Das Gift der Königin von Carolyn Meyer

Buchvorstellung und Rezension

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Originalausgabe erschienen 1995 unter dem Titel „Mary, bloody Mary“, deutsche Ausgabe erstmals 2001 , 232 Seiten. ISBN 3-596-80471-X. Übersetzung ins Deutsche von Anne Braun.

Kurzgefasst:

Aschenputtel und Herrscherin? Prinzessin Maria, die erstgeborene Tochter von König Heinrich VIII., ist entsetzt, als ihr Vater seine Ehe für ungültig erklären lassen will, um die schöne Anne Boleyn zu heiraten. Damit verliert Maria ihr Anrecht auf den Thron. Maria gibt die Hoffnung nicht auf, dass ihr Vater seine Entscheidung zurücknimmt. Doch das Gift der neuen Königin beginnt schon zu wirken…

Das meint Histo-Couch.de: „;Intrigen und Ränkespiele“;

von Vanessa Brinker

Maria Tudor ist die erstgeborene Tochter von König Heinrich VIII. und seiner Frau Katharina von Aragon. Da Katharina Heinrich keine Söhne gebären kann, steht Maria an erster Stelle der Thronfolge und soll ihrem Vater nach seinem Tod auf den Thron von England folgen. Maria wird zu einer Monarchin erzogen und ihr Vater tut alles Mögliche, um sie standesgemäß zu verheiraten. Doch kurz nach ihrem elften Geburtstag geht eine Wandlung in Heinrich VIII. vor. Plötzlich sieht er vieles anders als bisher und mit seiner neuen Weltanschauung ändern sich nicht nur die Geschicke im Land, sondern auch Marias Leben nimmt dramatische Wendungen.

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus

Das Leben der jungen Maria Tudor ändert sich nicht schlagartig, sondern langsam und stetig. So wird sie als erstes von ihrer Mutter getrennt und muss als 11jährige lernen, mit ihrem Hofstaat und Gefolge ein eigenständiges Leben in einem eigenen Palast zu führen. Die Trennung von der Mutter fällt ihr nicht leicht, doch dank ihrer Erzieherin Lady Salisbury hat sie eine vertraute Person um sich. Zu den hohen kirchlichen Festen und den Familienfeiern wird sie geladen und so sieht sie ihre Eltern in regelmäßigen Abständen, bis die ersten Gerüchte aufkommen: Heinrich habe sich eine Geliebte genommen, die er allen Gepflogenheiten zum Trotz auch in der Öffentlichkeit präsentiert und damit seine Frau und die Königin von England brüskiert. Anne Boleyn, eine der Hofdamen der Königin, ist die neue Favoritin des Königs und versteht es blendend, ihn in ihren Bann zu ziehen und sich selbst damit zu mehr Vorteilen zu verhelfen. Nach und nach schafft es Anne ihre Stellung bei Hofe zu festigen. Blind vor Liebe lässt sich Heinrich von ihr nach ihrem Gutdünken lenken und macht sich damit keine Freunde in seinem Land.

Für Maria spitzt sich die Situation dramatisch zu. Wird ihr erst durch ihren Vater die Möglichkeit auf das Thronerbe genommen, in dem er seinen unehelichen Sohn Fitzroy anerkennt, macht Heinrich ihr ihren neuen Status auch durch Missachtung deutlich. Plötzlich wird Maria nicht mehr ständig an den Hof geladen, dafür treffen immer beunruhigendere Nachrichten bei ihr ein. Sie erfährt, dass Heinrich selbst vor seiner Frau nicht mehr mit Anne hinter dem Berg hält und geht sogar so weit, Katharina öffentlich zu missachten. Seinem neuen Liebesglück versucht er Platz zu schaffen, in dem er sowohl Katharina als auch Maria befiehlt, in entlegenen Teilen des Landes zu leben.

So gehen die Jahre ins Land, in denen Maria zu einer jungen Frau heranwächst und immer neue Demütigungen durch ihren Vater ertragen muss. Kontaktverbot zu ihrer Mutter, keine Einladungen zum Hof und das einstellen der monatlichen Apanagen sind erst der Anfang. Als König Heinrich sich dann auch noch von Katharina scheiden lassen möchte und damit Maria zu einem Bastard erklären lässt, befindet sich das Leben der jungen Tudor an einem Punkt, an dem es nicht mehr tiefer zu gehen scheint.

Jugendbuch für Erwachsene

„;Das Gift der Königin“; von Carolyn Meyer hat den Status eines Jugendbuches. Dabei ist es keineswegs oberflächlich geschrieben, sondern bietet auch dem erwachsenen Leser durchaus größtes Lesevergnügen. Durch die fabelhafte Darstellung der Probleme und Umstände jener Zeit ermöglicht dieses Buch einen interessanten Einblick in das Leben und Leiden der jungen Maria Tudor. Die ausgiebigen Recherchen zu den einzelnen Palästen und Verbannungsorten ermöglichen dem Leser ein intensives Eintauchen in das 16. Jahrhundert.

 

Carolyn Meyer gibt sich viel Mühe damit, in den ersten Kapiteln das Wesen Maria Tudors einzufangen und wiederzugeben. Dass diese Aufgabe keine ganz leichte ist, bemerkt der Leser an den doch etwas zähen ersten Kapiteln des Buches. Hat man diese erst einmal hinter sich gebracht, zieht die Geschichte einen in seinen Bann. Neben den höfischen Intrigen, den Machtspielen zwischen Katharina und Heinrich und später auch zwischen Anne und Heinrich, trifft der Leser auf einige historische Persönlichkeiten der Zeit.

Nicht alles, was man in dem Roman liest, ist authentisch. Ein paar Kleinigkeiten hat die Autorin abgeändert, was aber sicherlich für den Roman und nicht gegen ihn spricht. Die Charaktere sind liebevoll gezeichnet und ihre Handlungen und Taten nachvollziehbar. Dennoch weist das Buch einige kleinen Schwächen auf. Egal was für Demütigungen Maria als Kind und junge Frau einstecken muss, sei es, dass man ihr das Thronrecht abspricht, ihr die eigene Mutter nimmt, sie zuletzt gar zum Bastard abstempelt – sie behält ihr nettes und freundliches Naturell. Selbst als sie als Zofe, also als bessere Dienerin, für ihre Halbschwester arbeiten muss, schafft es Maria dem Kind mit Achtung und Liebe zu begegnen. Dieses Verhalten steht in einem auffälligen Kontrast zu dem, was dem Leser an historischen Tatsachen geläufig ist.

Im Epilog des Buches wird der restliche Lebensweg Maria Tudors grob angeschnitten. Hierbei fällt auf, dass sie als Monarchin und Königin Englands gewisse Parallelen zu ihrem Vater aufweist, der mit jedem Jahr, das er älter, auch grausamer wurde. Natürlich halten sich die Taten Marias in Grenzen und überschreiten auch nicht das Maß, das im 16. Jahrhundert wohl in allen Ländern zu finden war. Doch ist diese Dame auch nicht mehr mit der jungen Frau zu vergleichen, die man im Buch kennen gelernt hat. Für die Entwicklung von Marias Charakter hätte die Autorin in ihrem Buch genug Spielraum gehabt, so dass diese Verfehlung im Nachhinein dem Leser doch sehr ins Auge sticht.

Trotz diesem kleinen Manko ist das Buch lesenswert und vor allem absolut empfehlenswert, wenn man sich mit dem Leben Maria Tudors näher befassen möchte.

Ihre Meinung zu »Carolyn Meyer: Das Gift der Königin«

jordis zu »Carolyn Meyer: Das Gift der Königin« 25.11.2008
Als ich dieses Buch bekam, war ich doch etwas überrascht, ein Jugendbuch in der Hand zu halten. Zu grausam erschien mir das Ende der Anne Boleyn, welches hier plastisch geschildert wird.

Gleichzeitig ist es aber doch dazu angetan, Jugendlichen ein wichtiges Kapitel englischer Geschichte nahezubringen. So können sie sich mit der Protagonistin, Maria Tudor (später Maria, die Katholische) identifizieren, deren Kindheit und Jugend hier aus der Ich-Perspektive geschildert wird.

War die Kindheit der Tochter Heinrich VIII. und Katharina von Aragons noch die einer geliebten und verwöhnten Prinzessin, so ändert sich dies mit dem Tag, an dem Anne Boleyn als Geliebte ihres Vaters die historische Bühe betritt.

Maria wird zur Ausgestoßenen, dem Schloss ihres Vaters verwiesen. Sie wird nicht nur von ihrer Mutter getrennt (und das als Elfjährige!), sondern auch zum Spielball höfischer Ränke. Ging es vorher nur darum, sie möglichst "gewinnbringend" zu verheiraten, so soll sie nun ihrem Vater abschwören, zum Bastard erklärt werden, um so eine neue Thronfolge zu sichern, die sie und ihre Mutter ausschließt.

Als Gipfel der Demütigung wird sie schließlich noch als Kindermädchen der neugeborenen Thronfolgerin Elisabeth (spätere Elisabeth I.) "angestellt".

Der Leser entwickelt eine tiefe Bewunderin dieser starken Frau gegenüber, die schon so früh soviel Leid erfahren musste und damit auch ein gewisses Verständnis für die späteren Grausamkeiten als Königin, die ihr den Titel "Bloody Mary" einbrachten. Auch darüber klärt ein ineressanter Abspann des Buches auf, der mit der Thronbesteigung Elisabeths endet.
toma zu »Carolyn Meyer: Das Gift der Königin« 06.07.2008
Das Buch ist wirklich "schön und anschaulich geschrieben"

Nur stört mich daran GANZ ERHEBLICH, dass Vieles in der Erzählung über das Leben Maria Tudors historisch nicht korrekt ist, sondern sich NACHWEISLICH anders abgespielt hat.
Für ein Jugendbuch, das in jungen Menschen das Interesse für GESCHICHTE wecken soll, mag das angehen.
Da allerdings im Klappentext von "Guter Recherche" die Rede ist, hatte ich mir mehr von diesem Buch erwartet.
Daher nur 65°
Elisabeth zu »Carolyn Meyer: Das Gift der Königin« 09.04.2007
Das Buch ist sehr schön und anschaulich geschrieben. Was ich besonders schön an diesem Buch finde, ist, dass sie über etwas schrieb, das wirklich so, bis auf ein paar Ausnahmen wahrscheinlich, passiert ist. Ich selber habe das Buch schon einmal gelesen und ich bin nun auf der Suche nach einem anderen Historienroman von ihr, weil es mich wirklich gepackt hat. Das Verhalten der Personen in dem Buch ist so gut beschrieben, dass man sich richtig gut hineinversetzen kann.

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