruck, dass die Sprache immer schöner wird. Man erlebt eine Phase der englischen Geschichte aus der Sicht der fiktiven Protagonisten. Die Protagonisten sind sehr detailreich ausgearbeitet und hier liegt meines Erachtens auch die Stärke der Autorin. Sie verleiht den Personen einen Charakter. Alle sind irgendwie verschieden und doch handeln sie und verhalten sich in bestimmten Situationen identisch. Manchmal ärgert man sich über die Personen und denkt, wie blöd man sein kann. Auf der anderen Seite möchte man sie umarmen und trösten. Der Leser erlebt ein hoch und ein tief der Gefühle. Manchmal denkt man auch über die Situationen und Personen nach, um feststellen zu können, dass es sich genau so abgespielt haben könnte. Besonders die Darstellung der Zeit während der Pest hat mir gut gefallen. Es war bestimmt grausam und langjährig und genau das vermittelt das Buch. Zu Erwähnen sind ebenfalls die makellosen Beschreibungen der Kultur und die Lebensweise der Menschen zu der damaligen Zeit. Viele Bräuche sind heute eingeschlafen, so dass man gerne über die Vorurteile und die Aberglauben aus der damaligen Zeit liest. In meinen Augen ist es auch ein philosophisches Buch, in dem die Protagonisten Ängste haben. Jeden von ihnen plagen andere Ängste, die dazu führen, dass sie in manchen Situationen unerwartet bzw. nicht sinnvoll handeln. Gesunder Menschenverstand kann es nicht nachvollziehen. Wenn man aber sich in deren Lage versetzt hat, merkt man schnell, dass die Handlungen gar nicht so untypisch sind, wie man anfangs noch vermuten könnte.
Mit diesem Buch hat Charlotte Lyne mir unvergessene Lesestunden beschert. Vielen lieben Dank dafür.
Zabou1964 zu »Charlotte Lyne: Das Haus Gottes« 17.05.2009
Mit diesem Roman hat mich Charlotte Lyne ins England des 14. Jahrhundert entführt. In Portsmouth, einer englischen Hafenstadt, lernte ich ihre Figuren sehr schnell kennen und lieben. Mit ihrer fast schon poetischen Sprache hat sie mich sehr schnell in die Geschichte gezogen und ich habe mit Dorothy und Aimery gelebt, gelitten und gehofft.

Jung und blauäugig kommt Dorothy von Southport nach Portsmouth in die Familie Fletcher. Sie heiratet den schönen Symond und ist voller romantischer Hoffnung auf ein harmonisches Familienleben. Doch schon bald muss sie merken, dass Symond alles andere als ein Traummann ist und weder ihr Aberglaube noch alles Werben ihn dazu machen können.
Als die Franzosen die Stadt in Schutt und Asche legen, ist nichts mehr, wie es war. Hunger und Not kommen über die Stadt und Dorothy zeigt ihre Stärke. Sie schuftet und setzt ihre ganze Kraft ein, anderen selbstlos zu helfen. Darüber vergisst sie fast ihr eigenes Leben. Ihr Schwiegervater Aimery versorgt die Familie und, anstatt seinem Traum, ein Schiff zu erbauen, zu folgen, zieht er schließlich in den Krieg. Dann kommt auch noch die Pest über die Stadt und rafft einen nach dem anderen dahin.
Ich muss sagen, dass Charlotte Lyne eine seltene Gabe besitzt. Weder die englische Geschichte noch etwa der Schiffsbau haben mich bisher sonderlich interessiert. Die Autorin erzählt jedoch so interessant und erklärt so genau, dass vor meinem inneren Auge ein Schiff entstand und das Volk am Solent, einer Meerenge, mir sehr schnell ans Herz wuchs.

Früher habe ich besonders schöne Sätze aus Büchern in eine Kladde geschrieben. Bei diesem Buch habe ich zum ersten Mal seit langem bereut, dass ich diese Gewohnheit aus Faulheit abgelegt habe. Viele Zitate wären es wert gewesen, in dieser Kladde zu landen.

Sowohl die Haupt-, als auch die Nebenfiguren, sind sehr emotional beschrieben. Ich habe sie gemocht oder auch gehasst. Meine eindeutige Lieblingsfigur ist John, ein blinder Gehilfe Aimerys. Er sagt als einziger immer die Wahrheit und nimmt nie ein Blatt vor den Mund. So einen Menschen würde ich gerne persönlich kennen. Aber leider ist er nur eine Romanfigur, die mir jedoch schnell ans Herz gewachsen ist.

Wieder einmal hat Charlotte Lyne bewiesen, dass sie wortgewandt und interessant Geschichten erzählen kann. Dieser Roman ist ein absolutes Muss für Freunde gut recherchierter historischer Romane!
trude zu »Charlotte Lyne: Das Haus Gottes« 27.03.2009
Ich gebe zu, das ich, als ich den Klapptext vom Haus Gottes gelesen habe, dachte, das ist nicht das meine. Nicht mein Thema. Aber nach all den positiven Meinungen hier dazu bin ich so neugierig gewesen, das ich es doch unbedingt lesen wollte.
Und es hat mich überzeugt. Ich bin begeistert davon. Das Thema währ zwar immer noch nicht das Meine, aber wie es geschrieben ist überzeugt es einfach.
Die Sprache ist so Bodenständig und doch feinsinnig, wie die Hauptprotagonisten.
Man meint fast die Personen vor sich stehen zu sehn, so detailgetreu sind sie beschrieben. Sie haben Ecken und Kanten und wirken dadurch so lebensecht als würde man sie schon ein Leben lang kennen.
Rixa zu »Charlotte Lyne: Das Haus Gottes« 17.03.2009
Von den drei Buechern, die ich von Charlotte Lyne bisher gelesen habe, meiner Meinung nach mit Abstand das beste.
Lebensechte Figuren, liebevoll ausgearbeitet und stimmungsvoll in Szene gesetzt, die beneidenswerte Stimmgewalt der Autorin und ein Protagonist, den man immerzu in den Arm nehmen und gleichzeitig kraeftig in den Hintern treten moechte (und der, Bezug nehmend auf eine fruehere Rezension, ohne die "Verstuemmelung" gleich nur halb so authentisch gewesen waere!...)

Ich glaube, zu dem Schwarzen und Dottie (oder, wie es ihnen beiden wohl besser gefallen haette, Aimery und Dorothy) werde ich immer und immer wieder gerne zurueck kehren. Es gibt nicht viele Buecher, die mich so mitziehen!
lesemoni zu »Charlotte Lyne: Das Haus Gottes« 29.12.2008
ich habe das Buch gerade beendet.Es hat mir sehr gut gefallen.Die Protagonisten sind einem sehr ans Herz gewachsen .ich habe mitgelitten,gefreut,gebangt und auch geweint.
Da ja schon ein paar Rezensionen hier geschrieben wurden werde ich nun nicht nochmals das gleiche schreiben und mich ganz einfach den anderen anschließen.Ich empfehle unbedingt das Buch zu lesen und einfach nur zu genießen.Ich hab das Buch gestern Nacht angefangen und heute Nacht beendet ,ich glaube das sagt schon alles,oder !!
Margitta zu »Charlotte Lyne: Das Haus Gottes« 28.12.2008
Bisher ist -Das Haus Gottes mein 2 liebstes Buch von dieser Autorin.Es fällt mir sehr schwer es im Kurzen zu beschreiben.Es ist so nahe an den Personen geschrieben,daß mit Ihnen mitfühlen und mitzittern muß.Es läßt einen nicht los und nimmt einen mit in wahrsten Sinn des Wortes.Ich für meinen Teil könnte nicht so verzeihen und es tat mir fast körperlich weh,den Helden so leiden zu sehen.(ich hätte ihm am liebsten geholfen
Fazit-Ich kann ein neues Buch kaum erwarten
Margitta
Keera zu »Charlotte Lyne: Das Haus Gottes« 28.12.2008
Mit ihrem dritten historischen Roman ist Charlotte Lyne wieder ein ganz besonderes Buch gelungen.

Die Geschichte spielt im Portsmouth des 14.Jahrhunderts, das zu dieser Zeit eine noch kleine aber aufstrebende Stadt ist. Die Insellage, die Salzmarschen und natürlich der Solent, der Meeresarm zwischen der Stadt und der Isle of Wight, spielen im Roman neben den menschlichen Protagonisten eine Hauptrolle. Sie prägen das Leben der Menschen, ebenso wie die Umstände, die das Machtstreben und die Herrschaftsansprüche des Königs schaffen. König Edward III ist zu der Ansicht gelangt, dass er einen Anspruch auf den französischen Thron hat, was in der folgenden Zeit zum 100jährigen Krieg führt. Die Stadt Portsmouth versucht sich so gut es geht zu schützen, wird aber dennoch zum Opfer eines französischen Überfalls. Die Männer der Stadt werden Soldaten und kommen gar nicht oder mit seelischen und körperlichen Schäden zurück und der König erhebt immer mehr Steuern, um seinen Krieg zu finanzieren. Dann, als sei all das noch nicht genug, stirbt fast die Hälfte der Bevölkerung von Südengland durch die Pest.

Im Jahr 1336 heiratet die vernünftige und tatkräftige Dorothy den hübschen Symond Fletcher, Enkel eines gut situierten Händlers und Sohn eines bekannten Schiffbauers in Portsmouth. Aber schon bald stellt sich heraus, dass in dieser Familie jeder ganz anders ist, als Dorothy es in der Nachbarstadt Southampton, aus der sie stammt, vermuten konnte. Symond ist schwach, arbeitet nicht und geht lieber zu den Huren der Stadt, als sich ein Leben mit seiner neuen Ehefrau aufzubauen. Die Schwägerin Agnes ist liebenswert, aber ein leichtlebiges und leichtsinniges Mädchen. Der Großvater ist widerwillig Ernährer aller seiner Angehörigen, verachtet jeden in seiner Familie, ist geizig und verfeindet mit seinem Sohn Aimery, Dorothys Schwiegervater. Allen gemeinsam ist, dass sie zutiefst unglücklich und verstört sind.
Allmählich jedoch gewinnt Aimery, den Dorothy zunächst fürchtet und verachtet, mehr und mehr Bedeutung für die junge Frau. Fast jeder in Portsmouth, auch Aimery selbst denkt, dass er 14 Jahre zuvor seine Frau erschlagen hat. Der Schiffbauer ist ein hoch intelligenter, kreativer und sensibler Mensch, dessen Misshandlungen in der Kindheit aber dazu geführt haben, dass er sich selbst und andere völlig verzerrt wahrnimmt und seine Gefühle nicht ausdrücken kann. Zwischen Aimery und Dorothy entsteht langsam eine tiefe Liebesbeziehung. Durch die Lebensumstände und die Traumata, von denen auch Dorothy nicht verschont bleibt, gelingt es den beiden aber sehr lange nicht, ihre Liebe zu leben.

Dann ist da noch das Kloster „Domus Dei“, das Haus Gottes. Es liegt, scheinbar unberührt und wenig Einfluss nehmend, etwas außerhalb der Stadt. Immer wieder aber greift es, oft unbemerkt, in die Leben der Stadtbewohner ein. Erst am Schluss, als es sich endlich den Leiden der Menschen stellt und sich öffnet, kann es zu einem positiven Element auch für die Familie Fletcher werden.

Charlotte Lyne beschreibt die Geschichte der Stadt, ihrer Menschen und die historischen Hintergründe eindringlich, kraftvoll und zugleich poetisch. Man schmeckt die Salzmarschen, und man leidet intensiv mit Dorothy, Aimery, aber auch mit den unsympathischeren Figuren der Geschichte, weil alle Charaktere schlüssig gezeichnet werden. Es ist völlig klar, welche Erlebnisse und Verletzungen einen Menschen zu dem gemacht haben, was er ist. Der Leser lebt mit den Menschen, er leidet und kämpft mit ihnen. Trotz der vielen schlimmen Ereignisse und der vielen verletzten Menschen ist dieses Buch nicht düster und traurig. Die meisten der Menschen haben Kraft und Lebensmut, rappeln sich immer wieder auf und machen weiter.

Etwas ganz Besonderes wird das Buch auch wieder durch Charlotte Lynes Sprache. Zwar will man nicht ständig, wie bei ihrem Buch „Die zwölfte Nacht“ Sätze für die Pinwand herausschreiben, aber auch so kommt die Poesie nicht zu kurz. Eindringliche, passende Bilder, kluge Vergleiche und ein meisterlich Umgang mit der deutschen Sprache machen das Lesevergnügen komplett.
adhara zu »Charlotte Lyne: Das Haus Gottes« 17.12.2008
Bisher mein liebstes Buch von Charlotte Lyne. Ihre Erzählgewalt macht den Leser unvermittelt zu einem Beteiligten. Die Autorin schafft eine so dichte Atmosphäre, dass beim Lesen nicht nur Bilder sondern auch Gerüche und Geräusche aufkommen und die Phantasie beflügeln. Die Protagonisten sind nicht alle sympathisch aber alle stimmig gezeichnet und das eine oder andere Mal kommt das Bedürfnis auf, Aimery in den Arm zu schliessen oder Dorothy Mut zuzuflüstern. Wahrlich ein gelungenes Werkund ein wunderschönes Leseerlebnis.

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